Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3754: Theodor Lessing – der ewige Außenseiter

Sonntag, Februar 20th, 2022

Wenn in Deutschland der Name Lessing fällt, denken viele bestenfalls an Gotthold Ephraim Lessing, den Verfasser von „Nathan, dem Weisen“ oder an die Autorin Doris Lessing. Nahezu gänzlich unbekannt ist Theodor Lessing, der als Professor für Philosophie aus Hannover vor den Nazis in die Tschechoslowakei geflohen war, und dort am 30. August 1933 von sudetendeutschen Nationalsozialisten erschossen wurde. 80.000 Reichsmark hatten die Nazis auf seinen Kopf ausgesetzt, was Lessing amüsierte. 1925 hatte er schon geschrieben: „Es ist möglich, dass solch ein fanatischer Querkopf mich niederschlägt, wie sie

Rathenau

und

Harden

niedergeschlagen haben. Nun, dann werde ich zu Gott beten, dass es schnell geschehe.“

Lessing war am 8. Februar 1872 in Hannover als Kind großbürgerlicher, religiös indifferenter Juden geboren worden. Der Vater war Arzt. Lessing studierte zunächst Medizin, wechselte dann aber zur Psychologie und promovierte in Philosophie. Er war kurze Zeit Theaterkritiker des „Göttinger Tageblatts“ und arbeitete an einem sächsischen Landerziehungsheim. In Dresden konnte er sich als Jude nicht habilitieren. Erst 1908 wurde er Privatdozent an der Technischen Hochschule Hannover. Sein Leben lang wurde er vom Antisemitismus begleitet. 1910 bezeichnete ihn Thomas Mann wegen eines satirischen Artikels über den Literaturkritiker Samuel Lublinski als „Schreckbeispiel schlechter jüdischer Rasse“. Im „Sturm“ sekundierte Herwarth Walden. Man könne „ihm nur mit einer Revolverkugel sein Mundwerk stopfen“. Theodor Lessings Jugenfreund Ludwig Klages wandte sich von ihm ab und der okkulten Esoterik zu.

Im Ersten Weltkrieg bekehrte sich Lessing zum Pazifismus. Man müsse stets mit der Not im Bunde sein, niemals mit der Macht. Es entstand Lessings zentrales Werk

„Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“,

das heute noch ganz aktuell verwendbar ist. Aber damit machte sich Lessing bei den Nationalisten und Rechtsextremen unbeliebt. Sie hielten ihn für „zersetzend“ und „fremdblütig“. Lessing arbeitete unermüdlich weiter und gründete mit seiner zweiten Frau die Volkshochschule Hannover („Wissen ist Macht.“). 1924 klärte Theodor Lessing den Fall des Fritz Haarmann, der von 1918 bis 1924 mindestens 24 junge Männer bestialisch ermordet hatte, als Polizeiskandal. Haarmann hatte für die Polizei als Spitzel gearbeitet.

Theodor Lessing kämpfte gegen die Kaiser-Nostalgie und gegen den pensionierten „Helden von Tannenberg“, den General Paul von Hindenburg, der sich anschickte, für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren. Hindenburg war Patient von Lessings Vater gewesen. Und Theodor Lessing schilderte ihn in einem Porträt als gefährliche Fehlbesetzung für das Präsidentenamt. Was sich 1933 bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler bitter bewahrheitete. „Man kann sagen: ‚Besser ein Zero als ein Nero‘. Leider zeigt die Geschichte, dass hinter einem Zero immer ein künftiger Nero verborgen steht.“ Die Burschenschaften an der Technischen Hochschule wurden zu Todfeinden Lessings. In Hannover wurde ein „Kampfausschuss gegen Lessing“ gegründet. Er geriet in Lebensgefahr und musste seine Professur aufgeben. Sein kleines Haus am Stadtrand von Hannover wurde belagert. Da war Lessing schon geflohen. In seinen Lebenserinnerungen „Einmal und nie wieder“ fragte der Philosoph sich, was von seiner Arbeit geblieben war. „Dankesgrüße jener, denen Freude durch uns zufloss und der Mut zu sich selbst. Das ist der wahre Ertrag alles Wirkens. Sonst kam nichts dabei heraus.“

Theodor Lessing wurde 150 Jahre alt. Einen großen Festakt gab es nicht. Aber es gibt das „ZeitZentrum Zivilcourage“, 20 Gehminuten von der Hindenburgstraße entfernt am Theodor-Lessing-Platz (Martin Hecht, „Die Zeit“ 3.2.2022).

