Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

2041: Bleibt die EU erhalten ?

Montag, Juni 25th, 2018

Die EU ist geschlossener als es nach dem Katastrophengeschrei von Nationalisten erscheint. Sie ist einig oder auf gutem Wege bei einigen wichtigen Punkten:

– dem Brexit,

– den Russland-Sanktionen,

– dem Handelskonflikt mit den USA,

– der Stärkung der Euro-Zone,

– den neu aufzunehmenden Staaten auf dem Balkan.

Übertönt wird das alles durch das Krisengeschrei der Nationalisten zu den Flüchtlingen. Und viele Bürger (und Wähler) fallen darauf rein. Die Nationalisten bieten keine Lösungen, weil sie von einem kriselnden Europa leben. In der Regierung sitzen sie in Warschau, Budapest, Rom, Wien und München. Aber einig sind sie sich nicht. Wenn Markus Söder Flüchtlinge an Bayerns Grenzen zurückweist, müssten Sebastian Kurz (Österreich) oder Matteo Salvini (Italien) sie aufnehmen. Das wollen die ja gerade nicht.

Es gibt für Angela Merkel (CDU), unsere Bundeskanzlerin, zwei Optionen:

1. die unfaire Lösung, wonach Deutschland auch künftig die Hauptlast des Migrantenstroms alleine trägt, führt höchstwahrscheinlich zum Bruch zwischen CDU und CSU.

2. die wenig humane Lösung mit Flüchtlingslagern in Nordafrika und Albanien, die nicht christlich ist.

Vielleicht kann nur mit der Option 2. die EU erhalten bleiben.

2040: Verschwörungstheorien – revisited

Montag, Juni 25th, 2018

Der Anglist Prof. Dr. Michael Butter forscht und lehrt an der Universität Tübingen über Verschwörungstheorien. Er ist Mitinitiator des EU-Projekts „Comparative Analysis of Conspiracy Theories“. Sein Buch

„Nichts ist, wie es scheint“

ist 2018 im Suhrkamp Verlag erschienen (271 S.; 18 Euro). Aus einem Interview von Thomas Gesterkamp mit Butter (taz 16./17.6.18) führe ich 16 Punkte auf:

1. Verschwörungstheorien sind entstanden zwischen früher Neuzeit und Aufklärung. Voraussetzungen dafür waren eine Weltsicht, in der Subjekte (Individuen) wichtig waren, eine lesende Öffentlichkeit und der Buchdruck.

2. Nichts geschieht durch Zufall.

3. Nichts ist, wie es scheint.

4. Fast alles ist miteinander verbunden.

5. Fast immer tauchen Verdächtige (Sündenböcke) auf wie die Freimaurer, die Illuminaten, die Juden.

6. In der säkularisierten Welt treten Verschwörer an die Stelle von Gott.

7. In Mittel-, West- und Nordeuropa sind Verschwörungstheorien seit den 1950er Jahren stigmatisiert, in Süd- und Osteuropa ist das anders.

8. Eine Person, die klassischerweise in eine Verschwörungstheorie passt, ist George Soros, ein in Ungarn geborener Jude und sehr reicher Mann.

9. Heute hängen eher weniger Menschen als vor 200 Jahren Verschwörungstheorien an.

10. Anfällig für Verschwörungstheorien sind Menschen mit Ängsten, z.B. Verlustängsten, etwa weiße Männer über 40. Die sind in den USA klassische Trump-Wähler.

11. Generell sind Theorien, die sich gegen Schwache oder Ausgegrenzte richten, gefährlicher als solche, die sich gegen Eliten richten.

12. Die puritanischen Siedler in den USA steckten voller Vorurteile und Verschwörungstheorien. Gegen Indiander, gegen Quäker, gegen französische Katholiken.

13. Die Sowjetunion und die Volksrepublik China waren bzw. sind Paradiese für Verschwörungstheorien. Hier gedeihen sie besonders prächtig.

