Die DDR-Fußball-Legende Dixie Dörner ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Der sehr flexible und elegante Fußballer konnte im Grunde auf allen Positionen spielen. Seine größten Erfolge hatte er als Libero. Der ehemalige Bundesliga-Trainer Eduard Geyer sagt über ihn: „Er war eine überragende Persönlichkeit, ein fantastischger Fußballer und ein noch feinerer Mensch.“ Der in Görlitz geborene Dörner macht 558 Spiele für die SG Dynamo Dresden, 100 Länderspiele und gewann fünf DDR-Fußballmeistertitel. Legendär sind die Auseinandersetzungen mit dem Stasi-Klub BFC Dynamo Berlin. 1976 holte Dörner mit der DDR-Mannschaft Gold in Montreal. 1990 wurde Dörner Assistent von Bundestrainer Bertie Vogts und half mit, den Europameistertitel 1996 zu gewinnen. Sein Engagement bei Werder Bremen 1997 wurde dann kein Erfolg. Aber sein Klubkollege Matthias Sammer sagte zu Dörners 70. Geburtstag vor gut einem Jahr: „Du warst deiner Zeit weit voraus.“ (Javier Caceres, SZ 20.1.22)
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
3725: Dixie Dörner ist tot.
Sonntag, Januar 23rd, 20223724: Hardy Krüger ist gestorben.
Sonntag, Januar 23rd, 2022Im Alter von 93 Jahren starb der deutsche Schauspieler und Schriftsteller Hardy Krüger in Palm Springs/Kalifornien. Er hat eine einmalige Karriere, auch im Ausland, gemacht. Als Angehöriger der Nazi-Elteschule (Napola) Sonthofen begann er damit 1944 in Alfred Weidenmanns Nazi-Propagandafilm „Junge Adler“ nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker. In dem er neben Willy Fritsch und Dietmar Schönherr spielte. Er wurde noch zur Wehrmacht eingezogen, überlebte, desertierte. Seinen internationalen Durchbruch hatte er 1957 mit „Einer kam durch“ über den deutschen Offizier Franz von Werra, dem die Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager im UK gelang. In der Folge arbeitete viel in Großbritannien und den USA. U.a. spielte er 1960 in Howard Hawks „Hatari“ neben John Wayne. Hardy Krüger kam immer wieder nach Deutschland zurück, wo seine KInder Schauspieler geworden sind. 1961 drehte er neben Loni von Friedl mit „Zwei unter Millionen“, einen Film, dessen Dreharbeiten während des Baus der Mauer in Berlin begannen. Sein ziemlich abenteuerliches Leben hat Krüger danach auch im Bücherschreiben ausgewertet (Susan Vahabzadeh, SZ 21.1.22).
3723: § 219 a StGB muss weg.
Mittwoch, Januar 19th, 2022Der Paragraf 219 a des StGB muss weg, weil er Frauen vorschreibt, woher sie ihre Informationen über das Thema Abtreibung beziehen dürfen. Er verbietet der Ärzteschaft den Mund. Er kriminalisiert einen Eingriff, der an sich straffrei gestellt wurde. Es geht um „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“. Die wollen diejenigen verbieten, die kein Interesse an freien Entscheidungen von Frauen haben. Sie wollen nicht, dass Arztpraxen über Schwangerschaftsabbrüche informieren. Frauen könnten erfahren, dass ihr Baby schwerstbehindert oder lebensunfähig zur Welt kommen würde.
Und Ärztinnen könnten mit ungewollt Schwangeren ein offenes Aufklärungsgespräch führen. Die Tür würde grundsätzlich ein wenig in Richtung auf ein liberaleres Abtreigungsrecht geöffnet. Frauen auf der ganzen Welt treiben doch nicht ab, weil sie können, sondern weil sie unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen müssen, egal wie hoch ihr gesundheitliches Risiko dabei ist. Frei und gleich würden Frauen aber erst sein, wenn auch der § 218 StGB fallen würde. Das ist äußerst wünschenswert (Meredith Haaf, SZ 19.1.22).
3721: Volker Weidermann über Novalis
Montag, Januar 17th, 2022Volker Weidermann schätze ich als Schreiber außerordentlich, seit ich 2006 „Lichtjahre. Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute“ gelesen habe. Weidermann ist in der Lage, komplizierteste Sachverhalte und Zusammenhänge kurz und treffend zu beschreiben. Stilistisch elegant. Zwischendurch war er noch Gastgeber des „Literarischen Quartetts“. Jetzt hat er sich in der „Zeit“ (30.12.21) damit beschäftigt, ob es sein kann, dass die deutsche Romantik und ihr idealtypischer Protagonist Friedrich von Hardenberg (Novalis) verantwortlich sein können für Irrationalismus, Kügelchengläubigkeit und Impfgegnerei. Bei Weidermann muss man stets auf einen gehörigen Schuss Ironie gefasst sein. Aber in seinem Kurz-Essay beschreibt er Novalis so einmalig, dass es sich lohnt zu lesen.
