Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

2000: Franz Neumanns „Behemoth“ 1942

Freitag, Mai 25th, 2018

Franz Neumann hätte in der Politikwissenschaft eine gewichtigere Rolle spielen können, wäre der 1900 in Kattowitz (Polen) geborene Wissenschaftler nicht schon 1954 bei einem Autounfall in der Schweiz ums Leben gekommen. Mit seinen ebenfalls jüdischen Mitstreitern

Ernst Fränkel und Hugo Sinzheimer

musste er Deutschland 1933 verlassen. Die zur linken Sozialdemokratie gehörenden Juristen hatten in der Weimarer Republik an einem Arbeitsrecht gearbeitet, das diesen Namen verdiente.

In der Emigration forschte FranzNeumann beständig an der Analyse des Nationalsozialismus mit dem Ziel, diesen zu besiegen. Im babylonischen Judentum fungierte „Behemoth“ als allzerstörerisches Ungeheuer, als Monster, das mit böser Macht nichts anderes will als den Untergang alles Menschlichen.

„Da der Nationalsozialismus ein Unstaat ist, ein Chaos, eine Herrschaft der Gesetzlosigkeit und der Anarchie, welche die Rechte wie die Würde des Menschen ‚verschlungen‘ hat und dabei ist, die Welt durch die Obergewalt über riesige Landmassen in ein Chaos zu verwandeln, scheint uns dies der richtige Name für das nationalsozialistische Regime: Der Behemoth.“

Das Werk erschien 1942: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944.

Nun erscheint nach der deutschsprachigen Erstausgabe von 1977 in der Europäischen Verlagsanstalt, Hamburg 2018, eine 750-seitige Neuausgabe für 38 Euro. Sehr lesenswert. Es bleibt in der SZ (24.5.18) dem ewigen großen Außenseiter Götz Aly vorbehalten, für Franz Neumanns Werk zu werben. Und er verweist gleich darauf, dass hier das in der deutschen Erstausgabe enthaltene Nachwort Ernst Noltes fehlt. Für Nolte, unabhängig davon, was er später traktierte, war „Behemoth“ die „kenntnisreichste und umfassendste Analyse des Nationalsozialismus, die bis heute das Licht erblickt hat“.

Neumanns Ziel war der Sieg über den Nationalsozialismus. „Mehr und bessere Flugzeuge, Panzer und Gewehre sowie eine vollständige militärische Niederlage werden den Nationalsozialismus im Bewusstsein des deutschen Volkes vernichten.“ Zu optimistisch? Neumann weiß: „Die Teilnahme an einem so ungeheuren Verbrechen wie der Ausrottung der Ostjuden machte die deutsche Wehrmacht, das deutsche Beamtentum und breite Massen zu Mittätern und Helfern des Verbrechens und machte es ihnen daher unmöglich, das Naziboot zu verlassen.“

1998: Heiko Maas‘ Russlandpolitik

Freitag, Mai 25th, 2018

Der neue Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will eine Russlandpolitik betreiben, die an den „Realitäten“ orientiert ist. Moskau habe teilweise auf „Gegnerschaft“ zum Westen geschaltet und agiere „zunehmend feindselig“. Die Analyse stimmt. Die Annektion der Krim und die indirekte Einverleibung der Südost-Ukraine hätte Willy Brandt gar nicht goutiert. Seine Ostpolitik beruhte auf der Unverletzlichkeit der Grenzen, dem Gewaltverzicht und der Nichteinmischung. Gift-Anschläge im Ausland, Cyber-Attacken und die Manipulation der Innenpolitik durch Fake-News-Sender wie „Russia Today“ waren in den Ost-Verträgen nicht vorgesehen. Maas bekommt trotzdem Kritik aus der SPD. Man müsse im Gespräch bleiben und ggf. sogar Vorleistungen erbringen.

„Wie sollen Vorleistungen denn funktionieren? Wird Putin die Krim wieder ausspucken? Seinen Stellvertreterkrieg gegen die Ukraine abblasen? Den Völkermörder Assad fallen lassen? Der Mann ist gewiss kein klassischer Imperialist, sondern ein Opportunist. Er nimmt sich, was er kriegen kann, wenn Risiken und Kosten erträglich sind. Daraus folgt, dass die Genossen ein Gottesgeschenk sind, signalisieren sie ihm doch, er dürfe seine Gewinne kostenlos einstecken. Dazu kommt ein hübscher Bonus: Die Putin-Fürsprecher in der SPD spazieren Hand in Hand mit der AfD, die den Alleinherrscher Wladimir I. geradezu bewundert.“ (Josef Joffe, Die Zeit 9.5.18)

1997: Venezuela hungert: das ist Sozialismus.

