Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1580: Margaret Court gegen Martina Navratilova

Samstag, Juni 3rd, 2017

Margaret Court, die vielfache Grand-Slam-Siegerin im Tennis, hatte behauptet, der Tennissport sei voll von Lesben, denen geholfen werden müsse. Daraufhin konterte die ebenso erfolgreiche Tennis-Championesse Martina Navratilova in einem offenen Brief: „Wir feiern die freie Rede, aber das bedeutet nicht, dass sie frei von Konsequenzen ist. … Ihre Giftigkeit ist nicht nur eine Meinung. Sie versucht aktiv, lesbischen, schwulen, bisexuellen und Transgender-Menschen gleiche Rechte zu verwehren. Sie dämonisiert Transgender-Kinder und Transgender-Erwachsene. Ihre Kommentare sind krank und gefährlich. Es ist nun klar, wer Court ist: Eine tolle Tennisspielerin – und eine Rassistin und homophobe Person.“

Navratilova schlug vor, die Margaret-Court-Arena in Melbourne umzubenennen in Evonne-Goolagong-Arena. Goolagong hatte sieben Grand-Slam-Titel gewonnen (SZ 2.6.17).

1579: Grüner 10-Punkte-Plan zum Regieren

Freitag, Juni 2nd, 2017

Die Grünen wollen mit einem 10-Punkte-Plan zum Regieren aus dem Umfragetief heraus. Für folgende Punkte übernehmen sie die Verantwortung:

„1. Klimaschutz voranbringen

2. E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen

3. Landwirtschaft nachhaltig machen

4. Europa zusammenführen

5. Familien stärken

6. Soziale Sicherheit schaffen

7. Integration zum Erfolg führen

8. Liebende heiraten lassen

9. Freiheit sichern

10. Fluchtursachen bekämpfen“.

Das klingt für mich sehr anschlussfähig.

1578: Maximilian von Düring schickt uns sein Buch.

Donnerstag, Juni 1st, 2017

Der Göttinger Unternehmensberater, Vortragsredner, Coach und Trainer für Persönlichkeitsentwicklung, Maximilian von Düring, hat ein Buch publiziert:

Wer möchtest du gewesen sein? Erfolgsfaktoren für dein Leben. Göttingen 2017, 119 Seiten.

Darin geht es um den Glauben an uns selbst und den Sinn, den wir unserem Leben gehen wollen. Das Buch liest sich gut und schnell, darauf kommt es aber nicht an. Wer von Düring persönlich kennt wie ich, erwartet einige Überraschungen. Und diese Erwartungen werden nicht enttäuscht. Von Düring tritt als Vortragsredner schon mal im Batman-Kostüm auf. Er coacht Top-Manager, Leistungssportler und Menschen, die mehr von ihrem Leben erwarten. Was die unbedingte Stärke dieses Buchs ausmacht, ist die Konzentration auf uns als Einzelne, auf Individuen, die ihren Weg suchen. Von Düring spricht von Herz zu Herzen. Darin liegt zugleich die Gefahr, dass diejenigen, die erreicht werden sollen, verfehlt werden, weil wir unseren Herzen ja nicht befehlen können.

Aber Gefühle sind allemal stärker als Rationalität. Das weiß von Düring. Er arbeitet eng mit dem Göttinger Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther (geb. 1951) zusammen, der in dem Buch einen „einfachen Kompass“ sieht, mit dem wir ankommen, wo wir hinwollen. Ein weiterer Partner von Maximilian von Düring ist der Behinderte Samuel Koch (Unfall 2012 bei Thomas Gottschalk im Fernsehen), der manchmal gemeinsam mit von Düring auftritt und in dem Buch „im wahren Leben erprobte Handlungsweisen und Prozesse“ erkennt.

Von Düring will wissen, was unser „Wofür?“ ist. Dazu zitiert er Mutter Teresa (1910-1997), die verneinte, als sie gefragt wurde, ob sie zu einer Anti-Kriegs-Demo kommen würde. Die aber sagte, dass sie zu einer Friedens-Demo kommen würde. So geht die von Düring-Agenda. Allerdings erscheint es mir fraglich, ob zur Begründung der richtigen Einstellung im Leben der italienische Philosoph und Autor Dante Alighieri („Commedia Divina“) (1265-1321) noch geeignet ist. Auch der Sport-Reporter Werner Hansch (S. 32) kann m.E. wenig zur weltanschaulichen Fundierung beitragen.

