Archive for the ‘Literatur’ Category

1447: „Gipfel der Poeten“ im Kanzleramt

Freitag, Januar 27th, 2017

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, hatte zum „Gipfel der Poeten“ ins Kanzleramt geladen. Es ging tatsächlich um die beiden größten Lyriker deutscher Sprache im 20. Jahrhundert: Gottfried Benn (1886-1956) und Bertolt Brecht (1898-1956). Benn starb am 7. Juli 1956 in West-Berlin, Brecht wenige Wochen später am 14. August 1956 in Ost-Berlin. Die Dramaturgin des Deutschen Theaters, Anika Steinhoff, hatte Gedichte und Briefstellen ausgestellt, in denen die Dichter den Frauen nachstellten und aneinander vorbeigingen.

Ein Rätsel gaben einige Zeilen Brechts aus seinen letzten Lebensjahren auf:

„Beim Anhören von Versen/Des todessüchtigen Benn/Habe ich auf Arbeitergesichtern/Einen Ausdruck gesehen/Der nicht dem Versbau galt und kostbarer war/Als das Lächeln der Mona Lisa.“

„Das war, meinten die einen, die späte Anerkennung Benns durch seinen Antipoden. Nein, sagten die anderen, das war die letzte böse Botschaft der Jüngeren an den Älteren, eine Bekräftigung aller Absagen an die bürgerliche Dekadenz, …“ (Lothar Müller, SZ 27.1.17).

Urteilen Sie selbst.

1446: Deutsches Theater (DT) Göttingen: „Die Nutznießer“

Freitag, Januar 27th, 2017

Das DT Göttingen hat bei der Berliner Schriftstellerin Gesine Schmidt ein Theaterstück bestellt („Die Nutznießer – ‚Arisierung‘ in Göttingen“), das sich mit der „Arisierung“ in Göttingen 1938 beschäftigt. Das Stück läuft zur Zeit. Es gründet sich auf die wissenschaftlichen Vorarbeiten von Alex Bruns-Wüstefeld und Ulrich Popplow. Es ist tatsächlich viel über die Nutznießer des Verbrechens zu erfahren, über „Judenhäuser“ usw. DT-Intendant Erich Sidler, ein Österreicher, sieht die Funktion des Stücks darin, dass die „rote Linie der Menschlichkeit“ nicht immer weiter verschoben wird, um „die Demokratie zu pflegen und in die Zukunft zu retten“. Angela Brünjes hat bereits am 16. Januar im „Göttinger Tageblatt“ darüber geschrieben (Henning Bleyl, taz 18.1.17).

Infos unter: www.dt-goettingen.de/stueck/arisierung.

1434: Maxim Biller verlässt „Literarisches Quartett“.

Dienstag, Januar 17th, 2017

Schon nach neun Ausgaben des neuen „Literarischen Quartetts“ benötigt die Sendung ein neues Mitglied. Denn Maxim Biller verlässt das „Quartett“. Der 56-jährige hat den „Jahreswechsel als Zäsur genutzt, um sich in seine Schreibwerkstatt zurückzuziehen“. Biller wird nicht leicht zu ersetzen sein; denn er gab mit großer Verve den „Bad Guy“.

Seine Lust an Provokation und Kontroverse machte wesentlich die Unterhaltsamkeit der Sendung aus. Biller galt als Gegenpol zu den beiden anderen gemäßigten ständigen Mitgliedern des „Literarischen Quartetts“, Volker Weidermann und Christine Westermann. Allerdings gab es auch Zuschauer, die Biller unsäglich, großspurig und selbstverliebt fanden (David Denk, SZ 17.1.17).

1423: Paul Celan erhielt 1966 nicht den Nobelpreis.

