Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1215: Der Kapitalismus ist nicht am Ende.

Freitag, April 8th, 2016

Dass der Kapitalismus (das Wirtschaften mit Erwerbsvermögen) schmutzig ist, wird kaum jemand bestreiten angesichts der Panamapapers. Diese werden noch weitere Kreise ziehen. Und nachvollziehbar ist auch, dass der Kapitalismus moralisch nur erträglich ist, soweit er

sozialstaatlich (Art. 20 GG)

domestiziert wird. Das hatte die SPD in Godesberg 1959 begriffen.

Bei unserer Linken hat es lange gedauert, bis sie verstanden hat, dass ihr Slogan,

die Produktivkräfte würden von den Produktionsverhältnissen gefesselt,

falsch war. Daraus folgte u.a. die ökologische Wende. Gestützt auch auf die vielen sozialen Bewegungen (Frauen-, Antiatomkraft-, Friedensbewegung etc.). Nun benehmen sich die meisten davon wie Kapitalisten. Sie investieren, kümmern sich um Subventionen, bauen Häuser usw. Alles im kapitalistischen Modus. Ganz richtig! Das tut unserer Gesellschaft gut, macht sie produktiv und flexibel.

Klar ist ebenso, dass der reale Sozialismus nicht nur ökonomisch dem realen Kapitalismus weit unterlegen war. Er kannte keine Demokratie, Menschenrechte, Meinungsäußerungsfreiheit etc. Er herrschte mit Terror (Archipel Gulag) oder offener Repression (wie heute in Russland). Und er war unterlegen in der

Produktivität.

Und die ehemals sozialistischen Supermächte Russland und China haben klar auf Kapitalismus umgeschaltet. Gut, In Russland geht alles langsamer, aber in China funktioniert der Hyperkapitalismus doch ziemlich gut, wenn wir von den fehlenden Menschenrechten etc. und der rücksichtslosen Zerstörung der Welt absehen. Die deutschen Arbeitnehmer, die beim Daimler schaffen, freuen sich trotzdem, dass die Chinesen so viele Luxuskarossen kaufen. Und Winfried Kretschmann?

Also: ökonomisch ist der Kapitalismus jeder anderen Wirtschaftsweise überlegen.

Trotzdem kommen immer wieder Salonkommunistenn und utopische Sozialisten um die Ecke, die vom Ende des Kapitalismus schwadronieren. Hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Und noch hier haben die Marxisten-Leninisten (Kommunisten) die Meinungshoheit, wenn sie meinen, dekretieren zu können, dass die „Frühsozialisten“ erst vom „wissenschaftlichen Sozialismus“ von Marx und Engels überwunden werden mussten. Dem hängt sogar noch Jens Bisky an (SZ, 7.4.16), der es besser wissen müsste.

Ich führe hier einmal ein paar „Frühsozialisten“ oder „utopische Sozialisten“ auf und sozialistische Denker, die, jeder im einzelnen, dazu beigetragen haben, den Kapitalismus erträglicher zu machen, bis heute:

Henri de Saint-Simon (1760-1825), Francois Babeuf (1760-1797), Robert Owen (1771-1858), Charles Fourier (1772-1837), Etienne Cabet ((1788-1856), Wilhelm Weitling (1808-1871), Moses Hess (1812-1875), Ferdinand Lassalle (1825-1864), Wilhelm Liebknecht (1826-1900), August Bebel (1840-1913), Karl Kautsky (1854-1938), Karl Liebknecht (1871-1919), Rosa Luxemburg (1871-1919) und viele andere.

Das sollten wir nicht vergessen.

 

 

2014: Doping im Fußball

Dienstag, April 5th, 2016

Die britische Anti-Doping-Agentur

Ukad

hat in der Bonar-Affäre versagt. Vermutlich nicht zuletzt deswegen, weil es dabei auch um

Doping im Fußball

ging. T.K. schreibt dazu in der SZ (5.4.16):

„Das Thema Doping hat im Fußball eine völlig andere Tragweite als in jedem anderen Sport. Die finanzielle Sonderstellung, die der Fußball hat, ermöglicht es ihm, sich dem Diktat globaler Sportorganisationen wie der Wada oder auch dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weitestgehend zu entziehen. Sonderwege geht die Branche seit jeher auch im Umgang mit der Dopingbekämpfung: Bei der Fußball-WM ist die Wada bis heute nicht einmal ins Testprogramm involviert und bezüglich der Meldepflichten im Kontrollsystem gelten für Profis großzügigere Regelungen als für Athleten in anderen Sportarten.“

 

1213: Nico Rosberg hat eine Briefkastenfirma.

