Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1843: Offener Brief an Documenta-Aufsichtsrat

Dienstag, Januar 16th, 2018

130 internationale Kuratoren, Museumsdirektoren und Künstler haben einen offenen Brief an den Documenta-Aufsichtsrat geschrieben. Darin beklagen sie, dass die jüngsten Maßnahmen des Aufsichtsrats das Image der Documenta erheblich beschädigt hätten. Dadurch habe das „Bild Deutschlands im Ausland“ gelitten. Es stelle sich die Frage, ob Kassel noch der richtige Standort für die Documenta sei.

Es war eine erhebliche Finanzierungslücke aufgetreten. Daraufhin wurde die Geschäftsführerin, Annette Kulenkampff, entlassen. In dem offenen Brief wird nun ihre Wiedereinstellung verlangt. „Die Lokal- und Landespolitik nimmt ein von ihr selbst lanciertes finanzielles Defizit zum Anlass, offen über die Umstrukturierung der documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und Vermarktung der Marke documenta zu debattieren.“ In dem offenen Brief wird eine Erhöhung des Etats gefordert und die Einsetzung eines Expertengremiums, das die Arbeit des vor allem mit Politikern besetzten Aufsichtsrats begleiten soll. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Kasper König, Wolfgang Tillmans, Chris Dercon und Alexander Kluge.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sucht derzeit eine neue Geschäftsführerin und einen neuen künstlerischen Leiter. Der Brief fragt, ob er überhaupt dazu in der Lage ist, den Fortbestand der Weltkunstschau zu garantieren. „Dieselben Politiker, die sich außerstande sahen, auf die Entgleisungen der AfD zu reagieren, die ein Kunstwerk von Olu Oguibe als ‚entstellte Kunst‘  bezeichnete und damit eindeutig auf faschistische Terminologien zurückgriff“, lancierten nun Überlegungen, die „von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast“ reichten. So werde die Freiheit der Kunst „minimiert“. „Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts anderes als die Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.“ (Catrin Lorch, SZ 15.1.18)

1842: Für ein Tempolimit auf Autobahnen: 130

Montag, Januar 15th, 2018

Wir haben an den Sondierungen für Koalitionsverhandlungen gesehen, dass es für Einzelinteressenten sehr einfach ist, das Erreichte zu kritisieren und ihre Belange in den Vordergrund zu stellen: Klimaschützer, Steuerpolitiker, Versicherungsvereinfacher et alii. Das ist aber noch nicht das Ganze.

Ich füge noch eine Forderung hinzu: Ein Tempolimit von 130 Km/h auf Autobahnen.

Seit gut 25 Jahren bin ich regelmäßig jedes Jahr mit dem Auto in Belgien, Frankreich, der Schweiz und Italien unterwegs. Ein paar mal auch in Österreich. Überall gibt es ein Tempolimit (hauptsächlich auf Autobahnen). Und deswegen fährt man dort entspannter als in Deutschland. Das wollen wir auch.

Die Regierung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron führt nun auf Landstraßen Tempo 80 statt bisher 90 ein. Begründung: man will weniger Verkehrstote. Da ruft die Autolobby in Deutschland gleich: Wir haben 2017 doch die wenigsten Verkehrstoten seit dem Krieg. Das stimmt. Aber es könnten noch weniger sein. Im Jahr 2016 kamen in Deutschland im Autoverkehr 1.853 Menschen ums Leben. Mehr als die Hälfte davon auf Landstraßen. Häufigste Ursache: überhöhte Geschwindigkeit. Mein Vorschlag für ein deutsches Tempolimit: Landstraßen 90, Autobahnen 130.

Das letzte Mal, dass ein deutscher Politiker den Vorschlag für ein Tempolimit auf Autobahnen machte, war es der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel 2013. Er wurde sogleich vom SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zurückgepfiffen. Die Autolobby, die in Deutschland regelmäßig ein Tempolimit verhindert, besteht aus einem Kartell aus

Autoindustrie, Verbänden und politischen Lobbyisten.

Darunter sind die Dieselbetrüger. Für sie gilt das Motto „Freie Fahrt für freie Bürger.“ Das ist bei der Verkehrsdichte, die wir heute haben, lächerlich. Zudem hat unsere Freiheit nichts mit einem Recht auf grenzenloses Rasen zu tun. Außerdem gilt für viele Abschnitte auf Landstraßen und Autobahnen in Deutschland heute schon eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Aus Gründen der Sicherheit, des Lärmschutzes oder der Schadstoffverminderung.

