Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

935: Deutschland – Israel: schwierige Beziehungen

Dienstag, Mai 19th, 2015

Im fünfzigsten Jahr der israelisch-deutschen diplomatischen Beziehungen ist das Verhältnis auf offizieller Ebene ausgezeichnet. Israels Sicherheit gehört zur deutschen Staatsräson (Angela Merkel). Darüber sollten wir froh und dankbar sein, nachdem zunächst niemand auch nur einen Pfennig darauf gesetzt hätte. Und wir müssen Israel U-Boote verkaufen. Die braucht es für seine Sicherheit. Angesichts von radikal-islamistischen Kräften in seiner Umgebung, die nach wie vor offen auf die Vernichtung Israels aus sind. So weit, so gut. Israel gehört zum Westen.

Tatsächlich sind die deutsch-israelischen Beziehungen viel unsicherer, ja, sie zeigen krisenhafte Züge. Die neue israelische Regierung will gar keinen Frieden, sie lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab und verlängert auf der Westbank die Besetzungs- und Besatzungspolitik. Das kommt für uns nicht in Frage. Und das müssen wir den israelischen Partnern auch sagen. Die Zwei-Staaten-Lösung ist eine Gründungsbedingung für Israel. Da können die Israelis jetzt nicht so tun, als gäbe es da noch etwas, das ihnen abzuhandeln wäre.

Generell gibt es gegenläufige Entwicklungen in den beiden Staaten.

1. In Israel lautet das Motto „Nie wieder Opfer!“, in Deutschland „Nie wieder Krieg!“.

2. Während in Israel die identitätsstiftende Bedeutung der Religion (mit teilweise aberwitzigen Folgen z.B. am Sabbath) zunimmt, verblasst in Deutschland die prägende Kraft der christlichen Religion.

3. Während in Israel Deutschlands Ansehen steigt, wächst in Deutschland die Israelkritik. Jüngere Deutsche und Migranten aus muslimisch geprägten Ländern verstehen die Verbundenheit Deutschlands mit Israel auf Grund der

Schoah

nicht mehr wirklich.

Die deutsche Israelkritik, die von ganz unterschiedlichen Autoren aus bisweilen sehr verschiedenen Gründen geübt wird, verstehen in Israel wenige. Als Kritiker sind zu nennen

Günter Grass,

Jakob Augstein,

Norbert Blüm,

Jürgen Todenhöfer,

Theo Sommer.

Das sind keine Antisemiten. Insofern ist die Generalthese in dem Buch von

George M. Hafner/Esther Schapira: Israel ist an allem Schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird. Köln (Eichborn) 2015, 317 S., 19,99 Euro

falsch. Nicht zu leugnen allerdings ist die Tatsache, dass viele von uns Deutschen die Schoah mit

Projektionen

zu verarbeiten suchen und mit Beschönigungen („Opa war kein Nazi.“). Solche Bewältigungsversuche laufen auf die fatale These hinaus, dass Israel die Palästinenser heute so behandeln würde, wie seinerzeit die Nazis die Juden.

Grober Unfug.

Er wird von Leuten vertreten, die ihre Position mit israelischen Parolen zu untermauern trachten wie „Gas the Arabs.“. Eine ziemlich ausweglose Lage (Ralf Fücks, taz 12.5.15; Susanne Knaul, taz 12. 5.15., Richard Herzinger, Literarische Welt 16.5.15.).

 

934: Sozialisten beschneiden Deutschunterricht.

Montag, Mai 18th, 2015

Die französische Regierung schränkt den Deutschunterricht ein. Es geht um die Mittelstufe (Collège). Bislang wählten die Schüler eine erste Fremdsprache in der Grundschule und eine weitere im dritten Jahr des Collège. Nun soll die zweite Fremdsprache bereits im zweiten Collège-Jahr hinzukommen. Das wäre eine erfreuliche Maßnahme, würde dadurch nicht die seit 2002 bestehende vorzügliche Einrichtung der ‚classes bilangues‘, der Doppelfremdsprachenklassen geopfert.

