Das Landgericht München I hat am 23.3.21 einen Raser wegen Mordes und vierfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mann war 2019 mit hoher Geschwindigkeit vor der Polizei geflohen (SZ 24.3.21).
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3327: Lebenslang für Raser wegen Mordes
Mittwoch, März 24th, 20213326: Fragen zum Tod von Karin Strenz
Dienstag, März 23rd, 2021Auf dem Rückflug von Kuba mit ihrem Mann ist die CDU-Bundestagsabgeordnete Karin Strenz, 53, kollabiert und konnte trotz Notfalllandung in Irland nicht mehr gerettet werden. Die genaue Todesursache ist bisher unklar. Frau Strenz wird obduziert. Bei der Reise handelte es sich nicht um eine Dienstreise im Auftrag des Deutschen Bundestags. Frau Strenz war seit 2009 dessen Mitglied. Dreimal hatte sie ein Direktmandat in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen.
In die Schlagzeilen war Karin Strenz wegen ihres Eintretens für die autoritär regierte Kaukasusrepublik Aserbeidschan geraten. Als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats hatte sie das Land als Wahlbeobachterin besucht. Eine Untersuchungskommission warf ihr 2018 vor, Interessenkonflikte nicht offengelegt zu haben. Frau Strenz stand im Verdacht, über Umwege Geld aus Aserbeidschan angenommen zu haben. 2020 hatte es bei ihr eine Durchsuchung gegeben. Ermittelt wurde wegen des Verdachts auf Mandatsträgerbestechung und Geldwäsche.
Der Sprecher der CDU-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern im Bundestag, Eckhardt Rehberg, hat mitgeteilt, dass Karin Strenz wegen des Verstoßes gegen die Verhaltensregeln des Parlaments ein Ordnungsgeld über 20.000 Euro an den Bundestag entrichtet hat. Grund sei gewesen, dass sie Nebeneinkünfte erst verspätet gemeldet habe (SZ 23.3.21).
3325: Was ist heute links ?
Sonntag, März 21st, 2021Für manche von uns scheint immer noch bedeutsam zu sein, als links zu gelten. Ich als jemand, der nie links war, beobachte das, partiell amüsiert. Bernd Stegemann (Welt 20.3.21) und Julia Encke (FAS 21.3.21) treten nun mit zwei langen Beiträgen zum Thema hervor. Ich verkürze:
1. Für die neue identitäre Linke genügt es, verletzt zu sein. Meistens vom Patriarchat.
2. Sie bewegt sich dann auf der Schmalspurbahn des Narzissmus.
3. Verhandelt werden hier anscheinend die Interessen eines akademischen Milieus, nicht die der Arbeiterklasse.
4. Wenn die Interessen von SPDqueer verletzt werden, wird es bewegt.
5. Der neue Begriff ist „woke“. Er führt die schlechte Seite des DDR-Sozialismus mit sich: Kontrolle des privaten Lebens und vollständige Überwachung.
6. Was mit einer Gesellschaft passiert, in der die woken Aktivisten herrschen, sehen wir an den USA (einschließlich der 74 Millionen Trump-Wähler).
7. Sahra Wagenknecht (Die Linke) nennt die Woken „Lifestyle-Linke“. Sie wird „in Reinform“ von den Grünen verkörpert.
8. Deren Mitglieder interessieren sich für das Klima, die Emanzipation, die Zuwanderung und sexuelle Minderheiten.
9. Dabei wird der Anspruch, durch Verteilungsgerechtigkeit den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken, durch Identitätspolitik ersetzt.
10. Frau Wagenknecht stimmt weithin überein mit der französischen Philosophin Caroline Fourest und deren Kritik an der identitären Linken (hier unter Nr. 3316).
11. Als ständige Gegner kommen hinzu die „alten weißen Männer“.
12. Sie werden manchmal auch „Menschen mit Nazihintergrund“ genannt.
3323: Stasi-Unterlagen-Behörde arbeitet im Bundesarchiv weiter.
