Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1679: Die Unterrichtsqualität ist entscheidend.

Samstag, September 9th, 2017

1. Nach den Pisa-Studien gibt es in Deutschland eine Misere der Schulbildung.

2. 2015/16 erfüllten knapp 70 Prozent der Berliner Achtklässler nicht die Mindestanforderungen in Mathematik, Deutsch und Englisch.

3. Gute Bildung braucht nicht etwas Anstrengung, sondern sehr viel. Von Ministerien, Lehrern, Eltern und Schülern.

4. Der Volksmund nennt das: „Ohne Fleiß kein Preis.“ oder „Übung macht den Meister.“.

5. Jeder, der eine Sportart oder ein Musikinstrument gelernt hat, weiß, dass man ohne fleißiges Üben und ohne regelmäßiges Wiederholen nicht vorankommt.

6. Die Vorstellung, dass man Lesen, Schreiben und Rechnen wie von selbst lernt, ist abwegig.

7. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Schichten leiden unter nachlässigem Unterricht.

8. Zur Zeitverschwendung durch schlechten Unterricht kommen Unterrichtsausfälle, fachfremde Lehrer, überfüllte Klassen, Schwänzen, mangelnde Disziplin.

9. Wer nicht Lesen, Schreiben und Rechnen kann, wird auf dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt und bei Verträgen aller Art leicht über den Tisch gezogen.

10. Insofern sind schlechte Schulen schlecht für uns alle (Richard Rother, taz 5.9.17).

 

1678: Lewandowski kritisiert FC Bayern.

Samstag, September 9th, 2017

Der international hoch anerkannte Stoßstürmer des FC Bayern München, der Pole Robert Lewandowski, 29, kritisiert die Zurückhaltung der Bayern auf dem Transfermarkt. „Bayern muss sich etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein wieder Weltklassespieler nach München lotsen will.“ „Wenn man ganz vorne mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler.“ Lewandowski denkt dabei anscheinend an die Investitionen von Paris St. Germain, FC Barcelona und Manchester City und anderer.

Über einen möglichen Wechsel von Lewandowski, der im vierten Jahr bei Bayern spielt und einen Vertrag bis 2021 hat, gab es immer wieder Gerüchte. Angeheizt von seinen Beratern. Insofern kann seine Kritik als Drohung verstanden werden (SUF, Welt 9.9.17).

1677: Umweltbundesamt widerspricht Merkel.

Samstag, September 9th, 2017

Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurückgewiesen, wonach Diesel-Fahrzeuge beim Klimaschutz helfen würden. Zwar könne die Dieseltechnik grundsätzlich zum Klimaschutz beitragen, sagte die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger, aktuell könne vom „Klimaretter“ aber keine Rede sein.

Dieselwagen stoßen bei gleicher Motorisierung zwar bis zu 15 Prozent weniger Kohlenstoffdioxyd aus, ein Treibhausgas, das die Klimaerwärmung verstärkt. „Dieser Vorteil besteht nur auf dem Papier“, heißt es beim UBA. Dieselantriebe seien vor allen Dingen in SUV’s  und anderen hochmotorisierten Fahrzeugen verbaut. Grund dafür sei, dass Dieselfahrzeuge deutlich weniger Treibstoff verbrauchten  als Benziner und dadurch gerade bei höheren PS-Zahlen attraktiver seien. Diese Dynamik zehre den Vorteil der Diesel beim Ausstoß von CO2 wieder auf (JHD, SZ 7.9.17)

1676: Gedenkstätte für Olympia-Attentat von 1972

Freitag, September 8th, 2017

Auf dem Lindenhügel im Münchener Olympiapark ist eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das Olympia-Attentat von 1972 eröffnet worden. In Anwesenheit des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und ihrer Frauen. Es erinnert an den brutalen Überfall von palästinensischen Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft. Dabei und bei dem späteren dilettantischen Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck kamen elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben.

Die Toten sind der Gewichtheber David Berger, der Polizist Anton Fliegerbauer, der Gewichtheber Ze’ev Friedman, der Kampfrichter Yossef Gutfreund, der Ringer Eliezer Halfin, der Gewichtheber Yossef Romano, der Sportschützen-Trainer Kehat Schor, der Leichtathletik-Trainer Amitzur Shapira, der Ringer Mark Slavin, der Fecht-Trainer Andrei Spitzer, der Gewichtheber-Trainer Yakov Springer und der Ringer-Trainer Moshe Weinberg. Für sie wurden Tafeln mit ihren Lebensläufen enthüllt.

Für die Gedenkstätte hatten Frauen von israelischen Opfern gekämpft. Sie stießen auf fehlende Sensibilität und Antisemitismus und mussten sogar dem Vorwurf begegnen, die israelischen Sportler hätten Terror und Krieg nach Deutschland gebracht. In den Ansprachen wurde der Terror geächtet und für seine gezielte Bekämpfung geworben. Steinmeier und Seehofer betonten, dass das Attentat von 1972 die Pflicht nach sich ziehe, Juden in diesem Land zu schützen.

