Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

925: Lisa Ortgies: Für praktischen Feminismus

Montag, Mai 11th, 2015

Lisa Ortgies ist Moderatin der WDR-Sendung „Frau TV“. 2008 war sie kurz „Emma“-Chefredakteurin, vorher Kolumnistin des Blattes. Sie hat jahrzehntelange Erfahrungen mit dem deutschen Feminismus. Nora Gantenbrink und Sylvia Margret Steinitz haben sie für den „Stern“ (9.4.15) interviewt.

Stern: Was war der größte Fehler des 80er-Jahre-Feminismus?

Ortgies: Ich glaube, die Einstellung: Wir bekommen alles alleine hin. Machen eigene Kitas auf, brauchen niemanden. Das war falsch. Es hat die Politik außen vor gelassen und die Männer.  Man braucht beide. Die gesamte Gesellschaft. Denn nur so entsteht das Gefühl: Es geht uns alle an. Und nur so schafft man auch das Bewusstsein, dass Erziehung nicht nur Frauensache ist.

Stern: Die Komikerin Carolin Kebekus antwortete neulich in einem „Stern“-Gespräch auf die Frage, ob sie eine Feministin sei: „Das klingt so ungebumst.“ Hat der Feminismus ein Imageproblem?

Ortgies: Natürlich. Schon lange. An dem Begriff Feminismus reiben sich einfach viele auf, um Inhalte geht es eher selten. Und leider hält sich hartnäckig das Vorurteil, es würde hier nur um Frauen gehen.

Stern: Was halten Sie von der Diskusssion um gendergerechte Sprache? Etwa vom Binnen-I? Also „LehrerInnen“ statt „Lehrerinnen und Lehrer“?

Ortgies: Gar nichts. Aber das ist auch überhaupt nicht meine Baustelle. Ich finde, es hat Sinn bei Berufsbezeichnungen das „in“ anzuhängen. Also Pilot und Pilotin. Alles andere sollen andere diskutieren, ich persönlich halte das nicht für relevant. Damit lenkt man nur von größeren Problemen ab.

Stern: Was hätten Männer von einem gesamtgesellschaftlichen Feminismus?

Ortgies: Entlastung. Es ist doch auch gut für sie, wenn man Dinge aufteilt. Und ich möchte nicht als reaktionär bezeichnet werden, weil ich mich frage, wie es Kindern geht, die ihre Eltern nie sehen, weil beide Karriere machen. Und ich finde, dass Eltern anfangen sollten zu hinterfragen: Muss ich hier wirklich zwölf Stunden sitzen? Muss ich wirklich nach Feierabend mobil erreichbar sein? Ist der Preis, den ich für diese Selbstoptimierung bezahle, nicht viel zu hoch? Warum passe ich mich immer dem System an und nicht auch mal das System meinen Bedürfnissen?

Stern: Fördert unser Wirtschaftssystem die Vernachlässigung von Kindern?

Ortgies: Neoliberalismus fördert vor allem die Selbstausbeutung. Denn selbst wenn beide Elternteile arbeiten und zwei Kinder in der Betreuung haben – dieses System funktioniert nur, solange nichts passiert. Keine Krankheiten, keine Schulprobleme. Sonst kracht das ganze Gerüst zusammen. Und dann haben sie Stress, und auch daran zerbrechen oft Beziehungen.

Stern: Was muss sich schnell ändern?

Ortgies: Dass mehr Frauen, die eben nicht aus privilegiertem Hause kommen und viel Geld haben, eine größere Aufmerksamkeit genießen. Alleinerziehende Mütter zum Beispiel. Das ist so eine riesige Gruppe, und sie besitzt überhaupt keine Lobby. Eine Revolution der Alleinerziehenden, das wäre was. Von der Masse her würden sie es schaffen. Es sind 1,6 Millionen.

924: Jerofejew: Der Westen hat Fehler gemacht.

Montag, Mai 11th, 2015

Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew („Die Moskauer Schönheit“) hat früher auch für das russische Fernsehen gearbeitet. Franziska Augstein hat ihn für die SZ interviewt (11.5.15).