Mittwoch, Januar 4th, 2017

Angesichts der Wirkung, welche die Gedichte Paul Celans (1920-1970) auf die Lyrik des späten 20. Jahrhunderts ausübten, ist es „geradezu grotesk“, dass Celan 1966 nicht den Literaturnobelpreis erhielt. Der Preis sollte in jenem Jahr zu gleichen Teilen Nelly Sachs und Paul Celan verliehen werden. Das Nobelpreis-Komitee war in Bezug auf Celan nicht davon zu überzeugen, „dass seine Arbeiten einen solchen Rang verdienen“. 1964 hatte es zu Celan noch geheißen, er könne keinen Anspruch auf diese hohe Auszeichnung beanspruchen. 1966 standen Graham Greene und W.H. Auden auf den Plätzen drei und vier der Kandidatenliste, Samuel Beckett auf Platz fünf. Er bekam den Preis immerhin 1969, Greene und Auden bekamen ihn gar nicht (Thomas Steinfeld, SZ 4.1.17).

Ebenso wie Philipp Roth!

1417: Lilienthal über Didier Eribons „Zurück nach Reims“

Mittwoch, Dezember 28th, 2016

In der Rubrik „Buch des Jahres“ der SZ (27.12.16) äußert sich der Intendant der Münchener Kammerspiele Matthias Lilienthal über Dider Eribons „Zurück nach Reims“:

„Didier Eribons ‚Zurück nach Reims‘ (Suhrkamp) hat mich ganz persönlich getroffen, weil es erzählt, wie jemand aus proletarischen Verhältnissen sich erst nach dem Tod seines Vaters mit seiner Herkunft auseinandersetzt. Eribons Verleugnung seiner proletarischen Herkunft erinnerte mich an mich selbst. Ich komme zwar aus dem Mittelstand, bin aber auf einem Gaswerk in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Als ich 19 wurde, habe ich mich schnell aus der Gropiusstadt nach Charlottenburg bewegt. Eribon beschreibt genau, wie der ehemals kommunistischen Arbeiterschaft nach dem Kaputtgehen der Industrie nicht nur ihre finanzielle Basis genommen wurde, sondern auch ihre Würde. Das erinnert mich an Berliner Parteiversammlungen der SPD. Nach der Lektüre habe ich mich gefragt, warum ich das Bild des Zigarre rauchenden Gerhard Schröder damals nicht richtig interpretiert habe. Dieses Buch nimmt den Wahlsieg von Donald Trump vorweg, und wenn man die Lehren aus ihm nicht zieht, wird man sich der Diskussion mit der AfD nicht stellen können. Es beschreibt aber auch, warum wir manchmal mit unseren Eltern hätten anders umgehen können.“

Ich habe das Buch zu Weihnachten von meinem Sohn bekommen und es schon gelesen.

1412: Harald Schmidt und Hannover

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Städtebeschimpfungen machen Spaß. Einer der größten Beschimpfer war Thomas Bernhard. Auch Rolf Dieter Brinkmann brachte es hier sehr weit.

Harald Schmidt über Hannover:

„Die Stadt liegt zwar nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn von dort aus sehr gut sehen.“ (SZ 17./18.12.16)

1386: Der Wert der Biografie

Montag, November 21st, 2016

Spätestens seit Roland Barthes (1915-1980) und Michel Foucault (1926-1984) den Autor („Der Tod des Autors“) 1968 als Chimäre entlarvt hatten, war es um die Reputation einstmals angesehener Biografen wie Stefan Zweig (1881-1942) und Emil Ludwig (1881-1948) geschehen. Die Biografie wurde wissenschaftlich für wertlos erklärt. Und nicht mehr der Autor selbst war eine kompetente Instanz zur Interpretation seines Werks, sondern „die Wissenschaft“. Vielfach wurde das Werk als klüger als der Autor angesehen.

Das hätte uns nicht allzu stark besorgen müssen. Denn neben „der Wissenschaft“ sind ja auch noch wir Leser da. Wir können uns durchaus unser eigenes Urteil bilden. Und schauen wir genauer auf den „germanistischen Betrieb“, so können Zweifel über die Interpretationskompetenz „der Germanistik“ entstehen. Jedenfalls geht das Lesen von Biografien auch ganz ohne Wissenschaft.