Von Düring interessiert sich sehr für den Unterschied zwischen intrinsischer und extrinischer Motivation. Er stellt ganz auf Intrinsik ab. Weil sie von uns kommt. Von innen. Wie Martin Luther King (1929-1968) sagte: „I have a dream.“ Dazu führt von Düring elf recht exakt bestimmbare Punkte auf:

„1. Was möchte ich in meinem Leben erreicht haben? …

11. Wer möchte ich heute sein?“ (S. 41 f.)

Am Modell der Seerose macht der Autor klar, wie „Werte/Prinzipien“, „innere Haltung/Einstellung“ und „Verhalten“ zusammengehören (S. 53 ff.). Und er demonstriert am Beispiel C.G. Jungs (1875-1961), dass 80 Prozent unseres Verhaltens vom „Unbewussten“ bestimmt werden. Dass er sich hier nicht auf Sigmund Freud (1856-1939) bezieht, nehmen wir als Zufall. Auf S. 57 kommt er aber auf den Wissenschaftler und Theoretiker zu sprechen, dem hier eine zentrale Rolle zukommt: Paul Watzlawick (1921-2007), den aus Österreich stammenden amerikanischen Psychoanalytiker. Von ihm stammen solche zentralen Erkenntnisse wie „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ Oder: „Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bestimmt.“ Das ist bester „radikaler Konstruktivismus“ und insofern eine gute Grundlage für von Dürings Aussagen („Man kann nicht nicht kommunizieren.“).

Aus dem Talmud entnimmt von Düring die Zusammenhänge von Gedanken, Worten, Handlungen, Gewohnheiten, Charakter, Leben (S. 60). Er arbeitet mit plausiblen Schaubildern. Joachim Ringelnatz (1883-1934) dient ihm als poetischer Stichwortgeber: „Du weißt nicht mehr wie Blumen duften/kennst nur die Arbeit und das Schuften-/… so gehn sie hin, die schönsten Jahre/ am Ende liegst du auf der Bahre/ und hinter dir, da grinst der Tod:/Kaputtgerackert – Vollidiot!“

Von Düring traut sich was. Etwa den Vergleich zwischen

Psychotherapie, Behaviorismus und Gestalttherapie (S. 77 ff.)

Und er stellt regelmäßig darauf ab, dass es für uns darauf ankommt, uns mit jemand zu verbinden. Wir müssen klären, wofür wir sind und mit wem wir es erreichen wollen. Wiederholt zitiert unser Autor Mark Twain (1835-1910). Bei ihm kommt es darauf an, uns zu entscheiden, was wir jetzt tun wollen. Dazu gibt uns Maximilian von Düring klare Handlungsanweisungen in sechs Punkten („Schreiben Sie ihr Ziel so klar wie möglich auf. …“) (S. 96) „Planen macht Sinn.“ (S. 101) Es hat vielleicht Sinn … Am Ende bringt unser Autor das viel erklärende Beispiel vom angeketteten Elefanten und zitiert Luis Trenker („Die einzigen Gipfelgespräche, die wirklich einen Sinn haben, sind die der Alpinisten.“ S. 107).

Maximilan von Düring macht uns geeignete Vorschläge, wie wir unser Leben eher nach unseren eigenen Vorstellungen hinbekommen können.

1577: Für ein „Museum des Exils“

Mittwoch, Mai 31st, 2017

Der alte Berliner Westen (Kaiserzeit, Weimarer Republik) („Berlin W“) rund um den Kurfürstendamm und seine Seitenstraßen rechts und links war Feindbild. Für die Nazis und ihre vielen provinziellen Sympathisanten. Denn wer Internationalität ablehnte, Avantgardekunst verabscheute wie Kaffeehausliteraten, wer Jazz und Revue missbilligte, wer Juden hasste, der fand all dies in Berlin W. Am 12. September 1931 marschierten SA-Leute in Gruppen zum ersten Mal durch dies Viertel und skandierten Parolen wie „Schlagt die Juden tot.“. Als Vorübung für die Pogrome des 9. November 1938. Was wir an den danach ins Exil Getriebenen verloren haben, ist bei vielen von uns noch nicht ins Bewusstsein gedrungen. Aber wir könnten uns daran erinnern.

