Archive for the ‘Literatur’ Category

1525: Jewgenij Jewtuschenko gestorben

Montag, April 3rd, 2017

In der kurzen „Tauwetter“-Periode nach Stalins Tod (ungefähr vom XX. Parteitag 1956 bis 1962) in der Sowjetunion hatten die „Sechziger“ ihre Chance. In der Regel junge Literaten und Dichter. Der größte unter ihnen war der 1932 geborene Jewgenij Jewtuschenko, ein Volkstribun, der großmäulige, geschmeidige, strahlend jugendliche Held mit den blitzenden Augen. Er füllte Sportstadien, posierte mit Pablo Picasso und feierte mit Robert Kennedy Geburtstag. Er ist nun in Tulsa/Oklahoma (USA) gestorben.

Im Westen wirkte jemand wie Jewtuschenko fast wie ein Oppositioneller. Das sowjetische System aber blieb intakt, intolerant und misstrauisch.

Boris Pasternak (1890-1960) („Doktor Schiwago“)

durfte den ihm 1958 verliehenen Literatur-Nobelpreis nicht annehmen.

Alexander Solschenyzin (1918-2008) („Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“),

der große Aufklärer des sowjetischen Terrors, wurde in die USA abgeschoben.

Jewtuschenko, ein ehemaliger Fußballspieler, sagte, dass in Russland ein Dichter mehr sei als ein Dichter. Er bewegte sich geschickt zwischen den Fallen des Systems. Der literarische Gehalt seiner Gedichte blieb manchmal hinter der tagesaktuellen Botschaft zurück. Aber er erreichte sowohl in der Sowjetunion als auch im Westen die Massen. 1962 warnte er in seinem Gedicht „Stalins Erben“ vor der Wiederkehr der stalinistischen Diktatur. Wovor er heute warnen würde, wissen wir nicht. Jewtuschenko verurteilte den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968. Und er lobte Wladimir Dudinzews „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Aus dem Gorki-Literatur-Institut wurde er ausgeschlossen.

1961 erschien sein Gedicht „Babij Jar“ über die Ermordung zehntausender Juden durch die Nazis bei Kiew. Jewtuschenko bekundete seine Solidarität mit dem französischen Hauptmann Alfred Dreyfus, der um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Frankreich fälschlich der Spionage für Deutschland bezichtigt wurde. Intellektuelle unter Führung

Emile Zolas

paukten ihn da raus. Jewtuschenko sprach auf Kuba mit Fidel Castro und in Chile mit Salvador Allende. Ein knallhartes Dissidenten-Leben war das nicht. Anfang der neunziger Jahre zog Jewtuschenko in die USA, wo er an der Universität Tulsa lehrte. Heute lobt ihn der russische Ministerpräsident Dimitrij Medwedjew dafür, dass Jewtuschenko den „Schlüssel zur Seele des Menschen“ gefunden habe. Sein Erbe gehöre zur „russischen Kultur“ (Sonja Zekri, SZ 3.4.17).

 

 

1516: Martin Scorsese über Filme, Familie und das Lesen

Mittwoch, März 29th, 2017

Martin Scorsese ist einer der größten zeitgenössischen Filmemacher („Hexenkessel“, „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Goodfellas“, „Gangs of New York“, „The Wolf of Wall Street“, „Departed“ und andere). Für „Departed“ hat Scorsese den Regie-Oscar erhalten. Er ist 75 Jahre alt und zum fünften Mal verheiratet, er hat drei Töchter. Seit ich 1976 seinen Film „Hexenkessel“ („Mean Streets“) mit

Robert de Niro

und

Harvey Keitel

gesehen habe, bin ich Fan von ihm. Seinerzeit war ich in einer Nachmittagsvorstellung in Göttingen der einzige Zuschauer. Da kam ich mir schon wichtig vor. Martin Scorsese ist seinem New Yorker Stadtteil „Little Italy“ stets treu geblieben. Sascha Chaimowicz hat ihn für das „Zeit“-Magazin (16.3.17) interviewt.