Donnerstag, Mai 24th, 2018

Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro ist mit 68 Prozent für sechs Jahre wiedergewählt worden. Die Wahlbeteiligung betrug 46 Prozent (vorher: rund 80 Prozent). Die Opposition hatte zum Wahlboykott aufgerufen. Dabei ist die Lage im Land dramatisch schlecht. Die komplette Infrastruktur ist zusammengebrochen, die Nahrungsmittelversorgung funktioniert nicht, viele Menschen hungern, das Gesundheitssystem ist beinahe nicht mehr existent. Bei einer Hyperinflation von 13.000 Prozent gibt es praktisch kein Bargeld mehr. Maduro hat bisher alle internationalen Hilfsangebote abgeblockt, weil er dann zugeben müsste, dass sein Sozialismus nicht funktioniert. Den hatte er von seinem Vorgänger

Hugo Chavez

übernommen. Wir erkennen, dass der Wahlboykott falsch war (Boris Herrmann, SZ 22.5.18).

1996: Willi Winkler über Philip Roth

Donnerstag, Mai 24th, 2018

Willi Winkler, mit dem ich in vielen Punkten überhaupt nicht übereinstimme, schätze ich als Journalisten außerordentlich. Er schreibt über Philip Roth (SZ 24.5.18):

„Die Literaturgeschichte wird jetzt tun, was ihr Geschäft ist, wird ihn einsortieren neben, unter, über, zwischen Saul Bellow und John Updike, aber sein nächster Nachbar ist

Woody Allen,

auch er ‚Comedian‘, auch er Jude, auch er, wie es sich gehört, strammer Atheist.“

„Wahrscheinlich, ziemlich sicher sogar, war er denen in Stockholm nicht ernst genug, für einen seriösen Autor zu frivol, einfach zu viel Sex. Eine weitere Sünde, die schon

Graham Greene –

noch so ein frommer Atheist – um die Auszeichnung gebracht hat: die Rücksicht auf das Unterhaltungsbedürfnis seiner LeserInnen.“

„Philip Roth und

John Updike

sahen sich nicht als Konkurrenten, sie waren beide Autoren, und Roth konnte es sogar verschmerzen, als der andere eins seiner Bücher verriss. Vom ehemaligen Soldaten Roth bat sich der Ungediente Updike sogar dessen Nummer aus für seinen Roman. Als reife Herren sind sie sogar einmal zusammen als Pullover-Models auf dem Titel von ‚Esquire“ erschienen.“

„Nach ihrer Trennung schilderte sie

(Claire Bloom, W.S.)

ihn als krankhaft geizig, emotionslos, bindungsunfähig und depressiv, mit anderen Worten: als ganz normalen Schriftsteller. Er war sich jedenfalls seines Wertes bewusst. Zur Scheidung schickte er ihr eine Rechnung über zweiundsechzig Milliarden Dollar.“

„Du, ja du, Nobelpreiskomitee, Stockholm, das ist deine Chance. Statt den Preis in diesem Jahr gar nicht zu verleihen, was an sich schon mal als Zerknirschungsgeste nicht schlecht ist, könntest du ihn in einem Akt ausgleichender Gerechtigkeit dem

unvergleichlichen Philip Roth

nachreichen. Doch, das wäre eine schöne Geste. dafür gibt es, wie ein Atheist wie Philip Roth jederzeit bestätigen wird, beim Jüngsten Gericht Strafnachlass.“

 

1995: Philip Roth ist gestorben.

Mittwoch, Mai 23rd, 2018

Mit Philip Roth, geb. 1933, ist einer der großen Schriftsteller der Gegenwart gestorben. Für mich war er der größte. Ihm ging es um die jüdisch-amerikanische Identität und die Selbstbehauptung des Individuums in einer unübersichtlichen Welt. Aber all das unterminierte er durch Satire und Ironie, er spielte mit Fakten und Fiktionen, arbeitete mit Doppelgängern und Alter Egos, die ihm, Philip Roth, als Schriftsteller Briefe schrieben. Unsicherheit ist das Thema Roths. Seine Protagonisten sind meist männlich, jüdisch, Schriftsteller und leben in Newark/New Jersey, wo der Schriftsteller tatsächlich aufgewachsen ist. Robert Alter sagte: „Philip Roth schreibt immer über Philip Roth.“ Philip Roths Alter Ego war Nathan Zuckerman. Er war aber auch der Literaturprofessor David Kepesh, der in die Rolle des Schriftstellers Peter Tarnopol schlüpfte.