1987 ist Rainer Marwedels großartiges Buch

Theodor Lessing 1872 – 1933. Eine Biographie. Darmstadt und Neuwied (Luchterhand), 446 Seiten,

erschienen.

3753: Isabelle Huppert erhält in Berlin den Ehrenbären.

Samstag, Februar 19th, 2022

Für ihr Lebenswerk erhielt Isabelle Huppert – wegen Corona in Abwesenheit – auf der Berlinale den Ehrenbären. Ihre Filmografie ist fast der Gegenbeweis zu der These, dass es für Frauen über 40 keine gewichtigen Rollen mehr gibt. Bekannt geworden war Huppert 1977 in „Die Spitzenklöpplerin“. Da spielte sie schon ein junge Frau, die das doppelte Spiel aus aufgesetzt kühler, distanzierter Fassade und reichem, stürmischen, widersprüchlichem Innenleben beherrschte. Die komplizierte Frau wurde Isabelle Hupperts Spezialität. So wurde sie „La Huppert“. Sie hat auch in Michael Ciminos Flop „Heaven’s Gate“ (1980) gespielt. Aber für die USA war sie zu schwierig. Trotzdem erhielt sie für ihre Rolle in Paul Verhoevens „Elle“ (2017) eine Nominierung für den Oscar. Sie brillierte in Claude Chabrols „Biester“ und Michael Hanekes „Die Klavierspielerin“. Selten hat man eine Frauenfigur im Kino die Opferrolle so konsequent zurückweisen sehen wie hier (Barbara Schweizerhof, taz 12./13.2.22).

3752: Peter Merseburger ist gestorben.

Samstag, Februar 19th, 2022

Eine journalistische Legende der Bundesrepublik ist gestorben. Peter Merseburger, mit 93 Jahren. Er war aus der SBZ gekommen und hatte Germanistik und Philosophie studiert. 1960 kam er zum „Spiegel“. Er wurde Chefredakteur von „Panorama“ und vom NDR. Unter seiner Leitung blieb das politische Magazin verlässlich aufklärerisch. Die Springer-Presse forderte andauernd Merseburgers Absetzung, wenigstens aber Bildschirm-Abstinenz in Wahlkampfzeiten. Ab 1975 berichtete Merseburger als Korrespondent aus Berlin, London und Washinton. Im dritten Takt seiner Erfolgs-Laufbahn schrieb er Biografien über Kurt Schumacher, Rudolf Augstein und Willy Brandt (Willi Winkler, SZ 18.2.22).

3751: Werner Bartens: Das Medizinsystem ist krank.

Samstag, Februar 19th, 2022

Werner Bartens (SZ 18.2.22) schreibt:

„Die Wahrheit: Das deutsche Gesundheitswesen ist vollkommen heruntergewirtschaftet. Ein elementarer Kernbereich der Daseinsfürsorge ist verkommen zu einem Industriezweig, übrigens dem umsatzstärksten im Land neben der Automobilindustrie. Die Krankenversorgung, zu der neben dem spröden Wort ‚Pflege‘ auch Nächstenliebe und etwas so Altmodisches wie Barmherzigkeit gehören, wird von Controller-Regimnentern angeführt, Profitmaximierung ist nicht nur gewünscht, sondern sie wird kalt eingefordert. Kliniken müssen Gewinne erwirtschaften; arbeiten Abteilungen unrentabel, weil sie zum Beispiel zu viele unnötige Operationen doch nicht durchführen, werden sie erst zusammengespart, dann geschlossen. Sollen sich Kranke wonanders auskurieren, wenn sie nicht lukrativ genug leiden.

