Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1971: Die Grünen – ein sachter Neubeginn

Sonntag, Mai 6th, 2018

Jedes Jahr halten die Grünen eine Fraktionsklausur in Weimar. Dabei ist „Reibung“ erwünscht, aber kein Selbstzweck. Und wenn in diesem Jahr durch die Wahl von Annalena Baerbock und Robert Habeck ein Neubeginn ansteht, dann ein sachter. Aber nicht aus Verzagtheit, sondern mit Bedacht. Denn die Grünen haben die Wankelmütigkeit vieler Wähler mehrmals kennengelernt.

„Wir wollen die führende Kraft der linken Mitte werden, indem wir mit optimistischen Konzepten die Debatten progressiv prägen.“ (Anton Hofreiter) „Wir wollen uns selbst mit kritischen Fragen konfrontieren, und zwar mit Fragen, die die Menschen draußen stellen.“ (Kathrin Göring-Eckardt) In sechs „Zukunftslaboren“ suchen die Grünen einen Aufbruch. Sie wollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt befördern und die soziale Gerechtigkeit stärker in den Blick nehmen. Das ist kein pubertäres Getrampel, sondern rationale Realpolitik.

Und das ist richtig.

Der Personalvorstand des Paketzustellers DHL sprach über die Digitalisierung der Arbeit. Und der Historiker Norbert Frei vertrat beim Umgang mit unserer Vergangenheit unbequeme Thesen. Wir dürften nicht bei Ritualen stehen bleiben. Der Begriff „Erinnerungskultur“ sei falsch. Es komme heute darauf an, sich rechten Denkmustern, wie sie insbesondere in Ostdeutschland Auftrieb bekommen hätten, entschlossen entgegenzutreten. Frei warnte vor der gefährlichen Sehnsucht nach der einen ordnenden politischen Kraft, die die Menschen schon in der Weimarer Republik zur NSDAP geführt habe.

Bei den ökologischen Themen haben die Grünen ohnehin recht. Und die Rechten leugnen den Klimawandel (Constanze von Bullion, SZ 5./6.5.18).

1970: Ansichten über Karl Marx im Jahr 2018

Sonntag, Mai 6th, 2018

Peter Altmaier, 59, CDU, Bundeswirtschaftsminister:

„Die Stärke und Bedeutung der Schriften von Karl Marx lagen in der Analyse der bestehenden Verhältnisse, die im 19. Jahrhundert für die Beschäftigten katastrophal waren. Der Versuch, seine Ideologie umzusetzen, hat Hunderte von Millionen Menschen ins Elend gestürzt. Die Soziale Marktwirtschaft überwindet Kapitalismus und Kommunismus gleichermaßen.“

Andrea Nahles, 47, SPD-Vorsitzende:

„Es lohnt sich auch heute, Marx genauer in den Blick zu nehmen. Denn es gibt eine ganze Reihe von ähnlichen Entwicklungen zwischen der sogenannten ersten industriellen Revolution, die Marx so beschäftigt hat, und der vierten industriellen Revolution, die uns heute so beschäftigt. Es geht also wieder darum, eine Entwicklung nicht nur hinzunehmen, sondern als menschengemacht zu begreifen und entsprechend auch als von Menschen gestaltbar zu verstehen. Es geht um Einhegung, Begrenzung und Regulierung des kapitalistischen Gewinnstrebens durch die Logik des Sozialen und Demokratischen. Es geht darum, den digitalen Kapitalismus in mehr Freiheit zu übersetzen.“

Katrin Göring-Eckardt, 52, Grünen-Fraktionschefin:

„Marx wollte gerade nicht die Herrschaft des einen über den anderen. Also auch die Herrschaft der Funktionäre über die Arbeiterklasse. Insofern passt der Marx, den ich aus Büchern kenne, nicht zu der Ikone, die mir in der DDR überall entgegengehalten wurde.“

Gregor Gysi, 70, Präsident der Europäischen Linken:

„Karl Marx ist für mich einer der größten und klügsten Denker, der außerdem schreiben konnte, und zwar mit Humor und Selbstironie, gelegentlich auch mit Sarkasmus. Nur um in seinem Sinne wirken zu können, war er bereit, sein Land – Deutschland – aufzugeben und in London zu arbeiten. Er muss zweimal befreit werden. Zum einen von seinem Missbrauch für politische Diktaturen im Staatssozialismus und zum anderen von seiner Ausweisung aus Deutschland. Wenn wir mit einem der größten Söhne Deutschlands einen unvoreingenommenen, sowohl kritischen als auch selbstkritischen Umgang pflegten, hätten wir alle einen Gewinn.“

