Im vergangenen Jahr sind 280.000 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Damit gehörten erstmals weniger als 20 Millionen Menschen einer der 20 Gliedkirchen an. Die hohe Zahl der Austritte wurde durch die hohe Zahl der Sterbefällr ergänzt. Die Zahl der Taufen nimmt mittlerweile wieder zu. Wie viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten sind, ist noch nicht bekannt. Die Größenordnung dürfte ähnlich sein. Eine große Rolle scheint die Vertrauenskris im Erzbistum Köln zu spielen. Ein Schwerpunkt ist die sexuelle Gewalt. Unter den Katholiken ist die Ablehnung von Homosexualität groß. „Eine empfundene ‚persönliche Irrelevanz‘ von Religion und Kirche kristalliisiert sich als wichtiger Faktor heraus.“ Besorgt äußerte sich die EKD-Ratsvorsitzende, Präses Annette Kurschus. Die EKD würde die sinkenden Mitgliederzahlen nicht als gottgegeben hinnehmen. Unter anderem wolle man mit Taufaktionen gezielt Familien ansprechen (Annette Zoch, SZ 10.3.22).
Archive for the ‘Geschichte’ Category
3778: Protestanten treten aus der Kirche aus.
Freitag, März 11th, 20223776: Angela Merkels Energiepolitik war falsch.
Donnerstag, März 10th, 2022Gerhard Schröder ist ein einfacher Lobbyist, von dem jeder weiß, was seine Aufgabe ist. Er soll die Anhängigkeit Deutschlands von russischer Energie erhöhen. Aber er war und ist nicht der einzige, der hier grundsätzlich falsch lag und liegt. Und wesentlich dazu beigetragen hat, dass unsere Versorgung durch Russland mit Energie für Wärme, Mobilität, Stromversorgung und Industrie gefähret ist. Auch Angela Merkel hat hier jahrzehntelang Fehler gemacht. Bundeskanzler Olaf Scholz soll nun die energiepolitischen Fehler binnen kurzem ausbügeln. Ein Öl- und Gasembargo traut er sich nicht zu. Dadurch finanzieren wir den russischen Krieg in der Ukraine. Im übrigen gab es bei der Energiepolitik in der Ära Merkel zwischen SPD und Union kaum Unterschiede. Angela Merkel (CDU) und Manuela Schwesig (SPD) haben Nord Stream 2 vorangetrieben. „Es war vor allem Deutschland, das es versäumt hat, Terminals für Flüssiggas zu bauen, und es war Deutschland, das seine Gasspeicher in russische Hand gab.“ (Daniel Brössler, SZ 10.3.22)
3775: Inge Deutschkron ist gestorben.
Donnerstag, März 10th, 2022Im Alter von 99 Jahren ist Inge Deutschkron gestorben. Nach ihrer Autobiografie „Ich trug den gelben Stern“ (1978) hat sie sich energisch für das Gedenken an den Holocaust und für die Versöhnung von Juden und Deutschen eingesetzt. Vorzugsweise in Schulen. Die 1922 im brandenburgischen Finsterwalde geborene Deutschkron hatte mit ihrer Mutter im Untergrund überlebt und dabei partiell Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. Das war eine Minderheit. Später arbeitete Deutschkron in Israel und Deutschland. Sie gründete den Förderverein „Blindes Vertrauen“ und rief im Rahmen ihrer Stiftung zur Courage auf (SZ 10.3.22).
3774: Russland verliert.
Mittwoch, März 9th, 2022Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein Kriegsverbrechen. Und dann steht Russland hinterher auch noch als vollständiger Verlierer da. Russland ist heute schon arm (umgerechnet auf die Bevölkerung), ärmer als Rumänien. Nach dem Ukraine-Krieg wird es noch ärmer. Denn ein militärischer Sieg reicht ja nicht, hinterher müssen die Russen bleiben, um ihre Nachbarn zu unterdrücken. Und sie müssen ihren riesigen Militärapparat finanzieren. Für die USA hat Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ausgerechnet, dass der Irakkrieg (2003-2011) sie mehr als drei Billionen Dollar gekostet hat.
