Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

905: Ayaan Hirsi Ali: Der Westen muss offensiver werden.

Sonntag, April 26th, 2015

Die bekannte Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali, 45, hat ein neues Buch publiziert

„Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss.“ (Knaus Verlag).

Darin erklärt sie, dass es nicht genügt, den islamistischen Fundamentalismus mit Luftschlägen und Bodentruppen zu bekämpfen, sondern dass er weltanschaulich attackiert werden muss. Dabei geht sie so weit vorzuschlagen, dass der Westen wie im kalten Krieg agieren solle. Das ist hart für unsere Kommunisten, Fortschrittler und Gutmenschen.

Hirsi Ali hatte in Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia gelebt und war in die Niederlande geflohen, um einer Zwangsehe zu entgehen. Dort studierte sie und ging in die Politik. Nach dem 11. September sagte sie sich vom Islam los. Bei der

Ermordung Theo van Goghs 2004

machte sie Schlagzeilen, der Täter hatte eine an Hirsi Ali gerichtete Morddrohung auf die Brust des Opfers geheftet. Heute ist Hirsi Ali US-amerikanische Staatsbürgerin und lebt dort mit ihrem Mann, dem Historiker Niall Ferguson. Sie lehrt in Harvard.

Christian Mayer hat Hirsi Ali für die SZ (25./26.4.15) interviewt.

SZ: Was hat der Mord an Theo van Gogh bei Ihnen ausgelöst?

Hirsi Ali: Dass ich weiter meine freie Meinung vertreten muss. Dass ich dazu friedliche Mittel verwenden werde – Artikel, Vorträge, Bücher. Am Anfang hatte ich nur ein Ziel: andere Muslime zu überzeugen, dass der Dschihad der falsche Weg ist. Heute will ich auch liberale Bürger in Europa und den USA davon überzeugen, dass etwas falsch ist mit den religiösen Überzeugungen jener Leute, die ich im Buch Medina-Muslime nenne, weil sie sämtliche Botschaften im Koran wortwörtlich nehmen, auch die Botschaften, die dem Frieden im Wege stehen. …

904: Tötungslust braucht keine Ideologie.

Donnerstag, April 23rd, 2015

Mit seiner Dissertation „Männerfantasien“, die 1977 in zwei Bänden erschien, hat Klaus Theweleit Furore gemacht. Sein Ansatz ist heute noch fruchtbar, wird aber nicht überall verstanden. Theweleit hat seinerzeit aufgeräumt mit beschönigenden Versionen vom Krieg und von Soldaten und mit rechtfertigenden Perspektiven für Nazis. Er analysierte die faschistischen Männlichkeits- und Gewaltfantasien in mehr als 250 Romanen und „Lebenserinnerungen“. Methodisch geschah das in einer Mischung aus Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, autobiografischer Erzählung, Comics, Karten und politischen Kommentaren. Beim Quellensammeln stieß Theweleit das erste Mal auf das Lachen der Täter, wenn Morde wie die an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als „Lustmorde“ gesehen und gefeiert wurden.

Bei seinem neuen Buch

„Das Lachen der Täter. Breivik u.a. Psychogramm der Tötungslust“. Residenz-Verlag, 248 S., 22,80 Euro

handelt es sich nach Theweleits eigener Aussage um „Männerfantasien revisited“. Theweleit untersucht wieder die Täter. Anders Breivik, IS-Kämpfer, SS-Männer. Er findet heraus, dass es beim Töten nicht auf eine Religion oder Ideologie ankommt, sondern auf die „Tötungslust“ (Julia Encke, FAS 22.3.15).

