Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

2657: Gabriele Tergit „Effingers“ (1951)

Dienstag, Dezember 24th, 2019

Die Schriftstellerin und Essayistin Thea Dorn, die auch zum Team des „Literarischen Quartetts“ gehört, empfindet es als einen Skandal, dass Gabriele Tergits „Effingers“ (1951, Neuauflage 2019) nicht längst Teil des Kanons der deutschen Literatur ist.

„Gabriele Tergit erzählt in ‚Effingers‘ die Geschichte zweier jüdischer Familien vom Kaiserreich bis zum Holocaust. Dabei gelingt der Autorin ein doppeltes Wunder: Sie verbindet den langen Erzählatem eines Honoré de Balzac mit dem Tempo der Gerichtsreprterin aus der Weimarer Zeit; und ihr Blick auf Deutschland – Tergit selbst floh vor den Nationalsozialisten ins Exil, in dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1982 blieb – ist so schonungslos entlarvend wie liebevoll erinnernd. Ein bestürzendes Leseglück sondergleichen.“ (SZ 20.12.19)

2656: Maxim Biller hasst einige Schriftsteller.

Montag, Dezember 23rd, 2019

Damit er sein „Buch des Jahres“, Artur Koestlers „Sonnenfinsternis“ (1940), loben kann, muss Maxim Biller vorher seinen Hass auf drei Schriftsteller freien Lauf lassen (SZ 20.12.19).

Peter Handke ist für Biller der „Milosevic-Grabredner, Beschreibungslangweiler, Frauenschläger, Journalistenhasser, Interview-Weltmeister, Politromantiker und Betriebsopportunist“.

Botho Strauß ist für ihn ein „antidemokratischer Wurzelsepp und teutonischer Prosa-Kastrat …, (ein) sprachlich dilettierender Autor des Manifests der neuesten deutschen Rechten“.

Und Ernst Jünger empfindet Biller als „tagebuchschreibenden Schnarchopa, autoritären Oberdrecksack und Ofizierskasino-Antisemiten, dem nicht einmal die Nazis rechts und ideologiefest genug waren“.

„Bitte, lesen Sie, damit sie nicht auch noch so enden wie Handke, Jünger & Strauß, 2020 unbedingt Artur Koestlers ‚Sonnenfinsternis‘! Dann wird es, das verspreche ich Ihnen, ein richtig gutes Literaturjahr für Sie. Und auch sonst, hoffe ich.“

2655: Nordstream 2 kommt.

Montag, Dezember 23rd, 2019

Die USA wollen Deutschland ihr Fracking-Gas verkaufen. Deswegen sanktionieren sie einige Firmen, die am Bau von Nordstream 2 beteiligt sind. Das ist eine unerlaubte, relativ schwerwiegende Einmischung. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind tiefgefroren. Außerdem müssen wir darauf achten, dass unsere Energiezufuhr nicht zu einseitig wird. Deshalb ist russisches Gas für uns richtig. Dass Polen und die Ukraine am russischen Gastransit über ihr Staatsgebiet verdienen möchten, ist verständlich. Europa ist sich hier nicht einig genug. Das ist ja nicht der einzige Punkt. Unsere deutsche Methode muss dabei immer bleiben Dialog und Interessenausgleich. Das verstehen die Amis einfach nicht.

2654: Bei Vermögenssteuer verlässt Milliardär Hasso Plattner Deutschland.

Montag, Dezember 23rd, 2019

Der Milliardär und Mäzen Hasso Plattner hat angekündigt, Deutschland zu verlassen, wenn hier die Vermögenssteuer eingeführt wird. „Bei einer zweiprozentigen Vermögenssteuer muss ich Deutschland verlassen.“ Was er dann mit seinen SAP-Aktien mache, wisse er noch nicht. Nicht betroffen sind das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam und das Kunstmuseum Barberini, die über eine Stiftung finanziert würden. Plattner hatte 1972 mit vier Kollegen IBM verlassen und SAP gegründet, das Software für Unternehmen entwickelt (bern, FAS 22.12.19).

Haben die Plattner-Kritiker, etwa auf Fußballplätzen, doch recht, die meinen, die Kapitalisten erpressten die Politik?

2653: Robert Habeck: „Man darf mit Trump nicht bangbüxig sein.“

Sonntag, Dezember 22nd, 2019

In einem Interview mit Konrad Schuller (FAS 22.12.19) äußert sich der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck über Donald Trump.

FAS: Trump pfeift auf die WTO (Welthandelsorganisation, W.S.).

Habeck: Trump pfeift auf alles und jeden und droht schon jetzt ständig mit Strafzöllen gegen Europa. Deswegen darf man hier nicht bangbüxig sein.

FAS: Das heißt, man muss einem Konflikt mit Amerika ins Auge sehen?

Habeck: Richtig. Der kommt wahrscheinlich sowieso. Wenn Trump mit China fertig ist, fängt er mit Europa an. Politik nach Donald Trumps Launen auszurichten hat wenig Sinn. Da ist es doch besser, sich in Europa auf Standards zu einigen, und sie dann auch durchzusetzen. Dann müssen die USA sich überlegen, ob es nicht ’ne coole Idee wäre, bei Gütern, die sie nach Europa verkaufen möchten, ähnliche Standards einzuhalten.