14. Mit einer grünen Impfgegnerin gelangt man auch selten zu einer Einigung.

15. Werden überzeugte Verschwörungstheoretiker mit schlüssigen Gegenargumenten konfrontiert, verfestigen sich ihre Gedanken.

16. Wollen wir gegen Verschwörungstheorien vorgehen, so sollten wir uns an die Zweifler halten, in Bildung investieren und die Medienkompetenz stärken.

2039: In der Lausitz ist alles anders.

Freitag, Juni 22nd, 2018

Wir finden heute in Deutschland viel Zustimmung zum Kohleausstieg. Sogar im Rheinland trotz der dortigen Braunkohlevorkommen. Aber nicht in der Lausitz. Und das liegt daran, dass dort die Braunkohle der einzig verbliebene industrielle Arbeitgeber ist, während im Rheinland auch andere Branchen florieren. Jenseits der 60 finden sich in der Lausitz mehr Gegner als Befürworter des Kohleausstiegs. Dort ist die AfD sehr stark. Sie leugnet bekanntlich den Klimawandel und hält Klimapolitik für überflüssig. Trotzdem möchten 55 Prozent ihrer Anhänger in der Lausitz den Kohleausstieg (Michael Bauchmüller, SZ 29.5.18).

2038: Die Pressekonzentration steigt.

Donnerstag, Juni 21st, 2018

Die zehn größten Verlagsgruppen in Deutschland haben ihren Anteil am Tageszeitungsmarkt von 2016 auf 2017 um 1,8 Prozent auf 61,6 Prozent erhöht. Das zeigt die neueste Untersuchung des Formatt Instituts von Horst Röper. Er sieht die Branche von einer „neuen Welle“ erfasst. Es werde viel über Kooperationen und Fusionen verhandelt.

Insbesondere im Lokalen nehme die Vielfalt ab.

Nutznießer seien fast ausschließlich die auflagenstärksten Verlagsgruppen, die mit Zukäufen Synergien erzeugten und Stückkosten senkten.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind Auflagenrückgänge und gesunkene Werbeeinnahmen bei Tageszeitungen. Sie erreichen 2016 nur gut 40 Prozent ihres Umsatzes von 1999, dem letzten Jahr einer bis dahin von anhaltenden Zuwächsen bestimmten Entwicklung. Diese Verluste konnten die Verlage nur zum Teil durch Steigerungen der Vertriebserlöse ausgleichen.

Dadurch werden in Deutschland die

Meinungsfreiheit, die Informationsfreiheit und die Pressefreiheit

gefährdet. Insbesondere im Hinblick auf lokale Informationen ist das besorgniserregend. Die Digitalausgaben der Zeitungen verzeichnen einen gebremsten Aufwärtsttrend. Diese digitalen Angebote nennt Horst Röper „niedrigschwellig“. Sie würden den Verlagen mit geringen Bezugspreisen auch zur Gewinnung von Neukunden dienen (DADE, SZ 14.6.18).

2037: Fallada schrieb an einem antisemitischen Roman.

Mittwoch, Juni 20th, 2018

Hans Fallada hat an einem antisemitischen Roman gearbeitet. Er schreibt am 2. Mai 1944 an seine Schwester Margarete (Dete): „Neben aller anderen Arbeit schriftstellere ich auch wieder, arbeite an einem Roman, den mir das Propagandaministerium in Arbeit gegeben hat, einem antisemitischen Roman, der den Fall Kutisker zur Grundlage hat. Vorläufig lebe ich ganz im litauischen Ghetto und schlage mich vor allen Dingen mit rituellen Dingen wie Gebetsriemen, Talmud und Pessach herum. Es ist sehr schwer, diese Dinge lebendig zu machen.“ (Literarische Welt 16.6.18).

Der Roman ist nie erschienen.

2036: USA entziehen Entwicklungsprojekten Geld, wenn sie aufklären.

