Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1444: Fall al-Bakr: Behördenversagen

Mittwoch, Januar 25th, 2017

Es hat Zeiten gegeben in Deutschland, wo Minister zurücktraten, wenn in ihrem Hause Fehler gemacht worden waren.

Nicht so in Sachsen.

Wir erinnern uns an den Fall al-Bakr. Das war der hochgefährliche Terrorist, der Anfang Oktober in Kenntnis der Bundesanwaltschaft im Internet Anleitungen zum Herstellen von Sprengstoff für den „Dschihad“ suchte. Bei einer Festnahme-Aktion entkam er in Chemnitz. Im Leipziger Stadtteil Paunsdorf überwältigten und fesselten ihn drei Landsleute und übergaben ihn der Polizei. In der Justizvollzugsanstalt Leipzig erhängte sich al-Bakr am 12. Oktober 2016.

Der 184 Seiten umfassende Untersuchungsbericht der Kommission, die den Fall untersucht hat, ergibt nun mannigfaches Behördenversagen. Versagt haben die sächsische Polizei und die Gefängnisleitung. Sonst hätte sich al-Bakr nicht erhängen können (Bernd Kastner, SZ 25.1.17).

Hans Leyendecker schreibt dazu (SZ 25.1.17), das Bundeskriminalamt habe die Sachsen „werkeln“ lassen. „Macht ihr mal, das wird schon werden. … Andererseits ist es nicht ungerecht festzustellen, dass in Sachsen … fortlaufend Dinge passieren, die man aus anderen Bundesländern nicht kennt. Liegt es vielleicht daran, dass zu lange eine Partei, die CDU, unangefochten regiert und die Partei zu sehr der Staat geworden ist?“

 

1443: Gabriels Rückzug verdient Respekt.

Mittwoch, Januar 25th, 2017

Der Rückzug Sigmar Gabriels von der Kanzlerkandidatur und vom Parteivorsitz verdient Respekt. Gabriel hat das getan, was für die SPD das Beste ist. Allerdings in einer verunglückten Aktion mit dem „Stern“, dem natürlich die SPD vollkommen gleichgültig ist. Die Partei SPD ist in ihrer Zuneigung zum Führungspersonal sehr unbeständig. Soll ich das gut finden? Ohnehin hat Sigmar Gabriel kaum Fehler gemacht, meine ich. Und warum ihn die Leute nicht mögen, verstehe ich vielleicht nicht. Die SPD hat Menschen verloren wegen der

Agenda 2010,

sie verliert Wähler an die

AfD

und an

Angela Merkel,

deren Politik außerhalb der Union viel Zustimmung findet. Für die SPD geht es um mehr als Wahlen, sie führt einen Existenzkampf.

Der neue Mann, Martin Schulz, ist international bewährt. Mit den Großen der Welt hat er verhandelt. Er wirkt authentisch und ist rhetorisch versiert. Nun muss er zeigen, dass er der deutschen Innenpolitik gewachsen ist.

Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 kommt seine Kandidatur natürlich zu spät.

1442: Die Grünen haben den Ernst der Lage nicht erkannt.

Dienstag, Januar 24th, 2017

Mariam Lau (Die Zeit 12.1.17) knöpft sich wieder mal die armen Grünen vor. Angesichts der Notwendigkeit, unsere Sicherheit zu gewährleisten, beschäftigten auch die Grünen sich damit. Aber nicht ernsthaft, sondern um der Regierung vorzuhalten, sie lege nur „Scheinlösungen“ vor.

„Und jetzt passiert etwas Bizarres. In dem Moment, wo die Grünen misstrauisch beäugt werden, ob sie für harte Zeiten überhaupt taugen, liefern sie dem Publikum einen

Knallfrosch

nach dem anderen – als befänden sie sich in einem Wähler-Abschreckungswettbewerb. Wem fällt das dollste Ding ein?“

Die Grünen befassen sich mit

Unisex-Toiletten

und

Sex auf Krankenschein.

„Die Unbesorgtheit, mit der man sich in einem Jahr wie diesem einer winzigen Klientel zuwendet – die hat etwas von einer politischen Übersprungshandlung. ‚Je mehr sie uns hassen, desto genauer wissen wir, wer sie sind‘ – das scheint die Affektlage zu sein.“

1441: Heinrich Senfft gestorben

Samstag, Januar 21st, 2017

Es ist für mich ein passendes Zusammentreffen, dass die Töchter der Journalisten-Legenden Rudolf Augstein (1923-2002) und Günter Gaus (1929-2004), Franziska Augstein (SZ 19.1.17) und Bettina Gaus (taz 17.1.17), über den Tod von Heinrich Senfft schreiben. Senfft (1928-2017) war ein auf Medienrecht spezialisierter Strafverteidiger, der viele seiner Mandanten vor Gericht freibekommen hat, ein gebildeter und sprachmächtiger Mann. Eines seiner beeindruckendsten Stilmittel war die Ironie.

Linke oder als links bezeichnete Publizisten wie Rolf Hochhuth, Günter Wallraff und Friedrich Christian Delius verdankten Senfft ihre Freisprüche. Dabei war Senfft gewiss kein Linksradikaler, sondern ein Bürger durch und durch. Er baute auf den Rechtsstaat. Die DDR hielt er für einen schlechten Staat, was ihn nicht daran hinderte, von dort stammende Prominente wie Markus Wolf, Hermann Kant und Gregor Gysi erfolgreich zu verteidigen. Gregor Gysi wurde vieler Dinge beschuldigt, was sich vor Gericht als nicht bewiesen herausstellte.

Senfft hat mit Melancholie, ja sogar Schwermut auf den sehr frühen Tod seiner zweiten Frau reagiert. Er sah die politische Entwicklung in Deutschland mit Skepsis.