2011 appellierte die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein „Museum des Exils“, „um sich über die Verluste durch die Vertreibung von Künstlern und auch von Wissenschaftlern klar zu werden. Einen Ort, der die oft fürchterlichen Lebensumstände derjenigen zeigt, die kurz zuvor noch Elite dieses Landes waren, das kulturelle Leben in Deutschland prägten.“

Es geht dabei nicht allgemein um das Thema Flucht, Migration und Vertreibung, sondern um die, die vor den Nazis flohen. Der Stoff ihrer Exilorte zwischen Los Angeles und Moskau ist reichhaltig. Dafür nur drei Beispiele: 1. Die Arbeit der exilierten Atomphysiker für die Atombombe ist bekannt. 2. Der „Vater der Pille“, Carl Djerassi, war nach dem „Anschluss Österreichs“ geflohen. 3. Der 1938 enteignete Architekt Victor Gruen wurde im Exil zum Erfinder der „Shopping Mall“. Wir können auch an die Remigranten denken: Willy Brandt, Walter Ulbricht, Arnold Schönberg, Hanns Eisler, Fritz Bauer und viele andere (Jens Bisky, SZ 23.5.17).

1576: Die DDR und Rechtsextremismus

Dienstag, Mai 30th, 2017

Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat im Auftrag der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, eine Studie vorgelegt, in der überprüft werden sollte, ob ein Zusammenhang besteht zwischen einer DDR-Sozialisation und einer größeren Nähe zum Rechtsextremismus. Die Zahl rechtsextremer Übergriffe ist in den vergangenen Jahren gestiegen (1408 Fälle 2015). In Relation zur Einwohnerzahl stechen dabei Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hervor. Dort gibt es Faktoren, die Rechtsextremismus begünstigen. Hier setzt die Studie an.

Im Mai und Dezember 2016 sind in Dresden und in Erfurt insgesamt 40 qualitative Einzelinterviews mit Vertretern der Politik, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und mit Bürgern geführt worden. Den Forschern ist eine schonungslose und umfassende Analyse gelungen. Insbesondere bei älteren Menschen spielt die Sozialisation eine wichtige Rolle. Sie sind in einer geschlossenen und ziemlich homogenen Gesellschaft aufgewachsen und haben z.B.

keine Erfahrungen mit Migranten.

Anders als im Westen lebten DDR-Bürger und Migranten streng voneinander getrennt.

Die Vereinigung Deutschlands brachte es mit sich, dass verbliebene Gastarbeiter nun als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden. Die teilweise zu hohen Erwartungen an das Wohlstandsversprechen erfüllten sich nicht für jeden. Zurück blieben „atomisierte Individuen“, die Politik fortan als „entferntes, von Westdeutschland importiertes Spektakel“ erlebten. Die Studie hat eine Neigung zur „Romantisierung der DDR“ ergeben. Enttäuschungen und politische Probleme werden vor allem auf die Zeit nach 1989 projiziert: Misstrauen, Neid, Rassismus, rechtsextreme Übergriffe, staatliche Diskriminierung.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping kann die vom Göttinger Institut zutage geförderten Erkenntnisse natürlich nicht teilen (Antonie Rietzschel, SZ 19.5.17). Sie bleibt bei ihrer DDR-Perspektive.

1575: Zbigniew Brzezinski ist tot.

Montag, Mai 29th, 2017

Er gehörte zu den großen geopolitischen Strategen der USA, die heute wieder dringend gebraucht würden: Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater unter Jimmy Carter (1977-81) und Berater demokratischer Präsidenten. Der 1928 in Warschau geborene Brzezinski war ein Diplomatensohn. Am Beginn des Zweiten Weltkriegs befand die Familie sich gerade in Kanada. Sie kehrte nie wieder nach Polen zurück. Der Kampf der Blöcke im Kalten Krieg bestimmte Brzezinskis strategische Weltsicht.

Mit eisenfestem Willen und unerschütterlichen Überzeugungen beeindruckte Brzezinski auch viele seiner Gegner. Für die Polen war er eine Symbolfigur der Freiheit und Selbstbestimmung. Er bereitete die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik China vor. Gegen den sowjetischen Expansionismus, der in Russland 2017 wieder an der Macht ist. Als Moskau 1979 in Afghanistan einmarschierte, baute Brzezinski die militärischen Beziehungen zu den Mudschahedin auf. Die polnische Solidarnosc´unterstützte er.

Aber Brzezinski beging auch Fehler. Als er fürchtete, dass Iran in den Moskauer Einflussbereich abdriften würde, ordnete er die Befreiungsaktion für 52 US-Diplomaten aus der Teheraner Geiselhaft an, ein folgenschwerer Fehlschlag, an dem die USA bis heute leiden. Sein großer geostrategischer Gegenspieler,

Henry Kissinger,

aus dessen Schatten Brzezinski nie ganz herausgetreten ist (Stefan Kornelius, SZ 29.5.17), hat in der Behandlung des Pinochet-Regimes in Chile nicht wieder gutzumachende Fehler begangen. Angesichts der gegenwärtigen Washingtoner Administration vermissen wir Brzezinski, der gerade gestorben ist, heute schon.