Philip Roth hatte 1955 seinen Master of Arts in Englischer Literatur gemacht. Danach war er zwei Jahre bei der Armee. Immer wieder lehrte er Literatur und Creative Writing an US-amerikanischen Universitäten. Mit Literaturpreisen wurde er reich bedacht (ich zähle sie hier nicht auf). Nur den Literaturnobelpreis bekam er bekanntlich nie.

Eine literarische Sensation war 1969 „Portnoys Beschwerden“. Darin schildert Roth den Monolog des Psychotherapiepatienten Alexander Portnoy, der von seinen von Schuldgefühlen gehemmten sexuellen Obsessionen berichtet. Das wurde als autobiografische Enthüllung verstanden. In den Kepesh-Romanen vergleicht der Literaturprofessor David Kepesh sein Schicksal mit dem von Franz Kafkas Gregor Samsa in „Die Verwandlung“. Philip Roth bezog sich in seiner Arbeit sehr stark auf Franz Kafka. Die schärfste Kritik erhielt Roth von orthodox-jüdischer Seite, die ihm jüdischen Selbsthass vorwarf.

Wie viele andere erfuhr Philip Roth eine starke Politisierung durch den Vietnamkrieg. Er schrieb über sich selbst in „Mein Leben als Mann“ und „Mein Leben als Sohn“. Roths literarischer Weg war von mancherlei Krankheiten, Zusammenbrüchen und einer schweren Herzoperation 1989 begleitet. Nach seinem Kurzroman „Nemesis“ (2010) gab Roth bekannt, nun nicht mehr schreiben zu wollen. Das hat er durchgehalten. Roths Beziehungsleben war zeitweise bewegt. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau unterzog sich der Schriftsteller einer fünfjährigen Psychoanalyse. Sein Analytiker Hans J. Kleinschmidt veröffentlicht darüber anonymisiert 1967 „The Angry Act: The Role of Aggression in Creativity“. Philip Roth war mit der britischen Schauspielerin Claire Bloom verheiratet. Die Ehe wurde 1994 geschieden, Roth kam in die Psychiatrie. Seine Ex-Frau publizierte 1996 ihre Memoiren unter dem Titel „Leaving a Doll’s House“.

Der US-amerikanische Literaturkritiker Harold Bloom hält „Sabbaths Theater“ (1995) für Roths größten Roman. Er gilt als Bekenntnis des Autors zu seiner amerikanischen Heimat. Der ehemalige Puppenspieler Mickey Sabbath spielt mit Menschen, zumeist Frauen, wie einst mit Marionetten. Der Tod seiner langjährigen geheimen Geliebten stürzt ihn in eine Krise, er erkennt die Sinnlosigkeit des Lebens. Der ständig wiederkehrende Geist seiner Mutter rät Sabbath zum Selbstmord.

In der amerikanischen Trilogie „Amerikanisches Idyll“ (1997), „Mein Mann, der Kommunist“ (1998) und „Der menschliche Makel“ (2000) reflektiert Philip Roth das Leben eines Sportidols, eines Radiostars und eines emeritierten Professors. Eine weites, von Roth aber voll beherrschtes Feld. Alter und Vergänglichkeit schieben sich thematisch in den Vordergrund. Gefolgt von „Verschwörung gegen Amerika“ (2004). Roth hat erkannt: „Juden sind Menschen, die nicht das sind, was Antisemiten über sie sagen.“ Und Mickey Sabbath weiß: „Beleidigen und beleidigen und beleidigen, bis es niemand mehr auf der Erde gibt, der nicht beleidigt ist.“

Roths Spätwerk ist von den vier Kurzromanen „Jedermann“ (2006), „Empörung“ 2008, „Die Demütigung“ (2009) und „Nemesis“ (2010) geprägt. Darin variiert Roth seine Erkenntnis: „Man verzerrt die eigene Biographie, karikiert sie, verbiegt und unterminiert sie, man beutet sie aus.“ In „Exit Ghost“ (2007) trifft Nathan Zuckerman auf eine Schriftstellerin. „‚Und wie gefällt Ihnen Amerika jetzt‘, fragte sie mich, ‚am ersten Tag der Wiederkunft?‘ ‚Der Schmerz wird vergehen‘, antwortete ich.“ (S. 122)

1994: Mesale Tolu in der Türkei festgehalten

Dienstag, Mai 22nd, 2018

Die 33-jährige deutsche Journalistin Mesale Tolu, die für eine kleine linke Nachrichtenagentur arbeitet, wird in der Türkei festgehalten. Zwar hat sie mittlerweile das Gefängnis verlassen und lebt mit Mann und Sohn zusammen, doch darf sie das Land bisher nicht verlassen. Darüber haben die ARD-Journalisten Oliver Mayer-Rüth und Cemal Tasdan ein „Weltspiegel“-Extra (eine Doku) gedreht, das sehr aussagekräftig ist. In dem Film wird der türkische Rechtsstaat in den Blick genommen. Da sieht es düster aus.

