Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

2647: Weltweit 389 Journalisten in Haft

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Nach Angaben der Nicht-Regierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ sitzen 2019 389 Journalisten im Gefängnis. Das sind zwölf Prozent mehr als vor einem Jahr. Fast die Hälfte von ihnen ist auf drei Länder konzentriert:

– China,

– Ägypten und

– Saudi Arabien.

2019 starben 49 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs. Nur ein geringer Teil von ihnen starb in Kriegsgebieten. Dort ging die Zahl der Getöteten zurück. Die gefährlichsten Länder für Journalisten waren Syrien, Mexiko, Afghanistan, Pakistan und Somalia. In China erreichte die Zahl inhaftierter Journalisten 2019 neue Höhen. Die meisten davon  sind Uiguren (Quentin Lichtblau, SZ 18.12.19).

2646: Sigmund Freuds politischer Konservatismus

Mittwoch, Dezember 18th, 2019

Anlässlich des 90. Jahrestags des Erscheinens von Sigmund Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“ (1929) 2019 interpretiert Micha Brumlik (Die Zeit 5.12.19) den Essay, von dem mir Menschen gesagt haben, die weit mehr als ich von der Psychoanalyse verstehen, er sei wohl eine der wichtigsten Schriften des umfangreichen Freud-Werks. Ich referiere hier nur Zitate, die ich bei Brumlik gefunden habe.

„Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zu viele Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren.“

„Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.“

„Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, dass sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten.“

„Die Absicht, dass der Mensch glücklich“ werde, ist im „Plan der ‚Schöpfung‘ nicht enthalten.“

„Keine andere Technik der Lebensführung bindet den einzelnen so stark als die Betonung der Arbeit, die ihn wenigstens in ein Stück der Realität, in die menschliche Gemeinschaft sicher einführt.“

„Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt.“

Jede Kulturentwicklung ist das Produkt eines ewigen Kampfes „zwischen Eros und Tod, Lebens- und Destruktionstrieb“.

„Man fragt sich (…) besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.“

„Das Über-Ich einer Kulturepoche hat einen ähnlichen Ursprung wie das des Einzelmenschen, es ruht auf dem Eindruck, den große Führerpersönlichkeiten haben, Menschen von überwältigender Geisteskraft oder solche, in denen eine der menschlichen Strebungen die stärkste, reinste, darum oft auch einseitigste Ausbildung gefunden hat.“

Einverstanden ?

2645: In der Oberlausitz fehlen Frauen.

Montag, Dezember 16th, 2019

Es ist ja seit langem kein Geheimnis mehr, dass in Ostdeutschland Frauen fehlen. Gerade im Alter zwischen 25 und 40. Sie werden mit einem unschönen Begriff als „heiratsfähig“ bezeichnet. Sie haben im Durchschnitt die bessere Schulbildung als Männer, und viele von ihnen sind seit Jahren im Westen angesiedelt. Besonders davon betroffen ist der Südost-Zipfel Deutschlands, die Oberlausitz rund um Görlitz. Ich hatte noch zu DDR-Zeiten ein paar mal Gelegenheit, sie kennenzulernen. Diese reizende Gegend ist kein Grund, dort wegzugehen.

Die Abwanderung erfährt ihre zweite Welle. Denn die Schulbildung der Ostdeutschen kann mit der der Westdeutschen locker mithalten. Viele von ihnen wollen einfach raus in die Welt. Christine Keilholz schreibt: „Sie wandern von Zittau nach Leipzig, von Leipzig nach Berlin, von Berlin nach New York. Immer dahin, wo es besser ist als da, wo sie gerade sind. Das ist normal. Es ist ein Zeichen der Zeit.“ (FAS 15.12.19)

Aber es ist für die Gegenden, aus denen man wegzieht, nicht ohne negative Folgen: Ärztemangel, Lehrermangel und – eben – Frauenmangel. Und der hat eine größere Bedeutung als nur das Fehlen von Arbeitskräften und „heiratsfähigen“ Frauen. Er ist in der Regel verbunden mit einer politischen Radikalisierung. In der Oberlausitz gewann die AfD bei den Landtagswahlen im September 30 Prozent und holte fast alle Direktmandate. „In einem Land, in dem sich die Mehrheit der jungen Menschen danach sehnt, zu gehen, fühlt man sich wie ein Verlierer, allein durch die Tatsache, dass man geblieben ist, egal wie gut man es macht.“ (Ivan Krastev)

2644: Linke wirbt für Rot-Rot-Grün

Montag, Dezember 16th, 2019

Das neue Führungs-Duo der Linken, Dietmar Bartsch und Amira Mohammed Ali, wirbt für einen Politikwechsel in Berlin und für ein Mitte-Links-Bündnis. Die SPD wird von ihnen scharf kritisiert. Dass die Partei nach links rücke, sei bisher nur eine Ankündigung. Die habe man schon von Martin Schulz gehört (SZ 16.12.19).

Was ein rot-rot-grünes Bündnis bringen würde, liegt auf der Hand: es wäre antiwestlich, gegen Bundeswehr und Nato, gegen die EU, für ein Bündnis mit Russland.

Finger weg!

2643: Peter Snell gestorben

Montag, Dezember 16th, 2019

Der mehrfache Mittelstrecken-Olympiasieger in der Leichtathletik, Peter Snell (Neuseeland), ist im Alter von 80 Jahren gestorben. In Tokio 1964 gewann er die 800 – und die 1.500 Meter. In Rom 1960 hatte er schon die 800 gewonnen. 1962 verbesserte er in einer Woche die Weltrekorde über 800 Meter und die Meile. In seiner Zeit war er ein prägender Athlet. Den Stellenwert des Sports für sich persönlich bestimmte er durch seinen Rücktritt mit 26 Jahren (dpa, SZ 16.12.19).