„Zeit“-Magazin: Waren Sie ein stilles Kind?

Scorsese: In der Familie waren wir alle große Geschichtenerzähler. Der Humor kam damals aus dem jüdischen Viertel, das nicht weit entfernt war. Die beiden Kulturen, die italienische und die jüdische, mischten sich. Es war auch für das gesamte Leben dort wichtig, sich gut ausdrücken zu können. Familienangelegenheiten wurden immer in großen Zusammenkünften geregelt. Gab es ein Problem, besuchte man in einer Art Delegation die Großeltern ein paar Häuser weiter und sprach vor.

„Zeit“-Magazin: Haben Sie als Kind gelesen?

Scorsese: Meine Eltern waren untere Arbeiterklasse, sie sind nicht zur Schule gegangen, es gab keine Bücher bei uns zu Hause. Das einzige, was meine Eltern mir mir machen konnten, war, ins Kino zu gehen.

„Zeit“-Magazin: Sie drehen seit jeher Männerfilme.

Scorsese: Ich bin sehr geprägt davon, was ich in meiner Kindheit und Jugend erlebt habe. Und ich komme eben aus einer Welt, die sich sehr an Männern orientiert hat. Nichtsdestotrotz gab es aber auch starke Frauen. Nehmen wir die Beziehung meiner Eltern: Mein Vater war altmodisch und oft auch streng, meine Mutter dagegen hatte einen ausgeprägten Sinn für Humor. Sie hat oft ausgeglichen, wenn es in der Familie Spannungen oder Streit gab. Die beiden waren 60 Jahre lang verheiratet, als mein Vater starb. Ihre Beziehung spiegelte die Welt, in der wir lebten: die strikte Seite der Männer und die oft mitfühlende Seite der Frauen. Oder zumindest sprach das Feminine das Mitgefühl der Männer an. Ich habe Jahre gebraucht, um diese Zusammenhänge zu verstehen.

1514: Günter Franzen: Was wir gewinnen, wenn wir älter werden: nichts.

Sonntag, März 26th, 2017

Günter Franzen, 70, nimmt sich in der FAS (26.3.17) u.a. die erbaulichen Traktate von Prof. Dr. Wilhelm Schmid vor. Am Ende seines Verrisses schreibt er: „Ich lebe in einer Dachwohnung im Norden Frankfurts mit freiem Blick auf Taunus und Wetterau. Wenn ich es irgendwann nicht mehr schaffe, in den dritten Stock zu kommen, werde ich einen ebenerdigen Raum im nahe gelegenen Wiesenhüttenstift beziehen. Sollte es meinem Alter Ego Wilhelm Schmid im Rahmen einer Lesetournee gefallen, in dieser Endlagerstätte abzusteigen, sollte er sich hüten, mich und die anderen Eingeschlossenen mit einem Zitat seines Gewährsmanns Blaise Pascal zu traktieren: ‚Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.‘ Ich würde ihn, so wahr mir Gott helfe, unter Aufbietung meiner letzten Kräfte mit der Gesamtausgabe des wahnsinnigen Theologen E.M. Cioran erschlagen: drei Kilo, 2 000 Seiten. Autorenbuchhandlung.'“

1513: Mara Delius: Über den Literaturbetrieb

Sonntag, März 26th, 2017

Mara Delius denkt in der „Literarischen Welt“ (25.3.17) über den Literaturbetrieb nach. Sie findet, dass es nicht zu wenig Frauen gibt, aber die „falschen Männer“. Sie schreibt: „Wer sich in diesen Tagen die Physiognomie des Literaturbetriebs ansieht, findet nicht sehr viel männliche Härte – und wenn Steifheit, dann eher die falsche: Die Zeit der schicken Autos und wilden Affären der Unseld- und Walser-Jahre, der Kasinobesuche, Bordellabende und Männer-unter-sich-Runden ist längst vorbei – auch wenn man noch so sehnsüchtig stierend das Weißweinglas schwenkt, es wird kein Martini draus … Und die Frauen? Steigen auf und an einem vorbei – erst gibt es gar keine Frauen, dann sind sie plötzlich überall. Verwirrung!“