Also: her mit Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen (90) und Autobahnen (130). Sie werden unser Freiheitsgefühl nicht beeinträchtigen (Peter Fahrenholz, SZ 15.1.18).

1841: Lion Feuchtwangers „Moskau 1937“

Montag, Januar 15th, 2018

Der aus einer großbürgerlichen bayerischen Familie stammende jüdische Schriftsteller Lion Feuchtwanger (1884-1958) war einer der erfolgreichsten und am meisten gelesenen deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zunächst als Dramatiker: z.B. „Warren Hastings“, 1915, danach als Prosaist vor allem als Autor von historischen Romanen: z.B. „Jud Süß“ 1921/22, „Erfolg“ 1930, „Die Geschwister Oppermann“ 1933, „Exil“ 1939, „Goya“ 1951, „Die Jüdin von Toledo“ 1955.

Viele seiner Romane sind von prominenten Regisseuren in der DDR und in der BRD verfilmt worden (etwa Franz Seitz, Egon Monk, Konrad Wolf). Feuchtwanger schrieb im Exil gemeinsam mit Bertolt Brecht. Er floh vor den Nazis zunächst nach Frankreich (Sanary sur Mer), dann in die USA. Dort bildete er mit seiner Frau Marta ein Zentrum der deutschen „Kolonie“. Aus dem kalifornischen Exil ist er nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt.

Feuchtwanger war politisch links orientiert, wohl ohne Kommunist zu sein. Trotzdem verursachte er mit seinem Bericht über seine Moskaureise 1936/37 einen Skandal:

„Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde“ (1937).

Damit wollte Feuchtwanger wohl ein Gegengewicht gegen André Gides „Zurück aus Sowjetrussland“ (1937) schaffen, in dem die UdSSR scharf (von links) kritisiert wurde. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts war unter Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen die politische Idee der „Volksfront“ (Bündnis von Kommunisten und Sozialdemokraten) beliebt. Auch Feuchtwanger hing ihr an. So fühlte er sich wohl verpflichtet, die Moskauer Schauprozesse (1936-1938) anlässlich der großen stalinistischen „Tschistka“ (Säuberung) zu rechtfertigen. Er verteidigte die angebliche sowjetische Demokratie. Dafür wurde er von „Linken“ wie

Arnold Zweig und Klaus Mann

scharf kritisiert. Aber auch gelobt von

Ernst Bloch und Heinrich Mann.

Nun sind neue Dokumente zu Feuchtwangers Schrift aufgetaucht:

Hermann Hamann (Hrsg.): „Ich kam, ich sah, ich werde schreiben“. Lion Feuchtwanger in Moskau 1937. Eine Dokumentation. Göttingen 2017, 456 S.

Der Hauptteil des Bandes versammelt verstörendes Archivmaterial. Höhepunkt ist die Aufzeichnung des Gesprächs von Feuchtwanger mit Josef Stalin im Januar 1937. Obwohl Feuchtwanger große Zweifel an den Moskauer Schauprozessen hatte, schrieb er über deren Opfer: „Die Taten der meisten dieser Männer sind todeswürdig.“

„Warum schrieb Feuchtwanger anders, als er dachte? Keine unbedeutende Rolle spielte die Anerkennung, die der eitle Mann in Moskau an höchster Stelle erfuhr. Vergessen werden darf auch nicht, dass sich seine ideologische Willfährigkeit auszahlte. Die Übersetzungen seiner Romane ins Russische garantierten dank riesiger Auflagenzahlen hohe Summen, davon abgesehen konnte sich Feuchtwanger auch über manche überraschende Rubelüberweisung freuen. Am wichtigsten war jedoch das Solidarität erzeugende Argument, wer die Errungenschaften der Sowjetunion und seines Führers Stalin kritisiere, leite Wasser auf die Mühlen des Faschismus. Dass dieses erpresserische Argument totalitär sei, jedes Mittel rechtfertige, jede Kritik unterdrücke, focht Feuchtwanger auch nach dem Ende des Weltkriegs und trotz der Enthüllungen des XX. Parteitags /(1956)/ nicht an.“ (Thomas Medicus, SZ 13./14.1.18)

Ich habe gerade gelesen

Wilhelm von Sternburg: Lion Feuchtwanger. Die Biographie. Berlin 2014, 543 Seiten.

Darin wird Feuchtwanger literarisch und politisch insgesamt gut beurteilt. Im Hinblick auf „Moskau 1937“ aber ist sich von Sternburg ganz sicher in seiner Kritik.