(FAS 6.5.18)

 

1969: NSU-Prozess = Staatsversagen

Freitag, Mai 4th, 2018

Zwei Vertreter der Nebenkläger im NSU-Prozess legen in Buchform ihre Bilanz des Prozesses vor. Sie fällt vernichtend aus:

Mehmet Daimagüler: Empörung reicht nicht. München (Lübbe) 2017, 349 Seiten, 18 Euro,

Antonia von Behrens (H.): Kein Schlusswort. Plädoyers im NSU-Prozess. Hamburg (VSA) 2018, 328 Seiten, 19,80 Euro.

Die Autoren bzw. Herausgeber kommen bei unterschiedlichem Vorgehen zu sehr ähnlichen Ergebnissen:

1. Es handelt sich um Staatsversagen. Der Verfassungsschutz hintertreibt die Aufklärung.

2. Es soll ein Schlussstrich unter die erforderliche Aufklärung gezogen werden.

3. Das NSU-Trio hatte viele Helfer, die auch an manchen Tatorten halfen, ohne im Prozess benannt zu werden.

4. Mehr als 30 V-Leute waren um das Mörder-Trio herum postiert, so dass der Staat eigentlich Bescheid wissen musste.

5. Dadurch dass Akten geschreddert wurden, erhärtet sich der Verdacht, dass die Behörden gezielt vorgingen.

6. Wie die Täter ging auch die deutsche Polizei rassistisch vor.

7. Zunächst wurden die Familien der Opfer verdächtigt, Drogenhandel zu betreiben und zur Mafia zu gehören.

8. Daimagüler fordert eine „schonungslose“ gesellschaftliche Debatte über Rassismus (Konrad Litschko, taz 14./15.4.18).

Annette Ramelsberger berichtet vom ersten Tag an für die SZ über den NSU-Prozess. Sie sieht seine Bedeutung auf einer Stufe mit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen (1945-1949), den Frankfurter Auschwitzprozessen (1963-1968) und dem Stammheim-Prozess (1975-1977) und schreibt (SZ 4.5.18).

9.“Ja: Dieser Prozess ist zum mahnenden Beispiel dafür geworden, dass das Strafprozessrecht dringend geändert werden muss – einige Verteidiger nutzen ihre Rechte als Blockadeinstrument; ihnen ist nicht mehr die Wahrheitsfindung wichtig, sie arbeiten nahe an der Sabotage. All diese Kritik am Prozess ist richtig. Doch es wird dabei übersehen, was er in den vergangenen fünf Jahren geleistet hat: Er hat den Blick der Gesellschaft dahin gerichtet, wo es wehtut; dorthin, wo die Mehrheit jahrelang nicht hinschauen wollte. Er zeigt schmerzhaft, dass es vor allem in den neuen Ländern Mainstream geworden ist, rechts zu sein; dass es in manchen Orten schrecklich normal ist, dass sich jeder bedroht fühlt, der etwas anders aussieht als der Durchschnittsdeutsche. Am erschreckendsten aber ist die Erkenntnis, dass es auch nach fünf Jahren NSU-Prozess Leute gibt, die die gezielte Ermordung von zehn Menschen für einen Kollateralschaden halten im Kampf gegen die angebliche Überfremdung Deutschlands.“

10. „13 Jahre lang, zwischen 1998 und 2011, haben Staat und Gesellschaft die Augen verschlossen vor der Dimension des NSU. Die Bedeutung des Prozesses gegen Beate Tschäpe und ihre Helfer wird sich vor allem daran messen, ob die Gesellschaft aus ihm lernt: dass sie Haltung zeigen muss gegen alle Demokratiefeinde. Denn deren Macht schwindet nicht, wenn man wegschaut. Sie wächst.“

1968: Georges-Arthur Goldschmidt 90

Donnerstag, Mai 3rd, 2018

Im Alter von zehn Jahren wurde Jürgen-Arthur Goldschmidt 1938 von seinen Eltern nach Frankreich geschickt, um ihn vor den mörderischen Nazis zu beschützen. In einem Kinderheim in Savoyen und bei einem Bauern dort wuchs Goldschmidt auf und besuchte ein Internat. Davon handelt sein Roman „Der Spiegeltag“ (1982). Georges-Arthur wurde Franzose und unterrichtete an Pariser Gymnasien, bevor er als Schriftsteller und Übersetzer reüssierte.