Mit diesem System, das in mittlerweile 3.500 Klassen durchs ganze Land vom sechsten Schuljahr an gleich zwei Fremdsprachen anbietet, konnte insbesondere der Rückgang des Deutschen gebremst und hinter dem Englischen (98 Prozent) und Spanischen (47 Prozent) auf 15 Prozent stabilisiert werden. Die Fremdsprachenkombination Englisch-Deutsch wird heute annähernd von 90.000 Schülern genutzt.

Damit soll nun Schluss sein, außer für jene verschwindend kleine Zahl von Schülern, die Deutsch als erste Fremdsprache lernen. Die Doppelfremdsprachenklassen werden abgeschafft ebenso wie die ‚Europaklassen‘, die den Unterricht mancher Fächer in einer Fremdsprache anbieten (Joseph Hanimann, SZ 15.5.15).

Keine Extrawurst mehr für Begabte und Privilegiuerte, so will es die französische Regierung.

Typisch sozialistische Bildungspolitik.

Statt Kinder zu fördern und zu Fremdsprachen zu motivieren, Senken der Anforderungen und Beschneiden des Angebots.

Das geht in die falsche Richtung.

933: Tarifeinheitsgesetz verfassungswidrig

Montag, Mai 18th, 2015

Berufsgewerkschaften wie

die GDL (Lokführer),

der Marburger Bund (Ärzte) und

Cockpit(Piloten)

gehen gezielt gegen das alte gewerkschaftliche Prinzip der Tarifeinheit vor, das die Solidarität (die gemeinsame Interessenvertretung von schwächeren und stärkeren Kollegen) der Arbeitnehmer in einem Betrieb gewährleisten sollte. Die Berufsgewerkschaften vertreten gezielt Einzelinteressen von privilegierten Berufsgruppen. Etwa der Lokführer.

Dies will die Bundesregierung durch das Tarifeinheitsgesetz verhindern. Aber wahrscheinlich ist das geplante Gesetz verfassungswidrig. Denn es schränkt das Streikrecht ein und kann einen Streik damit „unverhältnismäßig“ machen, wie es im Arbeitsrecht heißt. „Unverhältnismäßig“ ist ein Streik unter anderem dann, wenn das angebliche Streikziel gar nicht erreicht werden kann. In der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen heißt es dazu, dass der Streik „unverhältnismäßig sein kann, soweit ein Tarifvertrag erzwungen werden soll, dessen Inhalte nicht zur Anwendung kommen“ (Detlef Esslinger, SZ 18.5.15).

Fast alle Berufsgewerkschaften haben Klage beim Bundesverfassungsgerichts gegen das Tarifeinheitsgesetz angekündigt. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) könnte mit ihrem Gesetzentwurf scheitern.

932: Journalisten sind unbeliebt.

Sonntag, Mai 17th, 2015

Die Ressentiment-Politiker von Pegida am rechten Rand der Gesellschaft haben den Begriff der

„Lügenpresse“

geprägt. „Lügenpresse, halt die Fresse.“ Udo Ulfkotte, früher FAZ, befördert Verschwörungstheorien über den Journalismus. Aber auch Sozialdemokraten leiden unter unseren Massenmedien. Das zeigt das Buch des emeritierten Politologen Thomas Meyer:

Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Berlin (Edition Suhrkamp) 2015, 186 Seiten, 15 Euro.

Wer nun annimmt, hier werde die alte Medienkritik der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgewärmt, der täuscht sich. Das Missverstehen der Medien und das Misstrauen ihnen gegenüber gehen viel weiter. Als Beispiele dafür müssen herhalten Dirk Kurbjuweits Demontage des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück im „Spiegel“ oder das harte Marietta Slomka-Interview mit Sigmar Gabriel im ZDF. Und natürlich „der Fall Wulff“.

Verkannt wird dabei, dass wir das harte Nachfragen brauchen, damit nicht voll und ganz die

PR-Maschinen

von Deutscher Bank, SPD, bayerischer Landesregierung und sehr vielen anderen unsere Gehirne vernebeln. Und statt dass sich die BILD-Leser (und alle anderen Medienkonsumenten) fragen, was sie durch ihre Lektüre zur Verhunzung der öffentlichen Meinung beitragen, werden Idyllen beschworen. Das bringt gar nichts.