Dienstag, April 5th, 2016

Dass Oligarchen, Potentaten und Diktatoren ihre Geschäfte häufig über Briefkastenfirmen abwickeln, wussten wir. Nun zeigt sich, dass auch ein einfacher Autorennfahrer wie Nico Rosberg (Geburtsort: Wiesbaden, Wohnort: Monaco), der im Kreise fahren kann, hier engagiert ist.

1212: Leicester City – gedopt ?

Montag, April 4th, 2016

Leicester City führt zur Zeit überrasachenderweise mit sieben (7) Punkten Vorsprung vor Tottenham Hotspur die Premiere League an. Beruht dieses moderne Märchen eventuell auf Doping? Das Thema

Doping im Fußball

ist ja eine der letzten heiligen Kühe im Spitzensport. Nahegelegt wird diese Annahme durch Recherchen der ARD (Hajo Seppelt) und der „Sunday Times“. Sie haben mit versteckter Kamera den Londoner Gynäkologen

Mark Bonar

befragt (zu sehen in der ARD-Sportschau am 3.4.16). Dieser hat eingeräumt, über die vergangenen

sechs Jahre

150 Spitzensportler

mit verbotenen medizinischen Hilfsmittel behandelt zu haben. Darunter sollen Spieler von Leicester City, FC Chelsea und FC Arsenal sein sowie Tour de France-Fahrer, Tänzer, Boxer, Tennis- und Cricketspieler.

Bonar: „Natürlich sind einige der Behandlungen, die ich mache, im Profisport verboten.“ Er habe das aber schon mit vielen Spielern gemacht. „Fußballer werden sowieso kaum getestet, und ältere Spieler über 30 müssen was machen, die können mit jungen Spielern um die 18 sonst gar nicht mithalten.“ Auch einen ganz Großen habe er behandelt. Ihm habe er Epo, Testosteron und Wachstumshormone geben. Über einen von ihm behandelten Tour de France-Fahrer schwärmt er: „Wie einer von denen bei der Tour die Steigungen bewältigt hat, das war unglaublich.“

Der Fall erinnert an den seines gynäkologischen Kollegen Eufemiano Fuentes aus Spanien, der vor ca. zehn Jahren spanische Sportler gedopt hatte. Daraufhin wurden spanische Radfahrer, Tennisspieler und Fußballer international besonders erfolgreich. Die spanische Fußballnationalmannschaft, die vorher seit 1930 erst ein WM-Viertelfinale erreicht hatte, wurde 2008 und 2012 Europameister und 2010 Weltmeister …

Im November 2015 hatte der französische Arsenal-Trainer Arsène Wenger der französischen Sportzeitschrift „L’Equipe“ gesagt, seine Mannschaft habe schon viele Male gegen Teams spielen müssen, die wohl gedopt gewesen seien. Im Fußball gibt es ja seit Toni Schumacher viele Doping-Enthüllungen und Geständnisse von Ex-Profis. Sie sind aber nie zum Anlass genommen worden, einmal gegen den Betrug durchzugreifen (Thomas Kistner; SZ 4.4.16).

 

1211: Edgar Hilsenrath 90

Sonntag, April 3rd, 2016

1971 erschien der epochale Roman

„Der Nazi und der Frisör“

von Edgar Hilsenrath, der gerade 90 Jahre alt geworden ist. In ihm schlüpft der NS-Massenmörder Max Schulz nach 1945 in die Identität des von ihm ermordeten Itzig Finkelstein und gibt in Palästina den überzeugten Zionisten. In den Feulletons fand dieses Werk enorme Beachtung und erlebte schnell mehrere Auflagen. Hilsenrath hatte mit den Mitteln der Groteske und der Verfremdung gearbeitet, um den seinerzeit in Deutschland aufkommenden „Philosemitismus“ zu bekämpfen. Er wollte den Deutschen das „Martin-Buber-Hafte“ austreiben.

Hilsenrath war 1926 als Jude in Leipzig geboren worden. Mit der Familie floh er 1938 nach Rumänien, wo er eine glückliche Zeit erlebte, bis er ins Arbeitslager Moghilew-Podolsk deportiert wurde. Nach der Befreiung durch die Rote Armee schlug er sich zu Fuß nach Czernowitz und schließlich nach Bukarest durch, wo Zionisten die illegale Ausreise nach Palästina organisierten. 1947 siedelte Hilsenrath nach Lyon über, wo sein Vater überlebt hatte. 1951 ging er in die USA, wo er als Kellner arbeitete und im Cafè schrieb. Hier erschien sein erster Roman „Nacht“, in dem er seine persönlichen KZ-Erlebnisse verarbeitete. Geschildert wird u.a. der mörderische Kampf von Ghettoinsassen untereinander. Seit 1974 lebt Edgar Hilsenrath in Berlin-Friedenau.