Der Salinenassesor von Hardenberg, der nur 29 Jahre gelebt hat, nannte sich Novalis („der Neuland bestellende“). War er Schuld an der Sehnsucht nach dieser großen Müdigkeit, die dazu führt, dass man einschlafen möchte? Für immer. Novalis schätzte und lobte Blumen, Bergarbeiter, Bücher, kluge und schöne Menschen. Für ihn war der ewige Friede schon da, das goldene Zeitalter. Friedrich Schlegel betrieb bei diesem jungen Mann Herzensforschung. Der ging als Begeisterter durch die Welt. Natürlich wusste Novalis genau, wie schwer der Beruf des Bergmanns ist. Aber er mystifizierte ihn lieber. Weidermann schreibt: „Das wahre Leben des Arbeiters hat der Dichter .. eher nicht verbessert. Aber es klingt halt toll.“ Der Dichter Novalis wollte die Welt verklären mit seiner Dichtkunst. „Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder.“
Von politischen Veränderungen hielt er wenig. Die französische Revolution verhöhnte er: „Macht nur die Berge gleich. Das Meer wird es euch Dank wissen.“ Verliebt hatte sich unser Dichter in die zwölfjährige Sophie von Kühn. Er verehrte und verklärte sie. Und als sie starb, war es um unseren Mann geschehen. Er wollte „nachsterben“ (damals gab es noch kein „MeToo“). „In tiefer, heitrer Ruh will ich den Augenblick erwarten, der mich ruft.“ Aber das dauerte noch etwas. Er schrieb die todessüchtigen „Hymnen an die Nacht“. Wunderschön. Volker Weidermann meint: „Seine Liebe zum Tod ist in all ihrer dichterischen Schönheit bis heute ein deutsches Verhängnis.“
3720: Djokovic muss Australien verlassen.
Sonntag, Januar 16th, 2022Die australische Regierung hat es nicht hingenommen, dass der ungeimpfte Impfgegner Novak Djokovic, der mit betrügerischen Methoden eingereist war, im Lande bleiben durfte. Er verlässt heute Australien. Er kann dann ja wieder Turniere mit Infizierten in Serbien organisieren.
3719: Djokovic spricht sich selber frei.
Freitag, Januar 14th, 2022Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke hat erneut Novak Djokovic die Einreise verweigert (Stand 14.1.22). Vorher war es dem serbischen Tennisprofi gelungen, Politik, Medien, Öffentlichkeit und Fans von seiner getürkten Version weithin zu überzeugen. „Djokovic steht massiv in der Kritik, weil inzwischen bekannt ist, dass er sich vieles zuschulden hat kommen lassen. Er hatte sich nach der Infektion nicht isoliert, Kinder getroffen, einem Reporter, wissend, dass er positiv ist, ein Interview gegeben, nicht die serbische Auflage befolgt, sich in Quarantäne zu begeben, im australischen Reiseformular fälschlicherweise anegegeben, vor der Abreise nicht gereist zu sein.Er hatte zwischenzeitlich in Marbella trainiert.“ In Spielerkreisen wird zunehmend scharfe Kritik an Djokovic geübt. Der gebärdet sich nämlich als Opfer, wo er der Täter ist (Gerald Kleffmann, SZ 14.1.22).
Schlimmer macht die Angelegenheit, dass Djokovics Vater seinen Sohn als Heiland bezeichnet hatte. Jesus allerdings starb am Kreuz, weil er die Sünden der Welt auf sich nahm, während Djokovic (im Gegenteil) seine Sünden gerade auf andere abschiebt. Er versucht, sich selbst freizusprechen. Falls Djokovic in Melbourne hätte spielen dürfen, wären die Fragen der australischen Staatsbürger noch lauter geworden, die im Ausland hängen geblieben waren und nicht nach Hause reisen konnten (Philipp Schneider, SZ 13.1.22).
3718: Boris Johnson spielt den Premier bloß.
Donnerstag, Januar 13th, 2022Boris Johnson könnte stürzen, weil er Partys mitgefeiert hat, die nach Regierungsdekret verboten sind. Stefan Kornelius (SZ 13.1.22) hat sich darüber grundlegende Gedanken gemacht:
„Wenn er also Wasser predigt und Wein trinkt, wenn er Freiheit verspricht und Unfreiheit liefert, wenn er von ungeahnten Möglichkeitren schwadroniert und die Supermarktregale leer bleiben.
Nein, Boris Johnson hat sich nie geändert. Er war immer schon ein Verführer und auch ein Großmaul. Er hat immer schon gelogen, wenn es seiner Sache diente. Er ist der Großillusionist der britischen Politik. So war es nur eine Frage der Zeit, dass der Spuk auffliegen musste, dass die jubelnde Menge am Straßenrand feststellte: der Kaiser hat ja gar keine Kleider an.“
Und es war Boris Johnson selbst, der Großbritannien in die Krise geführt hat.