1512: Karl-Heinz Bohrers „Alleinsein“

Samstag, März 25th, 2017

Einer unserer fähigsten Feuilletonisten, Thomas Steinfeld, schreibt in der SZ (25./26.3.17) sehr anschaulich über den 1932 geborenen Karl-Heinz Bohrer. Der ist in der deutschen Publizistik bekannt: FAZ-Redakteur, Literaturchef dort (gechasst von Joachim Fest zugunsten Marcel Reich-Ranickis), London-Korrespondent, Germanistik-Professor in Bielefeld, „Merkur“-Herausgeber, Schriftsteller (über 20 Bücher). Nun ist sein neues Buch erschienen:

Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie Berlin (Suhrkamp) 2017, 542 S.; 26 Euro.

Nach Steinfeld geht es darin nicht zuletzt um den bürgerlichen Glauben, die Kunst sei nicht nur autonom, sondern allen lebenspraktischen Verhältnissen überlegen.

Karl-Heinz Bohrer schreibt: „Mein Alleinsein war nichts anderes als die unmittelbare Wahrnehmung der anbrandenden Welt um mich herum. Das erzeugte keine Langeweile, keine Leere, sondern das Gegenteil davon. Es lief auf die Empfindung hinaus, über alles zu verfügen. Nicht im Tun, sondern in der Vorstellung. Es war das Glück absoluter Souveränität.“

Das Buch liegt bei mir bereits auf dem Schreibtisch bereit.

1505: Aussteller-Rekord auf Leipziger Buchmesse

Donnerstag, März 23rd, 2017

Die Leipziger Buchmesse beginnt heute mit einem Rekord von 2 493 Ausstellern aus 43 Ländern. „Ein besonderer Fokus liegt dieses Mal  auf neuen Formen der Literaturvermittlung in Zeiten des digitalen Wandels.“, so Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner. Schwerpunktland der Buchmesse ist

Litauen.

Das parallel zur Buchmesse stattfindende Lesefest

„Leipzig liest“

bietet rund 3 400 Veranstaltungen. Im vergangenen Jahr wurden etwa 260 000 Besucher gezählt (kna 23.3.17).

1503: David Grossman spricht Angela Merkel seine Hochachtung aus.

Dienstag, März 21st, 2017

Der 1954 geborene israelische Schriftsteller David Grossman gehört zu den anerkannten Autoren der Weltliteratur. 2009 erschien sein Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ über eine Frau, welche die Nachricht vom Tod ihres Sohns vermeidet, der in der israelischen Armee dient. Während der Roman entstand, fiel Grossmans Sohn Uri als Panzersoldat im Libanonkrieg. 2010 erhielt David Grossman den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seinen Einsatz im israelisch-palästinensichen Dialog.

Grossman nimmt sich die „One-Man-Show“ Donald Trumps in den letzten Monaten vor und nach seiner Wahl vor (Die Zeit 9.3.17). Seine Verurteilung Trumps ist schärfer als die vieler anderer. Grossman fragt sich, was Literatur gegen den Abbau von Demokratie und  Menschenrechten leisten kann.

1. In Aischylos Drama „Agamemnon“ hat Grossman den Satz der satanisch manipulativen Frau des Agamemnon, Klytämnestra, gefunden: „Vieles habe ich gesagt, wie es der Augenblick gebot. Jetzt aber behaupte ich ohne Scham das Gegenteil.“

2. Grossman zitiert aus dem Alten Testament den Propheten Jesaja: „Weh, die da heißen Böses gut und Gutes bös, aus Dunkel machen Licht und Licht zu Dunkel, aus bitter machen süß und süß zu bitter“ (Jesaja 5,20).