Samstag, März 20th, 2021Der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, hat seinen letzten Tätigkeitsbericht abgeliefert. Die Behörde wird ins Bundesarchiv integriert, arbeitet aber mit allen Dienststellen (insbesondere in Ostdeutschland) weiter. Dadurch besteht die Möglichkeit zur Transparenz, es wird weiter aufgeklärt. Wir können den real existierenden Sozialismus sehr gut kennenlernen und verstehen. Wenn wir wollen. Die Behördenchefs Joachim Gauck, Marianne Birthler und Roland Jahn haben sich darum verdient gemacht.
Die während der friedlichen Revolution gesicherten Stasi-Akten machen 111 Kilometer aus. Es wird die Stelle eines Opferbeauftragten geschaffen, der insbesondere die Belange der SED-Opfer vertreten soll. Bei der Behörde wurden bisher 7,3 Millionen Anträge gestellt. Von Privatpersonen, aber auch von Behörden, Wissenschaftlern und den Massenmedien. Immer mehr Menschen in Deutschland interessieren sich für das Schicksal ihrer Eltern und Großeltern unter der SED-Diktatur (mwe., FAZ 20.3.21).
3322: Ein System, das Täter schützte
Freitag, März 19th, 2021Das zweite Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln von dem Strafrechtsprofessor Björn Gercke hat dazu geführt, dass der Hamburger Erzbischof Stefan Heße den Papst um die Entbindung von seinen Aufgaben gebeten hat. Ihm wurden im Gutachten elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Außerdem sind zurückgetrten bzw. freigestellt der Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, der Generalvikar Norbert Feldhoff und der Chef des Kirchengerichts Günther Assenmacher.
Kardinal Rainer Maria Woelki wurde im Gutachten entlastet. Im Gegensatz zu Kardinal Joachim Meisner, dem ein Drittel der einschlägigen Pflichtverstöße angelastet wird (2017 gestorben). Er hat seine Pflichten versäumt, aber ein Privatarchiv über die Missbrauchsfälle geführt. 2010 hat er gelogen, als er überrascht tat angesichts der gerade öffentlich gewordenen kriminellen Handlungen.
2020 hatte die Kanzlei Westphal Spilker Wastl bereits ein Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln vorgelegt, dass Kardinal Woelki anscheinend zu unbequem war. Er hielt es deswegen zurück, was das Erzbistum Köln sehr unglaubwürdig machte. Eine Austrittswelle folgte.
Matthias Drobinski wirft dem Gercke-Gutachten vor, immer noch zu sehr orientiert zu sein an den Institutionen und zu wenig an der Opfern. „Ein Missbrauchsfall aus dem Jahr 1975 mag lange her sein. Doch die Gewalt, die damals ein zehnjähriges Kind traf, lebt zerstörerisch weiter, in einem heute 56-jährigen Erwachsenen. Sie ist nicht Geschichte. Sie ist Gegenwart. Dieser Perspektivwechsel steht noch aus, nicht nur im Erzbistum Köln übrigens.“
(Annette Zoch, SZ 19.3.21; Matthias Drobinski, SZ 19.3.21)
3321: Gibt es in der CSU mehr Korruption als in anderen Parteien ?
Freitag, März 19th, 2021Nach dem Fall
Georg Nüßlein
gibt es in der CSU nun die Affäre
Alfred Sauter.
Er war immerhin einmal bayerischer Justizminister. Er soll eine Provision von 1,2 Millionen Euro für die Vermittlung von Corona-Schutzmasken erhalten haben. Das Geld floss über Liechtenstein an die Firma eines schwäbischen CSU-Funktionärs, des CSU-Schatzmeisters von Günzburg. Aus der weiten Ferne leuchten die Fälle Onkel Alois, Fibag, HS 30 usw. auf. Außerdem kündigen sich außerhalb von Cororna weitere Bestechungsfälle an (z.B. Beratung von Nord-Mazedonien).