1840: SPD in der Zerreißprobe

Montag, Januar 15th, 2018

Nach den Sondierungen steckt die SPD in der Zerreißprobe. Dem Leitungsteam Martin Schulz/Andrea Nahles schlägt Misstrauen entgegen. Unter den Sondierungskritikern sind mit Ralf Stegner und Thorsten Schäfer-Gumbel besonders jene, die noch nie eine Wahl gewonnen haben.

Passend dazu kommt aus dem Hause Lafontaine/Wagenknecht der Vorschlag für eine „linke Volkspartei“.

1839: Sondierungsergebnis positiv

Samstag, Januar 13th, 2018

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das 28-seitige Sondierungspapier, das CDU/CSU und SPD vorgelegt haben, positiv.

Wichtig für CDU: keine Erhöhung des Spitzensteuersatzes/keine neuen Staatsschulden/keine Bürgerversicherung/kein Fahrverbot für Dieselautos/Maghreb-Staaten gelten als sichere Herkunftsländer/Familiennachzug eng begrenzt/Merkel bleibt Kanzlerin.

Wichtig für die CSU: Ausweitung der Mütterrente/Begrenzung der Flüchtlingszahl.

Wichtig für die SPD: Gebührenfreie Kitas/Gesetzliche Fixierung des Renteniveaus/Solidarrente/Klimaschutzgesetz/Investitionshaushalt Euro-Zone/Abschaffung Abgeltungssteuer/Weniger Glyphosat/Fachkräfte-Einwanderungsgesetz (Einwanderungsgesetz)/Parität bei Finanzierung der Krankenversicherung (SZ 13./14.1.18; FAZ 13.1.18; Die Welt 13.1.18).

Noch klarer wird dies Ergebnis, wenn wir uns anschauen, wer die Meckerer und Zukurzgekommenen sind:

1. Die Grünen trauern ihren Ministerämtern nach.

2. Die FDP hat gerade noch rechtzeitig erkannt, dass sie nicht regierungsfähig ist.

3. Die Linken sind grundsätzlich gegen den Westen und kommen für eine Regierung noch nicht in Frage.

4. Die Linken in der SPD und die Jusos würden am liebsten mit den Linken (Kommunisten) zusammengehen und regieren. Das muss verhindert bleiben.

1838: Robert Menasse erzählt Anekdoten.

Samstag, Januar 13th, 2018

Der 1954 in Wien geborene jüdische Schriftsteller Robert Menasse ist ein erfolgreicher Essayist und Romancier. 2017 erhielt er für seinen Roman über Brüssel „Die Hauptstadt“ den deutschen Buchpreis. Sein Vater war Fußballprofi, Rechtsaußen. Seine Schwester Eva hat gerade den österreichischen Buchpreis gewonnen. Im Interview mit Egbert Toll und Antje Weber (SZ 13./14.1.18) sagt Menasse:

„Das ist immer menassisch gewesen, die Lust am Erzählen.“

„Im Mai 1968, als große Demonstrationen durch Paris zogen, kam einmal ein Zug mit

Sartre und de Beauvoir

an dem Haus vorbei, in dem

Michel Foucault

wohnte. Der Sartre denkt sich in dem Moment, wieso ist eigentlich nicht der Foucault bei uns? Er klingelt beim Foucault und sagt zu ihm: ‚Schau mal zum Fenster runter, da siehst du, was unten los ist. Du musst dich wie wir an die Spitze der Bewegung stellen. Man will dein Wort hören!‘ Foucault deutet auf seinen Schreibtisch, auf dem die Schreibmaschine steht und viele Papiere liegen, und sagt: ‚Schau, das hier, das kann nur ich. Das kann keiner von denen, die da unten gehen.'“

„Als ich im Internat verprügelt wurde, habe ich mich nicht gewehrt. Ich habe mir gedacht, wenn ich stillhalte und mich abwatschen lasse, ist es schneller vorbei. Bei einem aggressiven älteren Schüler dachte ich einmal: Das Einfachste wäre, ich schlage ihm mitten ins Gesicht und breche ihm das Nasenbein, dann ist Ruhe. Aber der erste Gedanke war: Der wird noch aggressiver. Und der zweite: Wenn ich ihn verletze, bin ich an was schuld. Ich habe sogar als Opfer Angst davor gehabt, Schuld an irgendetwas zu haben. Und dieses Nicht-Zurücksachlagen hat mich lange, lange beschäftigt. Deswegen bin ich dann ja in einen