Nun hat bei der Entgegennahme des Joseph-Breitbach-Preises Rainer Stach, dessen dreibändige Franz Kafka-Biografie sehr viel Anerkennung gefunden hat, einige Erkenntnisse über den Wert von Biografien beigesteuert (FAZ 22.10.16). Da geht es durchaus auch um wissenschaftliche Biografien.

Stach geht aus von der Kluft zwischen dem Diskurs der Geisteswissenschaften und der emotional gesättigten Sprache der Biografen. Beispielhaft versucht er zu zeigen, dass Jean-Paul Sartres Flaubert-Biografie gescheitert ist, die von Wolfgang Hildesheimer über Mozart aber gelungen. Richard Ellmann hatte schon 1971 zu belegen versucht, dass

Kurt Eisslers Goethe-Biografie

auf unüberprüfbaren Spekulationen beruhte. Hier kommt es wohl darauf an, was wir von Psychoanalyse verstehen und wie wir sie beurteilen.

Ein Verächter der Biografie war bekanntlich Vladimir Nabokov (1899-1977), der schrieb: „Es ist mir zuwider, in dem kostbaren Leben großer Schriftsteller herumzustochern. … Ich hasse die Vulgarität des ‚menschlichen Interesses‘, ich hasse das Rascheln der Röcke und das Gekicher in den Korridoren der Zeit – und kein Biograf wird je einen Blick auf mein Privatleben erhaschen.“

Eine vergebliche Hoffnung Nabokovs und sein großer Irrtum.

Rainer Stach ist sich klar darüber, dass Literatur aus ganz individuellen Schöpfungen besteht, dass es stilistische Meisterschaft gibt und Innovationen beim Schreiben und dass Literatur darüberhinaus etwas „repräsentiert“. Er beschäftigt sich mit der Frage, was Empathie leisten kann und was nicht. „Sich einzufühlen bedeutet ja nichts anderes, als sich probehalber und kontrolliert mit jemandem zu identifizieren.“ Und angesichts der Fülle von immer neuen Biografien hält er Misstrauen gegenüber dieser Gattung in

neun von zehn Fällen

für angebracht.

„In Wahrheit gibt die Form der Biografie uns hermeneutische Instrumente an die Hand, die anspruchsvoller kaum sein könnten. Sie kümmert sich nicht um Fachgrenzen, verbindet psychologische, soziologische, politische, kulturelle und mentalitätsgeschichtliche Perspektiven, die sich teils ergänzen, teils aber auch überkreuzen. Einfühlung ist hier nur auf der Basis harter Recherche zu haben; sie ist wertlos, wenn sie nicht aus einem Verständnis des vielschichtigen Kontexts hervorgeht, und dieser Kontext wiederum kann – wie ich am Beispiel Kafkas erfahren musste – von den allgemeinen Tendenzen einer nervösen Epoche bis hinab in die Tagträume und das intime Erleben eines großen Autors reichen.“

1384: Joachim Sauer als Laudator Wolf Biermanns

Montag, November 21st, 2016

Zum 80. Geburtstag Wolf Biermanns im Berliner Ensemble, wo Biermann Ende der fünfziger Jahre Regieassistent war, hielt Joachim Sauer am Freitag die Festrede. Ja, der Ehemann der Bundeskanzlerin. Angela Merkel saß dabei in der ersten Reihe. Es kam zusammen, was zusammengehört. Biermanns und Merkels sind befreundet.

Der wie Merkel in Hamburg geborene Wolf Biermann wanderte 1953 in die DDR aus. Wie kurze Zeit später Angela Merkels Familie, eine Pastorenfamilie. Joachim Sauer hatte anlässlich der „Weltfestspiele der Jugend“ 1973 als Chemie-Doktorand zu der Gruppe von Studenten gehört, die Wolf Biermann, der natürlich keine Auftrittsgenehmigung hatte, an der Weltzeituhr in Ost-Berlin vor der Stasi abschirmte.

