Archive for the ‘Philosophie’ Category

3093: Karl Ove Knausgard – ein „literarischer Pädophiler“ ?

Montag, Oktober 19th, 2020

Karl Ove Knausgard (geb. 1968) ist heute ein weltberühmter Schriftsteller. Insbesondere sein sechsbändiges, stark autobiografisches Hauptwerk „Min Kamp“ (2009-2011), das 4.000 Seiten umfasst, auf deutsch erschienen 2011 – 2017, steht für Knausgards Literatur. Er hat darin kaum Rücksicht auf Frau, Freunde und Familie genommen, weshalb es zu Rechtsstreitigkeiten und heftigen privaten Auseinandersetzungen kam. Knausgard ist zum dritten Mal verheiratet und lebt heute in London. Durch seinen großen literarischen Erfolg konnte Knausgard in internationalen Zeitschriften Essays und Kritiken publizieren. U.a über den norwegischen Terroristen Anders Breivik und über Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“. Von den deutschsprachigen Schriftstellern schätzt er Christian Kracht und Peter Handke.

Inzwischen gibt es einen weiteren literarischen Skandal um Knausgard. Und zwar um seinen ersten Roman „Ute av verden“ (1998), der auf Deutsch erst 2020 erschienen ist („Aus der Welt“). Für diesen Roman erhielt Knausgard den norwegischen Kritikerpreis. Die epische Breite des realistischen Romans sei mit der modernen Haltlosigkeit des Individuums verknüpft worden. Die Kritiker waren des Lobes voll. Als der Roman 2015 in Schweden erschien, bezichtigte die feministische Literaturwissenschaftlerin Ebba Witt-Brattström Knausgrad der „literarischen Pädophilie“. Das Buchcover der ersten Auflage von „Ute av verden“ („Aus der Welt“) ziert das Schwarz-Weiß-Foto eines nackten Mädchens. Wie Adam Soboczynski (Die Zeit, 8.10.20) schreibt, handelte es sich um das Foto eines Spanners. „Man würde heute nicht eine Sekunde zögern, diese Aufmachung als problematisch einzustufen, und ein Verlag würde sie heute auch nicht mehr ohne enormen Reputationsschaden auswählen können. Das Cover passt aber zweifellos zum Plot.“

Knausgard schildert in seinem ersten Roman die Probleme eines verklemmten und unter seinem gefühlskalten Vater leidenden Aushilfslehrers, der einer dreizehnjährigen Schülerin verfällt:

Beim zweiten Mal „ging ich behutsam vor, diesmal war ich ruhig und ängstigte sie nicht, diesmal lief es gut. Der kaum wahrnehmbare Geruch von Schweiß und Seife, der von ihrer Haut ausging, der süße Atem, die weichen Brüste und ihre Hände, die mir durch die Haare fahren, ich kann nicht genug davon bekommen, ich ziehe ihr den Slip aus und lege mich an sie, spüre das befreiende Gefühl ihrer Haut an meiner, das schwache Aroma von Urin, als ich mit der Wange über ihren Schenkel streiche, die nackte, warme Haut, meine Lippen, die sie zärtlich und behutsam küssen, die glatten Haare, die weichen, feuchten Hautfalten. Ihre Augen, die mich ansehen. Die Atemzüge. Das kleine beschmutzte Herz, das in der Brust schlägt und schlägt.“

Was 1998 noch eine „fesselnd reine“ Liebesgeschichte war, veranlasst 2020 den Luchterhand-Verlag dazu, von einer „eigentlich unmöglichen Liebesgeschichte“ zu sprechen.

So ändern sich die Zeiten von 1998 bis 2020.