SZ: Hat der Westen Fehler gemacht?

Jerofejew: Jede Menge, schon seit 1991. Die Regierenden im Westen haben sich nicht Kenntnis davon verschafft, wie Russland beschaffen ist. Im Westen dachte man, Russland sei so ähnlich wie Portugal: ein armes, schwaches Land, das dankbar sein müsse, wenn es zur EU gehöre. Vor Jahren habe ich gesagt, wenn das so weitergehe, werde der Kreml sich aufführen wie Iran. Damals bekam ich zu hören: Viktor, wir haben dich ja sehr gern, aber du übertreibst. Und wo stehen wir jetzt? Den Krieg in der Ukraine gäbe es nicht, wenn der Westen begriffen hätte, wie man mit Russland umgeht.

SZ: Wie denn?

Jerofejew: Seit 1991 wurde Russland betrachtet wie ein verdrecktes Zimmer voller ekliger kleiner Tiere. Da brauche es eine Putzfrau, die mit dem Staubsauger mal ordentlich durchgeht. Es wurde ohne Respekt behandelt und ohne die angemessene Härte. Man muss mit Russland nuanciert umgehen.

923: Katyn 1940

Sonntag, Mai 10th, 2015

Im Gefolge des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 hat Stalin am 5. März 1940 das Politbüro seine „Entscheidung Nr. 144“ absegnen lassen, wonach 25.700 Polen hinzurichten seien. Hauptsächlich Offiziere und Soldaten, aber auch 800 Ärzte, 300 Ingenieure, 200 Juristen, ebenso Sportler, darunter Fußballnationalspieler. Sie galten ihm als „bürgerliche Individuen“ und damit als Feinde der Sowjetunion.

In den von der Sowjetunion annektierten polnischen Gebieten hatte es vier große Verhaftungswellen gegeben, dabei wurden zehntausende von Juden festgesetzt. Es begann die Deportation zu den Hinrichtungsstätten in Katyn, Smolensk, Charkow und Mednoje. In Smolensk wurden

der Schriftsteller Isaak Babel

und der Regisseur Wsewolod Meyerhold

ermordet.

Als im Juni 1941 Deutschland die Sowjetunion überfiel, wurden die noch lebenden Polen freigelassen, weil man sie als Kämpfer brauchte. Die meisten gelangten in die Armee des Generals Anders und kämpften im Iran und in Palästina in der britischen Armee.

Diese Erkenntnisse hat der langjährige Osteuropa-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Thomas Urban, in seinem Buch

Katyn 1940. Geschichte eines Verbrechens. München (C. H. Beck) 2015, 249 S.; 14,95 Euro,

präsentiert (Marko Martin, Die Literarische Welt 9.5.15).

922: Auf den Lehrer kommt es an.

Sonntag, Mai 10th, 2015

Lehrer haben den für die Gesellschaft wichtigsten Beruf. Aber sie werden den beruflichen Anforderungen nicht immer gerecht. 25 Prozent von ihnen halten ihn gar für eine „Notlösung“. 94 Prozent werden frühpensioniert. Die psychische Belastung von Lehrern ist oft die Folge einer falschen Berufswahl.

Dabei wissen wir seit der Studie von

John Hattie (Neuseeland),

der sämtliche einschlägigen englischsprachigen Untersuchungen ausgewertet hatte: „Was zählt, ist der einzelne Lehrer. Wie bereitet er den Stoff auf? Wie stringent führt er durch die Stunde? Erreicht er die Kinder? Kann er sich für das, was er da unterrichtet, selbst begeistern?“ Es kommt auf die Beherrschung der pädagogischen Kernkompetenzen an:

– emotionale Stabilität,

– Gewissenhaftigkeit,

– Offenheit,

– Empathie.