Joachim Sauer: „Du warst ein schrecklicher Kommunist. Deine Lieder waren immer schon klüger als du.“ Auf der Geburtstagsparty sang dann Wolf Biermann fast zwei Stunden lang seine berühmten Lieder. Zu Gast war viel Prominenz von Wolfgang Schäuble bis Otto Schily. Und die Bundeskanzlerin unterhielt sich lange mit Marianne Birthler, die sie eigentlich zur Bundespräsidentin hatte machen wollen (Evelyn Roll, SZ 21.11.16).

1380: Peter Suhrkamps Rolle bei der „Arisierung“ des S. Fischer Verlags

Freitag, November 18th, 2016

Über die „Arisierung“ des S. Fischer Verlags und über den Verleger Gottfried Bermann Fischer existieren ausnahmsweise fast vollständige Akten. Der Direktor der Stadtbibliothek Duisburg Jan-Pieter Barbian hat sie ausgewertet (SZ 18.10.16). Darin wird die Rolle Peter Suhrkamps geklärt, des wichtigsten Mitarbeiters Bermann Fischers und späteren Begründers des Suhrkamp Verlags.

Die Nazis hatten von Anfang an vor, Juden aus den deutschen Verlagen und aus dem Buchhandel zu vertreiben. Am 10. Mai 1933 wurden im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ öffentlich Bücher verbrannt. In Göttingen auf dem Albaniplatz, wo eine Plakette daran erinnert. Im Juli 1933 existierte eine schwarze Liste der Nazis mit 24 Schriftstellernamen und 64 Büchern. 1935 führte die Reichsschrifttumskammer eine „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ ein. Von 19 Autoren waren sämtliche Schriften verboten. Darunter

Alfred Döblin, Klaus Mann, Arthur Schnitzler, Jakob Wassermann, Carl Zuckmayer und Stefan Zweig.

1936 gelang Bermann Fischer die Übersiedlung des S. Fischer Verlags nach Wien, von wo die Flucht 1938 weiterging. Die Nazis hatten ihm das Versprechen abgepresst, das in Berlin verbliebene Lager und die Bücher „in arische Hände“ zu überführen. Sein engster Mitarbeiter Peter Suhrkamp „übernahm“ 1936 den Verlag. Er war 1932 von der „Neuen Rundschau“ zu Fischer gekommen. Die Witwe des Verlagsgründers Samuel Fischer, Hedwig, übertrug Suhrkamp das Stimmrecht ihrer Aktien. Suhrkamp rückte in den Vorstand ein. Er hatte die alleinige Geschäftsführung.

1938 wurde die Verlags AG in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Suhrkamp wurde persönlich haftender Gesellschafter mit einer Einlage von 50 000 Reichsmark, die aus dem Depot seiner vierten Frau, Annemarie Seidel, stammte, einer Schwester der Dichterin Ina Seidel. Peter Suhrkamp hatte z.T. sehr gute persönliche Beziehungen zu Nazis. So etwa zu dem Leiter der Schrifttumsabteilung im Reichspropagandaministerium Heinz Wissmann. Ihn kannte er von der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, die der Volksschullehrer Suhrkamp von 1928 bis 1930 geleitet hatte. Über die Vorgänge bei S. Fischer war der Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Johst bestens informiert. Ihn hatte Suhrkamp Anfang der zwanziger Jahre noch als hoffnungsvollen expressionistischen Dichter kennengelernt.

Der Verlag wurde 1942 in „Suhrkamp Verlag vormals S. Fischer“ umbenannt. 1943 löschten die Nazis den Namen des Verlagsgründers. 1944 wurde die „Neue Rundschau“ eingestellt. Zu dieser Zeit befand sich Peter Suhrkamp bereits auf Grund einer politischen Denunziation in Haft. Am 14. April kam er ins Konzentrationslager Ravensbrück, von Oktober 1944 bis Februar 1945 saß er im Gestapo-Gefängnis Lehrter Straße. Dabei wurde seine Gesundheit zerrüttet. Nach 1945 konnten Peter Suhrkamp und Gottfried Bermann Fischer ihre einstmals so vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht fortsetzen. In einem mühevollen und bitteren Prozess kam es 1949 zu einer Teilung in S. Fischer und Suhrkamp. Beide Verlage haben mittlerweile eine sehr wechselvolle und vielfach politisch hoch umstrittene Entwicklung genommen.