Boxklub

gegangen.“

„(Thomas) Bernhards Werk .. kann man zusammenfassen mit dem Satz: Alle Österreicher sind Faschisten, alle Österreicher sind Katholiken, und das Schlimmste in Österreich sind die katholischen Faschisten.“

„Im Café de Flore in Paris hängt ein Foto von Sartre, mit einer Zigarette im Mundwinkel. Unter dem Foto ist heute ein Schild: Rauchen verboten.“

1837: Golden Globe für Fatih Akins „Aus dem Nichts“

Freitag, Januar 12th, 2018

Vielleicht bleibt die diesjährige Verleihung der Golden Globes doch stärker in Erinnerung als andere. Wegen der gegen sexuelle Verfolgung schwarzen Kleidung der Damen und der Dankesrede der Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Ihre Rede wurde als Bewerbung für die US-Präsidentschaft 2020 wahrgenommen. Was in Hollywood alles möglich ist!

Und dann bekam der deutsche Film „Aus dem Nichts“ des Hamburgers Fatih Akin noch den Globe als „bester fremdsprachiger Film“. Er erzählt die Geschichte einer Frau (Diane Kruger), die erleben muss, dass ihr Mann und ihr Sohn bei einem ausländerfeindlichen Attentat ermordet werden und hinterher die Justiz versagt. Die Geschichte lehnt sich an den

NSU-Mord

in der Kölner Keupstraße an. Und dies kann bei der politischen Aufarbeitung der NSU-Morde noch eine zentrale Rolle spielen. Der Prozeß gegen Beate Tschäpe in München ist ja noch nicht zu Ende. Das Münchener Gericht hat darauf verzichtet, die Verstrickungen deutscher Behörden (Bundesnachrichtendienst, Landesämter für Verfassungsschutz) in die NSU-Kriminalität aufzuklären. Das wäre aber geboten.

„Aus dem Nichts“ hatte bei der Premiere in Cannes und bei seinem deutschen Kinostart im November eher zwiespältige, nur zögernd-lobende Reaktionen ausgelöst. Unzweifelhaft scheint allein die Leistung von Diane Kruger, die in Cannes mit dem Preis für die beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde (Barbara Schweizerhof, taz 9.1.18).

Der Film (106 min, mit Darstellern wie Ulrich Tukur) läuft im „Lumière“ noch am 13.1 um 19.30 Uhr und am 17.1. um 20.00 Uhr.

1836: Allen und Polanski angeklagt

Freitag, Januar 12th, 2018

Die #Metoo-Debatte zieht weite Kreise. Bei der Verleihung der Golden Globes wurde der als Hauptdarsteller in Woody Allens neuestem Film „Wonder Wheel“ frisch Dekorierte Justin Timberlake dafür attackiert, dass er bei dem Film überhaupt mitgemacht hatte. Denn Woody Allen wird (seit langer Zeit) des Missbrauchs seiner Adoptivtochter Dylan Farrow und seines Adoptivsohns Ronan Farrow bezichtigt (Martina Knoben, SZ 11.1.2018).

Alex Rühle hat die Publizistin Catherine Millet interviewt (SZ 11.1.2018), die durch ihren Protestbrief gegen #Metoo in „Le Monde“ Empörung hervorgerufen hatte. Den Brief hatten etwa auch die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Ingrid Caven unterzeichnet:

SZ: Die französische Debatte dreht sich auch um Roman Polanski, gegen den weitere Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. Viele Frauen protestierten, als eine Retrospektive seiner Filme in der Pariser Cinemathèque francaise gezeigt wurde.

Millet: Wenn Puritanismus zu kultureller Zensur führt, wäre das furchtbar. Die Debatte um Polanski, um den Maler Balthus oder um andere Künstler sollte uns in keinem Fall davon abhalten, ihre Werke anzusehen. Ich bin gegen jede Form von Zensur. Die Frauen, die vor der Cinemathèque francaise demonstrieren, führen uns in ein dunkles Zeitalter des Puritanismus. Gestern habe ich von einer Engländerin gehört, die sagt, man müsse

Dornröschen

verbieten, weil die dem Prinzen nicht erlaubt hat, sie im Schlaf zu küssen. Sind jetzt alle verrückt geworden, oder was?

1835: Schäfer: 50 + 1 ist ein Segen.