Und Russland hat keinen Dollar, die internationale Leitwährung, sondern nur den Rubel, den niemand haben will. Russland lebt von seinen fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas). Die Sowjetunion war 1991 am Ende, ökonomisch. Das hat Wladimir Putin als KGB-Offizier in Dresden nicht begriffen.
Durch den von Russland begonnenen Angriffskrieg in der Ukraine rüstet der Westen auf. Das erfordert, sofern Russland auf Augenhöhe bleiben will, Nachrüstung. Dadurch wächst die russische Armut. Auch durch so schwere wirtschaftliche Sanktionen, wie der Westen sie nun erstmals beschlossen hat. Putin hat ungefähr 630 Milliarden Dollar aufgehäuft, wovon allerdings zwei Drittel im Westen nunmehr abgesperrt sind. Putins großer Krieg führt zu einer großen Inflation.
Die Russen haben seit 1990 mehrere Inflationen erlebt. Sie fühlen sich ökonomisch nur sicher, wenn die Flucht in Dollar, Schweizer Franken und Euro jederzeit offensteht. Vor seinem Ukraine-Krieg hatte Putin deswegen Devisen in Umlauf gebracht, damit seine Bürger nicht merkten, dass er in der Ukraine Krieg führte. „Für dieses Täuschungsmanöver sollte die Kriegskasse dienen, die nun blockiert ist.“ Heute fließen Devisen nur noch nach Russland bei der Bezahlung von Kohle, Öl und Gas. Der Westen finanziert also weithin Russlands Krieg.
„Wenn nicht bald Frieden herrscht, wird eine Geldentwertung einsetzen, die allen Russen deutlich macht, was dieser Krieg bedeutet: Armut. Vielleicht siegt Putin in der Ukraine militärisch – ökonomisch verliert er. Die Frage ist nur, wie schnell die Russen das begreifen.“
(Ulrike Herrmann, taz 4.3.22)
3771: Israels Vermittlerrolle ist gefährlich.
Montag, März 7th, 2022Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich Israels Ministerpräsident Naftali Bennett zum Vermittler aufgeschwungen. Das ist für Israel nicht ungefährlich.
1. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij, selbst jüdisch, hat Bennett darum gebeten.
2. Bennett möchte diplomatisch an Gewicht gewinnen und aus dem Schatten seines Vorgängers Benjamin Netanjahu treten.
3. Israel eignet sich nur schlecht für eine Vermittlerrolle, weil es sich in seinem eigenen Konflikt mit den Palästinensern oft genug gegen Vermittlung gewandt hat.
4. Als Vermittler muss man sehr stark oder wirklich neutral sein. Das trifft auf Israel nicht zu.
5. Israel muss die russischen Truppen in Syrien fürchten, weil es selbst mit Luftschlägen die aus dem Iran (Israels Hauptgegner im Nahen Osten) massiv unterstützte Hisbollah dort bekämpfen möchte.
6. „Bennett also läuft Gefahr, von Putin nur benutzt zu werden. … Weit gefährlicher für Bennett allerdings wäre es, wenn er durch die Nähe zu Putin Israels Beziehungen zum engsten Verbündeten in Washington belasten würde.“ (Peter Münch, SZ 7.3.22)
7. „Doch je länger der Krieg dauert, desto deutlicher werden die USA wissen wollen, auf wessen Seite Bennett steht.“
3770: Kurswechsel sind eine Stärke der Demokratie.
Sonntag, März 6th, 2022Als Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in der denkwürdigen Bundestags-Sondersitzung am 27.2.22 die „Zeitenwende“ mit einer Riesen-Aufrüstung der Bundeswehr (100 Milliarden Euro) im westlichen Bündnis verkündete, setzte er – und wahrscheinlich war er sich dessen voll bewusst – seine eigene Partei, die SPD, und die Grünen schwer unter Druck. Die mussten entgegen dem, was sie vorher über Jahrzehnte verkündet hatten, plötzlich dem 2-Prozent-Ziel der Nato zustimmen und der gesamten Bedeutungserhöhung der Bundeswehr.