Hilsenrath war einer der ersten, die ohne Beschönigung mit dem Naziterror abrechneten. Literarisch avanciert liefert er Erkenntnisse, die noch nicht allgemein akzeptiert waren und fand wohl auch nicht gleich den richtigen Verlag. Erst 2003 erschienen im Dittrich-Verlag seine „Gesammelten Werke“ in zehn Bänden. Die grotesken Elemente in Hilsenraths Büchern haben noch manchen Streit provoziert. 1980 erschien der Roman „Bronskys Geständnis“. 1989 „Das Märchen vom letzten Gedanken“, in dem der Schriftsteller vom türkischen Genozid an den Armeniern erzählt. Dafür erhielt er 2006 den armenischen Staatspreis. Nach Helmut Böttigers Meinung wären die Bücher Edgar Hilsenraths als Schullektüre vielem vorzuziehen, was als kanonisch gehandelt wird (Helmut Böttiger, SZ 1.4.16; Andreas Platthaus, FAZ 2.4.16).

1210: Geschichten von Frauen und Geschichten von Männern

Sonntag, April 3rd, 2016

Die 1967 in Kanada geborene Schriftstellerin Rachel Cusk hat sich den Titel „meistgehasste Schriftstellerin Großbritanniens“ wohl hauptsächlich durch ihr Buch „Aftermath“ verdient, in dem sie über das Scheitern ihrer Ehe schreibt und dabei vom „menschlichen Bedürfnis nach Krieg“ fabuliert. Ihre Weltsicht erscheint vielen Lesern pessimistisch. Thomas David hat sie für die „Literarische Welt“ (26.3.16) interviewt.

Literarische Welt: Welche falschen Geschichten schaden uns am meisten?

Cusk: Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Geschichten von Männern und denen von Frauen. Viele Frauen klammern sich an das Märchen vom Happy End und benutzen ihre unerschütterliche Hoffnung als den Mechanismus, der alles am Laufen hält. Der männliche Erzählmodus, der unsere Kultur am nachhaltigsten prägt, ist der der Ironie. Ironie als „way of life“, als Modus einer permanenten Verunglimpfung und Herabsetzung. Dies ist in der amerikanisierten Kultur besonders ausgeprägt, und ich würde es meinen Kindern deshalb zum Beispiel nie erlauben, „Die Simpsons“ zu sehen. Diese Serie ist zwar extrem geistreich und witzig in der Kommentierung des Tagesgeschehens und der Beobachtung gesellschaftlicher Fragen. Aber zugleich ist es absolut tödlich, wenn jemand etwas mit Intelligenz beobachtet und diese Beobachtung zugleich aber durch Humor neutralisiert. Dies ist Ausdruck einer unglaublichen Passivität, die niemals in der Lage sein wird, etwas zu bewirken oder richtigzustellen.

1209: Müller zerpflückt Biller.

Freitag, April 1st, 2016

Maxim Billers neuer Roman

Biografie. Köln (Kiepenheuer & Witsch) 2016, 896 S., 29,99 Euro,

ist erschienen (vgl. hier Nr. 1195, 1197). Daniel Kehlmann (Österreich) und Edgar Keret (Israel) sollen ihn schon positiv besprochen haben. So weit bin ich noch nicht. Aber Lothar Müller widmet ihm in der SZ (30.3.16) eine ausführliche Rezension. Darin lässt er fast kein gutes Haar an dem Roman.

Müller sieht in dem Werk eine „über weite Strecken hochtourig leerlaufende Stilübung“. Es stecke ein großer Kraftakt darin, den einmal angeschlagenen Ton bis zum Ende durchzuhalten. „Der Kraftakt gelingt, und deshalb scheitert der Roman. Seine Handlung zusammenzufassen, wäre unsinnig. Denn die Figuren und Ereignisse sind nur dazu da, den Stil zur Geltung zu bringen, in dem das Ganze geschrieben ist.“

Biller ist anscheinend in „Biografie“ wieder der große Provokateur. Als die FAS am 27.3.16 eine ganze Seite aus dem Roman abgedruckt hatte, empfand ich das jedenfalls so. Auch Sex wird reichlich geboten. Eine Schlüsselrolle spielt ein „Wichsvideo“ des Helden

Solomon Karubiner,

der eigentlich eifriger Nutzer der Website „Wefuckonlyjews“ (WFOJ) ist, aber angesichts des voluminösen Hinterteils einer Deutschen Hand an seinen „Dudek“ legt. Etc. Müller schreibt, dass Biller sich in seiner Pointengeilheit sehr an das Sitcom-Format US-amerikanischer Fernsehserien gehalten habe. Das Ganze könne auch 400 Seiten kürzer oder 200 Seuiten länger sein.