FAS: Trump wird sich dann überlegen, ob es noch ’ne coole Idee wäre, uns das Ende der Nato anzudrohen.

Habeck: Tut er ebenfalls jetzt schon.

FAS: Wo führt das hin?

Habeck: Zwischen Europa und den USA gibt es eine historische Beziehung, und an der muss man arbeiten und sie stärken. Und zwar mit den Kräften, die diese Beziehung auch schützen. Man muss immer die Hand ausstrecken, aber die eigenen Werte hochhalten. Man kann sich allerdings nicht von einem Präsidenten abhängig machen, dessen Rationalität bezweifelt werden kann. Europa muss sich klarwerden, was seine Interessen sind. Und für sie eintreten.

2652: Einwandererkinder müssen besser Deutsch lernen.

Sonntag, Dezember 22nd, 2019

Wir können von den Pisa-Studien halten, was wir wollen, die letzte hat gerade gezeigt, dass in Deutschland die Lesekompetenz unter 15-Jährigen zurückgeht. Das liegt überwiegend an Einwandererkindern, in deren Familien wenig Deutsch gesprochen wird. Nach Deutschland wandern bevorzugt sozial schwache Migranten ein. So schaffen wir die Integration nicht. Die Einwandererfamilien sind kinderreich. Im Jahr 2000 hatten 22 Prozent der 15-Jährigen einen Migrationshintergrund, heute 36 Prozent. Die Einwanderer müssen Deutsch lernen nicht wegen der Deutschen, sondern weil sie sonst auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben (Thomas Kerstan, Die Zeit 5.12.19).

2651: Bundesbankchef Jens Weidmann zum Bargeld

Freitag, Dezember 20th, 2019

In einem Interview mit Nico Fried, Cerstin Gammelin und Markus Zydra (SZ 14./15.12.19) äußert sich Bundesbankchef Jens Weidmann zum Bargeld.

SZ: Herr Weidmann, wie haben Sie den letzten Wochenendeinkauf bezahlt?

Weidmann: Mit dem Handy. Das ist aber letztlich eine Kartenzahlung, weil eine Kreditkarte hinterlegt ist.

SZ: Wie lange wird es Bargeld noch geben?

Weidmann: Bargeld ist in Deutschland nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Rund drei Viertel aller Einkäufe im Laden werden bar bezahlt. Über die Zeit gesehen nimmt der Bargeldanteil nur langsam ab. Bargeld hat eben auch Vorteile, man gibt keine Daten preis und ist unabhängiger von Technik.

2650: Prozess wegen Journalistenmord

Freitag, Dezember 20th, 2019

Vier Menschen sind bei Bratislava wegen des Mordes an dem slowakischen Journalisten Jan Kuciak und seiner Freundin Martina Kusnirova angeklagt. Die beiden 27-Jährigen waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus erschossen worden. Angklagt ist der Geschäftsmann Marian Kocner, über den Kuciak recherchiert hatte und der auch wegen anderer Delikte in Untersuchungshaft sitzt. Angeklagt sind zwei weitere Männer und eine Frau in der Kleinstadt Pezinok bei Bratislava (VGR, SZ 19.12.19).

2649: Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) sind nicht dasselbe.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter sind nicht dasselbe. Zwar verwenden sie weithin gleiche Arbeitstechniken und streben mit ihren Produkten in die Öffentlichkeit. Während aber Journalisten im

Auftrag der gesamten Öffentlichkeit

arbeiten, agieren Öffentlichkeitsarbeiter im

Auftrag eines einzelnen Auftraggebers,

ihre Tätigkeit ist eine Form der Werbung (andere Werbeformen sind Propaganda und Wirtschaftswerbung/Reklame). Damit widersprechen sich die Tätigkeiten von Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern. Die einen sollen aufklären, die anderen von ihrem Auftraggeber ein möglichst positives Bild (Image) zeichnen.

Wenn es nach wie vor so ist, dass der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), eine Journalistengewerkschaft, auch „Pressesprecher“ aufnimmt, obwohl diese glasklar Öffentlichkeitsarbeit betreiben, dann können wir uns das damit erklären, dass der DJV nach vielen Mitgliedern (nach Macht) strebt. Verständlich, aber von der Sache her nicht geboten.

Auftrag der Presse (laut Pressegesetzen): Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie im öffentlichen Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder sich auf andere Weise an der Meinungsbildung beteiligt.

Auftrag des Rundfunks (nach Rundfunkgesetzen und Staatsverträgen): Information, Bildung, Beratung, Unterhaltung.

2648: ZDF lädt Björn Höcke (AfD) aus.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

ZDF-Chefredakteur Peter Frey will Björn Höcke (AfD) nicht mehr als Gast in Talkshows seines Senders sehen. Wer bei der Landtagswahl im Oktober 2019 Höcke (AfD) gewählt habe, habe „bewusst rechtsextrem“ gewählt. „Wir Medien haben niemanden zu erziehen. Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.“ Im September hatte Frey sich bereits dafür gerechtfertigt, dass der Sender ein Interview mit Björn Höcke nicht beendet hatte. Ein deutsches Gericht hat es für zulässig erklärt, Höcke als „Faschisten“ zu bezeichnen (dpa, SZ 18.12.19).