1574: Verteidigen wir die Energiewende !

Samstag, Mai 27th, 2017

Donald Trump will die Reindustrialisierung der USA mit Kohle, Öl und Atomkraft sichern. Wladimir Putin (Russland) baut auf Erdgas und Öl. Und die Energiewende stockt. Es sind zu viele alte Kraftwerke am Netz und produzieren Überschüsse. Ein verbindlicher Kohleausstieg bis 2040 muss her.

Energieintensive Unternehmen profitieren vom niedrigen Strompreis. Auf Kosten der Verbraucher. Die müssen fatalerweise die Kosten für den Ausbau der Stromnetze tragen wie auch die der Abwrackprämien, die auf den Strompreis draufgelegt werden. Dabei hat der Staat Bundesrepublik alle Kosten und Risiken der Atomindustrie auf seine Schultern genommen, damit die Verbraucher billigen Strom bekommen.

Die Energiewende droht an den Subventionsmechanismen zu scheitern. Je billiger der Strom wird durch gesteigerte Produktion, desto höher steigen die Preise für die Verbraucher, weil den Erzeugern Preise garantiert worden sind. Überall verzerrte Preise. Ganz im Interesse der alten Monopolisten mit ihrer umfassenden Lobbyarbeit.

Das deutsche Stromnetz ist das sicherste weltweit. Eine Überlastung der Netze droht nicht durch erneuerbare Energien, sondern durch die großen Mengen konventioneller Energie, die trotz aller Klimaziele nach wie vor eingespeist werden. Zwei von drei neuen Trassen dienen dem Transport von Kohlestrom. Gefahr für die Energiesicherheit droht zudem durch die Abhängigkeit von Kohle-, Gas- und Ölstaaten, aus der wir uns nur durch einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien lösen können.

Es darf nicht sein, dass eine Gesellschaft, die mit ihrem Staat bereits gezeigt hat, dass sie die Energiezufuhr umsteuern kann, die Energiewende verspielt und den alten Kartellen zum Opfer fällt. An der Energiewende dürfen wir uns auch nicht von Artenschützern hindern lassen.

1573: Trump gefährdet den Westen (vgl. 1551).

Samstag, Mai 27th, 2017

Nachdem Donald Trump in Saudi-Arabien zwischendurch einmal diplomatischere Töne hatte vernehmen lassen, schließlich ging es dabei auch um Waffenhandel, trampelt er nun wieder permanent auf den westlichen Werten herum. Wie ein Elefant im Porzellanladen. Und setzt seine im Wahlkampf angekündigte reaktionäre Politik fort. In der

– Freihandelspolitik,

– Flüchtlingspolitik,

– Gesundheitspolitik,

– Klimapolitik und

– Russlandpolitik.

Auf Europa nimmt er kaum Rücksicht. Die Weltordnung ist ihm egal. Es könnte sein, dass sein 36-jähriger Schwiegersohn Jared Kushner eine führende Rolle in der Russland-Connection einnimmt. Da geht es um Bürgschaften und Kapitalgeschäfte. U.a. Privatangelegenheiten.

Was soll Europa tun? Angela Merkels Satz „Wir Europäer haben unser Schicksal selbst in der Hand.“ klingt wie das Pfeifen im Wald. Ohne US-Atomwaffen ist Europa militärisch nicht hoch genug gerüstet. Und Europa kriegt ja noch nicht einmal die Autokraten in der Türkei, in Ungarn und Polen in den Griff. Geschweige die Ukraine.

Eine für uns bedrohliche Lage!

Warum macht Trump eigentlich seine eigentümliche Politik? Borniert, fremdenfeindlich, freiheitsfeindlich, protektionistisch, wachstumsfeindlich?

Weil er dafür von der weißen Arbeiterklasse in den USA gewählt wird!

Wie verbohrt müssen eigentlich unsere Kommunisten sein, dass sie gerade diese Arbeiterklasse als fortschrittliches Element, als progressive Klasse betrachten? Weil sie selber borniert sind?

