Mit 85 Jahren ist Uwe Seeler gestorben. Er war ein Klassefußballer, kam 1954 mit 18 Jahren in die Nationalelf und absolvierte dort viele Spiele und schoss viele Tore. Obwohl Seeler Angebote aus dem Ausland hatte, blieb er in Deutschland und sogar beim HSV, den er 1960 zur Meisterschaft geführt hatte. Legendär sind Seelers Beteiligungen an den Fußballweltmeisterschaften 1966 (Großbritannien) und 1970 (Mexiko). Nebenbei arbeitete er als Sportartikelvertreter. Dabei verkörperte stes das „Normale“. Bodenständige, Einfache. Seinerzeit riefen die Fans bei Länderspielen „Uwe, Uwe“. Ich habe Uwe Seeler einige Male in unserem Weserstadion (gegen Werder Bremen) erlebt und auf dem Oldenburger Donnerschwee (wo der VfB Oldenburg spielte). Seeler blieb es nicht erspart, sich angesichts des Missmanagements beim HSV in den neunziger Jahren in die Pflicht nehmen und zum Präsidenten wählen zu lassen, wo er scheiterte. Das tut seinem guten Ruf keinen Abbruch. Er passte wohl nicht mehr ganz zum modernen Kommerzfußball.
Archive for the ‘Gesellschaft’ Category
3953: Uwe Seeler ist gestorben.
Freitag, Juli 22nd, 20223952: Michael Kretschmers (CDU) gefährliche Ahnungslosigkeit
Donnerstag, Juli 21st, 2022Der Vorschlag des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), den russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine „einzufrieren“ und uns weiter von Rohstofflieferungen aus Russland abhängig zu machen, ist auf scharfe Kritik gestoßen. Der FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte: „Gott sei dank ist dieser Mann nicht verantwortlich für unsere Außenpolitik.“ Er habe „offensichtlich bis zu heutigen Tage nicht verstanden, wie gefährlich Russland ist“. Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Johann Wadepuhl sagte, es gehe für die Ukraine nicht um Gebietsabtretungen oder Verzicht. „Das erreichen wir zur Zeit nur durch jede nur mögliche Unterstützung der Ukraine gegen die russische Aggression.“ Für die Grünen-Abgeordnete Jamila Schäfer zeugt Kretschmers Haltung von gefährlicher Ahnungslosigkeit. Der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnik schrieb: „Die Ukrainer treten dafür ein, dass Sie Ihren Kopf in ein Tiefkühlregal stecken, um ihre heißen Russland-Fantasien einzufrieren. Ihre ewige Anbiederung an Kriegsverbrecher Putin ist ekelerregend.“
Kretschners Forderung geht an der Wirklichkeit komplett vorbei. Aber er inszeniert sich als „Vertreter der Mehrheitsmeinung der Gesellschaft“. So sind sie, unsere Sachsen. Vielleicht trifft das den Nerv derjenigen, denen egal ist, was in der Welt passiert, solange es nur zu Hause bequem bleibt (Iris Mayer, SZ 21.7.22).
3951: Die Interessen der Palästinenser werden missachtet.
Dienstag, Juli 19th, 20221. 1948 erreichten die Juden mit ihrem militärischen Sieg in Palästina die Voraussetzung für ihre Staatsgründung. Die Palästinenser erlebten die Nakba, ihre Katastrophe.
2. Israel sah sich als Nation der Opfer. Jeder Dritte war Holocaust-Überlebender.
3. Insofern zahlen die Palästinenser seit über siebzig Jahren den Preis für den deutschen Holocaust.
4. In der deutschen Erinnerungskultur kommt die Nakba bisher kaum vor.
5. Der Holocaust ist die alle anderen Faktoren überschattende Ursache der israelischen Staatsgründung.
6. Inzwischen hat Israel mehr als 500 palästinensische Dörfer unbewohnbar gemacht.
7. Der deutsche Völkermord hat für die meisten Israelis im Hinblick auf Schutz und Identifikation eine Bedeutung, die der Zionismus vorher nicht hervorgebracht hatte.
8. Die Palästinenser stehen letzten Endes mit leeren Händen da.
9. Um so beschämender ist es, dass jüngst in Berlin sämtliche Veranstaltungen zum Jahrestag der Nakba vorab verboten wurden.
(Charlotte Wiedemann, taz 13.7.22)
3950: Alexander Fahrenholtz ist neuer Documenta-Geschäftsführer.
Dienstag, Juli 19th, 2022Alexander Fahrenholtz ist am Montag zum neuen Documenta-Geschäftsführer bestimmt worden. Die Gesellschafter seien froh, einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager gefunden zu haben, hieß es. Er werde seine Aufgabe bereits am 19.7.2022 übernehmen. Sein Vertrag sei bis zum 30.9. befristet. Fahrenholtz war an der Realisierung der Documenta 9 beteiligt und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes. Der Bund soll wieder in den Aufsichtsrat der Documenta einziehen (SZ 19.7.22).