Wenn das mal gutgeht!
Allerdings wissen wir, dass so etwas schon vorher vorgekommen ist. Und nicht zum Nachteil des politischen Wegs der Bundesrepublik. 1979 stimmte Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) dem Nato-Doppelbeschluss zu, einer Aufrüstung mit Mittelstreckenraketen. Und 1999 genehmigte die Regierung von Gerhard Schröder (SPD) Kampfeinsätze der Bundeswehr über Serbien und dem Kosovo.
A propos: schwerer als die SPD hatten es dabei die Grünen. Bundesaußenminister Joseph (Joschka) Fischer (Grüne) hatte sich eigens selbst ein Bild von der Lage im Kosovo gemacht und daraufhin dem Kampfeinsatz vehement zugestimmt, ihn geradezu angeführt. Dafür wurde auf einem Grünen-Parteitag gegen ihn Gewalt geübt, wie wir wissen. Da sehen wir wieder, wie gewalttätig Pazifisten agieren können.
Bereits Konrad Adenauers Politik der Westintegration (ab 1949), die sich als ausschließlich richtig und erfolgreich erweisen hat, musste gegen Widerstände in der eigenen Partei (CDU/CSU), vor allem aber bei FDP und DP durchgesetzt werden, die damals zur Regierungskoalition gehörten. So konnte Konrad Adenauer (CDU) 1952 die Stalin-Note klar ablehnen, die im Sinne der Interessen der Sowjetunion eine Neutralisierung Deutschlands zum Ziel hatte.
2011 vollzog Angela Merkel (CDU) nach der Atomkatastrophe von Fukushima eine radikale Kehrtwende in der Energiepolitik.
2015 sagte sie zur Flüchtlingskrise den legendären Satz: „Wir schaffen das.“
Grundlegend aber für schwerwiegende Kurswechsel in der deutschen Politik war die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) am 8. Mai 1985: „Wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft. die zum Kriege führte. … Wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrwegs deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.“
Das hat der große Publizist Peter Bender so ausgedrückt, diese Worte „wären weit weniger beachtet und noch mehr kritisiert worden, wenn ein sozialdemokratischer Präsident gesprochen hätte, Wirkung und politische Bedeutung dieser Mahnung lagen auch darin, dass sie von ‚rechts‘ kam. Nicht ein Emigrant, sondern ein Frontoffizier, nicht ein Atheist, sondern ein ehemaliger Kirchentagspräsident, nicht ein Linker, sondern ein führender CDU-Politiker zerstörte die Lebenslüge der Bundesrepublik, nur das Opfer ungünstiger Umstände zu sein.“
(Joachim Käppner, SZ 5./6.3.22)
3767: Deutschland muss in Europa mehr Führung übernehmen.
Donnerstag, März 3rd, 2022„An Deutschland gibt es in Europa eine große Erwartung, Führung zu zeigen. Im Verhältnis zu Putins Kleptokratie muss es um die schnellstmögliche Loslösung von russischen Gas gehen – die Einnahmen sind zentral für das Staatsbudget und die Finanzierung der Militärmaschinerie. Die Brückentechnologie dafür heißt Flüssiggas. Ansonsten wird nun auch sicherheitspolitisch zwingend, was aus Gründen des Klimaschutzes schon vorher unausweichlich war: so schnell wie möglich auf erneuerbare Energien umzustellen.
Politisch und wirtschaftliuch wird man sich auf eine weitreichende Isolierung Russlands, militärisch auf eine Strategie der Eindämmung einstellen müssen, solange Putin in Moskau an der Macht ist. Das schließt Kontakte zur Zivilgesellschaft, Kulturaustausch oder Rüstungskontrolle nicht aus, wie es sie auch im Kalten Krieg gegeben hat. Der Ukraine sollte die europäische Perspektive offengehalten werden – allerdings helfen leere Versprechungen nicht. Wie problematisch sie sein können, zeigt sich auf dem Westbalkan im Umgang mit
Albanien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Nordmazedonien und Kosovo:
Dort hat es die EU Putin seit Jahren leicht gemacht, Einfluss zu nehmen, auch weil sie ihre Zusagen allzu oft nicht eingehalten hat.“ (Paul-Anton Krüger, SZ 3.3.22)
3765: Gysi kritisiert Wagenknecht.