Mesale Tolu beschreibt, wie im April 2017 vermummte Polizisten in ihre Wohnung eindrangen und wie sie festgesetzt wurde. Angeklagt wurde die Übersetzerin und Journalistin wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Terrorpropaganda. Konkret wird angeführt, sie habe an der Beerdigung zweier Frauen teilgenommen, die einer linksextremistischen Vereinigung angehörten. Tolus zweijähriger Sohn hat fünf Monate mit seiner Mutter in einem Frauengefängnis zugebracht. Tolus Fall ist nach dem „Putschversuch“ 2016 kein Einzelfall. Beim NATO-Partner Türkei sitzen mehr Journalisten im Knast als irgendwo sonst auf der Welt (Luisa Seeling, SZ 22.5.18).

„Weltspiegel Extra: Angeklagt in der Türkei“. Das Erste 22.5.18, 23.30 Uhr.

1993: Marina Weisband hilft Grünen bei Digitalisierung.

Dienstag, Mai 22nd, 2018

Die ehemalige Piraten-Vorsitzende, Marina Weisband, 30, schreibt zu den Themen

Digitalisierung

und

Automatisierung

mit am neuen Grünen-Grundsatz-Programm. „Marina Weisband ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet“, sagte der Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner. Geschätzt wird an Weisband neben ihrem Sachverstand ihre Ausstrahlung, die gerade bei Fernsehauftritten zu Tage tritt (SZ 22.5.18).

1992: Hans Joachim Schellnhuber über den Klimawandel

Montag, Mai 21st, 2018

Alex Rühle befragt den Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zum Klimawandel (SZ 15.5.18):

SZ: Und heute?

Schellnhuber: Herrscht eine seltsame Gelassenheit. Wir steuern im Irrsinnstempo auf eine unbeherrschbare globale Situation zu, die Risiken erhöhen sich quasi stündlich, aber viele Medien berichten nur noch mit gequälter Beiläufigkeit darüber. Gerade kam ein Weltbankbericht heraus: 140 Millionen Klimaflüchtlinge bis 2050, und zwar allein schon inerhalb der betroffenen Länder, ohne die grenzüberschreitende Migration. Klar, da gibt es eine Meldung in der SZ und im ‚Guardian‘, aber das war’s dann auch.

SZ: Wie erklären Sie sich diese Trägheit?

Schellnhuber: Durch kognitive Dissonanz. Wenn ich ein riesiges Problem habe, bei dem ich nicht weiß, wie ich es in den Griff bekomme, verdränge ich es. Oder ich intensiviere sogar mein Fehlverhalten. In der Geschichte haben Systeme in dem Moment, in dem sie in die Krise geraten, oft genau den fatalen Fehler verstärkt, durch den sie erst in den Schlamassel geraten sind. Also muss jetzt die Weltwirtschaft weiter wachsen, auch wenn genau das sie zerstören wird.

SZ: Wie wird die Geschichtsschreibung einst auf uns zurückschauen?

Schellnhuber: Zynische Kollegen sagen, es wird keine Geschichtsschreibung mehr geben. Das glaube ich nicht. Ich denke aber, wenn wir es nicht schaffen, wird man mit großer Verachtung auf uns zurückschauen. Als die Pest 1347 über Europa kam, wusste man nicht, woher das Unheil stammte, und es gab kein Heilmittel. Die Menschen waren völlig ratlos und verzweifelt. Heute wissen wir dagegen genau, was Sache ist. Trotzdem keine Reaktion zu zeigen, ist schändlich. Und sehr dumm. Man könnte die Situation mit einem leckgeschlagenen Schiff auf hoher See vergleichen. Natürlich gibt es auch neben dieser Havarie Probleme: Das Essen in der driten Klasse ist miserabel, die Matrosen werden ausgebeutet, die Musikkapelle spielt deutsche Schlager, aber wenn das Schiff untergeht, ist all das irrelevant. Wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen, wenn wir das Schiff nicht über Wasser halten können, brauchen wir über Einkommensverteilung, Rassismus und guten Geschmack nicht mehr nachzudenken.