In seiner Antwort auf die schwedischen Vorhaltungen schreibt Knausgard 2015: „Als Pädophiler bezeichnet zu werden, ist keine angenehme Erfahrung. Ich habe vier Kinder, die ältesten haben angefangen, Zeitung zu lesen, und ich warte nur auf die Frage: Papa, was ist Pädophilie? Warum sagt sie, dass du ein Pädophiler bist.?“

Im Interview mit Adam Soboczynski 2020 bestreitet Knausgard, jemals eine Beziehung zu einer Dreizehnjährigen gehabt zu haben. Und auf die Frage, woher der Wunsch rühre, die Literatur wieder verstärkt unter moralischen Gesichtspunkten zu betrachten, antwortet er nach langem Zögern: „Ich weiß es nicht. Jede Generation hat den Schlüssel zu ihrer eigenen Zeit.“ Habe das nicht, überlegt er, schon Ernst Jünger oder so gesagt?

W.S.: Ausgerechnet! Welch ein Fortschritt.

3090: Der Mörder von Paris hatte Unterstützer.

Sonntag, Oktober 18th, 2020

Der Mörder von Paris ist 2002 in Moskau geboren worden. Er hat russische und tschetschenische Vorfahren und genoss in Frankreich den Flüchtlingsstatus. Er hatte einen 47-jährigen französischen Geschichtslehrer enthauptet, der im Unterricht bei der Behandlung des Themas Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gezeigt hatte. Der Täter war mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet. Vor dem Mord hatte es Drohungen gegen den Lehrer und die Schule (bei Paris) gegeben. Nach dem Mord wurde der Gewalttäter von der Polizei erschossen. Neun mutmaßliche Unterstützer sind verhaftet worden (dpa, FAS 18.10.20).

Ich warte darauf, dass aus dem Kreis muslimischer Geistlicher solche Gewalt- und Mordtaten scharf verurteilt werden.

3089: US-Kongressausschuss attackiert Google, Amazon, Facebook und Apple.

Freitag, Oktober 16th, 2020

Nach einer anderthalbjährigen Untersuchung hat die demokratische Mehrheit im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses einen Bericht über die „großen Vier“ oder „GAFA“ vorgelegt,

Google,

Amazon,

Facebook und

Apple.

Darin werden die genannten Firmen als Monopolisten verurteilt. Allein der Anhang des Berichts, der auflistet, welche Unternehmen die vier Konzerne gekauft haben, umfasst 44 Seiten. Die vier wertvollsten Unternehmen der USA sowie ihre mächtige Stellung im Handel, in sozialen Netzwerken, bei App-Stores und Suchmaschinen haben einen Marktwert von

mehr als fünf Billionen Dollar.

„Unternehmen, die einst Außenseiter-Start-ups waren, die den Status quo herausgefordert haben, sind Monopole geworden, wie wir sie zuletzt in der Ära der Ölbarone und Eisenbahn-Tycoons gesehen haben.“ Im Juli 2020 hatte das Repräsentantenhaus per Videoschalte die Firmenchefs

Jeff Bezos (Aamazon),

Tim Cook (Apple),

Mark Zuckerberg (Facebook) und

Sundar Pichai (vom Google-Mutterkonzern Alphabet)

vorsprechen lassen. Das Problem der Kampagne für ein neues Kartellrecht ist, dass in den USA der Leitgedanke gilt, dass Monopole nur dann ein Problem sind, wenn sie den Konsumenten schaden. Die aber nutzen intensiv die Angebote der Firmen.

Die Demokraten wollen zeigen, dass ihr Verständnis für den freien Markt bei der Konzentration von Macht und Geld im IT-Sektor aufhört. Einige Republikaner haben weniger Interesse an Wettbewerbspolitik. Sie versuchen, die Debatte auf Fragen der Meinungsfreiheit zu verengen. Sie behaupten – wie Donald Trump – eine angeblich einseitige „Zensur“ konservativer und rechter Inhalte durch Facebook und Google.