„Es gibt einen bestimmten körperlichen Herrschaftstyp, der seine Herrschaft immer mit Gewalt und ohne Rücksicht auf die anderen durchsetzt. Die Griechen nennen ihn Barbaren. Ich nenne ihn nicht so, sondern einen bestimmten Dominanzmännertyp, der von Beginn unserer Kultur an da ist (auch bei den Griechen) und der versucht seine Herrschaft durchzusetzen mit Gewalt, mit Töten. Und zum Töten braucht man eine bestimmte körperliche Disposition: eine Art zerstörter Körperlichkeit mit der Dauerangst, psychisch zu fragmentieren. Glücklicheren Menschentypen wäre das unangenehm, in die Haut des anderen einzudringen und das Blut spritzen zu lassen. Jeder macht das nicht, zumindest nicht mit Lust.“

Dieses Vorgehen wird mit beliebiger Ideologie gerechtfertigt, aber auf die Weltanschauung kommt es dabei nicht wirklich an. Der Täter kann ein strukturell patriarchalischer Muslim sein oder ein norwegisch-christlicher Antisemit oder ein germanisch-sektiererischer SS-Mann oder noch etwas anderes. Frauen üben weit weniger körperlich tötende Gewalt aus.

Gewalt kann nach Klaus Theweleit eingedämmt werden. In unserer Gesellschaft wachse fast keiner mehr heran, der diese Sorte von Tötungszwang und Tötungslust entwickle. „Wenn die Umgebung nicht mitmordet und mitfeiert, ist der Triumph sehr eingeschränkt.“ „Es gibt aber Tausende von Irakern oder afrikanische Soldaten oder Kindersoldaten, die darauf aus – oder angewiesen sind, in Gebieten mit einem Machtvakuum ihre Gewalt loszulassen.“

In diesen Strukturen dürfen Frauen nichts zu sagen haben. Auch jene nicht, die etwa freiwillig zum IS gehen. Verschleierung, im Hause bleiben, eine bestimmte sexuelle Verfügbarkeit – daran haben sie sich zu halten. Nach Klaus Theweleit geht die Männerherrschaft weiter.

 

903: Die „Vereinbarkeitslüge“

Mittwoch, April 22nd, 2015

Marc Brost und Heinrich Wefing, die beide als Journalisten bei der „Zeit“ arbeiten, haben ein Buch geschrieben:

Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2015, 240 S., 16,95 Euro.

Darin bestätigen sie, was wir ohnehin zumindest ahnen. Manche von uns wissen es. Dass es nämlich nicht möglich ist, Kinder, Karriere und ein befriedigendes Privatleben miteinander zu vereinbaren. Aber wir haben uns ja angewöhnt, so zu tun als ob, weil die Lebenslagen, in denen wir stecken, nun mal häufig nicht ideal sind. Wegen der vielen Scheidungen, die auch ein Zeichen für eine bewegliche Gesellschaft sind, verteidigen wir Patchwork-Familien, weil viele Kinder ein normales Gymnasium nicht schaffen, flüchten wir uns in integrierte Gesamtschulen, weil ein ordentliches Universitätsstudium nichts für alle ist, senken wir die Leistungsanforderungen. So pflegen wir unsere frommen Lebenslügen. Und nicht nur der OECD zuliebe.

Für unsere Gesellschaft ist das nicht unbedingt gut. Dort sind in der Firma, im Institut, in der Klinik die Männer beliebt, die zu 100 Prozent arbeiten. Sie brauchen ihre Zeit nicht mit Dokumentieren und Übergeben zu vertun, sondern können „alles“ geben. Wir müssen nur aufpassen, dass der Tatbestand, den Brost und Wefing herausarbeiten, nicht wieder dazu verwendet wird, Frauen das zuzumuten, in dem sie nur scheitern können, alles mit allem vereinbaren zu müssen, während die Herren der Schöpfung wegen der „Vereinbarkeitslüge“ ihre Privilegien ausbauen (Verena Mayer, SZ 21.4.15).