3949: Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchandels an die deutschen Pazifisten
Montag, Juli 18th, 2022In diesem Jahr erhält der ukrainische Dichter Serhij Zhatlan den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (Zeit 7.7.22). Er richtet seine politische Botschaft an die deutschen Pazifisten:
„Darin liegt der größte Fehlschluss der deutschen Intellektuellen: Die Russen wollen nicht mit uns verhandeln, sie wollen uns vernichten. Und wenn die deutschen Intellektuellen andeuten, eine allzu große Unterstützung für die Ukraine lohne nicht, weil die Ukrainer sowieso keine Chance hätten, lassen sie es zu, dass durch den russischen Chauvinismus und Revanchismus Normen und Gesetz verletzt werden und das ukrainische Volk ausgelöscht wird.
Indem sie einem falsch verstandenen Pazifismus anhängen – der nach zynischer Gleichgültigkeit stinkt – legitimieren die Verfasser die Putinschen Propaganda-Narrative, die besagen, dass die Ukraine kein Recht auf Freiheit, kein Recht auf eine eigene Stimme hat, weil ihre Stimme den großen und schrecklichen Putin womöglich reizen könnte. Dazu möchte ich den verehrten Experten auf dem Gebiet der unergründlichen russischen Seele Folgendes sagen: Sie haben recht, Putin ist schrecklich, aber nicht groß. Und wenn weiterhin etliche deutsche Intellektuelle Angst vor ihm haben, müssen sie das mit ihrer Selbstachtung und ihrem Gewissen vereinbaren.
Die Verfasser des Briefes schreiben: ‚Die Fortführung des Krieges mit dem Ziel eines vollständigen Sieges der Ukraine über Russland bedeutet Tausende weitere Kriuegsopfer, die für ein Ziel sterben, das nicht realistisch zu sein scheint.‘ Was sie sich nicht trauen zu sagen: Wenn die Ukraine verliert, gehen die Opfer nicht in die Tausende, sondern in die Hunderttausende. Das Blut dieser Toten haben jene auf dem Gewissen, die immer noch unbeirrt mit dem Bösen spielen und dabei allen Wohlergehen und Frieden wünschen.“
3948: Documenta-Chefin Angela Schormann wird entlassen: endlich.
Montag, Juli 18th, 2022Der Documenta-Aufsichtsrat hat beschlossen, die Leiterin der Ausstellung, Angela Schormann, zu entlassen. Wegen des antisemitischen Kunstwerks „People’s Justice“ der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi und der mangelnden Aufklärung der Vorgänge. Die Aufarbeitung wurde verschleppt. Es war wohl viel Dilettantismus im Spiel. Nach Meinung des Aufsichtsrats handelte es sich um eine „klare Grenzüberschreitung“. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat der Entscheidung zugestimmt. Ebenso Grüne und FDP. Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Helge Lindt, sprach von einem „überfälltigen Befreiungsschlag aus einem Teufelskreis von Missmanagement und Misskommunikation“.
So weit, so gut.
Aber reicht das? Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kommt die Entscheidung viel zu spät. „Es sind noch sehr viele Schritte zu gehen.“ Nach Meinung des Documeta-Aufsichtsrats soll die Aufklärung „wissenschaftlich begleitet“ werden. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nutzte Schormanns Absetzung für eine Ausweitung des Bundestagsbeschlusses gegen die anti-israelische Boykottbewegung BDS.
Schormann hatte wohl bis zum Schluss die Unterstützung von Kassels OB, Christian Geselle. Ohnehin lässt die SPD hier Unklarheiten über ihre Haltung zu. Eine Rolle scheint der „postkolonialistische Ansatz“ in der Kunst gespielt zu haben. In dem Beschluss des Aufsichtsrats werden keine Namen genannt, obwohl die Probleme seit mindestens einem Monat bekannt sind. Wahrscheinlich weiß man noch keine. Kein gutes Zeichen. Schormann hatte ihr Verhalten stets mit der „Kunstfreiheit“ begründet. Eine Kaschierung von Verantwortungslosigkeit (Sonja Zekri, SZ 18.7.22; Jörg Häntzschel, SZ 18.7.22).
Immerhin: eventuell kann trotz des Versagens Einzelner die Documenta insgesamt gerade noch einmal gerettet werden. Hoffen wir es!
3947: Caren Miosga über Nachrichtensendungen
Sonntag, Juli 17th, 2022Caren Miosga moderiert seit 15 Jahren die „Tagesthemen“. In einem Interview mit Johanna Adorjan gibt sie Auskunft über ihre Perspektiven auf Fernsehnachrichten (SZ 16./17.7.22).