Der Passauer Ordinarius für Schulpädagogik Norbert Seibert hat deswegen einen achtstündigen

eignungsdiagnostischen Test

entwickelt. Er funktioniert wie ein Assessment-Center: Die Probanden müssen sich selbst vorstellen, nehmen an einer Gruppendiskussion teil, an Rollenspielen und Empathieübungen. Ein Expertengremium aus Lehrern, Rektoren, Schulräten und Lehrstuhlmitarbeitern achtet auf die Körperhaltung, die Sprachkompetenz und das Einfühlungsvermögen (Alex Rühle, SZ 7.5.15).

Würde ein solcher Test überall in Deutschland eingeführt, könnte nach Seiberts Schätzung in vielen Fällen (40 %) die falsche Berufswahl zum Lehrer vermieden werden. Und viel pädagogisches Unglück.

921: Sanierungsfall Universität

Sonntag, Mai 10th, 2015

Der junge Freiburger Bildungssoziologe Christian Dries ist mutig. Dort, wo sonst Duckmäusertum und Speichelleckerei herrschen, spricht er die Defizite des aktuellen Wissenschaftsbetriebs klar an (SZ 6.5.15). Die Ursache sieht er im Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Dries hält es für forschungs-, frauen- und familienfeindlich. Wer nach insgesamt zwölf Jahren Qualifikationszeit keine entfristete Dauerstelle habe, der sei im Aus gelandet. „Das kommt einer Selbstdemontage des Wissenschaftsstandorts Deutschland gleich, es ist ein

Programm zum systematischen Abbau wissenschaftlicher Exzellenz.“

„Die vielleicht dramatischste Folge dieser politisch motivierten Fehlsteuerung ist kaum in Zahlen zu fassen. Dass immer mehr kluge Köpfe die Hochschule in Richtung Ausland oder attraktivere Berufsfelder verlassen, ist nur die eine Seite. Weil zugleich die Zeit immer knapper wird, die den Jungen für gediegene wissenschaftliche Forschung bleibt, verringert sich (vor allem in den notorisch leseintensiven und mußebedürftigen Geisteswissenschaften) beinahe zwangsläufig auch die Qualität der abgelieferten Forschungsarbeiten.“

Die Universität erziehe „Blender“. Es fehle vor allem an der Betreuung von Studierenden und „ausgefeilten Seminaren für den neuen akademischen Nachwuchs“.

Das muss geändert werden.

920: Knappe Mehrheit für Netanjahu

Freitag, Mai 8th, 2015

Trotz seines deutlichen Wahlsiegs verfügt Benjamin Netanjahu (Likud) nur über eine 61:59-Mehrheit in der Knesset. Das liegt vor allem daran, dass sich die nationalistische Partei des früheren Außenministers Avigdor Lieberman entschlossen hat, in die Opposition zu gehen.

Die ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Thora Judentum gehören zur Koalition. Ebenso wie die Kulanu Partei des neuen Finanzministers Mosche Kachlon. Schwierigkeiten gab es mit der

Siedlerpartei

des künftigen Bildungsministers Naftali Bennett. Er hat seine Parteikollegin Ajelet Schaked als Justizministerin durchgesetzt. Beobachter rechnen damit, dass Netanjahu zunächst selbst das Außenamt übernimmt, um es für Lieberman oder den Wahlverlierer Isaac Herzog von der Arbeitspartei „freizuhalten“.

Die neue Koalition will keine Zwei-Staaten-Lösung. Friedenspolitik dürfte es in Israel künftig noch schwerer haben (Peter Münch, SZ 8.5.15).

919: In Israel: Gemischte Gefühle

Freitag, Mai 8th, 2015

Nachum Manor, 91, und seine Frau Genia, 88, haben sich in einer Fabrik Oskar Schindlers in Polen kennengelernt. Im Gespräch mit Peter Münch (SZ 8.5.15) erzählt der Israeli.

SZ: Herr Manor, Sie haben den Krieg überlebt, nach vielem Leiden. Wie schauen Sie heute auf Deutschland?

Manor: Mit gemischten Gefühlen, und das ist der mildeste Ausdruck, den ich dafür finden kann. Deutschland gehört heute in Israel zu unseren Freunden und Helfern. Auf der andere Seite können wir niemals vergessen, was wir durchgemacht haben während des Kriegs, und was das deutsche Volk uns angetan hat. Es ist eine Tragödie, die unser ganzes Leben bestimmt, all die 70 Jahre, die seither vergangen sind.