Der Ausschuss-Bericht trägt die Handschrift des demokratischen Abgeordneten David Cicilline, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Wettbewerbsrecht, und seinem Team: „Ich bin voller Hoffnung, dass wir, wenn Joe Biden im Weißen Haus sitzt, endlich diese Monopol-Situation beenden und ein freies und offenes Internet wieder herstellen können.“ (Jannis Brühl, SZ 8.10.20)

3088: Wurde Anis Amri von einem arabischen Clan unterstützt?

Donnerstag, Oktober 15th, 2020

Der Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin 2016 von Anis Amri tagt seit März 2018. Mittlerweile hat sich ein ehemaliger V-Mann des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern gemeldet und behauptet, bei seinem Anschlag sei Anis Amri von einer arabischen Großfamilie in Neukölln unterstützt worden. Aus der Familie sei Unmut darüber geäußert worden, dass es nicht mehr Tote gegeben habe. Anscheinend sind nicht alle Erkenntnissse des V-Manns an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet worden. Insofern sind die kriminellen Hintergründe des Attentäters Anis Amri bislang nur unzureichend aufgeklärt. Die linke Bundestagsabgeordnete Martina Renner fordert: „Wenn das Ziel die Aufklärung des schwersten dschihadistischen Terroranschlags ist, müssen die Verantwortlichen jetzt handeln.“ (Florian Flade, SZ 15.10.20)

3087: Antisemitismus bei Karl Marx

Mittwoch, Oktober 14th, 2020

Karl Marx (1818-1883) ist ein großer Gesellschaftstheoretiker, der Begründer der politischen Ökonomie und Erfinder der Klassenanalyse und des historischen und dialektischen Materialismus. Er ist mitverantwortlich dafür, dass auf der Basis der Schriften seiner Adepten Wladimir I. Lenin (1870-1924) und Joseph W. Stalin (1878-1953) der real existierende Sozialismus errichtet werden konnte. Mit dem Höhepunkt des Stalinismus (1929-1956), eines terroristischen Systems des Massenmords.

Marx, der aus einer ursprünglich jüdischen Familie stammte, hat sich auch antisemitisch geäußert. Etwa in seiner Schrift „Zur Judenfrage“ (1844), in der er sich mit Beiträgen von Bruno Bauer auseinandersetzt. U.a. heißt es da:

„Welches ist der weltliche Grund des Judenthums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“

Hannah Arendt zählt Marx‘ „Zur Judenfrage“ in ihrer zentralen Schrift „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) zum „Antisemitismus der Linken“.

3086: Stahlknecht (CDU) schürt Antisemitismus.

Dienstag, Oktober 13th, 2020

In der „taz“ (9.10.20) interviewt Konrad Litschko den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung (seit 2018), Felix Klein, zum rechtsextremistischen Terrorangriff von Halle vor einem Jahr.

Litschko: Gerade beförderte selbst Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) Antisemitismus, indem er auf Einsatzzeiten von PolizistInnen vor jüdischen Gebäuden verwies, die anderswo fehlten.

Klein: Juden als privilegierte Menschen hinzustellen, für die Maßnahmen auf Kosten der Allgemeinheit ergriffen würden, schürt tatsächlich Antisemitismus. Es geht nicht, dass Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Leider brauchen jüdische Gemeinden eine erhöhte Sicherheit, aber das liegt doch nicht an den Juden, sondern an der Bedrohung gegen sie. Und der Staat hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie ihre Religion uneingeschränkt ausüben können. Ich finde, er muss dafür auch 100 Prozent der Sicherheitskosten tragen. Denn es geht hier um ein Grundrecht.

3085: Die Menschen vertrauen den Mainstream-Medien.

Dienstag, Oktober 13th, 2020

Eine repäsentative Untersuchung von InfratestDimap im Auftrag des WDR ergibt, dass die Menschen in Deutschland den Medien vertrauen. Mehr als zwei Drittel von ihnen. Besonders hohe Vertrauenswerte von mehr als 80 Prozent erhält der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Seriöse Tageszeitungen (SZ, FAZ, FR, Welt, Tagesspiegel u.a.) erhalten 74 Prozent. Den Straßenverkaufszeitungen hingegen glaubt man nicht. Trotzdem dürfen wir deren Einfluss nicht unterschätzen.

