Klaus Harpprechts Lebenserinnerungen sind erschienen:
Schräges Licht. Erinnerungen ans Überleben und Leben. Frankfurt a. M. (S. Fischer) 2014, 560 S., 26,99 Euro.
Harpprecht war weit mehr als Willy Brandts Redenschreiber und Berater (1972-1974). Der 1927 geborene schwäbische Pastorensohn hat eine beeindruckende Karriere als Journalist und Publizist hingelegt. Er ist ein wahrer „homme de lettres“ und Anti-Spießer. Er war noch zur Wehrmacht eingezogen worden, diente bei der Flak. Am Ende des Kriegs musste er die Hinrichtung eines Fahnenflüchtigen mit ansehen. Zwei Brüder sind gefallen. Harpprecht geriet am Ende des Kriegs in Bayern in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Er gehörte als Volontär der Gründungsredaktion von „Christ und Welt“ an, ging zum RIAS Berlin, wo er den 17. Juni 1953 miterlebte. Darüber hat er unter dem Pseudonym Stefan Brant ein Buch geschrieben. Beim WDR lernte er 1958 seine Frau, die Journalistin Renate Lasker kennen, die Auschwitz überlebt hatte. Harpprecht leitete den S. Fischer Verlag und gab bis 1971 den „Monat“ mit heraus, wo er ein enger Kollege von Melvin Lasky war. Stationen in London und für das ZDF in den USA folgten. 1982 erschien über die USA Harpprechts Buch „Der fremde Freund“. Klaus Harpprecht erhielt zweimal den Theodor-Wolff-Preis. Als Intellektueller hatte er Sinn für Realpolitik.
Harpprechts Lebenerinnerungen sind bestimmt von der Freude darüber, dass die Bundesrepublik den Weg nach Westen gefunden hatte. Er hat die Westpolitik Konrad Adenauers ebenso unterstützt wie später die Ostpolitik Willy Brandts, zu dem er ein enges Verhältnis hatte.
Harpprecht stand aber auch für manche eigenwilligen Urteile. So verurteilte er Wolfgang Koeppens allseits gelobten Roman „Treibhaus“ für seinen „nachnazistischen Mief“. Das Buch sei „eine unaufgeräumte Waschküche voll verschwitzter Hemden und Socken“. Kurz nach dem 17. Juni 1953 luden der DDR-Kulturminister Johannes R. Becher und Bertolt Brecht zu einem „geselligen Nachmittag“ in die Berliner Kneipe „Mampe“. Für Harpprecht beherrschte Becher vom „flammenden-sozialistischen Pathos bis zur blumigen Herz-Schmerz-Romanze alle Tonarten der deutschen Spießer-Poesie“. Sie wurden keine Freunde. Klaus Harpprecht schrieb beindruckend lesenswerte Bücher über Georg Forster, den Anthropologen und deutschen Revolutionär (1990), und – nicht zuletzt – über Thomas Mann (1995). Darin erweist sich Klaus Harpprecht als großer deutscher Publizist. Er lebt seit 1982 an der französischen Riviera (Wolf Lepenies, Literarische Welt 29.11.14).