SZ: Wieviel Rente bekommen Sie heute aus Deutschland?

Manor: Ungefähr 1000 Euro für uns beide zusammen.

SZ: Halten Sie das für angemessen?

Manor: Wiedergutmachung ist nicht möglich. Wir, die durch die Schoah gegangen sind, leben ein Doppelleben: Am Tag funktionieren wir, wir arbeiten, wir lachen, wir weinen – fast wie normal. Aber in der Nacht gehen wir in die Zeiten des Holocaust, jede Nacht. Bis heute träumen wir von den Lagern und all den unvorstellbaren Situationen. Es gibt kein Entkommen.

SZ: Können Ihre Kinder das nachvollziehen?

Manor: Ja. Sie wissen das alles sehr gut. Sie sind beteiligt, sie waren auch einmal in Krakau.

SZ: Und die Enkel?

Manor: In Israel reisen die Kinder in der siebten Klasse nach Polen, sie besuchen Auschwitz und die anderen Orte. Die Schoah lässt uns nicht los, und wir lassen die Schoah nicht los. Aber ich weiß nicht, wie tief das bei der dritten Generation geht.

SZ: Wie haben Sie gelernt, mit den Schatten der Vergangenheit umzugehen?

Manor: Die Psychiater sagen, wenn du alles drin lässt, wird der Druck zu groß. Vielleicht hilft es ja zu reden. Deshalb sind wir oft in Yad Vashem, um Besuchergruppen zu erzählen. Aber es gibt auch viele, die schweigen und deren Kinder gar nichts wissen. In unserem Kibbuz waren 80 Leute, alle aus Europa, alle Überlebende, aber keiner hat darüber geredet. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, eine neue Heimat aufzubauen. Doch dann passierten zwei Dinge:

der Eichmann-Prozess,

und viele Jahre später der Film

„Schindlers Liste“

von Steven Spielberg. Das hat die Tore geöffnet, und plötzlich fingen viele an, darüber zu sprechen. Erst dann haben wir erfahren, was enge Freunde und Nachbarn erlebt hatten.

918: H. A. Winkler – Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes

Freitag, Mai 8th, 2015

Er ist die „Stimme der Bundesrepublik“ und deswegen der richtige Redner in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestags zum 70. Jahrestag des Kriegsendes:

Heinrich August Winkler,

der anerkannte Historiker, 1938 in Ostpreußen geboren, seit 1962 Mitglied der SPD. Winkler betrachtet

den Westen

als „normatives Projekt“, eine Wertegemeinschaft, 1776 begründet mit der Grundrechte-Erklärung in Virginia, vollendet mit der Menschenrechtserklärung in Paris 1789. Wenn er auch die vielen Fehler bei der Verwirklichung des Projekts nicht übergeht. Im Gegenteil: den Irakkrieg, die regierungsamtlich angeordnete Folter, Drohnenschläge gegen Zivilisten, also „Kollateralschäden“ in Serie.

Winkler hat 2000 sein zweibändiges Standardwerk

„Der lange Weg nach Westen“

veröffentlicht. Von 2009 bis 2015 erschien seine vierbändige

„Geschichte des Westens“.

Hier hat er das Selbstverständnis der Bundesrepublik auf 5900 Seiten auf den Punkt gebracht: Deutschland ist eine funktionierende Demokratie, ein loyaler Partner der USA, ein Gemeinwesen, das aus der Geschichte gelernt hat (Franziska Augstein, SZ 8.5.15).

917: R.W. Fassbinder (1945-1982) – die Ausstellung in Berlin

Donnerstag, Mai 7th, 2015

Der Mann in der Lederjacke mit der zu großen Brille und der ewigen Zigarette hat in 13 Jahren 41 Filme gedreht. Der Regisseur als Berserker hatte schon 1982 in Exzessen und mit Drogen sein Leben verbraucht. Der Spießerschreck mit dem Schmuddelimage war ein großer Künstler. Der Regisseur der exakten Kadrierung und der bedrohlichen Innenräume war getrieben von Arbeitswut und von

der Angst vorm Alleinsein.