Hat jemand schon einmal davon gehört, dass die Feuerwehr oder die Polizei nach ihren Ausgaben bewertet werden? Dass ihre Stellen danach bemessen sind, ob sie Gewinne machen? Ein Krankenhaus ist keine Schraubenfabrik. Doch kommunale und konfessionelle Krankenhäuser werden seit Jahren meistbietend im Ausverkauf angeboten und an private Träger verschachert, die größtenbteils börsennotiert sind oder in Fonds oder anderen Gelddepots stabile Erlöse garantieren. Mittlerweile sind fast 40 Prozent aller deutschen Klinikbetten in privater Hand. Weltweit ein Spitzenwert, Deutschland hat die USA in dieser Hinsicht längst überholt.

Mit der Privatisierung findet eine gigantische Umverteilung von Geld aus dem Solidarsystem statt, das zur Vermehrung des Shareholder Value dient. Die Beiträge aus der gesetzlichen Krankenversicherung werden dazu benutzt, damit Klinikkonzerne reicher werden und Aktionäre profitieren. Die Kosten werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert. Nicht schlimm, dass es ein paar Krankheitsgewinnler gibt? Von wegen, denn die Patienten leiden unter den systematischen Fehlanreizen, werden falsch oder unnütz oder gar nicht behandelt. Und das Personal sucht das Weite. Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass etliche Pflegekräfte in der Klinik gekündigt haben und in Umfragen regelmäßig mehr als die Hälfte der Ärzte angeben, dass sie ihren Kindern nicht mehr zum Arztberuf raten würden. Diese Menschen wollen gute Medizin machen, was aber mit den Einsparungen an Personal, Material und einer zeitlich immer engeren Taktung kaum noch möglich ist.

…“

3750: Margarethe von Trotta hätte gern Rosa Luxemburg dabei.

Freitag, Februar 18th, 2022

Margarethe von Trotta erhielt 1981 für „Die bleierne Zeit“ in Venedig den Goldenen Löwen. In einem Interview mit Martina Knoben (SZ 17.2.22) reflektiert sie, die demnächst 80 wird, ihr Leben und Werk.

SZ: Sie haben sich dann zielsicher interessante junge Regisseure ausgesucht.

Trotta: Die haben mich ausgesucht! Volker Schlöndorff hatte mich in einem Film gesehen und wollte mich für „Baal“ haben. In „Baal“ spielte Fassbinder die Hauptrolle, so habe ich Fassbinder kennengelernt, der dann auch mit mir Filme machen wollte. Und dann kam irgendwann Herbert Achternbusch dazu.

SZ: War das ein Machoklub?

Trotta: Fassbinder war mit seinen Leuten ganz schön übergriffig, aber weder mit Hanna Schygulla noch mit mir. Er wusste schon, mit wem er es machen kann. Nach drei Filmen habe ich dann Volker Schlöndorff geheiratet, da mochte Fassbinder mit mir nicht mehr drehen. Er wollte, dass alle auf ihn konzentriert bleiben.

SZ: Wie mutig war es damals, hinter die Kamera zu gehen?

Trotta: Nachdem ich den Film „Das siebente Siegel“ von Ingmar Bergman gesehen hatte in Paris, wusste ich: ich will Regie führen. Aber ich habe das nicht laut gesagt, weil damals durfte eine Frau an so was gar nicht denken.

SZ: Als Sie dann den Goldenen Löwen bekommen haben, 1981 für „Die bleierne Zeit“, muss das sensationell gewesen sein.

