Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

2504: E-Scooter – ein neues Verkehrsproblem !

Donnerstag, August 15th, 2019

E-Scooter werden als ein Einstieg in die Verkehrswende gepriesen, sie entlasteten die Innenstädte und drängten den Auto-Verkehr mit seinem großen CO 2-Ausstoß zurück. Zwar müssten Abstellorte und Höchstgeschwindigkeit noch gefunden werden, dann aber käme das Vergnügen des lautlosen durch die Stadt-Gleitens. Was mit Fahrradanhängern, E-Bikes und Liegerädern geklappt habe, werde auch bei E-Scootern funktionieren.

Das alles kann sich als große Illusion erweisen.

Heute schon ist der städtische Verkehr eine Kampfzone, in der Rücksichtslosigkeit an der Tagesordnung ist. Wir werden behindert durch wahllos abgestellte Roller, die Aufgänge und Gehwege blockieren, Fahrer, die den Bürgersteig als Slalompiste nutzen, steigende Unfallzahlen. Überall versucht man, das Chaos durch strengere Regeln zu ordnen. Deren Einhaltung lässt sich aber schwer kontrollieren. In San Francisco wurden die Leihroller kurzfristig ganz verboten. Und werden die Menschen durch E-Scooter häufiger auf das Auto verzichten?

Wer glaubt, dass E-Scooter unter ökologischen Gesichtspunkten fast so gut sind wie Fahrradfahrer und Fußgänger, täuscht sich. Die E-Scooter haben eine Lebensdauer von nur wenigen Monaten, danach sind sie Elektroschrott. Sie laden sich nicht von selbst, sondern müssen geladen werden. Dazu fahren Transporter herum. Bald wird ausgerechnet sein, wie viel Dieselkilometer dadurch zustande kommen. E-Scooting ist eine besonders teure Form der Mobilität.

Sie bevorzugt Junge und Reiche.

„Wer etwa in München für seine sogenannte letzte Meile jeden Werktag für fünfzehn Minuten einen E-Scooter nutzt, zahlt deutlich mehr als für ein Monatsticket des ÖPNV.“

(Laura Hertreiter, SZ 14./15.8.19; Peter Fahrenholz, SZ 14./15.8.19)

2503: Grenzen der Recherche

Mittwoch, August 14th, 2019

Das RTL-Format „Team Wallraff“ unter Leitung des Enthüllungsaltmeisters Günter Wallraff hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Dort wird vorzugsweise mit verdeckter Kamera gearbeitet. Im vorliegenden Fall ging es um Missstände in der geschlossenen Psychiatrie, gegen deren Präsentation zwei Pflegekräfte und ein Patient geklagt hatten. Einmal waren die Aufnahmen unzureichend verpixelt. Andererseits waren die Aufnahmen eines Patienten unzulässig, obwohl sie in der Endfassung gar nicht aufgetaucht waren. RTL muss die Kosten des Verfahrens tragen, weil es den Rechtsstreit wohl verloren hätte (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

Der Anwalt, der die Pflegekräfte und den Patienten vertreten hat, sieht in dem Urteil ein Grundsatzurteil: „Das OLG sagt damit: Nein, ihr könnt nicht im Trüben fischen und einfach drauflos filmen.“ RTL: „Diese Sendung wird weiterhin Missstände aufdecken.“ Im Grundsatz gilt üblicherweise, dass es ein erhebliches öffentliches Interesse geben muss und über Undercover-Recherchen Informationen erlangt werden können, die anders kaum zu beschaffen sind. So steht es im Pressekodex. Für den Rundfunk (Radio und Fernsehen) gelten vergleichbare Grundsätze (Elisa Britzelmeier, SZ 14./15.8.19).

Erkennbar ist, dass die Privatsphäre in Deutschland in der Regel gut geschützt ist.

2502: Wie Falschmeldungen in Deutschland funktionieren

Mittwoch, August 14th, 2019

Katharina Bader, 39, ist Professorin für Online-Journalismus an der Hochschule für Medien in Stuttgart. Sie klärt uns darüber auf, wie Falschmeldungen in Deutschland funktionieren (SZ 14./15.8.19):

„Untersuchungen zeigen, dass Falschmeldungen sich in Deutschland nicht so sehr von User zu User verbreiten, sondern vor allem dank einiger großer Accounts und Gruppen mit vielen Abonnenten, die von populistischen Politik- und Medien-Akteuren betrieben werden. Diese Seiten werden dann von Menschen, die ohnehin ein rechtspopulistisches Weltbild teilen, meist bewusst angesteuert.“