Vielleicht müssen wir Biller einfach ein bisschen vor sich selbst schützen. Ich habe schnell nochmals sein „Selbstporträt“ „Der gebrauchte Jude“ gelesen (Köln 2009, 174 S.). Da schreibt er flüssig, direkt, elegant. Es kommt dem Text zugute, dass er auf persönlichen Erfahrungen beruht. Biller schildert dort sein Studium, die Münchener Journalistenschule, seine aus Prag stammende Familie, die Medien „Tempo“, FAZ und „Zeit“ aus seiner Praktikantenperspektive. Das jüdische Milieu in Deutschland mit seinen George Tabori, Hans Sahl, Friedrich Torberg, Marcel Reich-Ranicki, Henryk M. Broder et alii wird uns vor Augen geführt. Auch seine US-amerikanischen jüdischen Bezugspersonen Saul Bellow, Philip Roth, Norman Mailer, Helmut Newton und Woody Allen sind treffend skizziert.

Und sein „einziger Gott“ ist der „Nichtjude Hemingway“ (S. 140).

 

1208: Vielweiberei auf Steuergeld ?

Donnerstag, März 31st, 2016

Je genauer wir hinschauen, desto deutlicher kristallisiert sich heraus, dass die deutschen Islamverbände nicht genug für die Integration von Moslems in unsere Gesellschaft tun, dass die islamische Theologie weithin eine Weltanschauung vermittelt, die nicht der europäischen Moderne entspricht. In Moscheen in Deutschland wird vielfach mit den gleichen Lehrbüchern gearbeitet wie in Saudi Arabiens und in der Türkei. Das bestätigt in einem Interview mit Evelyn Finger der Wiener islamische Religionspädagoge Ednan Aslan (Die Zeit 31.3.16):

1. Christen und Juden gelten als „unrein“.

2. Kein Imam lehnt die Gründung eines „Islamischen Staates“ ab.

3. Kein Imam lehrt, dass eine Frau Präsidentin eines „Islamischen Staates“ werden darf.

4. Philosophie gilt im Islam als Gotteslästerung.

Es geht dabei um den Islam und nicht um Islamismus.

Das können wir nicht weiter so hinnehmen.

Die Anwältin und Menschenrechtlerin Seyran Ates schreibt dazu in der „Zeit“ (31.3.16):

„In Berlin-Neukölln kann sich kein Jude mehr zu erkennen geben. Rabbiner warnen schon lange davor, mit einer Kippa durch den muslimisch dominierten Stadtteil zu laufen. Mittlerweile gilt auch: Schwule und Lesben sollten sich nicht auf offener Straße küssen. Und viele muslimische Männer in Neukölln haben mehrere ‚Ehefrauen‘. Eine wird standesamtlich geheiratet, die zweite oder dritte gilt offiziell als alleinerziehend. Während in den arabischen Ländern nur reiche Männer sich mehrere Frauen leisten können, denn laut Koran müssen alle abgesichert werden, finanziert Deutschland die Vielweiberei durch Steuergelder. Dabei ist Sinn und Zweck staatlicher Unterstützung doch, dass Menschen eigenverantwortlich leben. Oder? Nicht im Falle des Islams? …“

In vielen Fällen gelte nicht das Grundgesetz, sondern die Scharia. Die Beteiligung von Mädchen am Schwimmen, am Biologieunterricht und an Klassenfahrten sei verboten. Schon vierjährige Mädchen im Kindergarten trügen Kopftücher. In Frage stehe, ob eine moslemische Frau bei einem Fahrlehrer Unterricht haben dürfe. Fraglich sei, ob Männer und Frauen sich bei der Begrüßung die Hand geben sollten. Etc. Europa ziehe seine eigenen Moslems heran. Und dabei dürften nicht die Regeln der Scharia vorherrschen.

Wehren wir den Anfängen!