Trotta: Es war sensationell. Peter Bogdanovitch, der damals in der Jury saß, hat mir erzählt, dass er es war, der dafür gesorgt hatte, dass ich den Preis bekomme. Die Italiener wollten, dass ich ihn mit einem Italiener ex aequo bekomme. Und Bogdanovitch hat wohl gesagt: Wenn sie nicht den Hauptpreis bekommt, verlasse ich die Jury.

SZ: Sie haben viele Frauen porträtiert. Wen hätten Sie gerne bei Ihrer Feier zum 80. Geburtstag dabei?

Trotta: Rosa Luxemburg. Vielleicht weil sie die erste historische Figur war, die ich porträtiert habe. Sie war mir auch am nächsten. Und weil es am schwierigsten war, zu ihr zu finden. Eigentlich wollte Fassbinder den Film machen. Er ist darüber gestorben. Sein Produzent hat mich angerufen und gesagt, jetzt musst du den Film machen.

3749: Heinrich Breloer über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Donnerstag, Februar 17th, 2022

Der vielfach für seine „Dokudramen“ („Todesspiel“ 1997, „Die Manns“ 2001, „Speer und er“ 2004, „Brecht“ 2019) ausgezeichnete Regisseur Heinrich Breloer wird 80. Im Interview mit Claudia Tieschky und Willi Winkler (SZ 16.2.22) spricht er u.a. über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

SZ: Vielleicht hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen Ihrer Generation die Sehnsucht nach Unterhaltung unterschätzt?

Breloer: Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterhalten wir uns über unsere Probleme. Und die Aufgabe besteht darin, das spannend und unterhaltsam zu machen. Man muss die Menschen zu sich hinführen, nicht von sich wegführen, wegträumen lassen. Ohne die Öffentlich-Rechtlichen ist die Demokratie gefährdet.

SZ: Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen, ist das gefährdet?

Breloer: Ja, denn es gibt einen Faktor, um den kommst du nicht herum: die Zeit. Die Menschen haben am Tag alle nur 24 Stunden. Um diese Zeit kämpfen sie jetzt alle. Diese neuen Filme und Serien sind raffiniert gemacht, die binden dich, du schaust die durch – da ist kein Platz mehr für ein anderes Fernsehen. Netflix und Amazon machen Programm wie McDonalds, bisschen salzig, bisschen süß, alle nach einem Schema, und die Öffentlich-Rechtlichen machen es nach. Schon jetzt gibt es da viele Filme, wo jemand zum Beispiel mit einer Pistole in der Hand einen dunklen Flur entlanggeht, er macht ganz langsam eine Tür auf, und hinten im Bett vögeln zwei. Dann kommt Schnitt und die Einblendung „Vor vier Monaten“.

3748: Israel muss differenziert betrachtet werden.

Dienstag, Februar 15th, 2022

Thomas E. Schmidt ermahnt uns in der „Zeit“ (3.2.22), Israel differenziert zu beurteilen:

Ja, sicher, eine Menge läuft schief in der israelischen Gesellschaft, und die Siedlungspolitik befördert den Friedensprozess keineswegs. Doch ist das selbstverständlich nicht Faschismus, wie von BDS behauptet wird, ebenso wenig Kolonialismus oder Apartheid. Diese Wortwahl ist eine methodisch betriebene Übertreibung, eine Verzerrung, weil hostorisch konkrete und hässlichere Dinge mit diesen Begriffen bezeichnet werden, ebenso wie „Genozid“ oder „ethnische S#uberung“ für schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit stehen, abr nicht für die Gründung Israels. Und wenn diese von Historikern eigentlich mit Vorsicht verwendeten Ausnahmebegriffe so tun, als würden sie die heutige Lage im Nahen Osten beschreiben, dann radikalisieren sie die Haltung gegenüber Israel. Jede Form des Protests oder des Boykotts erscheint sodann gerechtgfertigt.