Ein enges Verhältnis verbindet Goldschmidt mit Peter Handke, von dem er zwei Dutzend Werke ins Französische übersetzt hat. Umgekehrt hat Handke mehrere Publikationen Goldschmidts ins Deutsche übertragen. Beide sind in der deutschen Sprache aufgewachsen und leben ein französisches Leben.

In einer Reflexion behandelt Handke die Aufzeichnungen, die Goldschmidts Vater Arthur, der „vergessen“ hatte, seinen Sohn darauf hinzuweisen, dass er ein Jude sei, im Konzentrationslager Theresienstadt angefertigt hat. Er war Richter in Hamburg gewesen, die Familie war protestantisch und vollständig assimiliert. Davon handeln Goldschmidts Erzählung „Die Absonderung“ (1991) und seine Romane „Die Befreiung“ (2010) und „Der Ausweg“ (2014).

Berichte von einer erstaunlichen Rettung sind es nur auf der Oberfläche. Goldschmidt widmet sich literarisch den darunter liegenden, weitaus komplizierteren Verhältnissen. 1999 erschien „Als Freud das Meer sah“, 2006 „Freud wartet auf das Wort“. Dabei geht es natürlich um die Psychoanalyse. „Goldschmidt spürt den Wortstämmen, den Präfixen und den Satzbögen nach, um am Ende die Sprache selbst sprechen zu lassen, so als besitze eine jede eine eigene Natur, die es freizulegen und dadurch zu retten gelte. Die Seele, behauptet Freud, werde im Innersten aus zwei Empfindungen zusammengehalten, aus der Lust und aus dem Schmerz. Goldschmidt hat sein literarisches Leben um diese beiden Pole herum aufgebaut. Die Rettung und die Schuld, die beiden anderen Motive in seinem Werk, sind nur Varianten. Und so treibt er sich herum, im vagen, porösen, flüchtigen und in jeder Beziehung unsicheren Raum dazwischen, mal von dem einen, mal von dem anderen Pol angezogen.“ (Thomas Steinfeld, SZ 2.5.18)

1967: „Über Marx hinaus“

Mittwoch, Mai 2nd, 2018

Unter den zahlreichen Publikationen zu Karl Marx 200. Geburtstag waren viele seriöse, manchmal sogar wissenschaftliche. Die habe ich bei weitem nicht alle gelesen, aber doch versucht, mir per Rezensionen und auf andere Weise einen Überblick zu verschaffen. Dabei sticht eine Publikation heraus, auf die ich hier näher eingehe:

Klaus Gietinger: Karl Marx, die Liebe und das Kapital. Frankfurt/Main (Westend) 2018, 351 Seiten.

Der Verfasser ist der bekannte und vielfach ausgezeichnete Sozialwissenschaftler, Autor und Filmregisseur Klaus Gietinger. Seine sozialwissenschaftliche Grundausbildung hat er in Göttingen (Diplom-Sozialwirt) erhalten. Herausragend sein Buch über die Ermordung Rosa Luxemburgs („Eine Leiche im Landwehrkanal“, erweiterte und überarbeitete Neuauflage 2009). Gietingers Film „Daheim sterben die Leut“ (1984) hat Kultstatus.

Der Haupttenor von Gietingers Buch lautet „Über Marx hinaus“ in Anlehung an ein Motto der Marx-Tochter Eleanor (Tussy). Das bedeutet, dass Gietinger uns sagt: Marx hatte recht. Und wir können ihn heute über seine treffenden Erkenntnisse hinaus zeitgemäß interpretieren und infolgedessen richtige politische Schlüsse daraus ziehen. An einer Stelle sagt Gietinger sogar, dass Marx die Natur in seine Überlegungen zum Wertgesetz einbezogen habe. Und zwar bei der Kritik des Gothaer Programms (1875) der SPD. „Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit.“ (S. 323) Die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums sind hiernach Arbeit und Natur. Damit schafft Klaus Gietinger quasi die ökologische Ehrenrettung des Marxschen Wertgesetzes, nach dem eigentlich nur die ihr vergegenständlichte Arbeit wertschöpfend ist.