Zu dem Satz des seinerzeitigen IOC-Präsidenten Avery Brundage „The games must go on.“ meinte der israelische Staatspräsident: „An diesen Satz wird sich die Welt in ewiger Schande erinnern.“ (Martin Bernstein und Kassian Stroh, SZ 7.9.17)

1675: Koalitionspartner für die Union: Grüne oder FDP

Donnerstag, September 7th, 2017

1. Die große Koalition in Berlin ist so zerredet und verächtlich gemacht worden, dass wir nach dem 24. September keine solche wiederbekommen.

2. Die extremistischen Parteien „Die Linke“ und AfD kommen ohnehin nicht in die Bundesregierung.

3. Es deutet fast alles darauf hin, dass die Union die Wahlen gewinnt. Und es ist keineswegs egal, wer ihr Koalitionspartner wird.

4. Angela Merkel hat die CDU in den vergangenen Jahren

a) weiblicher,

b) ökologischer,

c) sozialer und

d) flüchtlingsfreundlicher

gemacht.

5. Sie geht in ihre letzte Legislaturperiode und wird dadurch freier, verliert aber stetig ein bisschen Macht. Der Kampf um ihre Nachfolge entbrennt dann endgültig.

6. Dadurch bekommt ein Koalitionspartner mehr Einfluss auf die Politik der Bundesregierung.

7. Die potentiellen Koalitionspartner Grüne und FDP unterscheiden sich ganz und gar. Die FDP steht für Steuersenkungspolitik, die Grünen für Ökologie, Menschenrechte und sozialen Ausgleich.

8. Eine schwarz-grüne Koalition könnte die von Angela Merkel begonnene Politik energisch fortsetzen. Wer das will, sollte im Zweifelsfall grün wählen, damit die Grünen stärker werden als die FDP.

9. Die CSU wird alles versuchen, schwarz-grün zu verhindern.

10. Schwarz-gelb wäre neuer und riskanter, schwarz-grün berechenbarer und professioneller (Bernd Ulrich, Die Zeit 7.9.17).

Notfalls schlucken wir die Kröte Jamaika.

1674: Intellektuelle und „Denkführer“

Mittwoch, September 6th, 2017

Den Begriff des „Intellektuellen“ kennen wir, seit Emile Zola (1840-1902) am 13. Januar 1898 auf der Titelseite der Literaturzeitschrift „L‘ Aurore“ seinen offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten Félix Faure mit dem Titel

„J’accuse“

veröffentlichte. Darin sprach er sich gegen die Verurteilung des fälschlich des Landesverrats beschuldigten jüdischen Hauptmanns

Alfred Dreyfus

aus und beklagte die massive antisemitische Propaganda in Frankreich. In einer Petition schlossen sich ihm u.a. an

die Schriftsteller Anatole France und Marcel Proust, der Sozialphilosoph Georges Sorel, der Maler Claude Monet und der Soziologe Emile Durkheim. Sie setzten sich letztlich in der öffentlichen Meinung durch. In Deutschland berichtete Theodor Wolff („Berliner Tageblatt“) über den Dreyfus-Prozess.

Unter einem Intellektuellen verstehen wir also einen häufig akademisch ausgebildeten Menschen, der sich bewusst in öffentliche Angelegenheiten einmischt und die öffentliche Meinung im Sinne der Aufklärung zu beeinflussen versucht. In Deutschland verkörperten z.B. der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883-1969), der Schriftsteller Günter Grass (1927-2015) und der Sozialphilosoph Jürgen Habermas (1929) diesen Typus. Auf der politischen Rechten, bei Populisten und bei Rechtsextremen sind Intellektuelle unbeliebt. Wie z.B. auch grundsätzlich die Wissenschaft.

In seiner berühmten Schrift „Der Verrat der Intellektuellen“ (1927) arbeitete der französische Philosoph

Julien Benda (1867-1956)

die Neigung vieler Intellektueller heraus, zu Erfüllungsgehilfen gesellschaftlicher Interessen und Ideologien zu werden. Die Intellektuellen klären also keineswegs in jedem Fall wirklich auf.

Karl Mannheim (1893-1947)

sprach von „freischwebender Intelligenz“. Und

Antonio Gramsci (1891-1937)

unterschied zwischen traditionellen und „organischen“ Intellektuellen. Während erstere sich als über den Klassen schwebende Theoretiker empfanden, die de facto aber der bürgerlichen Herrschaft dienten, agitierten die letzten bewusst innerhalb einer Klasse und für diese.

Nun behauptet der US-amerikanische Sozialwissenschaftler

Daniel Drezner,

dass der Einfluss von Intellektuellen zurückgehe. Die Macht von Universitäten und Qualitätszeitungen verschwinde zusehends im öffentlichen Diskurs. An ihre Stelle träten „thought leader“ („Denkführer“). Diese seien weniger Mahner und Zeitdiagnostiker mit moralischer Autorität als vielmehr Selbstvermarkter, die mit leicht verdaulichen Vorträgen zu schnellem Geld kämen. Das sei ein Funktionsverlust der öffentlichen Meinung und tendiere zum Verfall der Demokratie. Diese gerate in Gefahr (Jan-Werner Müller, SZ 30.8.17).