3747: Gerhard Richter 90

Montag, Februar 14th, 2022

Gerhard Richter ist der wohl bekannteste und vermutlich auch am besten verdienende bildende Künstler Deutschlands. Er wird 90 Jahre alt. Der gebürtige Dresdener ging 1961 in die BRD. Weltbekannt ist er wegen seiner „fotorealistischen Gemälde“ wie etwa „Tante Marianne“ oder „Onkel Rudi“. Seine Sujets sind also privat und infolgedessen hochpolitisch. Bei Richter gibt es Selbst- und Familienanalyse und dadurch Gesellschaftsanalyse.

Im Westen lebte und arbeitete Richter in Düsseldorf und Köln. Er lehrte an Kunsthochschulen und Universitäten. Was er vorher in der DDR gemacht hatte, sollte keine Rolle mehr spielen. Trotzdem hat ein Dresdener Galerist 2021 noch ein Auftrags-Wandbild von Richter in Görlitz entdeckt. Mit Henckel von Donnersmarks Film „Werk ohne Autor“, einem biografischen Werk über Richter, war dieser selbst gar nicht einverstanden. Das ist unvermeidlich. Jetzt gibt es eine Geburtstagsausstellung im Museum Ludwig in Köln. 1993 hatte Richter in der Bundeskunsthalle Bonn mit „Gerhard Richter Malerei 1963-1993“ seinen endgültigen Durchbruch gehabt. In Düsseldorf ist der „Birkenau“-Zyklus zu sehen, den Richter als Dauerleihgabe für die Hauptstadt Berlin vorgesehen hat. Sein Archiv geht nach Dresden (Peter Richter, SZ 9.2.22).

3746: Klaus Theweleit 80

Sonntag, Februar 13th, 2022

Mit seiner Dissertation „Männerphantasien“ aus dem Jahr 1977, einem seinerzeit ganz und gar ungewöhnlichen Buch, ist Klaus Theweleit, der 80 Jahre alt wird, bekannt geworden. Er setzt sich darin auseinander mit dem Selbstbild und dem Frauenbild von Männern. Nach seiner Theorie resultiert Männergewalt hauptsächlich aus der Furcht vor dem Weiblichen. Rudolf Augstein schrieb damals eine Jubelrezension. Wohl nicht ganz zu unrecht. Klaus Theweleit bezog in seine umfangreiche Gesamtanalyse auch die Populärkultur ein. Werbung, Popmusik, Comics, Fernsehen. Auch in der Wissenschaft „verpönte“ Quellen. Sein umfangreiches Gesamtwerk lässt sich als Theorie der Gewalt lesen. Es wäre gut, wenn mehr Menschen darüber etwas wüssten (Sigrid Löffler, SZ7.2.22).

3745: Was bleibt von Hannah Arendt ?

Samstag, Februar 12th, 2022

Juliane Rebentisch forscht und lehrt an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Princeton University (USA). Sie ist eine Spezialistin für Hannah Arendt, die ja als große Wissenschaftlerin gilt. Rebentisch sieht Arendt kritisch, insbesondere was deren Analyse der US-Gesellschaft der sechziger Jahre angeht. Auch in ihrem neuen Buch

Der Streit um Pluralität – Auseinandersetzungen mit Hannah Arendt. Berlin (Suhrkamp) 2021, 287 S., 28 Euro.

Miryam Schellbach fragt in einem Interview (SZ 10.2.22) mit Rebentisch, was von Hannah Arendt bleibt:

Rebentisch: Die Überzeugung, dass man urteilen muss, auch und gerade, wenn mit Gegenrede zu rechnen ist. Auch, dass die Bewegung und Dynamik, die aus der Auseinandersetzung entsteht, ein Geschenk ist. Auseinandersetzung ist bei Arendt Zuwendung, nicht Abkehr. Auch wenn das manchmal bei ihr in Rechthaberei überging, gab es eine leidenschaftliche Verpflichtung auf die Auseinandersetzung selbst. Das hat mich am meisten beeindruckt. Immer, wenn ich Arendt unterrichte, geht es heiß her im Seminar, ihre Texte fordern auf, Position zu beziehen. Da ist dann „fire in the classroom“.