„Johnson trägt mit dem Austritt aus der EU vor einem Jahr die volle Verantwortung für die Geschicke des Landes – und der wird er nicht gerecht. Seine spielerische, unernste Natur hat er nicht abgelegt. Seine Unstetigkeit drückt sich in einem Mangel an Strategie für die Regierungsgeschäfte aus. Das Desinteresse am Zustand des Landes zeigt sich in seinem Snobismus; eine Eigenschaft, die der britischen Oberschicht nicht unbekannt ist.“
„All dies summiert sich zu einer Botschaft: Boris Johnson regiert nicht, er spielt nur Premier. Dass bei all diesen Problemen die überteuerte Renovierung der Dienstwohnung auf Kosten des Steuerzahlers den stärksten Eindruck hinterlassen hat, bestätigt die Regel nur.“
3717: Bestseller 2021
Mittwoch, Januar 12th, 2022Media Control gibt bekannt, dass 2021 in Deutschland 273 Millionen Bücher verkauft worden sind. Verteilt auf mehr als eine Million Titel. Nummer eins ist der Roman „Der Gesang der Flusskrebse“ der US-Autorin Delia Owens, der schon 2019 vorne lag. Inzwischen verkauft sich die Taschenbuchausgabe sehr gut. Auf Platz vier und Platz sieben Sebastian Fitzek mit „Playlist“ und „Der erste letzte Tag“. Julie Zeh mit „Über Menschen“ liegt auf Platz zwei (MASC, SZ 12.1.22).
3716: Journalisten werden auf Demos angegriffen.
Mittwoch, Januar 12th, 2022Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten Verbands (DJV), Frank Überall, hat Politik und Sicherheitsbehörden aufgefordert, auf Anti-Corona-Demonstrationen für mehr Sicherheit von Journalisten zu sorgen. Diese würden geschubst, geschlagen, bespuckt, über Megafon ausgerufen und vor der eigenen Wohnung belagert. „Menschen steigern sich in dieses Thema Corona-Diktatur so rein, dass man uns als Medienschaffende als Nazis bezeichnet. Da entsteht ein völlig neues Bedeutungs- und Gedankengebäude und dem muss Einhalt geboten werden.“ Die Freiheit der Berichterstattung sei gefährdet. „Wir haben Städte und Bundesländer, wo Kamerateams nicht mehr ohne Bodyguard berichten können.“
Seit Pegida nehmen die Attacken gegen die Medien zu. 2020 gab es 252 Straftaten. Die Einsatzkräfte seien häufig in Unkenntnis darüber, was die Presse dürfe und was nicht. Manche würden nicht einmal das Aussehen eines Presseausweises kennen. Auf Telegram gebe es hunderte von Mordaufrufen gegen Politiker, Wissenschaftler, Ärzte und Journalisten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrieb auf Twitter: „Todesdrohungen sind keine Bagatelldelikte, sondern schwere Straftaten. Wir setzen alles daran, aufzuklären und Täter zur Verantwortung zu ziehen. Wir akzeptieren nicht, dass Anbieter Hundertausenden eine Plattform bieten, aber sich wie Briefkastenfirmen den Regeln entziehen.“ (Ramona Dinauer, SZ 12.1.22).
3715: Linken-Vorsitzende sieht ihre Partei in der Krise.
Montag, Januar 10th, 2022Die Linken-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow macht im Interview mit Anna Lehmann (taz 3.1.22) bemerkenswerte Aussagen über ihre Partei.
taz: Janine Wissler und Sie haben angekündigt, die Linke neu aufstellen zu wollen. Was ist denn ihre Meinung nach schiefgelaufen, warum klebt die Linke bei 5 Prozent?
Hennig-Welsow: Aus meiner Sicht gibt es eine Vielzahl von Ursachen. Das ist zum Beispiel das bisherige Verhältnis von Partei und Fraktion. Dazu kommt unsere Kommunikation. Wir erreichen Bauch und Herzen von Menschen nicht, eventuell noch die Köpfe. Und das hat etwas mit unserer gesellschaftlichen Verankerung zu tun. Die hat in den letzten Jahren immer stärker abgenommen. Wir hatten zeitweise zwar viele Eintritte, aber wir haben es nicht vermocht, die Parteistrukturen in Ost und West nachhaltig zu erneuern. Dazu kommt, dass wir viele Konflikte nicht geklärt haben.
taz: Wie sich die Linke zur EU verhält zum Beispiel.
Hennig-Wellsow: Richtig. Aber auch in der Frage, wie wir mit Migration umgehen und welches die richtigen Mittel sind, um die Coronapandemie zu bekämpfen. Eine Partei, die Bedeutung haben will, die von sich behaupten will, sie ist für die Menschen wichtig, weil sie deren Leben zum Besseren verändern kann, die muss auch genauso handeln. Und das bedeutet, Entscheidungen zu treffen und konsequent vorzugehen.
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