Mittwoch, Juni 20th, 2018

Die USA (unter Trump) entziehen Entwicklungsprojekten Geld, wenn sie über Schwangerschaften informieren und aufklären. Davon sind auch deutsche Partner betroffen. Etwa die Stiftung Weltbevölkerung (DSW), eine NGO, die sich mit Gesundheitsfragen und Familienplanung befasst. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) meint dazu: „Leidtragende sind vor allem Frauen und Mädchen, denen der Zugang zu essenziellen Leistungen verwehrt bleibt, zum Beispiel zu professioneller Geburtshilfe oder modernen Verhütungsmethoden.“ (Eva Oer, taz 8.6.18).

2035: Rechtspopulisten und Rassisten wünschen sich mehr Kriminalität.

Mittwoch, Juni 20th, 2018

Die Tatsache, dass ausweislich der Polizeilichen Kriminalstatistik die Kriminalität in Deutschland sinkt, gefällt den Rechtspopulisten und Rassisten gar nicht. Sie wünschen sich mehr Kriminalität, damit sie ihre Abneigung und ihren Hass besser auf Migranten projizieren können. Aber Fakten bewirken wenig,

weil wir die Welt so sehen, wie wir sie sehen wollen.

2034: Reformationsfest ist Feiertag in Niedersachsen.

Dienstag, Juni 19th, 2018

Das niedersächsische Landesparlament hat mit 100 von 137 Stimmen bei 20 Gegenstimmen und 17 Enthaltungen beschlossen, dass das Reformationsfest (31.10.) in Niedersachsen Feiertag wird. In Hamburg und Schleswig-Holstein ist der Reformationstag bereits Feiertag. Die jüdischen Gemeinden hatten wegen Martin Luthers Antisemitismus dagegen protestiert.

2033: Eva Menasse über gender-gerechte Sprache

Dienstag, Juni 19th, 2018

„Ich werde niemals gender-‚gerecht‘, niemals nach der neuen Rechtschreibung, nicht nach dem Duden oder dem Österreichischen Wörterbuch schreiben, ich werde immer ungerecht, subjektiv, stur und nach meiner eigenen Facon schreiben. Sexisten und Rassisten dürfen weiterhin in meinen Texten auftreten, sonst wäre das literarische Abbild der Welt ja geschönt. Falls das eines Tages nicht mehr möglich sein sollte, werde ich gar nicht mehr schreiben. Dann werde ich mich bei Wasserin und Brotin in ein mannshohes, frauenrundes Gender-I aus Plexiglas einsperren lassen und mich dem Spott der Massinen und Massen anheimgeben. Am besten stellt man mich in die Nähe der Berliner Alice-Salomon-Hochschule aus. Bis dahin halte ich das Motto hoch, das kein Gender-I braucht, obwohl gleich zwei böse ‚er‘ drinstecken: Heiter und locker bleiben!“ (Die Zeit 7.6.18)

 

2032: Semenya geht gegen Geschlechterregel vor.

Dienstag, Juni 19th, 2018

Die 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya (Südafrika) geht vor dem Sportgerichtshof Cas gegen die neue Regel des Weltverbands zum Umgang mit hyperandrogenen Sportlerinnen vor. Ab November 2018 müssen Leichtathletinnen wie Semenya für die Disziplinen von 400 Metern bis zu einer Meile unter anderem ihren Blut-Testosteron-Spiegel medikamentös unter einen Grenzwert senken. Die IAAF begründet dies damit, dass diese Athletinnen einen deutlichen Leistungsvorteil haben. Im Juli 2017 hatte die IAAF eine Studie veröffentlicht, die dies belegen soll. Semenya fühlt sich dadurch diskriminiert: „Es ist nicht fair, mir zu sagen, dass ich mich ändern muss. Es ist nicht fair, dass Leute infrage stellen, wer ich bin. Ich bin Mokgadi Caster Semenya, und ich bin schnell.“ (sid; SZ 19.6.18).