Marx‘ Leben wird in diesem Buch wie in einem Zwiegespräch zwischen Marx‘ Freund Friedrich Engels und Marx‘ Tochter Eleanor (Tussy) in einem „Roman eines Lebens“ erzählt. Dazwischen eingestreut unzählige Zitate vor allem aus Briefen (Marx, Engels, Tussy Marx, Jenny Marx, Ferdinand Lassalle, August Bebel, Wilhelm Liebknecht et alii). Aber Klaus Gietinger kennt auch seine Marx-Engels-Gesamtausgabe. Er ist ein gelehrter Schreiber. Dass Marx‘ Leben romanhafte Züge hatte, stellt er unter Beweis.

Aber Klaus Gietinger stellt für uns zusätzlich die Bezüge zur politischen – und Geistesgeschichte insbesondere des 19. Jahrhunderts her, die uns das Verständnis erleichtern. Als Referenzfiguren tauchen in dem Buch auf Bettina von Arnim, Heinrich Heine, Abraham Lincoln, über den Begriff „Sudelbücher“ Georg Christoph Lichtenberg und andere. Als Utopisten und Frühsozialisten sind dabei Thomas Morus, St. Simon, Fourier, Proudhon. Und viele, die nicht während ihres ganzen Lebens Freunde oder Partner von Marx waren: Bruno Bauer, Arnold Ruge, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Feuerbach, Max Stirner, Moses Hess, Ferdinand Lassalle und andere. Gietinger setzt sich mit dem jüdischen Selbsthass auseinander. Er stellt auf den Antisemitismus in Deutschland ab. Marx und Gietinger mögen nicht:

den Protestantismus, Preußen, die Paulskirchen-Demokratie und die SPD.

Zu weit geht Gietinger, wo er in Russland den Übergang vom Feudalismus zum Sozialismus für möglich erklärt. Da herrschte in Russland ja der Stalinismus (1925-1955). Und ist der nicht heute partiell wieder da? An dieser Stelle hat der Autor Angst und versucht, sich durch den folgenden Vorspruch zu retten: „Frage: Sind Sie nicht ein Brandstifter, Herr Gauland? Alexander Gauland: Das wäre, als ob man sagt: Karl Marx hat Stalins Verbrechen zu verantworten.“

Unser Autor ist aber ein richtiger Marxist und bietet im letzten Fünftel seines Buchs das ganze Arsenal polit-ökonomischer Begriffe, das Nicht-Marxisten nicht in jedem Fall verstehen: Ware, Ideologie, Arbeitsteilung, Tausch, Produktivkräfte, Gebrauchswert, Tauschwert, W – G – W‘, Zirkulation, Akkumulation, w = v + m, relative Mehrwertrate, tendenzieller Fall der Profitrate, Krise, Zyklus, Expropriation etc. Keine leichte Kost. Sie lässt sich nur schwer in den Text integrieren. Und dann ist da noch die von Marx bei Hegel übernommene Dialektik. Sie kann leicht als der Taschenspielertrick verwandt werden, mit dem dann jede Entwicklung der Gesellschaft als Vorstufe zur Verelendung hingestellt wird. Egal, ob die Profitrate fällt oder nicht. Also: die üblichen theoretischen Mängel des Marxismus. Aber Marx wusste ja, dass er kein Marxist war.

Klaus Gietinger hat uns Karl Marx auch als Mensch näher gebracht. Und neuerdings finden ja sogar Hans-Werner Sinn und Reinhard Kardinal Marx in der Marxschen Analyse brauchbare Ansatzpunkte (FAS 29.4.18; SZ 22.3.18).

Der Autor kommt am Mittwoch, dem 23. Mai, um 19.30 Uhr

nach Göttingen

ins „Lumière“ und zeigt seine beiden neuen Filme „Wie starb Benno Ohnesorg – Der 2. Juni 1967“ (45 min) und „Lenchen Demuth und Karl Marx“ (45 min). Besorgen Sie sich Karten.

1966: Kardinal Marx kritisiert Markus Söder (CSU).

Dienstag, Mai 1st, 2018

Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) scharf für dessen Kreuz-Erlass kritisiert. Es sei „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ entstanden. „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann würde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.“ Das stehe dem Staat nicht zu (SZ 30.4./1.5.18).