Mittwoch, Januar 10th, 2018

Robert Schäfer, 41, ist seit 2016 Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf. Der Volljurist hat den Verein stabilisiert. Er steht seit Saisonbeginn auf einem Aufstiegsplatz der zweiten Liga. Robert Schäfer hat in einem Beitrag für die FAZ (6.1.18) begründet, dass und warum die

50 + 1-Regel

für den deutschen Fußball sehr gut ist. Ich paraphrasiere hier seine Aussagen verkürzt:

Fußball ist in Deutschland populärer denn je und wirtschaftlich erfolgreich. In der Bundesliga kommen von Freiburg bis Dortmund im Schnitt pro Spiel

41 500 Zuschauer

ins Stadion (England 35 800, Spanien 27 700, Italien 22 200, Frankreich 21 000). Dieser Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Ausländische Investoren wittern Rendite. Daher ist im deutschen Fußball eine mehrheitliche Übernahme durch Investoren verboten. Die von den Vereinen begründeten Kapitalgesellschaften behalten die Mehrheit. Dagegen haben

Inter Mailand und der FC Southhampton

in letzter Zeit bereits mehrmals den Eigentümer gewechselt. Eine Lizenz bekommt eine Kapitalgesellschaft in Deutschland nur, wenn ihr in jeder Hinsicht die letzte Entscheidung zusteht.

Dadurch gewährleisten die deutschen Vereine Kontinuität, den Erhalt wichtiger

Werte, Marken, Namen und Traditionen.

So bleibt der Fußball erschwinglich und demokratisch. Dafür gibt es beim DFB aktuelle Regeln und Auflagen zum sinnvollen Haushalten. Die Abschaffumng der 50 + 1-Regel würde den Fans den Fußball wegnehmen. Wie in England, Spanien und Italien. Dort sind die Klubs im Besitz von Milliardären. Fans und Mitglieder haben keinen Einfluss mehr. Die Eintrittspreise steigen. Steigt der Investor aus,

bleibt der Verein verschuldet zurück.

Den deutschen Vereinen wird von ihren Anhängern eine Verehrung entgegengebracht wie es bei anderen Unternehmen nicht vorkommt. Dieser Rückhalt ist gefährdet, wenn es nur noch ums Geld geht. Das zeigt das Beispiel

1860 München.

Die 50 + 1-Regel gefährdet auch nicht das Wachstum. Dafür ist bei der Champions League hauptsächlich das Erreichen der K.O.-Runde wichtig. Nicht der Titel. Hier braucht es zusätzliches Kapital. Trotzdem haben sich zuletzt ausländische Vereine, bei denen in der heimischen Liga die Leistungsdichte nicht so hoch ist wie in Deutschland, gegen deutsche Klubs durchgesetzt. Wie der

FC Basel und der FC Porto.

50 + 1 ist eine gute Grundlage für Wachstum im Fußball. Der dreimalige Europa-League-Sieger FC Sevilla ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit einem überschaubaren Budget und harter Arbeit sportliche Erfolge erreicht werden können. Die deutschen Vereine können durch

clevere Transfers, gute Ausbildung und gezielte Nachwuchsförderung

erfolgreich sein und Werte schaffen. Das ist nachhaltiger als ein einmaliger Erlös aus dem Verkauf eines Anteils. Es bringt mehr, zuerst an der sportlichen Qualität zu arbeiten, also besseren Sport für das aktuell eingesetzte Geld zu erreichen.

1832: SED-Vermögen für ostdeutsche Bundesländer

Sonntag, Januar 7th, 2018

Die ostdeutschen Bundesländer können 2018 mit 185 Millionen Euro aus dem einstigen SED-Vermögen rechnen. Das wäre die bisher größte Tranche aus Mitteln der ehemaligen DDR-Staatspartei, die während des Umbruchs 1989/90 in dubiosen Kanälen verschwanden. Hauptsächlich bei

Schweizer Banken.

Es ist der Klage der Bundesrepublik gegen diese Schweizer Banken zu verdanken, dass dieses Geld überhaupt noch zur Verfügung steht. Es geht unter anderem um das Vermögen der DDR-Außenhandelsfirma Novum. Das Oberverwaltungsgericht Berlin war in einer Grundsatzentscheidung zu der Ansicht gelangt, dass das Vermögen tatsächlich den Parteien und Massenorganisationen der DDR zuzurechnen sei (SED, CDU, LDPD, NDPD, DBD, FDGB, DSF, FDJ etc.) und folglich der Bundesrepublik zustehe. Das

Obergericht des Kantons Zürich

hatte bereits 2010 die damalige AKB Privatbank Zürich zu Schadensersatz wegen mangelnder Sorgfalt in Bankgeschäften verurteilt (lock, FAZ 6.1.18).