931: Woody Allens „Irrational Man“ in Cannes

Sonntag, Mai 17th, 2015

Abe Lucas (Joaquin Phoenix) ist in Woody Allens 45. Film „Irrational Man“, der in Cannes gezeigt wurde, ein brillanter Philosophie-Professor, der durch seine Lebenserfahrung, Suchterprobtheit, Abgebrühtheit und Depressivität interessant für Frauen ist. Eine klassische Woody Allen-Figur. Seine „Schülerin“ (Emma Stone) ist aber unabhängig und selbstbewusst.

Also: immer das Gleiche in Allens Filmen? Fast. Und natürlich mögen wir den Sarkasmus, die Ironie, den beißenden Witz. Nicht leicht zu entscheiden ist auch die Frage, ob es sich um einen College-Film oder eine Mordkomödie handelt. Die immer gleichen Woody Allen-Fragen dominieren: Wählen wir unser Schicksal oder umgekehrt? Ist eine kleine Lüge schon inakzeptabel? Ist es Zufall oder Bestimmung, was uns zustößt?

Beste Unterhaltung!

Und es scheint so, als finde unser Professor am Ende den Sinn des Lebens. (Verena Lueken, FAZ 16.5.15) Ja, dann!

930: Große Wirtschaftsnähe der Universitäten ?

Donnerstag, Mai 14th, 2015

Der Soziologe Michael Hartmann stellt fest, dass zwischen 1995 und 2012 der Anteil der Drittmittel an den Hochschuleinnahmen von 13,6 auf 29,2 Prozent gestiegen ist. Bei der Forschung sind es über zwei Drittel. Als abschreckendes Beispiel nennt er den US-Amerikaner Wei-Hock Soon vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik. Der erstellte für insgesamt über eine Million Dollar Studien, die den Zusammenhang zwischen Erderwärmung und CO 2-Verbrauch leugneten, hielt die Finanzierung durch die Ölindustrie aber geheim. Das zeigt, so Hartmann, die Abhängigkeit der Universitäten von der Wirtschaft. Geforscht werde hauptsächlich nicht mehr nach Interesse, sondern nach „Drittmitteltauglichkeit“. Auch Stiftungsprofessuren, die nach fünf Jahren vom Steuerzahler finanziert werden, gehen in diese Richtung.

Anderer Meinung ist der kürzlich wieder gewählte Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, der Chemiker Horst Hippler. Er schreibt: „Niemand sollte es einem Unternehmen aus der Elektrobranche vorwerfen, dass es einen Stiftungslehrstuhl für Elektromobilität sponsert statt einen für Anglistik.“ (Die Zeit 12.3.15)

Genau. Das ist es ja gerade.

929: Polnische und russische Historiker uneins

Mittwoch, Mai 13th, 2015

Polen und Russland haben von der Geschichte des 20. Jahrhunderts viel aufzuarbeiten, den polnisch-sowjetischen Krieg 1919-1921, den Hitler-Stalin-Pakt 1939-1941, Katyn 1940, die Deportation von Polen in sibirische Arbeitslager, die Beteiligung der Sowjetunion an der Verhängung des Kriegsrechts unter General Jaruzelski 1981. Und noch vieles mehr. Tatsächlich gibt es seit 2008 eine gemeinsame „Kommission für schwierige Fragen“. Sie legte 2010 den Band „Weiße Flecken, schwarze Flecken“ vor, in dem jedes Thema je von einem russischen und einem polnischen Autor bearbeitet wurde.

Durch die Annektion der Krim und die russische Einmischung in der Ukraine ist diese Zusamenarbeit gefährdet. Das zeigte letzte Woche ein Historiker-Kongress in Danzig, zu dem auch so angesehene Historiker wie Timothy Snyder angereist waren. Streit gab es

1. über die Rolle der polnischen „Heimatarmee“. Sie hatte sowohl gegen Hitler als auch gegen Stalin gekämpft. Russland sieht sie als „Mittäter der Nazis“,

2. über die Verbrechen der Roten Armee, etwa die Massenvergewaltigungen,

3. über die Frage, ob durch den Einmarsch der Roten Armee in Polen im Zweiten Weltkrieg Polen „befreit“ wurde,

4. über die Frage, ob sowjetische Ehrenmäler in Polen beseitigt werden dürfen.