(SZ 19.3.21)
3317: Schwierigkeiten mit der Publikation eines Manuskripts
Dienstag, März 16th, 2021Prof. Dr. Günther Schlee, 69, ist einer der beiden Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle. In einem Interview mit Markus C. Schulte von Drach (SZ 16.3.21) berichtet er von Problemen bei der Veröffentlichung eines Manuskripts:
„Ich hatte selbst neulich Schwierigkeiten mit der Veröffentlichung eines Manuskripts. Die Herausgeber waren der Meinung, dass alte weiße Männer in der Wissenschaft ohnehin überrepräsentiert seien. Dann wurde kritisiert, dass ich das Wort ‚Muslim‘ verwendet habe. Ich hätte von „Angehörigen des islamischen Glaubens“ sprechen sollen. Aber mit dem Wort ‚Muslim‘ bezeichnen sich immerhin 1,9 Milliarden Menschen selbst. Auch konnten die Herausgeber nicht ein einziges Beispiel anführen, in dem ich das Wort ‚Muslim‘ in einem abwertenden Zusammenhang verwendet hätte. Hinter dieser Kritik steht ein Sprachverständnis, bei dem nicht mehr Sätze gelesen und ihre Aussage betrachtet werden, sondern es wird auf einzelne Wörter geachtet.“
3316: Caroline Fourest über linke Sprach- und Gedankenpolizei
Dienstag, März 16th, 20211. Caroline Fourest, 45, hat für „Charlie Hebdo“ gearbeitet, sie ist häufiger Gast in französischen Talkshows zum Thema Meinungsfreiheit und Laizismus und gilt als Expertin für linke Identitätspolitik.
2. Wenn es um die Frage geht, wer Amanda Gormans Gedichte übersetzen darf, nur eine junge, schwarze Amerikanerin oder auch andere.
3. Caroline Fourest definiert sich selbst als lesbische Feministin, Anhängerin des Universalismus und Antirassistin. Motor ihrer Arbeit sei Widerstand gegen das Pariarchat und Homophobie. Fourest definiert sich über ihre Berufe, sie ist auch Regisseurin. Seit langem beschäftigt sie sich mit dem Rechtsextremismus und religiösem Fanatismus.
4. Bei einer Diskusssion über Verschleierung dekretierte eine Studentin, dass nur Muslime darüber diskutieren dürften, aber nicht Fourest als Weiße. „In den Augen dieser linken Identitären war alles, was mich ausmacht, auf meine Hautfarbe reduziert.“
5. Fourest hat ein Buch über diese Art von Cancel Culture geschrieben:
Generation beleidigt. Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Eine Kritik (Edition Tiamat), 200 S., 18 Euro.
6. „Die Identitären sind nicht die neuen Antirassisten, sondern vielmehr die neuen Rassisten.“
7. Fourest als linke, lesbische, feministische Aktivistin (fortschrittlich im Vergleich zu mir) möchte nicht hinnehmen, dass der Diskurs über Rassismus von Wächterinnen und Wächtern dominiert wird, die im Namen von Opfern oder vermeintlichen Opfern jede Diskussion abwürgen, unterstützt von einem anonymen Mob im Internet, der auf Reizworte reagiert wie ein Pawlowscher Hund.
8. Wo in Filmen nur Juden Juden spielen dürfen.
9. Nur Homosexuelle Homosexuelle.
10. „Da ist man dann nicht weit entfernt von einem DNA-Test beim Casting.“
11. „Die Kehrseite der Medaille ist die Inflation absurder und unverhältnismäßiger Kampagnen gegen Familienmütter, Prominente und Künstler.“
12. In den USA wurde ein Kindergeburtstag, der in einem japanischen Ambiente gefeiert wurde, als „Yellowfacing“ verurteilt.
13. „Zum Opfer wird, wer den Beleidigten als Opfer taugt.“
14. Rassismus ist in der Logik der Beleidigten ein Thema, das nur diejenigen öffentlich verhandeln dürfen, die Opfer von Rassismus sind.
15. Konsequent weitergedacht dürften nur Italiener noch Pizza backen.
16. Obwohl auch in Europa die Rechtspopuisten und die Rechtsextremisten stärker werden, richtet sich der Bannstrahl der linken Identitären nie gegen diese, sondern gegen liberal eingestellte Künstler und Privatpersonen.
17. Für Caroline Fourest steht fest: Die Empörung selbst ist das Ziel der identitären Kampagnen (Johanna Adorjan, SZ 12.3.21).