Zweifel an der Unabhängigkeit der Medien gibt es trotzdem. Mehr als ein Drittel der Befragten glaubt an politische Einflussversuche. Im Westen 33 Prozent, im Osten 60 Prozent. Das liegt daran, dass das Misstrauen von der alten entmachteten Elite (SED, Blockparteien, FDGB, GST u.a.), die in der DDR nur

Propaganda und Agitation

kannte, und heute von AfD und Pegida geschürt wird.

Der Bundesregierung vertrauen 61 Prozent. Dem Bundestag 57 Prozent. Das liegt daran, dass dort immer auch meine politischen Gegner auftreten. Der Polizei vertrauen 84 Prozent der Befragten (Moritz Fehrle, SZ 13.10.20).

Das sind gute Werte, die beruhigen.

Trotzdem müssen wir einfachen Demokraten uns zu Wort melden, sonst kriegen die Verschwörungserzähler, die schief gewickelt sind, zu viel Einfluss.

Natürlich kommen auch Fehler vor. Etwa bei den Pandemie-Bekämpfung. Die Beherbergungsverbote in Deutschland sollten morgen abgeschafft werden!

3084: Pistorius (SPD) will Rassismus-Studie bei der Polizei.

Dienstag, Oktober 13th, 2020

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) widerspricht Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der eine wissenschaftliche Studie über den Rassismus bei den Sicherheitskräften ablehnt. Pistorius möchte möglichst viele Bundesländer gewinnen, dafür will er sich auf der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern Anfang Dezember einsetzen. Pistorius sagte der „Rheinischen Post“: „Offensichtlich gibt es immer wieder Glutnester antidemokratischen Verhaltens, die wir schnell erkennen und ersticken müssen.“ (dpa, SZ 13.10.20)

Boris Pistorius hat recht.

3083: Ludwig Marcuse – ein „kalter Krieger“ ?

Montag, Oktober 12th, 2020

Als Student 1968 hatte ich Ludwig Marcuse (1894-1971) in einem Fernsehinterview mit Marcel Reich-Ranicki kennengelernt. Er hatte mich schwer beeindruckt. Und danach habe ich sehr vieles von ihm gelesen. Am liebsten

„Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie.“ Frankfurt am Main und Hamburg (Fischer) 1960/1968, 326 S.

Wie man dadurch wird, das können Sie hier ja kennenlernen. In einem Brief an Robert Neumann vom 11.10.1962 kommt Marcuse darauf zu sprechen, dass er ein „kalter Krieger“ sei. Er schreibt:

„Bin ich ein kalter Krieger, wenn ich denke: diese Kantorowicz und Bloch undsoweiter undsoweiter sind Phraseure, wenn sie in den Westen rennen und versichern: wir sind trotzdem Kommunisten? Und bin ich ein Kalter Krieger, wenn ich gestehe (leider nicht öffentlich – aus Feigheit): mir sind alle Friedenstäubeleien zum Kotzen! Mir sind alle die Friedensunterschriften der Prominenten nichts als Schwachsinn oder Wichtigtuerei.“

So sind wir nun mal, wir kalten Krieger.

3082: Gewalt von links befürchtet

Montag, Oktober 12th, 2020

Nach der Räumung des besetzten Hauses „Liebig 34“ in Berlin-Friedrichshain stellt sich die Polizei dort für die nächste Zeit auf Straftaten der linken Szene ein. „Wir sind weiterhin aufgestellt und werden entsprechend reagieren können“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Auf einem linksextremistischen Internetportal sind „Aktionstage“ in Berlin vom 30. Oktober bis 1. November angekündigt. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, sagte, die Gewalt im Linksextremismus werde zunehmend brutaler und personenbezogener. Die Berliner Szene bewertete er als nervös (dpa, SZ 12.10.20).