902: Kurt Tucholsky im Fernsehen

Dienstag, April 21st, 2015

Als Auftakt einer dreiteiligen Serie (Berlin, Paris, Wien) über „Die wilden Zwanziger“ zeigt Arte am Mittwoch, 22.4.15, um 21.45 Uhr „Berlin und Tucholsky“. Christoph Weinerts „halbdokumentarischer Film“ hat Kurt Tucholsky als idealen Begleiter der zwanziger Jahre. Und Gustav Seibt (SZ 21.4.15) schreibt treffend:

„Tucholsky fühlt, denkt und spricht fast wie wir (viele seiner Texte klingen wie gesprochen), sein unfeierlicher, meist trocken-witziger, gelegentlich gefühlvoller Ton lässt historische Distanz fast verschwinden. Er ist links, ohne doktrinär zu sein, modern ohne Allüre, und war mit einem gesunden Menschenverstand gesegnet, der ihn gegen die Phrasen seiner Zeit weitgehend immun machte.“

901: Die russische Krise

Montag, April 20th, 2015

Wladimir Woinowitsch, 82, ist ein russischer Schriftsteller und Satiriker. 1980 verließ er die Sowjetunion. Heute lebt er in München. In der SZ-Außenansicht schreibt er am 24.3.15 über die russische Gesellschaft:

„Die russische Gesellschaft befindet sich im kalten Bürgerkrieg, aufgeheizt durch die Übernahme der Krim und den Krieg im Donbass. Der Konflikt zwischen dem Regime, seinen Anhängern und seinen Kritikern hat sich verschärft. Die Atmosphäre des Hasses spitzt sich zu. Im russischen Fernsehen laufen praktisch täglich zur Primetime Polit-Talkshows, an denen fast immer die gleichen berühmt berüchtigten Politiker, Abgeordneten, Journalisten, Schriftsteller und Regisseure teilnehmen, die Putin, sein Regime und die Donezker und Luhansker Separatisten in den Himmel loben und die USA, Europa, die ukrainische ‚Junta‘ und die inländische Opposition verteufeln. In dieser Atmosphäre fürchten viele Regimekritiker um ihr Leben und, wie der Mord an Boris Nemzow gezeigt hat, zu Recht.

Das heutige Regime ist dem sowjetischen sehr ähnlich, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Die Sowjetunion brachte Dissidenten meist ins Gefängnis und erzeugte auf diese Weise Aufruhr im Ausland. Auch jetzt kommen Kritiker ins Gefängnis, aber dort handelt es sich meistens um wenig bekannte (Michail Chodorkowski war eine Ausnahme). Die Bekannten müssen damit rechnen, umgebracht zu werden. Bei einem Mord kann man immer irgendeinen beliebigen Täter mit anderen Motiven verdächtigen. So war es im Fall von Boris Nemzow. …

Russland befindet sich in seiner tiefsten politischen Krise. Das Land könnte nur durch einen friedlichen Machtwechsel mit regelmäßigen, offenen und fairen Wahlen gerettet werden. Aber ich glaube, dass das nicht passieren wird. Weder Regierung noch Volk sind zu einem Wechsel in der Lage. Daher fürchte ich, dass Russland alle diese Widersprüche, die das Land zerreißen, nicht aushalten und am Ende vom gleichen Schicksal wie die Sowjetunion ereilt werden wird. Es wird zerfallen.“

 

900: Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten

Montag, April 20th, 2015

Nach einer Ende März vorgelegten Studie der Bertelsmann-Stiftung sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von heute 45 Millionen auf 29 Millionen im jahr 2050. Danach ändern weder eine

stark steigende Erwerbsquote von Frauen

noch ein höheres Renteneintrittsalter

oder eine Ausweitung der Jahresarbeitszeit

daran etwas, dass im Jahr 2050 viele Arbeitskräfte fehlen. Die Studie empfiehlt, dass wir uns vor allem um qualifizierte Menschen aus Nicht-EU-Staaten bemühen, weil die derzeit hohe Zuwanderung aus Ländern der EU deutlich nachlassen werde. Deutschland benötigt bis 2050 jährlich zwischen

276000

und 491000

Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten. Der Bertelsmann-Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger plädierte für ein Einwanderungsgesetz.