3315: Bari Weiss: Die pädagogische Indoktrination
Montag, März 15th, 2021Bari Weiss war bis Juli 2020 Redakteurin der „New York Times“. Dann verließ sie das Blatt, weil sie dessen „Meinungskorridor“ als zu eng empfand und das Klima in der Redaktion als „illiberal“. Jetzt ist in der „Welt“ (13.3.21) eine Abrechnung von Weiss mit der pädagogischen Indoktrination in Prep- und High-Schools in den USA erschienen:
Die sind sehr teuer und kosten teilweise 50.000 Dollar pro Jahr. Dafür versprechen sie Karrierechancen. Und sie haben einen „antikapitalistischen Kurs“, der rigoros durchgesetzt wird. Dagegen mögen Eltern und Kinder nicht mehr ihre Stimme erheben. Die Angst vor sozialer Bloßstellung geht um. Unentwegt geht es um Anti-Rassismus und Inklusion (an diesen exklusiven Schulen). Weiß-Sein gilt als Makel. Den Kindern wird eingebleut, sie würden „inhärent unterdrückt“.
An Highschools ist die Botschaft noch deutlicher. Den Schülern wird etwa gesagt, „wenn du weiß und männlich bist, dann sprich erst nach den anderen“. Zu Hause hören die Eltern: „Mom, ich habe gerade herausgefunden, dass ich ein Rassist bin und weiße Europäer bevorzuge.“ An den von Weiss untersuchten Schulen herrscht eine regelrechte Ideologie. Eine Mutter bekennt: „Ich möchte nicht emotional werden, aber ich fühle mich hilflos. Ich schaue mir die Schulen an und bin erschüttert. Ich kann nicht fassen, was sie all den Menschen antun. Ich bin auch verängstigt. Ich habe zu viel Angst, um laut meine Meinung zu sagen. Ich fühle mich so feige. Ich kann nur so wenig ausrichten. Es ist die Angst vor Vergeltung. … Würde es dazu führen, dass uns andere Menschen ausgrenzen? Das ist bereits geschehen.“
Kommentar W.S.: Falls der Bericht von Bari Weis auch nur annähernd stimmt, und ich kann das im vollen Umfang nicht wirklich beurteilen, dann erklärt diese pädagogische Hetze einiges an den 74 Millionen Trump-Wählern. Die Wähler nehmen quasi Rache an dem pädagogischen Terror in den Schulen. Der Teufel wird mit Beelzebub ausgetrieben.
3314: Marvin Hagler ist tot.
Montag, März 15th, 2021Die meisten von uns verstehen nichts vom Boxen (das macht nichts). Ich schon. Habe bei der Armee im Schwergewicht geboxt. Und insbesondere die Weltklasseboxer aus den USA im Fernsehen bewundert. Für mich als Kind waren die Helden in den fünfziger Jahren Sugar Ray Robinson und Gene Fullmer. Typischerweise Mittelgewichtler (ca. 66-72 Kilo) (die Box-Gewichtsklassen: Fliegen, Bantam, Feder, Leicht, Welter, Mittel, Halbschwer, Schwer; neuerdings Superschwer).
Die besten Mittelgewichtler haben häufig die Beweglichkeit und technische Finesse der leichteren Klassen und fast die Schlagkraft der schwereren. Wunderbar. In den achtziger Jahren gab es nochmals eine Hochzeit im Boxen. Im Mittelgewicht durch Marvin Hagler, Sugar Ray Leonard, Roberto Duran und Thomas Hearns. Marvin („Marvellous“) Hagler war Weltmeister von 1980 bis 1987. Ein Jahrhundert-Kampf war der von 1985 gegen Thomas („Hitman“) Hearns. Der war sehr hochgewachsen, seinen Spitznamen hatte er von seinen hart geschlagenen Geraden und Haken, ein wunderbarer Boxer. Hagler und Hearns mochten sich nicht. Daher bekam ihr Kampf im „Cesar’s Palace“ in Las Vegas 1985 das Label „The War“. Hagler griff unerbittlich („Beinarbeit“) an, zermürbte Hearns und schlug ihn der in der dritten Runde k.o. Danach trat er zurück und wurde Schauspieler. Im Alter von 66 Jahren ist er nun gestorben (David Pfeifer, SZ 15.3.21).