Mittwoch, März 2nd, 2022Wie gestört Sahra Wagenknecht wohl sein muss, geht aus der Kritik von Gregor Gysi an ihr hervor. Darin bemängelt Gysi, dass Wagenknecht und sechs andere Linken-Politiker am Sonntag (27.2.22), dem Tag der „Zeitenwende“, die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine und Sanktionen gegen Russland abgelehnt hatten. Gysi wirft der Gruppe „völlige Emotionslosigkeit hinsichtlich des Angriffskriegs, der Toten, der Verletzten und des Leids“ vor. Damit sprächen Wagenknecht et alii der „Ukraine faktisch ein Selbstverteidigungsrecht ab“. Sie seien damit indirekt dafür, dass die Ukraine „nur die Chance zur bedingungslosen Kapitulation bekommt“ (SZ 2.3.22).
3762: „Zeitenwende“
Montag, Februar 28th, 2022Angesichts der vom Bundestag (in einer beeindruckenden Sondersitzung) beschlossenen „Zeitenwende“, der grundlegenden Änderung der europäischen und deutschen Sicherheits- und Außenpolitik gegenüber Russland, fiele es mir leicht darauf zu verweisen, dass ich diese Politik vom ersten Tag meines Blogs im Jahr 2010 gefordert habe:
Dass sich Europa mehr selber helfen können muss (ohne die USA), dass die Bundeswehr so aufgerüstet gehört, dass sie kampffähig ist, dass die Staaten des ehemaligen Jugoslawien, die noch nicht der EU angehören, Mitglieder werden müssen, dass wir mit Polen und Ungarn geduldig sein müssen, usw.
Aber mir liegt ein billiger Triumph fern.
Russland war noch nie eine Demokratie, es war noch nie ein Rechtsstaat, dort herrschen Oligarchen unter der Führung eines Diktators und machen sich die Taschen voll, die Russen stehen seit eh und je unter einem Trommelfeuer der Propaganda („Die Presse ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator.“ 1903), Russland verübt Cyber-Attacken und Giftgasanschläge im Ausland. Da dürfen wir von der russischen Bevölkerung nicht allzu viel Widerstand verlangen.
Die EU ist sich diesmal sogar einig, dass alle Mitgliedsstaaten ukrainische Flüchtlinge aufnehmen.
Die Friedensbewegung würde mit Russland niemals fertigwerden, im Gegenteil sie wird bisher zu einem nicht geringen Teil von dort gesteuert.
Die Russlandversteher wie Matthias Platzeck, der ehemalige SPD-Vorsitzende, liegen mit ihrer Politik grundsätzlich falsch.
Was haben Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht (beide Linke) schon für Unfug über die Russlandpolitik verzapft!
3760: Donald Trump unterstützt Wladimir Putin.
Samstag, Februar 26th, 2022Neben den vielen russischen Satrapen und Speichelleckern und speziellen Lobbyisten hat Wladimir Putin noch einen großen Unterstützer: Donald Trump. Der fand den russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine „genial“ und „sehr klug“. „Das ist die größte Friedenstruppe, die ich je gesehen habe.“ Die Nato hatte Trump als „Papiertiger“ und „obsolet“ bezeichnet. Hilfsgelder für die Ukraine hatte er blockiert. Putin hofiert. Die Trumpisten bereiten unter den Republikanern den Kurs in den Isolationismus vor (Fabian Fellmann, SZ 24.2.22)
Da bekommen wir schon einmal einen Eindruck vom nächsten US-amerikanischen Präsidentschaftwahlkampf. Egal ob der zu alte Donald Trump nochmals antritt oder ein Jüngerer, der genau so korrupt, unwissend, borniert und in seiner Politik beschränkt ist wie Trump.