Das ist der historische Kern der Ablehnung der russischen Ukraine-Politik durch Polen (und viele andere Staaten).

Trotzdem versuchen Historiker weiterzuarbeiten an Dokumentenbänden zur russisch-polnischen Geschichte. Der brisanteste Band über die Jahre zwischen 1939 und 1945 wird von Natalja Lebedewa betreut. Er hätte längst erscheinen können. Aber Moskau hat wichtige Dokumente noch nicht freigegeben (Florian Hassel, SZ 13.5.15).

928: Das evangelische Pfarrhaus

Dienstag, Mai 12th, 2015

Über das evangelische Pfarrhaus ist schon viel geschrieben worden. Und meistens wurde das Milieu nicht so gewalttätig-bedrückend dargestellt wie in Michael Hanekes Film

„Das weiße Band“ (2009),

diesem großartigen und eindrücklichen Beitrag.

U.a. schrieb Gottfried Benn in seinem autobiografischen „Lebensweg eines Intellektualisten“ (1934): „Ich habe in verschiedenen Aufsätzen der letzten Jahre auf das eigentümliche Erbmilieu dieses protestantischen Pfarrhauses hingewiesen, eigentümlich nicht nur, weil es statistisch in den vergangenen drei Jahrhunderten Deutschland weitaus die meisten seiner großen Söhne geschenkt hat, nämlich, wie von Schulte nachwies, weit über fünfzig Prozent, sondern weil es eine ganz bestimmte Art von Begabung war, die das Pfarrhaus erbmäßig produziert hat und die mit seinen Söhnen zutage trat. Es war die Kombination von denkerischer und dichterischer Begabung, die so spezifisch für das deutsche Geistesleben ist und in dieser Prägung in keinem anderen Volk vorkommt.“ Benn stützte sich auf die Forschung von Johann Friedrich von Schulte. Leider schrieb er diese Sätze 1934, in einer Zeit also, als er sich politisch vergaloppierte.

Benns Biograf Wolfgang Emmerich nennt 2006 folgende schreibenden Pfarrerssöhne 1525 bis 1900:

„Nikodemus Frischlin, Paul Fleming, Andreas Gryphius, Johann Christoph Gottsched, Christian Fürchtegott Gellert, Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Martin Wieland, Matthias Claudius, Georg Christoph Lichtenberg, Gottfried August Bürger, Jakob Michael Reinhold Lenz, Jean Paul (Richter), August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Friedrich Wilhelm Schelling, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Jeremias Gotthelf, Friedrich Nietzsche, Heinrich Schliemann, Gottfried Benn (und hundert andere).“

Jetzt ist Cord Aschenbrenners Buch

Das evangelische Pfarrhaus. 300 Jahre Glaube, Geist und Macht: Eine Familengeschichte, München (Siedler) 2015; 368 S.; 24,99 Euro,

erschienen. Johann Hinrich Claussen (SZ 12.5.15) schreibt darüber:

„Die Erfindung des Pfarrhauses war der große Beitrag des Protestantismus zur Bau- und Sozialgeschichte des Christentums. Es prägte Jahrhunderte und wird mit erheblichen Anstrengungen am Leben erhalten. Aber es war und bleibt eine prekäre Institution. Vielleicht fasziniert sie deshalb bis heute. Zugleich stellt sich die Frage, ob sie noch eine Zukunft hat. Es kann kein Zufall sein, dass in den vergangenen Jahren mehrere gute Sachbücher und Bildbände darüber erschienen sind. Im Deutschen Historischen Museum zu Berlin gab es vor zwei Jahren die große Ausstellung ‚Leben nach Luther‘. An diese Interessen schließt der Journalist Cord Aschenbrenner an und wählt doch einen anderen Zugang. Er entfaltet keinen breiten kulturgeschichtlichen Bilderbogen, sondern erzählt die exemplarische Geschichte einer einzigen Pfarrhaus-Familie. Darin ist sein Blick enger, aber auch tiefenschärfer. …