1965: Helmut Lölhöffel gestorben

Montag, April 30th, 2018

Wir DDR-Forscher in der Kommunikationsforschung waren ganz besonders auf Informationen von Journalisten-Kollegen „vor Ort“ angewiesen. Der wichtigste davon war Helmut Lölhöffel, geb. 1944, der gerne bereit war, uns an seinem reichen Wisssen über die DDR teilhaben zu lassen. Mehrfach haben unsere Studierenden auch bei Exkursionen in die DDR davon profitiert. Lölhöffel war ein alter 68er, ein unbeirrbarer, sehr menschenfreundlicher Linker. Nun ist er in Berlin gestorben.

1964: Wolfgang R. Langenbucher 80

Montag, April 30th, 2018

Mit Wolfgang R. Langenbucher wird einer der bekanntesten Kommunikationswissenschaftler im deutschsprachigen Raum 80 Jahre alt. Begonnen hatte er seine Karriere als Assistent (gemeinsam mit Peter Glotz) in München bei Otto B. Roegele. Dort erschien das seinerzeit wichtige Buch „Der missachtete Leser“. Mehr noch als in der Wissenschaft war Langenbucher hinter den Kulissen, in wissenschaftlichen Gesellschaften und in der Politik aktiv. Von 1975 bis 1983 war er Ordinarius in München, danach bis zur Emeritierung in Wien. Er hatte Verbindungen auch zur „alten“ Publizistik (Dovifat, Hagemann, Haacke). Interessant wäre es, mehr aus dem bisher unveröffentlichten Briefwechsel mit Wilmont Haacke (1911-2008) zu erfahren.

1963: Hardy Krüger 90

Freitag, April 13th, 2018

In Alfred Weidenmanns „Junge Adler“ (1944) erlebte Hardy Krüger sein Filmdebüt gemeinsam mit Dietmar Schönherr. Er war Schüler der Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen. Aber daraus hat er Konsequenzen gezogen und anhand seiner eigenen Geschichte politisch aufgeklärt und sich gegen Rechtsextremismus gewandt (zuletzt 2013). Als Schauspieler wurde er häufig als Wehrmachtsoffizier besetzt. So in „Einer kam durch“ (1957) und „Taxi nach Tobruk“ (1960).

Krüger hat mit Regie-Stars wie Joseph Losey, Otto Preminger, Robert Aldrich, Howard Hawks und Stanley Kubrick zusammengearbeitet. In Premingers „The Moon is blue“ hatte William Holden die Hauptrolle, in der deutschen Fassung („Die Jungfrau auf dem Dach“) Hardy Krüger. In Howard Hawks „Hatari“ (1962) erreichte Krüger den Höhepunkt seiner Laufbahn. Er kaufte die Farm, auf der der Film gedreht worden war, und lebte lange Jahre in Afrika. 1975 gewann Stanley Kubrick ihn für „Barry Lyndon“.

Krüger hatte 1970 eine Karriere als Erzähler und Schriftsteller begonnen. Er machte den Pilotenschein und drehte Reisefilme für’s Fernsehen („Hardys Bordbuch“). Er spielte zusammen mit Weltstars wie John Wayne und James Stewart. Jetzt ist er 90 Jahre alt geworden.

1962: Mark Zuckerberg sollte zurücktreten.

Freitag, April 13th, 2018

Facebook hat groß gemacht, dass Mark Zuckerberg den Schutz geistigen Eigentums und der Privatsphäre geringschätzt. Aber es hat weltweit Millionen von Menschen verbunden. Das ist sein Verdienst. Nun kommt der Konzern ernsthaft in Gefahr, weil die Affäre um die Politikberatungsfirma Cambridge Analytica (ca. 87 Millionen persönlicher Datensätze) Wahlbeeinflussung beinhaltet.

Es wird gefordert: „Schluss mit der ebenso grenzen- wie gedankenlosen Ausbeutung und Monetarisierung aller Nutzerdaten, die die Privatsphäre atomisiert. Das Problem ist nur: Diese Ausbeutung ist kein Randeffekt, sondern Kern des Zuckerbergschen Geschäftsmodells.“

Auf die Dauer wird Zuckerberg mit stereotypen Demutsgesten und der Verheißung künftiger Algorithmen nicht mehr durchkommen. „Für die Entwicklung einer neuen Strategie, für die Zähmung und Demokratrisierung des Konzerns .. ist er der falsche Mann. Wenn er seiner eigenen Schöpfung die Zukunft nicht verbauen will, sollte er den Weg für einen Neuanfang frei machen.“ (Claus Hulverscheidt, SZ 12.4.18)