3. „Was vermag die Literatur in einer solchen  Welt zu leisten? Sehr wenig und sehr viel. Wenig, weil Machthaber wie Trump und seinesgleichen – Wladimir Putin in Russland, Recep Tayip Erdogan in der Türkei und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu – fähig sind, mit einem einzigen Befehl (…) oder sogar mit einem einzigen provokativ-zynisch-manipulativen Tweet die Realität von Millionen von Menschen auf den Kopf zu stellen und die Welt noch chaotischer und unberechnbarer zu machen.“

4. Für Grossman vermag Literatur sehr viel durch den Geist, der aus ihr hervorgeht. „In einer Welt der Images, in der die Verbindung zum Wesentlichen, zum unveränderlichen Eigentlichen, zur zuverlässigen Gewissheit fast ganz verloren gegangen ist, bringt eine gute Geschichte uns wieder mit einer nicht zu erschütternden Wahrheit in Berührung: mit einem fast physischem Wissen um das, was gut und was böse ist. Was rein und klar, was korrupt und trübe, was hell und was dunkel ist.“

5. David Grossman bringt als Beispiele für aufklärerische Literatur Thomas Manns (1875-1956) „Mario und der Zauberer“, Franz Kafkas (1883-1924) „Das Urteil“ und „Das Schloss“ und Elias Canettis (1905-1994) „Die Blendung“. Darin findet statt die Auseinandersetzung der Autoren mit dem Faschismus, mit der Vermassung und mit der unmerklich sich durchsetzenden Diktatur.

6. „Das bringt mich zu einer weiteren Dimension der Literatur, von der ich mir wünsche, politische Führer möchten sie sich aneignen: zu ihrer Perspektive. Literatur setzt stets beim Blickwinkel eines Einzelnen an und spricht zum Einzelnen.“

7. „Denken wir nur an die Reaktionen vieler europäischer Staaten auf die Flüchtlingswelle im Herbst 2015. Denken wir daran …, welch einen außerordentlichen, beeindruckenden Weg Bundeskanzlerin Angela Merkel beschritten hat. Wie menschlich und großherzig war ihre Handlungsweise, für die sie einen hohen politischen Presi zu zahlen hat! Ich als Angehöriger eines Volkes von Flüchtlingen, Sohn eines Vaters und Enkel einer Großmutter, die aus Europa fliehen mussten, ich spreche Angela Merkel meine Hochachtung aus.“

 

1493: 2001: Der letzte Laden schließt.

Sonntag, März 12th, 2017

Stanley Kubrick drehte 1968 seinen Science-Fiction-Film „2001 – Odyssee im Weltraum“. Er zeigte die Zukunft, die eine schräge Welt versprach. 1969 kam das Kulturversandhaus „2001“ auf den Markt. Anfangs sehr erfolgreich. Doch spätestens seit 2002 klingt 2001 nicht mehr visionär, sondern rückwärtsgewandt. Und ungefähr seit dieser Zeit ging es mit dem Kulturkaufhaus bergab. Nun schließt Ende März der letzte Laden in Frankfurt.

Im Internet lebt die Marke weiter (Corinna Budras, FAS 12.3.17).

1490: „Spiegel“-Biografie: Martin Walser 90

Freitag, März 10th, 2017

Martin Walser ist unser produktivster Schriftsteller. Ungeheuer sein Oeuvre. Er hat fast zu viel geschrieben, um stets auf der Höhe seiner Darstellungskunst zu sein. Und so ist wohl auch der eine oder andere Bewerbungsschuss in Richtung Literatur-Nobelpreis verpufft. Walser liegt nicht auf der Linie der sozialdemokratischen Literaturbewerter in Stockholm. Anders als Günter Grass, der seine SS-Mitgliedschaft erst nach dem Nobelpreis kundgetan hat. Da hat sich das Nobelpreis-Komitee wahrscheinlich ziemlich geärgert. Macht nichts. Philip Roth hat den Preis bisher auch nicht bekommen. Etc.