Bezeichnend dafür ist sein Film „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt.“ (1975).

Fassbinder hat wunderbar zarte Filme geschaffen wie „Fontane: Effi Briest“ (1974). Weitere aussagekräftige Filmtitel sind „Liebe ist kälter als der Tod.“ (1969), „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (1971), „In einem Jahr mit dreizehn Monden“ (1978).

Im Martin Gropius-Bau in Berlin wird anlässlich des siebzigsten Geburtstags des Filmkünstlers eine

Ausstellung (6.5. – 23.8.15)

gezeigt. Darin finden wir natürlich nicht die Wahrheit, sondern die Version, die von der Fassbinder Foundation unter der Leitung von Fassbinders letzter Lebensgefährtin, Juliane Lorenz, für richtig gehalten wird. Die Foundation hat sich um die Digitalisierung und Restaurierung von Fassbinder-Filmen verdient gemacht (Peter Körte, FAS 3.5.15).

U.a. kommt darin auch Fassbinders Fußball-Leidenschaft zum Ausdruck. Wir finden zwischen Drehbuchskizzen Tabellen und Mannschaftsaufstellungen und das Trikot von Paul Breitner. Ich habe es auf einer Berlinale Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts selbst miterlebt, wie Fassbinder auf einer Pressekonferenz mit der gesamten Filmfachpresse der Welt plötzlich abbrach und mitteilte, er müsse jetzt weg, die Sportschau fange an.

916: Rolf Dieter Brinkmann – ein starker poetischer Muskel

Donnerstag, Mai 7th, 2015

Für Heiner Müller war er „das einzige Genie in der westdeutschen Literatur“, Rolf Dieter Brinkmann, 1940 geboren in Vechta, 1975 in London von einem Auto überfahren. Brinkmann absolvierte eine Buchhändlerlehre in Essen, studierte Pädagogik in Köln, lebte aber bald als freier Schriftsteller. Er war ein Rebell der Pop- und Underground-Literatur, ein Quertreiber. 1969 gab er gemeinsam mit Rolf Rainer Rygulla heraus

„Acid. Neue amerikanische Szene.“

Darin präsentierte Brinkmann Literatur der Beat-Generation (Jack Kerouac et alii). Den Literaturbetrieb verachtete der kleine Mann. Einladungen der Gruppe 47 schlug er aus. Marcel Reich-Ranicki rief er einmal zu:

„Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, würde ich Sie über den Haufen schießen.“

Seine Heimatstadt Vechta im Südoldenburgischen hasste der Dichter. Er schrieb: „Geboren zu Anfang des Krieges in Norddeutschland, Vechta im südlichen Oldenburg, einer Kleinstadt von 15000 Einwohnern, ein Schweinelandstrich, leeres Moor … viel krüppiges Grünzeug, katholisch verseucht.“ Es blieb seine „Heimat“. 1972/73 war Brinkmann ein Jahr Stipendiat in der Villa Massimo in Rom, woraus sein 1979 posthum veröffentlichter Roman

„Rom, Blicke“

entstand, ein wildes und obszönes Konvolut aus Briefen, Notizen und Zeitungsausschnitten. 1974 war Brinkmann ein Semester lang Gastdozent in Austin/Texas.

Von Brinkmann sind einige Gedichtbände erschienen. Seine Frau Maleen publizierte weitere Bände. Nicht immer zum Wohlgefallen der deutschen Philologie. 1975 erschien

„Westwärts 1 & 2“,

1985

„Eiswasser in der Guadelupe Street“.

Brinkmanns Roman

„Keiner weiß mehr“ (1968),

in der Tradition des Nouveau Roman, wurde von Ludwig Marcuse sehr gelobt. Rolf Dieter Brinkmann wäre in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden (Mareike Nieberding, FAS 3.5.15).