899: Versteht Russland sich selbst ?

Samstag, April 18th, 2015

Der Russland-Experte Gerd Koenen, der seine politischen Ursprünge in den West-Berliner K-Gruppen der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hatte, seziert das Meinungsklima und die Stimmungen in Russland (Die Zeit 19.3.15). Er kommt zu prägnanten Aussagen.

„Dass der Westen Russland nicht versteht, mag sein. Aber versteht Russland sich selbst? Oder ist nicht vielmehr sein Kardinalproblem, dass es weder in der Lage noch dazu bereit ist, dem ins Gesicht zu schauen, was es sich zu einem großen Teil selbst angetan hat, und wirklich zu verstehen, was die Gründe seines erneuten, ureigenen Scheiterns gewesen sind? Stattdessen wird wieder fanatisch nach äußeren Feinden und deren inneren Agenten und ‚fünften Kolonnen‘ gefahndet.

Aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat das postsowjetische Russland keine eigene zivile Industriebasis mit den dazugehörigen technologischen und wissenschaftlichen Ressourcen zu erhalten oder neu zu begründen vermocht. Das ist der fundamentale Unterschied gegenüber der zweiten Hauptmacht des ehemaligen Weltkommunismus, der Volksrepublik China – an die Putin sein Restimperium unter dem Druck der westlichen Sanktionen jetzt durch einen vermeintlich triumphalen, womöglich aber ruinösen Pipeline-Vertrag angekoppelt hat. Wenn Russland von irgeneiner Seite in seinem Bestand gefährdet wäre, dann wohl am ehesten von einem schleichenden ‚friendly takeover‘ durch China. …“

Von Gerd Koenen ist erschienen

„Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945.“.

898: Was Heidegger wollte

Samstag, April 18th, 2015

Manchmal wundere ich mich darüber, dass von dem Nazi und Antisemiten Martin Heidegger so viel Aufhebens gemacht wird. Wenn seine Philosophie u.a. diese Ergebnisse brachte, was sollte sie dann wert sein? Die „Schwarzen Hefte“ belegen doch nur, wie weit sein Antisemitismus ging.

Nun hat der Hamburger Philosoph Manfred Geier, von dem die rororo-Monografie Heidegger stammt, in der SZ (16.4.15) den m.E. gelungenen Versuch unternommen, Heidegger zu erklären. Er schreibt verständlich und nachvollziehbar.

„Worum geht es eigentlich? … Es ging, für Heidegger, um die Grundfrage der Metaphysik. Sie beherrschte, was er zu denken versuchte und wogegen er sich richtete. Seine metaphysische Intention, die sich auf das Sein konzentrierte und den ‚Vorrang des Seienden‘ zurückdrängte, motivierte seine Angriffe

gegen

die empirischen Wissenschaften, die Technik, die mathematische Logik, die Aufklärung, die instrumentelle Vernunft und, an wenigen Stellen, auch gegen das Judentum.

Denn sie alle, so Heidegger, rechnen nur mit dem Seienden, aber verfehlen die ‚Wahrheit des Seins‘. Der ‚Fall Heidegger‘ ist eine Folge seiner Metaphysik, die zwischen 1929 und 1935 das Zentrum seines Denkens bildete. Nur so sind viele seiner Angriffe und Ressentiments zu verstehen. …

Es gab zwei ‚Grundstimmungen‘, in denen sich Heidegger zeigte, woraufhin er zielte: zum einen die fahle Stimmung einer alles erfassenden, tiefen

Gleichgültigkeit,

die an nichts mehr hängt und zu nichts mehr drängt; zum anderen eine abgründige

Angst,

die alles affiziert und ins Nichts zu ziehen droht. Heidegger beantwortete seine Frage ‚Was ist Metaphysik?‘ also nicht theoretisch, auch nicht philosophiegeschichtlich. Er gab ihr eine eigenwillige existenzielle Wende, die tief greifende Gestimmtheiten evozierte und dafür eine rauschartige Sprache fand. …