1673: Bald keine tägliche Post mehr ?

Dienstag, September 5th, 2017

Ich wohne in Göttingen. Und schon lange bekommen wir montags keine Post mehr. Jetzt erfahre ich, dass die Post plant, die Briefpost bald

nur noch einmal die Woche

zuzustellen. Tatsächlich kommunizieren wir ja häufig per E-Mail und über Facebook, WhatsApp und auf andere Weise. Betriebswirtschaftlich mag die reduzierte Zustellung sinnvoll sein. Trotzdem gehört die tägliche Post insbesondere für viele Alte noch zur Grundversorgung. Für mich auch.

„Die Deutsche Post aus ihrer Pflicht zu einer flächendeckenden täglichen Versorgung bei der Briefzustellung zu entlassen, wäre ein großer Fehler. Man kann das Briefgeschäft nicht einfach nur unter Effizienzaspekten betrachten.“ (Caspar Busse, SZ 5.9.17)

Aber die Richtung, in der die Entwicklung jetzt schon erkennbar geht, ist eindeutig: Seit 2000 ist die Post an der Börse und derzeit gesetzlich verpflichtet, sechs Tage in der Woche Briefe zuzustellen. Dafür muss sie keine Mehrwertsteuer zahlen. Die Post hat die Zustellbezirke vergrößert. Und manche Haushalte bekommen ihre Post erst nachmittags. Die Zahl der Briefkästen ist drastisch gesunken. Dafür das Porto erheblich gestiegen (70 Cent pro Brief). Die Post ist nach wie vor marktbeherrschend. Die anderen privaten Zustellbetriebe (wie Citypost) sind noch schlechter.

Von der Digitalisierung profitiert die Post massiv. Immer mehr Menschen kaufen im Internet und lassen sich die Produkte dann liefern. Der Onlinehandel boomt und damit auch das Paketgeschäft. Hier wird investiert. Dafür stellt die Post Mitarbeiter ein. Geplant ist die Zustellung „am selben Tag“. Die gelben DHL-Autos sind heute weltweit unterwegs. Umsatz und Gewinne steigen. Da ist noch Platz für den Brief.

1672: Mehr als 30 Prozent Doper bei Leichtathletik-WM 2011

Dienstag, September 5th, 2017

Der Arbeitsbereich Kognition und Wahrnehmung der Universität Tübingen hat unter der Leitung von Rolf Ulrich im Auftrag der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) das Ausmaß des Dopings bei der Leichtathletik-WM in Daegu (Südkorea) 2011 bestimmt. Gemeinsam mit dem Mainzer Anti-Doping-Forscher Perikles Simon.

Dazu beantworteten 12o2 Athleten (darunter 65 deutsche) zwei Fragen auf einem Tablet. Die Rücklaufquote (normalerweise 30 Prozent) lag bei 90 Prozent. Anonymität war gewährleistet. Zu identifizieren waren die Athleten über ihren Geburtstag. Die Wissenschaftler berechneten aus diesen Angaben näherungsweise ihre Korridore.

Ergebnis: nach eigener Aussage waren über 30 Prozent der Athleten bei der Leichtathletik-WM in Daegu gedopt.

Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) unter Sebastian Coe hat versucht, dieses Ergebnis zu verheimlichen (Johannes Knuth SZ 30.8.17; Johannes Aumüller SZ 30.8.17).

 

1671: AfD bestreitet Klimawandel.

Dienstag, September 5th, 2017

Die AfD stellt sich beim Klimawandel gegen die Wissenschaft. Im Gegensatz zu allen im Bundestag vertretenen Parteien fordert sie, die „Hypothese vom menschengemachten Klimawandel aufzugeben“. Auch die vom Umweltbundesamt festgestellte gesundheitsschädigende Wirkung einer erhöhten Stickoxyd-Belastung durch Dieselfahrzeuge mit schwacher Abgasreinigung bestreitet die Partei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefährde Arbeitsplätze in der Automobilindustrie und betreibe die „Deindustrialisierung“ Deutschlands (dpa, SZ 5.9.17).

1670: Keine Verstrickung des Verfassungsschutzes?

Dienstag, September 5th, 2017

Über die Plädoyers im NSU-Prozess (hauptsächlich gegen Beate Tschäpe) schreiben Annette Ramelsberger und Wiebke Ramm in der SZ (2./3.9.17):

„So sehr sich die Bundesanwaltschaft in die einzelnen Schuldbeiträge der Angeklagten vertieft, so sehr lässt sie staatliche Versäumnisse außen vor. Hinweise auf eine Verstrickung des Verfassungsschutzes in die NSU-Taten sieht die Bundesanwaltschaft nicht. Dessen V-Leute hätten vielmehr entscheidend zur Aufklärung beigetragen, … Die Vertreter der NSU-Opfer können nicht glauben, dass ein Lob alles ist, was die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer zur Rolle der Sicherheitsbehörden zu sagen hat. Kein Wort über

geschredderte Akten,

kein Wort über

das Schikanieren Angehöriger.

…“