Martin Walser wird nun 90. Er scheint bei bester Kondition. Auch wenn er mit „Statt etwas oder der letzte Rank“ angeblich sein letztes Buch vorgelegt hat. In der Magazin-Reihe „Der Spiegel-Biografie“ ist er nun der „Chronist der deutschen Seele“. Ein fulminanter Band, der nicht zuletzt von Walsers Geistesgegenwart lebt. Sehr gut recherchiert, großartig geschrieben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier viele Walser-Fans zu Wort kommen. Zum Beispiel Volker Hage.

Enthalten sind aktuelle Walser-Texte sowie eine Auswahl von Rezensionen seiner Werke, politische Schriften, Essays und Gespräche. Natürlich darf Walsers Rede 1998 als Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels nicht fehlen, in der Walser sich als Antisemit erprobte (vgl Wilfried Scharf/Martina Thiele: Die publizistische Kontroverse über Martin Walsers Friedenspreisrede. In: Deutsche Studien 1999, Heft 142, S. 147-208). Ein stärkerer Akzent hätte auf Walsers Rede „Über Deutschland reden“ (in: Die Zeit 4.11.1988, S. 65-67) liegen können, in der Walser bekundete, sich nicht mit der deutschen Teilung abzufinden. Und das in einer Zeit, in der das gesamte links-liberale Milieu noch den realen Sozialismus gutfand. Walser war seiner Zeit voraus. So oder so. In dem Band finden wir ein Gespräch mit Walser über die deutsche Einheit.

Wir werden informiert über „Finks Krieg“ und „Meßmers Reisen“ und vieles mehr. Ein ganzes deutsches Kaleidoskop. Und mit Bewunderung lesen wir Walsers „Danksagung an die deutsche Sprache“. Ohne Dunst und Krampf. Nur unsere wunderbare deutsche Sprache. Als Walser-Kritiker kommen zu Wort Peter Wapnewski, Reinhart Baumgart, Rolf Becker, Hellmuth Karasek, Joseph von Westfalen, Volker Hage. Und ausführlich Walsers Antipode Marcel Reich-Ranicki. Ein besonderes Kapitel („Tod eines Kritikers“). 1998 haben sich Martin Walser und Rudolf Augstein an der Cote d’Azur getroffen und ihre Geschichte reflektiert. Zentrale deutsche Themen. Dieser Band von „Spiegel“-Biografie wird Geschichte machen.

Gegen Ende rezensiert der neue Stern am deutschen Kritikerhimmel, Volker Weidermann, Walsers letzten Roman („Statt etwas oder der letzte Rank“). Es sei ein höchst verlässlicher echter Walser. „Die Feinde und ich – wir waren ein Team. Zur Unterhaltung der Welt.“ „Ich würde gerne in die Welt hinausposaunen: Wer immer sich einbildet, mein Feind sein zu müssen, er darf zur Kenntnis nehmen, dass ich nicht mehr einholbar bin.“ Thomas Mann lobt Walser für seine Anpassungsfähigkeit. Und Weidermann schreibt: „Seine Bewunderung für die klugen Positionswechsler ist in Wahrheit Verachtung.“ Ja. Ohne die kommt Walser nirgends aus. Walser spricht über die Frauen. Das wichtigste Thema, viele werden es gebannt erwarten. Walser: „Das ganze Treue-Brimborium ist nichts anderes als die kulturelle Verbrämung einer barbarischen Strafroutine.“ Volker Weidermann verortet Martin Walser „letztlich in der deutschen Mitte“. „Er meinte immer, besonders viele Feinde zu haben, doch er war vor allem ängstlich.“

1484: „Literarisches Quartett“ muss länger werden.

Montag, März 6th, 2017

Das mit Volker Weidermann, Christine Westermann und Thea Dorn gut besetzte „Literarische Quartett“ nimmt Fahrt auf. In der Sendung am 3. März verstärkte und verbesserte Elke Schmitter („Der Spiegel“) noch den Gehalt. Aber die Sendung ist zu kurz, wie Jens Bisky zu Recht herausgearbeitet hat (SZ 6.3.17). Das kann doch geändert werden.