Es war keine rassistische oder antisemitische Grundhaltung, keine menschenverachtende Gewaltfantasie, kein kriegerischer Eroberungswillen und kein fremdenfeindliches Hassgefühl, die Heidegger charakterisierten und die ihn zum Nationalsozialisten werden ließen. Stattdessen versuchte er mit seinem Wirken und seinem Werk, vor allem von 1929 bis 1935, ein metaphysisches Denken zu praktizieren, das aus menschlichen Grundstimmungen seine Energie bezog. Davon kann man immer noch fasziniert sein; man hat es mit keiner akademischen Philosophie zu tun, sondern mit einem geistigen Abenteuer und einer existenziellen Herausforderung. Dass damit Martin Heidegger selbst zu seiner Zeit in die Falle des Nationalsozialismus geriet, ist sein großer Irrtum, der erschreckend bleibt. Jedenfalls kann man an seinem Fall lernen, dass ganzheitliche Stimmungen in metaphysischer Hinsicht keine guten Ratgeber sind, wenn es um die politische Lösung konkreter Probleme geht, damals wie heute.“

Als Nazi und Antisemit und Ganzheitlichkeits-Guru ist Heidegger scharf abzulehnen.

897: Völkermord an den Armeniern 1915

Donnerstag, April 16th, 2015

Nach Papst Franziskus hat nun auch das Europäische Parlament den hundertsten Jahrestag des Massenmords an den Armeniern von 1915 zum Anlass genommen, das Ereignis als

Genozid

zu brandmarken. Man gedenke des „armenischen Genozids im Geist europäischer Solidarität“ und forderte auch die EU-Kommission und den Europäischen Rat dazu auf. Damit wendet sich das EU-Parlament gegen die Haltung einer Reihe von Staaten, darunter Deutschland, den Massenmord nicht als Völkermord zu bezeichnen.

Der türkische Staatspräsident Erdogan reagierte: „Für die Türkei ist es niemals möglich, eine solche Sünde, eine solche Schuld anzuerkennen.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokraten im Parlament, Knut Fleckenstein (SPD) forderte die Bundesregierung auf, dem Brüsseler Beispiel zu folgen. „Insbesondere als Deutsche und in dem Bewusstsein, dass das deutsche Kaiserreich Verbündeter des Osmanischen Reichs war, wissen wir, dass die Aufarbeitung der eigenen Geschichte eine Grundlage für eine respektvolle und vertrauenswürdige internationale Zusammenarbeit ist.“ (Daniel Brössler, SZ 16.4.15; Rolf Hosfeld, Le Monde diplomatique April 2015)

896: Klaus Bednarz ist tot.

Donnerstag, April 16th, 2015

Klaus Bednarz ist tot.

Ernsthaftigkeit und Seriosität waren das Markenzeichen des Fernsehjournalisten, der als Korrespondent in Polen und der Sowjetunion startete und von 1983 bis 2001 Chef von „Monitor“ war. Der 1942 in Falkensee geborene Journalist war 1955 mit seinen Eltern aus der DDR nach Hamburg gekommen. Er studierte Theaterwissenschaften und Osteuropäische Geschichte. Heiterkeit, Leichtigkeit und Ironie waren seine Sache nicht. Stark in der Analyse, klar in der Problemansprache und nachvollziehbar parteilich in seiner Haltung hat Bednarz das deutsche Fernsehen mitgeprägt. Zu seiner Zeit erzielte die ARD noch sehr hohe Marktanteile. Bednarz deckte Affären und Skandale auf. Er scheute keine Tabus. 1991 etwa zeigte „Monitor“ desertierte US-Soldaten. Von seinen Intendanten hat Klaus Bednarz manche Rüge bekommen.

Er war im deutschen Fernsehen eine moralische Instanz.