„Das Problem sind .. viele kleine Lügen, die die Realitätswahrnehmung langsam verschieben: Aus der völlig zu Recht zur Anzeige gebrachten Grapscherei eines 14-Jährigen, begangen an einem gleichaltrigen Mädchen im Schwimmbad, wird auf Seiten wie ‚Halle Leaks‘ eine versuchte Vergewaltigung an einem Kind durch einen ‚fetten Grapsch-Islamisten‘. Die Tat ist also nicht komplett erfunden, aber das Verbrechen größer, das Opfer jünger und der Täter älter und fremder gemacht.“

Es gibt drei wiederkehrende „recht konkrete“ Narrative:

1. „Wir Deutsche werden in unserem alltäglichen Leben ständig bedroht von kriminellen Ausländern – im Schwimmbad, in der Schule, in der Fußgängerzone.“

2. Politische Eliten in Deutschland haben „ihr“ Volk kriminellen Ausländern ausgeliefert und versuchen nun zu vertuschen, wie groß die alltägliche Gefahr ist.

3. „‚Normale Deutsche‘ und Menschen mit einer rechten Gesinnung werden in Deutschland grundsätzlich nicht gehört und diskriminiert.“

Viele Verbreiter dieser Narrative stammen ursprünglich aus Westdeutschland, haben ihr Handwerk dort in linken Publikationen gelernt und inszenieren sich als die Stimme der Ungehörten (vorwiegend im Osten). Der Unterschied zwischen Ost und West ist graduell.

„Stattdessen muss ein glaubwürdiges und wirkungsmächtiges Gegennarrativ etabliert werden. Am besten ein gesamtdeutsches.“

2501: „Combat 18“ verbieten !

Mittwoch, August 14th, 2019

„Es ist völlig lächerlich, dass die Neo-Nazi-Truppe ‚Combat 18‘ bislang in Deutschland nicht verboten ist“, schreibt Ronen Steinke in der SZ (14./15.8.19). Die Gruppe bezeichnet sich selbst als den „bewaffneten Arm“ der seit 2000 in Deutschland verbotenen Organisation „Blood & Honour“. Aus ihren Reihen kamen etliche Unterstützer des NSU. „Combat 18“ inszeniert sich u.a. mit Videos auch und gerade in den Tagen nach dem Mord an dem ehemaligen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Im Verfassungsschutzbericht des Bundes findet sich kein einziges Wort über „Combat 18“.

2500: Brexit beschädigt Wissenschaft.

Dienstag, August 13th, 2019

Seit der Brexit-Ankündigung fühlen sich viele nicht-britische Wissenschaftler in Großbritannien nicht mehr willkommen. Ein Brexit ohne Vertrag, wie jetzt von Boris Johnson angekündigt, hätte gravierende negative Folgen für die Wissenschaft. Von den milliardenschweren Fördertöpfen der EU wären Wissenschaftler aus Großbritannien dann abgeschnitten. Da würden auch komplizierte Visa-Verfahren gar nicht helfen. Dabei haben britische Wissenschaften und britische Wissenschaftler und solche, die als Ausländer dort forschen, in der Regel einen sehr guten Ruf. Und die meisten Gemeinschaftsprojekte finden mit EU-Partnern statt. Der Nutzen, an europäischen Programmen teilzuhaben, geht weit über das Geld hinaus. Die europäischen Programme verkörpern den Geist des gemeinsamen Forschens und Publizierens.

Exakte Zahlen über die Rückkehr aus Großbritannien von Wissenschaftlern aus EU-Ländern gibt es bisher nicht. Erste Adresse für Wissenschaftler, die nach Deutschland wechseln wollen, ist die Humboldt-Stiftung in Bonn. Dort wurden bisher ein Fünftel mehr Bewerbungen registriert. Auffällig ist der Anstieg von Bewerbungen von nicht-britischen Europäern. Darin sehen einige Wissenschafts-Manager auch die Chance, Spitzenforscher nach Deutschland zu holen. „Bei den britischen Forschern spürt man Wut. Sie sind wütend auf eine verlogene Politik. Aber auch frustriert, dass sie die Lügen der Brexit-Kampagne nicht entlarven konnten. man fühlt sich machtlos“, sagt der Humboldt-Generalsekretär (Roland Preuss, SZ 13.8.19).

2499: Gregor Schöllgen dekonstruiert NATO und EU.