1379: Manès Sperber als Ratgeber für Wolf Biermann

Donnerstag, November 17th, 2016

Für meine Begriffe ist Wolf Biermanns Bedeutung anlässlich seines 80. Geburtstags und angesichts seiner Autobiografie

Warte nicht auf bessre Zeiten. Die Autobiografie. Berlin, 576 S., 28 Euro,

in den führenden deutschen Blättern noch nicht richtig gewürdigt worden (daran ändern auch die Beiträge von Durs Grünbein, FAZ 12.11.16, und Marko Martin, Welt 12.11.16, kaum etwas). Vielleicht hätte man dafür tatsächlich sehr viel Platz gebraucht. Denn Biermanns Rolle als Kommunist und Liedermacher bis zu seiner Ausbürgerung aus der DDR 1976, seine Leitfunktion für die deutsche Vereinigung und sein Antikommunismus ungefähr seit 1980 sind für einfache Gemüter schwer zu fassen, für Linke kaum zu ertragen. Dort wird er gehasst.

Wolf Biermann befürwortete das Eingreifen der NATO im Kosovokrieg 1999 und den ersten Irak-Krieg der USA und ihrer Verbündeten 2003 gegen Saddam Hussein. 2007 erhielt nach lagem Hin und Her die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. Der SPD fiel die Zustimmung schwer, nachdem Biermann ihre Koalition mit der PDS als Bündnis von „bankrotten sozialdemokratischen Apparatschiks“ mit „MfS-Kadern“ bezeichnet hatte. 2013 bekannte Biermann, er werde CDU wählen und empfahl Angela Merkel als Kanzlerin. Usw.

Weithin unbekannt ist der Einfluss, den der Sozialpsychologe und Schriftsteller Manès Sperber (1905-1984) Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre in Paris auf Biermann ausgeübt hat. Sperber stammte aus dem seinerzeit österreichischen Galizien und schrieb deutsch. Er war ein Schüler des Begründers der Individualpsychologie

Alfred Adler (1870-1937)

und wurde in Wien dessen Mitarbeiter. 1927 zog Sperber auf Geheiß Adlers nach Berlin und trat der

KPD

bei. Fortan bemühte er sich, die Erkenntnisse der Psychologie für die Arbeiterbewegung nutzbar zu machen und sie für die Gesellschaftsanalyse zu verwenden. 1933 wurde er als Jude und Kommunist in „Schutzhaft“ genommen. Er konnte nach Österreich ausreisen und war danach in Sonderaufträgen der Internationale unterwegs, u.a. in Jugoslawien 1934. 1935 gelangte er nach Paris, wo er eng mit dem kommunistischen Chefpropagandisten

Willi Münzenberg (1889-1940)

zusammenarbeitete. Beide wandten sich unter dem Eindruck des mörderischen Stalinismus vom Kommunismus ab. 1942 konnte Manès Sperber in die Schweiz fliehen.

1950 regte er mit seinem Freund

Arthur Koestler (1905-1983)

den internationalen antikommunistischen „Kongress für kulturelle Freiheit“ in West-Berlin an. Sperber hat eine viel beachtete und mit autobiografischen Zügen versehene Romantrilogie „Wie eine Träne im Ozean“ geschrieben, in der die Entwicklung des Kommunismus zwischen 1930 und 1945 reflektiert wird. Der WDR hat 1970 daraus ein Fernsehspiel gemacht. Sein Autor Manès Sperber brachte Ende der siebziger Jahre in Paris Wolf Biermann endgültig vom Kommunismus ab.