Jede dieser Generationen bewohnt ‚ein Haus, das eher groß ist als klein und jedem offen steht‘, und diese festen Elemente besitzt: ‚eine große Kinderschar, einen üppigen Pfarrgarten, Hausmusik, Bücher, Tischgebet und Tischgespräch, eine resolute Pfarrfrau und einen selbstgewissen Pfarrherrn mit einer anspruchsvollen Nebenbeschäftigung‘. Man muss mit kärglichen Mitteln auskommen und zugleich höchsten Ansprüchen genügen. Das Haus bietet allen Hilfe, Gespräche, Gastfreundschaft. Eine Privatsphäre ist nicht gegeben. Darin verweigert sich das Pfarrhaus dem modern-bürgerlichen Modell einer Trennung von Beruf und Familie, Amt und Person. Es ist nicht der intime Rückzugsort von den Kämpfen des Lebens, sondern immer noch in eins Wohnort und Arbeitsplatz – nicht nur für den Pastor, sondern auch für seine Frau und seine Kinder. Als Arbeitsplatz ist es auch Kultureinrichtung. Hier geht es gebildeter, literarischer und musischer zu als in anderen Häusern – aber auch asketischer, wie man an der notorisch stillosen Möblierung oder der unmodischen Kleidung der Bewohner sehen kann. Frömmer geht es ebenfalls zu, doch das Theologische wird diskret gelebt, findet seinen Ausdruck nicht in direkter Belehrung, sondern in einer Atmosphäre schlichten Gottvertrauens: mehr Paul Gerhardt als Martin Luther.“

Ich bin mit einer Pfarrerstochter verheiratet.

927: Griechische Tragödie

Dienstag, Mai 12th, 2015

Ex-Außenminister Joschka Fischer schreibt in seiner Kolumne (SZ 12.5.15) über Griechenland:

„Griechenland muss einem leidtun. Zuerst, nach 2009, wurde es zum Experimentierfeld für eine die Wirtschaftskrise des Landes noch verstärkende Austeritätspolitik der Troika aus

EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

Dann haben die Griechen eine Regierung gewählt, die offensichtlich wild entschlossen ist, das Land endgültig in den Abgrund zu stoßen.“

Und das zu einer Zeit, wo selbst die Konservativen in Berlin und Brüssel die negativen politischen Folgen ihrer Austeritätspolitik im europäischen Süden erkannt hatten und diese behutsam zu ändern bereit waren. Der Einsatz für die Ärmsten der Armen fand ja in Europa weithin Sympathie, wenn er auch wirtschafts- und finanzpolitisch nicht abgesichert war. Die griechische Regierung hat noch nicht den Unterschied zwischen den Forderungen aus der Opposition heraus und nüchternem Regierungshandeln begriffen. Dazu kommt das Bündnis mit einer rechtsradikalen Partei.

„Steckt da am Ende eine gemeinsame nationalistische Plattform in der Innen- und Außenpolitik dahinter, die man insgesamt teilt? Ein Wechsel der Bündnisse gar? Ich hoffe, dass dies nicht zutrifft, denn es wäre gleichermaßen schlimm für Griechenland und Europa. Meine Skepsis wurde allerdings verstärkt durch

zwei schwere außenpolitische Fehler,

die Tsipras gleich zu Beginn seiner Amtszeit unterliefen: sein Flirt mit Russlands Präsident Putin und der Versuch, Deutschland in der Euro-Gruppe zu isolieren, was niemals funktionieren konnte.“

Es geht darum, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen und das Land im Euro zu halten und Europa politisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das wird sehr, sehr schwer.

926: Scheidungen machen Kinder krank.

Montag, Mai 11th, 2015

Scheidungen machen Kinder krank. Das zeigt eine neue schwedische Studie (Werner Bartens, SZ 28.4.15). 22 Prozent der Kinder, die nur mit einem Elternteil zusammenleben, berichten regelmäßig über psychosomatische Beschwerden. Das ist bei Kindern in vollständigen Familien nur in 13 Prozent der Fälle gegeben. Mädchen leiden stärker als Jungen. Bei ihnen stehen Traurigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Kopfweh im Vordergrund. Bei Jungen sind Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme am häufigsten. Von den Trennungskindern leiden auch jene, die beide Elternteile regelmäßig sehen. Der ständige Wechsel ist anstrengend. Manche von ihnen „ziehen“ fünfzigmal im Jahr „um“.