1440: Grüne: mit Göring-Eckardt und Özdemir

Mittwoch, Januar 18th, 2017

Die Grünen gehen mit

Katrin Göring-Eckardt

und

Cem Özdemir

als Spitzenkandidaten in die Bundestagswahl 2017. Das hat die Urwahl ergeben. Sie stehen für einen vernünftigen bürgerlichen Kurs der Mitte. Zwar plädieren die Kandidaten für einen eigenständigen Wahlkampf, aber ein Zusammengehen mit der Union scheint möglich.

1439: BdA über AfD

Mittwoch, Januar 18th, 2017

Der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BdA), Ingo Kramer, 63, äußert sich regelmäßig sachlich und diplomatisch. Jegliche Polterei ist ihm fremd. Über die AfD redet er Klartext: Ihre Inhalte seien „tödlich für unsere Volkswirtschaft“. Ihre Wortwahl sei gefährlich. „Alles, was irgendwie fremd ist, läuft ja Gefahr, vernichtend angegriffen zu werden.“ Deutschland brauche

  • ausländische Fachkräfte,
  • mehr Geld für Bildung und
  • offene Grenzen (TÖ, SZ 18.1.17).

1438: Wagenknecht (Linke): Nato auflösen!

Mittwoch, Januar 18th, 2017

Im Nachgang zu den Tiraden von Donald Trump über die Nato fordert Sara Wagenknecht (Linke), die Nato aufzulösen und durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Einschluss Russlands zu ersetzen. Diese abenteuerliche und verantwortungslose Politik ist typisch für die Linke. Sie kommt für eine Regierungsbeteiligung noch lange nicht in Frage. SPD und Grüne sollten sich vor ihr hüten.

1437: Die NPD hat nicht das Potential.

Dienstag, Januar 17th, 2017

Das Bundesverfassungsgericht hat die NPD nicht verboten, obwohl sie verfassungsfeindlich ist. Nach Meinung des Gerichts hat die Partei nicht das Potential, gefährlich zu werden. Dann reiche die Verfassungsfeindlichkeit nicht aus.

Wichtiger ist heute der Kampf gegen die NPD-light, die AfD.

1436: Die FDP im Jahr 2017

Dienstag, Januar 17th, 2017

Bei der Bundestagswahl 2013 stürzte die FDP von 14,6 auf 4,8 Prozent ab. Sie war damit in der Außerparlamentarischen Opposition angekommen. Peter Dausend (Die Zeit 5.1.17) sieht die Gründe dafür darin, dass unter dem Vorsitzenden Guido Westerwelle zu viel Selbstbewusstsein, zu viel Lautstärke und zu viel Show geherrscht habe. „Der Not-Vorsitzende Philipp Rösler beschleunigte den Untergang noch, indem er just jenes einfache, niedrige und gerechte Steuersystem versprach, auf das schon sein Vorgänger den Liberalismus verengt hatte – und nie liefern konnte.“

Und heute? „In einer Welt, in der Zentrifugalkräfte die Grundfesten des nationalen wie internationalen Zusammenlebens zu zerreißen drohen, braucht es einen starken Staat, der diese Mächte zu bändigen versucht. Indem er Regeln setzt, indem er Präsenz zeigt, indem er dem Terror trotzt, indem er Hunderttausende Flüchtlinge integriert, indem er den Feinden der offenen Gesellschaft zugleich mit Wehrhaftigkeit und innerer Liberalität entgegentritt. Und was macht die FDP? Sie redet von Regelungswut, davon, dass es vielen besser geht, wenn es weniger Staat gibt. Sie redet also so, wie sie immer geredet hat, als der Neoliberalismus noch als Glücksversprechen galt und nicht als Ursache einer globalen Finanz-, Wirtschafts- und Demokratiekrise ausgemacht war. Rückkehr in eine verlorene Welt.“

Die FDP hat also noch nichts dazugelernt.

Und doch könnte sie bei der kommenden Bundestagswahl 2017 eine entscheidende Rolle als Mehrheitsbeschafferin spielen, falls sie auf 5 Prozent kommt. Das zeigen die Zahlen der aktuellen Sonntagsumfrage:

  • CDU/CSU    36 Prozent,
  • SPD              21 Prozent,
  • AfD               13 Prozent,
  • Grüne           10 Prozent,
  • Linke              9 Prozent,
  • FDP                6 Prozent.

1435: Die Profitinteressen der Immobilienbranche

Dienstag, Januar 17th, 2017

Der parteilose Berliner Bau-Staatssekretär Andrej Holm, der für die Linken in sein Amt gekommen war, ist zurückgetreten. Grund dafür war seine Stasi-Vergangenheit und der Umgang damit bei Bewerbungen. Holm hat in seiner Rücktrittserklärung Stellung genommen zur Relevanz seines Amts (Jens Schneider, SZ 17.1.17):

„Als ich dieses Amt vor fünf Wochen antrat, wollte ich ein bitter nötiges Reformprogramm für die Berliner Wohnungspolitik durchsetzen. Denn eines ist klar:

Diese Stadt braucht eine Politik für die Mieterinnen und Mieter.

Es muss Schluss sein mit einer Politik, die weiter

die Profitinteressen der Immobilienbranche

an erste Stelle setzt. (…) Die Polemik derer, die mich als Staatssekretär verhindern wollten, zeigt, dass es bei der Entlassungsforderung nicht nur um meine Zeit bei der Stasi und um falsche Kreuze in Fragebögen ging, sondern vor allem um die Angst vor einer Wende im Bereich der Stadt- und Wohnungspolitik. …“