1207: Gelernter: Computer haben keinen Geist.

Donnerstag, März 31st, 2016

David Gelernter ist Professor für Computer Science an der Yale University in New York. In seinem neuen Buch „Gezeiten des Geistes. Die Vermessung unseres Bewusstseins“ wendet er sich scharf gegen die Vorstellung, Computer ließen sich mit „Geist“ und „Bewusstsein“ ausstatten. Lothar Müller hat ihn für die SZ (26./27./28.3.16) interviewt.

SZ: Warum arbeiten Sie nicht mit Experimenten, sondern suchen nach Metaphern und Analogien wie die Kunst und Literatur?

Gelernter: Mein Ansatz geht auf Nietzsche und auf Freud zurück, in gewisser Weise auch auf Heidegger und Wittgenstein, den ich sehr bewundere, und natürlich auf Edmund Husserl. Der Grund dafür ist schlicht: Meines Erachtens steckt in ihren Schriften tieferes Wissen über Geist und Bewusstssein als in vielen Zeitschriften der wissenschaftlichen Psychologie oder in aktuellen Computertheorien des Geistes. Neurobiologen wissen natürlich sehr viel über die Zellstrukturen und Neurotransmitter und über die Struktur des Gehirns, aber sie können die Struktur von Geist und Bewusstsein nicht erklären. Darüber können wir von Dichtern und Romanautoren mehr erfahren.

(Friedrich Nietzsche 1844-1900, Sigmund Freud 1856-1939, Martin Heidegger 1889-1976, Ludwig Wittgenstein 1889-1951, Edmund Husserl 1859-1938)

1206: Woher kommen die Terroristen ?

Montag, März 28th, 2016

Angesichts der terroristischen Mordanschläge von Paris (13.11.15) und Brüssel (22.3.16) reicht Ratlosigkeit nicht bei der Bewertung dieser Schandtaten. Es geht vor allem um

Prävention und staatliche Sicherheitspolitik.

Einiges wissen wir doch von den Tätern (Werner Bartens, SZ 26./27./28.3.16; Heinrich Bedford-Strohm, Die Welt 26.3.16; Friedrich Wilhelm Graf, FAS 27.3.16; Yvonne Staat, FAS 27.3.16):

1. Es sind fast ausschließlich Männer, die in einem – wie auch immer verstandenen – Verhältnis zum Islam stehen.

2. Viele von ihnen haben Exklusion erlebt, in der Schule, am Arbeitsplatz, bei der Ablehnung durch die Gesellschaft.

3. Sie fühlen sich als Verlierer. Es fehlt ihnen häufig an Selbstbewusstsein.

4. Meistens ist eine persönliche Krise mit der Suche nach Anerkennung der Ausgangspunkt für den Übergang zum Terrorismus.

5. Häufig handelt es sich um Brüder, wo die jüngeren den älteren zeigen wollen, dass sie vollwertig sind.

6. Ursprünglich sind die Täter regelmäßig nicht besonders fromm, entdecken den Glauben aber als Kampfmittel gegen die schon viel zu angepasste Familie. So finden sie simple „Lösungen“.

7. Die Täter kommen sehr oft aus der zweiten oder dritten Generation oder sind Konvertiten. Sie wollen den „wahren Glauben“ demonstrieren.

8. Die religiöse Sprache ist interpretationsoffen. Das kennen wir aus dem Christentum. Wie etwa soll die Aussage „Machet euch die Erde untertan.“ verstanden werden? Als rücksichtslose Ausbeutung der Erde oder als pfleglicher Umgang mit der Schöpfung?

9. Die islamischen Geistlichen müssen an deutschen Universitäten studieren, damit sie aufklärend auf junge Männer einwirken können.

10. Wie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagt, ist Terrorismus im Namen einer Religion Gotteslästerung.

Die Schriftstellerin Gila Lustiger, die in Paris lebt, hat gerade ein Buch über den Terrorismus veröffentlicht. Auf die Frage, wie wir am besten dem Terrorismus begegnen sollten, antwortet sie: „Auf die Gefahr hin, etwas naiv zu klingen: Ich denke durch Bildung. Es gibt keine bessere Terrorprävention. In meinem Buch zitiere ich einen sehr schönen und gerade in dem Zusammenhang interessanten Text von Hannah Arendt. Darin erklärt sie, dass Bildung und Erziehung uns das intellektuelle Werkzeug dafür geben, eine aus den Fugen geratene Welt wieder einzurenken. Bildung ermöglicht es uns, Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen.“ (FAS 27.3.16)