2642: Weniger Befristungen am Arbeitsmarkt

Sonntag, Dezember 15th, 2019

2018 waren 12,8 Prozent aller abhängig Beschäftigten befristet beschäftigt. Das hat das Deutsche Institit für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet. 2005 waren es noch 14,6 Prozent. Angesichts dessen zeigen sich die DIW-Forscher überrascht. Kürzlich hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung sachgrundloser Befristungen angekündigt. Generell haben Deutsche am Anfang ihrer Karriere häufiger einen befristeten Arbeitsvertrag. Weil inzwischen Elternzeiten in Mode sind, wird zur Vertretung oft eine befristete Stelle geschaffen. Die geht an Berufseinsteiger. Der nächste von ihnen fängt wieder als Elternzeit-Vertretung an. DIW: „Weil die Frauenerwerbstätigkeit zugenommen hat und mehr Arbeitnehmer in Elternzeit gehen, hätte das Phänomen der Befristungen wachsen können. Also kann man diesen Rückgang als doppelten Erfolg verbuchen.“ (bern, FAS 15.12.19)

2641: Was bringt ein Doktortitel ?

Samstag, Dezember 14th, 2019

1. 2017 sind in Deutschland 28.000 Menschen promoviert worden.

2. Viele nehmen an, dass ein Doktortitel an Glanz und Exklusivität verloren hat.

3. Das Promotionsverfahren ist an vielen Universitäten merkwürdig unklar. So konnten Ursula von der Leyen (CDU) und Franziska Giffey (SPD) ihre fehlerhaften Arbeiten taktisch über die Runden bringen („retten“). Oder müssen wir vom Versagen von Doktorvätern und -müttern sprechen?

4. Nach Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover hat der Doktortitel auf dem Arbeitsmarkt nicht an Bedeutung verloren.

5. Ein Jahr nach ihrer Promotion verdienen Doktoren im Durchschnitt 4.500 Euro brutto im Monat. 1.000 mehr als der durchschnittlich Erwerbstätige.

6. Promovierte steigen in der Regel mit einem höheren Gehalt ein und haben bessere Perspektiven.

7. Zehn Jahre nach der Promotion haben es 57 Prozent der Doktoren in eine Führungsposition geschafft.

8. Doktoren gelten als leistungsbereit und durchhaltefähig. Bewerben sich mehrere gleich qualifizierte Kandidaten um eine Stelle, wird regelmäßig einer aus dem Kreis der Doktoren ausgewählt.

9. Geisteswissenschaftler verdienen im Schnitt weniger als andere Promovierte, weil es in Archiven und Museen weniger Leitungspositionen gibt als in Banken und Unternehmen. Dass Doktoren bevorzugt Taxi fahren, ist nur ein Klischee.

10. Es gibt kein Fach, in dem eine Promotion schädlich wäre, aber es gibt Fächer, in denen sie weniger nützlich ist.

11. Den DZHW-Zahlen zufolge ist für 86 Prozent der Promovierenden die Forschung an einem interessanten Thema zunächst der wichtigste Antrieb.

12. Doktoren promovieren nicht der Karriere wegen, und tun es am Ende doch (Bernd Kramer, SZ 19.11.19).

2640: Wohnungs-Leerstand in Deutschland

Freitag, Dezember 13th, 2019

Manche von uns mag es überraschen, dass in Deutschland 1,1 Millionen Etagenwohnungen und 600.000 Wohnungen in Eigenheimen leerstehen (2,8 Prozent). Das hat eine Untersuchung des Analysehauses Empirica und des Immobilienberatungsunternehmens CBRE ergeben (Thomas Öchsner, SZ 4.12.19). Bis 2022 ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. In einigen Regionen hat sich die Lage noch verschlechtert: Dessau-Roßlau, Suhl, Gera oder Wilhelmshaven. Spitzenreiter ist Pirmasens mit 9,1 Prozent Leerstand. Im Osten beträgt der Leerstand 6,1 Prozent, im Westen 2,2. Den geringsten Leerstand hat München mit o,2 Prozent. Gefolgt von Frankfurt am Main, Freiburg, Münster und Darmstadt. Dort, wo die Bevölkerung schrumpft (also vor allem auf dem Land), steht jede zwölfte Wohnung leer. Trotzdem wird dort häufig hochwertig neu gebaut.

2639: Ohne Ausbildung – keine Arbeit

Freitag, Dezember 13th, 2019

Kürzlich waren bei einer bundesweiten Ausbildungsplatzbörse 54.000 Stellen ausgeschrieben. Davon noch 36 Prozent für Hauptschulabsolventen. Das berichtet der DGB. Nur vier Prozent der Stellen stehen Menschen ohne Hauptschulabschluss offen. Sie sind damit von der Berufsausbildung praktisch ausgeschlossen. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss steigt seit 2013 wieder (SZ 13.12.19).

2638: Teilerfolg im Streit um Kanzlermemoiren

Donnerstag, Dezember 12th, 2019

Maike Kohl-Richter, die Witwe von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), hat im Streit mit dem Ghostwriter Heribert Schwan vor Gericht einen Teilerfolg erzielt. Der Autor darf zahlreiche weitere Textpassagen aus seinem 2014 erschienene Buch „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ nicht mehr verbreiten. Das entschied das Kölner Landgericht. Nach Auffassung des Gerichts ging der 2017 verstorbene Helmut Kohl davon aus, dass Schwan seine Äußerungen vertraulich behandeln würde. In einem früheren Urteil hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln bereits in zweiter Instanz das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und „eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextfälschungen“ kritisiert (dpa, SZ 12.12.19).