1572: Rechtsextremismus in der Bundeswehr

Donnerstag, Mai 25th, 2017

Es gibt Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Das ist alarmierend. Aber eigentlich nicht verwunderlich. Denn eine Armee bildet aus zum militärischen Kampf, zum Töten. Dazu braucht sie Feindbilder. Die finden sich angesichts eines „Vakuums an Orientierung“ gerade bei Rechtsextremisten und Rassisten, den am schlimmsten politisch Verirrten in unserer Gesellschaft.

Ich habe die Armee vor 49 Jahren als Panzeroffizier verlassen. Seinerzeit hatten wir es noch mit einigen preußischen Kommissköppen und alten Nazis zu tun. Auch wenn sie keinen großen Einfluss mehr zu haben schienen. Aber bei der Einschätzung des militärischen Widerstands im Nationalsozialismus gab es heftige Kontroversen. Ich lag in der Henning-von-Tresckow Kaserne in Oldenburg, immerhin benannt nach dem theoretischen Kopf des militärischen Widerstands gegen Adolf Hitler.

Seit 1968 scheint nicht alles nur besser geworden zu sein. Die Ethik der „Inneren Führung“, mit der die Armee an die Menschenrechte angeschlossen werden soll, muss anscheinend immer wieder neu erkämpft und durchgesetzt werden. Vielleicht war dies sogar zur Zeit einer Wehrpflichtarmee leichter. Der mündige „Staatsbürger in Uniform“ tritt zu wenig in Erscheinung.

Insofern muss – gerade heute in Zeiten größter politischer Herausforderungen – mit den Rechtsextremisten in der Armee und bei der Universität der Bundeswehr dringend und schnellstens aufgeräumt werden. Vollständig. Egal, wie viele es sind. Jeder Einzelne ist überflüssig und darf nicht geduldet werden. Anscheinend hat es ein weitgehendes Versagen in der politischen Führung der Bundeswehr gegeben. Die Verteidigungsminister kamen aus der Union und von der SPD (Lea Frehse, SZ 24./25.5.17).

1571: Wie sieht es in unseren Moscheen aus?

Donnerstag, Mai 25th, 2017

Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass immer dann, wenn irgendwo der internationale Terrorismus zuschlägt, Menschen beteiligt sind, die zumindest nominell Muslime sind. Ich frage mich schon lange, was eigentlich die Moscheen dagegen tun. Wahrscheinlich wenig, wenn die meisten nicht sogar Terroristen implizit anfeuern.

Der ARD-Journalist Constantin Schreiber („Tagesthemen“) hatte in seinem „Moscheereport“ gezeigt, für den er 20 Moscheen besucht und dort die Verantwortlichen interviewt hatte, dass die Imame die Abgrenzung von der deutschen Gesellschaft predigten, Literatur empfahlen, in der Hetze gegen Nicht-Muslime betrieben wurde, Integration behinderten.

Schlimme Zustände. Nicht hinnehmbar!

Nun hat der Blogger Akif Sahin mit der Selbstkritik begonnen. Er ist in Deutschland als Muslim aufgewachsen und hat über 15 Jahre Bildungs- und Jugendarbeit für junge Muslime gemacht. Mittlerweile fühlt er sich in der Moschee, in der er sozialisiert worden ist, nicht mehr wohl.

Sahin schreibt: „Wir wurden als Kinder in der Moschee vom Imam mit einem Stock geschlagen. Unsere Eltern haben dies ausdrücklich erlaubt; Knochenbrüche gehörten in der Moschee zur Erziehung dazu; man erzog uns zu Islamisten und Nationalisten. Kritische Distanz zu Parteien gab es damals nicht und gibt es auch heute nicht; wir lernten, Juden und Christen zu hassen. Interreligiöser Dialog wird heute noch weitgehend verteufelt; wir hörten, dass die Deutschen unsauber seien. Deutsche Freunde waren verpönt. Die Imame lehrten uns, dass wir Allah und die Hölle zu fürchten hätten. Allah zu lieben war kaum ein Thema; ein Imam hatte eine Affäre mit seiner Praktikantin und ließ sie nach einem Jahr wieder fallen; einer Frau wurde vom Imam geraten, die Schläge ihres Ehemanns zu ertragen. Das mache sie zu einer besseren Gläubigen.“ (Die Zeit 11.5.17)

Das darf auf keinen Fall hingenommen werden. Zu verlangen ist ein deutschsprachiger Imamunterricht an deutschen Universitäten. Imame aus dem Ausland (insbesondere Türkei und Saudi Arabien) dürfen in Deutschland nicht mehr zugelassen werden.

Ist das eigentlich politisch so schwer? Oder kaufen diese Staaten dann keine Waffen mehr bei uns?