Montag, August 12th, 2019

Der Historiker Gregor Schöllgen hat von 1985 bis 2017 Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Erlangen gelehrt. Er war in dieser Zeit auch für die Ausbildung der Attachés im Auswärtigen Amt verantwortlich. Er unterzieht die westlichen  Bündnisse einer scharfen Kritik (FAS 11.8.19). Vielen von uns, auch mir persönlich, passt das nicht in den Kram. Trotzdem haben die Ausführungen Schöllgens hohe Plausibilität:

1. NATO und EU entstammen einer versunkenen Welt.

2. Die Staaten Europas waren seit jeher in Bündnissen organisiert.

3. Zur Stabilität dieser Bündnisse bedurfte es eines Feindbildes. In Europa wurde es hauptsächlich vom 1871 gegründeten Deutschen Reich geliefert, das 1945 untergegangen ist.

4. Nach dem Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg blieben die Sowjets in Deutschland. Dann auch die US-Amerikaner.

5. Ohne den Osten hätte es also den Westen nie gegeben.

6. Die europäischen Staaten schlossen sich nicht zuletzt deswegen zusammen, weil sie ihre nationalstaatliche Unabhängigkeit behalten wollten.

7. Westeuropa wurde nach 1945 von vornherein von den USA dominiert, weil sie Atomwaffen hatten.

8. Nach 1989/90 haben NATO und EU nicht auf die „ostfreie Lage“ reagiert, obwohl die UdSSR 1991 verschwunden war.

9. Der Osten musste (als Drohkulisse) für den Westen weiterleben.

10. Diese Rolle hat er unter Wladimir Putin konsequent weitergespielt. Nicht zuletzt durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim 2014.

11. 2009 hob die EU mit Armenien, Aserbeidschan, Moldawien, Georgien, der Ukraine und Weißrussland, also mit sechs ehemaligen Sowjetrepubliken, eine sogenannte östliche Partnerschaft aus der Taufe.

12. In vormaligen Sowjetrepubliken und Warschauer Pakt-Staaten sind Truppen von NATO-Ländern stationiert.

13. Die US-amerikanische Vormundschaft in Westeuropa blieb bestehen.

14. Donald Trump behält im Wesentlichen die Einstellung seiner Vorgänger zu den Partnern und Verbündeten bei.

15. Der Rückzug vom Atomabkommen mit dem Iran und die Aussetzung des Vertrages über landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen sind insofern legitim.

16. Die europäischen Partner haben angesichts dessen ihrer eigenen Wahrnehmung nach keine Alternative.

17. Europa hat bisher keine eigene Armee geschafft.

18. Bei den Problemen handelt es sich also nicht um die persönlichen Eigenschaften Donald Trumps, sondern um tieferliegende Strukturprobleme.

19. „Die Weigerung der allermeisten Staaten Europas, sich nennenswert an der Aufnahme von Migranten, Flüchtlingen und Asylanten zu beteiligen, oder ihre Unfähigkeit, sich im Angesicht einer globalen Katastrophe auf verbindliche Regeln für die Rettung der Umwelt zu einigen, sind Symptome eines Defizits.“

20. Der US-Präsident spielt mit dem Gedanken des Austritts aus der NATO.

21. Wenn in Staaten wie Belgien, Frankreich, Großbritannien oder Italien die Kräfte die Mehrheit gewinnen, die Europa zerstören wollen, ist das kein bloßer Betriebsunfall.

22. Europa muss wissen, was es ist und wo es steht.

23. „Wie der am 22. Januar unterzeichnete Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration zeigt, fehlen aber selbst den europäischen Gründernationen in der vitalen Frage einer gemeinsamen Außen- und Siocherheitspolitik der Mut und die Kraft.“

24. „Daher sollte man den britischen Austritt aus der EU und den amerikanischen Rückzug aus der NATO als Chance begreifen.“

25. „Ein Tabu darf es nicht geben.“

2498: Sommerliches psychologisches Geplänkel

Sonntag, August 11th, 2019

Sebastian Herrmann hat in der SZ (13./14.7.19) neue und alte psychologischer Erkenntnisse über die Weltwahrnehmung von uns Menschen zusammengetragen, die an einigen Stellen sehr nachdenklich stimmen. Ich gebe das verkürzt in meiner Sprache wieder:

1. Bedachte Arbeitnehmer wissen, dass ständig von Unternehmensleitungen oder anderen Führungsgremien so getan wird, als sei die Lage angespannt, der Gürtel müsse enger geschnallt und die Anstrengungen verdoppelt werden.

2. Seichte Lebensratgeber-Bände können wir nicht nur verachten, weil sie uns das Grundbedürfnis anzeigen, einen Sinn im Leben zu empfinden.