SZ: Seit 15 Jahren befassen sie sich intensiv mit der Weltlage. Täuscht der Eindruck, dass alles immer schlimmer wird?
Miosga: Ich würde dem gerne widersprechen, aber es fällt gerade schwer. Denn über allem liegt eine Klimakrise und die lässt nicht nach. Dazu kommt, dass die Erschütterungen der vergangenen Jahre – Finanzkrise, Donald Trump, Brexit – gezeigt haben, dass die Stabilitäten, die wir jahrzehntelang kannten, ins Wanken geraten. Das sieht man ja auch daran, dass sich das Parteiensystem immer mehr wandelt. Es wird nicht mehr ein ganzes Leben lang dieselbe Partei gewählt, die politische Landschaft zersplittert zunehmend. Und wer hätte es für möglich gehalten, dass es in Europa noch mal einen Angriffskrieg geben würde?
…
SZ: Sie lesen vom Teleprompter, oder?
Miosga: Ja. Und zwar, wenn ich das erklären darf, weil jede Sendung eine feste Zeit unbedingt einhalten muss. Alles ist zeitlich genau getaktet. Würde ich frei sprechen, würde ich es nie hinkriegen, da immer auf den Punkt zu sein.
…
SZ: In den vergangenen 15 Jahren hat sich auch die Sprache weiterentwickelt. Gendern Sie?
Miosga: Ich habe überhaupt nichts gegen Gendern, aber ich habe es noch nicht verinnerlicht. Ich formuliere eher „Ärztinnen und Pfleger“. Oder „Polizistinnen und Beamte“, in einem Satz. Das mit dem Binnen-I kommt mir noch nicht natürlicherweise über die Lippen.
…
3946: GfK geht an Nielsen.
Samstag, Juli 16th, 2022Wer in Deutschland etwas über das Konsumverhalten wissen will, ist auf Daten der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) in Nürnberg angewiesen. Das geht hin bis zu Fernseh-Marktanteilen. Anfang des Jahrtausends war die GfK noch sehr erfolgreich (13.000 Beschäftigte, 1,5 Milliarden Umsatz), aber das ist vorbei. Nun wird das Unternehmen an den US-Konkurrenten Nielsen verkauft. Für 2,7 Milliarden Euro. Hauptquartier wird Chicago. Die GfK hat heute noch 8.000 Mitarbeiter. Gegründet worden war die Firma 1934 von Hochschullehrern. Darunter Ludwig Erhard, dem späteren Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler. Man wollte damals, „die Stimme des Verbrauchers zum Klingen bringen“. Auf dem internationalen Feld der Marktforschungsinstitute sind auch andere Fusionspläne bekannt. Überleben werden nur die Firmen, die globalen Kunden auch globale Daten liefern. Nielsen und GfK wollen ihre Tools zusammenbringen. Die GfK ist stark in der Datenerhebung, Nielsen in der Analyse des täglichen Komsumverhaltens. In den letzten Jahren musste die GfK in großem Umfang Stellen abbauen (Uwe Ritzer, SZ 13.7.22).
3945: Armutsbericht stimmt nicht.
Samstag, Juli 16th, 2022Der Armutsbericht des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands (DPWV) spricht von 13,8 Millionen Armen in Deutschland. Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider sieht einen „Armutsrekord“. Das sehen Wissenschaftler anders. Markus Grabka vom Wirtschaftsforschungsinstitut DIW sagt: „Der Paritätische malt ein Szenario an die Wand, das es nicht gibt.“ „Es gibt nicht 13,8 Millioen Arme in diesem Land.“ In dem Bericht würden Jahre verglichen, die man nicht vergleichen könne, so Judith Niehaus vom Institut der deutschen Wirtschaft. „Die Rekordarmut ist eine Botschaft, die nicht belegt ist, wenn man genauer hinsieht,“ sagt der sozialpolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Martin Rosemann (RPR, SZ 15.7.22).
3944: Maskendeals von Sauter und Nüßlein waren legal.
Donnerstag, Juli 14th, 2022Die Maskendeals der CSU-Politiker Alfred Sauter und Georg Nüßlein haben nach Meinung des BGH nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen. Der Tatbestand der Bestechlichkeit sei nicht erfüllt. Beschwerden der Generalstaatsanwaltschaft München wurden verworfen. Sauter hat dadurch Ansprch auf 1,2 Millionen Euro, Nüßlein auf 660.000 Euro. Die beiden Politiker hatten Geschäfte zwischen einer Maskenfirma und Ministerien in Bund und Land vermittelt. Nüßlein trat aus der CSU aus, Sauter verließ die Landtagsfraktion. Gegenwärtig arbeitet ein Untersuchungsausschuss die Affäre auf (SZ 13.7.22).