1991: Unsere Deutsch-Nationalen erheben wieder die Stimme.

Montag, Mai 21st, 2018

Angesichts von 12,6 Prozent der Wählerstimmen für die AfD bei der Bundestagswahl im September 2017 (aktuelle Sonntagsfrage: 14 Prozent) und 27 Prozent in Sachsen dürfen wir über die Gründe dafür räsonnieren. Überall ist zu registrieren, dass unsere Deutsch-Nationalen wieder ihre Stimme erheben. An Stammtischen, in Vereinen, im Kollegenkreis. Und wir können feststellen, wodurch deren Position hauptsächlich bestimmt wurde und wird:

1. Antiamerikanismus,

2. Antisemitismus,

3. Gegen Wall Street und „Finanzkapital“,

4. Pro Russland und pro Wladimir Putin.

Wobei hier unsere Deutsch-Nationalen Fehler begehen, die leicht zu benennen sind: Sie beziehen sich auf die russische Literatur und die russische Musik und die „russische Seele“. Und sie vergessen das russiche politische System: Es bestand bis 1917 aus dem weißen zaristischen Terror (mit Verbannung in den Ural etc.), dem Stalinismus (vgl. Schwarzbuch des Kommunismus), der „Stagnationsphase“ unter Chruschtschew und Breschnew, dem Missverstehen  Gorbatschows und heute Putin.

5. Leugnung des Klimawandels und Propaganda für die fossilen Energien (strikt „wissenschaftlich“ natürlich),

6. Systemkritik an der Bundesrepublik (siehe „Reichsbürger“).

7. Die Deutsch-Nationalen waren nach 1918 keine Nazis. Aber sie waren deren „Steigbügelhalter“. Am 30. Januar 1933 trat der Vorsitzende der DNVP, Alfred Hugenberg, in die Reichsregierung von Adolf Hitler ein. Als am 5. März 1933 bei den Reichstagswahlen die NSDAP 44 Prozent bekam, wurde wieder die DNVP zur Regierungsbildung gebraucht. Unsere Deutsch-Nationalen haben den Nazis also zur Macht verholfen.

 

1990: Der politische Islam ist gefährlich.

Montag, Mai 21st, 2018

Der aus Israel stammende Psychologe Ahmad Mansour, 41, ein Muslim, der früher selbst Islamist war, warnt vor dem politischen Islam (Zeit 15.3.18):

1. Zur „Generation Allah“ zählt er „Jugendliche, die in Bottrop, Offenbach oder Schwerin aufgewachsen sind, aber einen nahezu totalitären Gottesbegriff pflegen, Kindern, die das Fürchten gelehrt wurde vor einem patriarchalisch strafenden höchsten Wesen. Ihre Welt ist schwarz und weiß, gut und böse, rein und unrein, halal und haram. Gott ist für sie eine Art Staatsanwalt, der Koran ein Gesetzbuch. Sexualität ist bedrohlich, weil verboten. Und im Hier und Heute sind die Muslime in ihren Augen stets Opfer – der Behörden, des Westens,, der Medien, der Amerikaner, der Juden.“

2. „In den Moscheen hören die Gläubigen Tag für Tag, der ganze Westen stehe dem Islam feindselig gegenüber, weshalb er generell abzulehnen sei, insbesondere in seiner Haltung gegenüber unzüchtiger Kleidung, Eros, Liebe und Religion. Und sie hören, dass dem Koran Wort für Wort geglaubt werden müsse, weil jeder Buchstabe von Allah diktiert sei.“

3. „Dem Minderwertigkeitsgefühl der Haltsuchenden begegnen die Dschihadisten mit einer Bilderwelt des Grandiosen. Sie präsentieren sich im Internet mit bombastisch-brutaler Hollywood-Ästhetik.“

4. Das Publikum wird ständig jünger und weiblicher.

5. Eine wesentliche Bedingung für den politischen Islam ist das Nicht-Wissen.

6. Es herrschen Verschwörungstheorien insbesondere zum Nahostkonflikt.

7. Muslimische Dachverbände wie Ditib und der Zentralrat der Muslime wehren sich gegen eine kritische Debatte des traditionellen Islamverständnisses.

8. Linksliberale und grüne Deutsche stellen sich aus falsch verstandener Toleranz gegen jede Kritik am Islam.