3. Weltanschauungen, Werte oder Ideologien können uns Sicherheit geben oder suggerieren.

4. Die Spaltung der westlichen Gesellschaften könnte ein Ausdruck einer verbreiteten Sinnkrise sein.

5. In armen Gesellschaften sehen mehr Menschen einen Sinn in ihrem Leben als in reichen.

6. Das hat nichts mit den objektiven Lebensbedingungen zu tun.

7. Menschen konstruieren ein Sinngefühl eher aus schwierigen Lebensumständen und negativen Ereignissen.

8. Religion verleiht dem Leben nicht durch konkrete Inhalte Sinn. Insofern ist es völlig egal, an welche Glaubensvariante ein Mensch gebunden ist. Götter geben Halt, weil sie das Chaos reduzieren.

9. Religiöse Menschen leben in engeren sozialen Gefügen als Atheisten und empfinden deshalb eher Sinn.

10. „Um aber eine Gesellschaft zusammenzuhalten, bräuchte es sinnstiftende Ideen, Visionen und Erzählungen – ökonomische Sicherheit alleine reicht nicht. Es muss Licht ins Chaos dringen, die Dinge brauchen eine Richtung. Und etwas Aufregung wäre auch fein. Das sind natürlich wolkige und ein bisschen wohlstandssatte Forderungen. Aber Sinn würde das schon ergeben.“

2497: Die Sprache Trumps und Gaulands

Samstag, August 10th, 2019

Nachdem der US-amerikanische Präsident Donald Trump vier demokratische Kongressabgeordnete aufgefordert hatte, „in ihre Heimatländer zurückzukehren“, weil ihre Familien aus dem Ausland stammen und die Abgeordneten „farbig“ sind, war die Empörung in gesitteten Kreisen in Europa wieder groß. Jakob Biazza hat dazu Astrid Séville befragt (SZ 19.7.19). Sie lehrt politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Verhältnis von liberaler Demokratie und Populismus.

SZ: Frau Séville, ist das, was wir jüngst an rassistischen Ausfällen von Donald Trump erlebt haben, eine Zeitenwende in der politischen Rhetorik?

Séville: Es ist auf jeden Fall ein weiteres Beispiel für eine auf Spaltung, Xenophobie und Rassismus aufbauende Ideologie. Im aktuellen Tweet wird sie allerdings ungewöhnlich deutlich und unverhohlen kommuniziert. Wobei die Logik dahinter zunächst nicht neu ist. Die Politik von Trump ist seit jeher davon geprägt, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. Als zum Beispiel in Charlottesville ‚White Suprematics‘ marschierten, Menschen also, die die Überlegenheit der weißen Rasse behaupten, sprach er davon, dass unter den Demonstranten auch vernünftige Leute gewesen seien. In seiner eigenen Regierung weist er auf den Migrationshintergrund von Mitarbeitern hin. Letzteres mag harmlos klingen, führt in Kombination mit seinen anderen Aussagen aber dazu, dass Gruppen und Milieus gegeneinander ausgespielt werden: Wer gehört zu uns – und wer nicht. In der Politikwissenschaft spricht man von ‚Nativismus‘ und ‚ethnischem Nationalismus‘, einer Ideologie, die immer wieder auf Herkunft abzielt.

SZ: Da nehmen sich Deutschland und die USA also nichts?

Séville: Überhaupt nicht. Wenn Alexander Gauland über Jérome Boateng sagte, dass er ihn nicht als Nachbar haben wolle, ist das absolut vergleichbar. Gaulands Aussage spielt mit der Assoziation, schon Boatengs Name klinge fremd und er könne somit niemals vollwertiger Deutscher sein. Immer erleben wir solche Abgrenzungen durch Erzählungen von Fremdheit. Einer Fremdheit, an der auch die Zugehörigkeit durch Staatsbürgerschaft nichts ändern kann. Schlussendlich fördert dies eine rassistische und letztlich auch autoritäre Ideologie, die sich auch in der Sprache zeigt.

2495: Der immerwährende Antisemitismus

Freitag, August 9th, 2019

1. Jüdische Einrichtungen (Synagogen, Kindergärten, Bibliotheken usw.) in Deutschland bedürfen des permanenten Schutzes durch die Polizei und Sicherheitskräfte.

2. Ein angstfreies jüdisches Leben in Deutschland (teilweise auch in Westeuropa) gibt es nicht.

3. Vor der Bar-Mizwa-Party stehen Wachleute. Wie die in Kopenhagen 2015, die dann von einem Attentäter überwältigt wurden. Vor jüdischen Schulen stehen Wachleute, wie jene in Toulouse 2012, die doch den Anschlag nicht verhindern konnten.

4. Die Sicherheitskräfte sind erforderlich, weil die Gefährdungsanalysen das ergeben.

5. Und es handelt sich nicht um einen neuen Antisemitismus, der plötzlich erstarkt ist. Der Antisemitismus war immer da, (und er bleibt vermutlich).

6. Für Juden in Deutschland gibt es insofern keine Normalität und Ruhe.

7. Zusätzlich haben neuerdings Verschwörungstheorien Konjunktur. Da passt der Antisemitismus bestens hinein.

8. „Je mehr die Rechten dies zelebrieren, desto mehr fühlen sich auch muslimisch geprägte Antisemiten ermutigt, damit nicht hinter dem Berg zu halten.“ (Ronen Steinke, SZ 9.8.19)

9. Alle zwei Wochen gibt es einen Anschlag auf einen jüdischen  Friedhof in Deutschland (= Ergebnis einer parlamentarischen Anfrage von Petra Pau/Linke).

10. „Judentum in Deutschland, das ist Relgionsausübung im Belagerungszustand“.

11. Das wäre für jeden Staat eine Schande. Besonders aber für die Bundesrepublik, die sich als Antithese zum Nationalsozialismus konstituiert hat.

12. Das jüdische Leben in Deutschland ist manchmal sehr lebendig. Von ultrakonservativ bis queer.

13. Danach verschwindet die Kipa in der Hosentasche oder unter der Baseballmütze.

14. Dass gerade wieder ein Rabbiner bespuckt worden ist, geschah in München in bester Lage.

15. Symptomatisch ist es, dass der Bundesantisemitismusbeauftragte meinte, Juden täten sich keinen Gefallen damit, wenn sie sich mit Kipa zeigten.

16. Manche Synagogen verzichten auf Türschilder, manche verheimlichen auf ihrer Website ihre Adresse. Die Anschrift gibt es nur auf Anfrage.

17. Jüdische Mitgliedszeitschriften werden im neutralen, blickdichten Umschlag versandt.

18. „Antisemitismus ist das Vorurteil, dass Juden einen schlechten Charakter hätten, verschlagen, illoyal, egoistisch seien; dass sie es kurz gesagt ‚verdient‘ hätten.“

19. Warum sollte das durch den Besuch in einer KZ-Gedenkstätte anders werden?

20. „Was hilft, sind nur Begegnungen mit real existierenden heutigen Juden, die in Wahrheit so nett, witzig oder auch langweilig sind wie andere auch.“

(Ronen Steinke, SZ 9.8.19)

2494: Vorsicht bei Medien-Übernahmen !

Freitag, August 9th, 2019

1. Nüchtern-sachliche Kritiker stimmen darin überein, dass funktionierende Massenmedien die Grundlage einer Demokratie sind.

2. Insbesondere durch Online-Angebote sinken vielfach die Auflagen und Werbeerlöse und gefährden so die Existenz einzelner Medien und ganzer Medienunternehmen.

3. Die New Yorker Investment-Firma KKR übernimmt 27,8 Prozent der Aktien des Axel Springer Verlags.

4. Das gewährleistet nicht die journalistische Zukunftsfähigkeit von Springer. Denn schneller Profit und journalistische Klasse sind etwas Verschiedenes.

5. Davon können die Mitarbeiter von Pro Sieben Sat 1 berichten, wo KKR gemeinsam mit Permira 2006 die Mehrheit übernommen hatte und danach das Programm gezielt abbaute.

6. Springer besteht aus zwei großen Unternehmensgruppen. a) Einmal aus der traditionellen „Bild“/“Welt“-Gruppe, wobei die letzere große Verluste aufweist. b) Aus dem florierenden Rubrikengeschäft der Job-, Partner- und Immobilienbörsen.

7. Medienfirmen sind nicht ohne Grund rechtlich

Tendenzbetriebe,

bei denen nicht Gewinne im Vordergrund stehen, sondern politische, wissenschaftliche und künstlerische Ziele. Weswegen die Mitbestimmung in Personalfragen eingeschränkt ist.

8. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Doepfner hat sich der Springer Verlag insgesamt als wendig und wirtschaftlich erfolgreich gezeigt. Allerdings war der Verlag nicht zimperlich und hat sich einiger Presseerzeugnisse entledigt (Laura Hertreiter, SZ 8.8.19).

9. Vorsicht vor KKR!

10. Mit Wehmut erinnern die Alten unter uns sich noch an die Springer-Essentials aus der „guten alten Zeit“: a) Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands, b) Vertreten der sozialen Marktwirtschaft, c) Aussöhnung mit den Juden und Israel, d) Stärkung der westlichen Bündnisse.