Archive for the ‘Geschichte’ Category

1936: Wir werden manipulierbarer.

Mittwoch, März 21st, 2018

1. Seit Adam und Eva bedeutet reden immer überreden wollen, den Gesprächspartner zu einem bestimmten Verhalten bringen zu wollen.

2. Das finden wir hauptsächlich in allen Formen der Werbung, der Propaganda, der Wirtschaftswerbung (Reklame) und der Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit).

3. Ein Virtuose der Propaganda, der NS-Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels, sprach ihr Geheimnis aus, als er sagte, die beste Propaganda sei die, von der man nicht merke, dass sie Propaganda sei.

4. Deshalb kommt Werbung häufig im Mantel der Objektivität daher.

5. Heute ist Werbung durch die Verbindung von Big Data und sozialen Medien besonders wirkmächtig.

6. Michal Kosinski, 35, ein polnischstämmiger Psychologie-Professor in Stanford (Kalifornien), betreibt Psychometrie, die „Vermessung der Seele“, mittlerweile erfolgreich nur anhand von Daten, die ins Netz gestellt wurden.

7. Unbewusst geben diejenigen, die dort posten, eine Charakterisierung ihrer selbst.

8. Kosinskis Algorithmen können mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, ob ein Mann oder eine Frau gepostet hat. Zu 82 Prozent, ob ein Christ oder ein Muslim. Zu 85 Prozent, ob Demokrat oder Republikaner. Zu 65 Prozent, ob Single oder liiert. Zu 88 Prozent, ob ein Mann schwul, zu 65 Prozent, ob eine Frau lesbisch ist oder nicht. Usw.

9. „So werden intime psychodynamische Eigenschaften mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersehbar.“

10. Das können Marketingmanager, Werbechefs und Wahlkampfleiter nutzen.

11. Wer Menschen kennt, kann ihnen die Botschaften senden, die bei ihnen wirken werden.

12. Heute hilft nicht einmal mehr Zurückhaltung in der digitalen Kommunikation. Denn selbst wenn wir unser Handy zu Hause lassen, werden wir permanent von Kameras verfolgt und gefilmt.

13. Bald können Diktatoren aus Gesichtern lesen.

14. Die Forschung dazu könnte das individuelle Wohlbefinden, die Freiheit oder sogar das Leben bedrohen.

15. Kosinski verteidigt sich mit der Aussage, er warne nur vor diesen Phänomenen.

16. „Wenn man Leute warnt, macht man auch Böse auf etwas aufmerksam. Das ist immer so. Damit muss ich leben.“

17. Die Firma Cambridge Analytica hat nicht nur illegal 50 Millionen Facebook-Dateien verwendet. Sie filmt grundsätzlich alle Gespräche mit Kunden und potentiellen Kunden.

18. Für Cambridge Analytica suchen Agenten und Spione nach „schmutzigen Geheimnissen“.

19. Manchmal schickt Cambridge Analytica auch „ein paar Mädels zum Haus des Kandidaten“.

20. Das sind Beispiele dafür, was schon getan worden ist. So kann Einfluss auf Wahlkämpfe genommen werden (Christina Berndt, SZ 3./4.3.18; Alexander Menden, SZ 21.3.18).

1935: Der Kampf um unsere Identität

Dienstag, März 20th, 2018

Den Schock der Bundestagswahl mit

12,6 Prozent AfD

habe ich noch nicht überwunden. Ich würde es aber gut verstehen, wenn Sie keine Lust mehr hätten, an Streitereien darüber teilzunehmen. Dann lesen Sie bitte nicht weiter. Denn eines will ich partout nicht: sie langweilen! Ich stütze mich hier auf Überlegungen von Stefan Raue, der von 2011 bis 2016 Intendant des MDR war und nun Intendant von Deutschlandradio ist (taz 10./11.3.18).

1. Das Wahlergebnis ist klipp und klar: die AfD-Wähler leben mitten unter uns, sie gehören zu uns.

2. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und auch die Medien glauben immer noch, dass die Ideen von Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat sich in der ganzen Gesellschaft durchgesetzt haben.

3. Die Menschen können sich in den Massenmedien (Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, soziale Medien) gut informieren, wenn sie wollen und sich dabei Mühe geben.

4. Viele Jahrzehnte haben wir gedacht, dass die Erfolgsgeschichte Deutschlands nach 1945 und nach 1989 als Begründung unseres Gemeinwesens überzeugend und attraktiv sei.

5. Mit Thilo Sarrazin 2010 kam der große Einspruch: Wir seien fremd im eigenen Land.

6. Dadurch brachen die Dämme der politischen Mitte, die vorher noch durch Anti-Rassismus, Linksliberalität, globales Denken und christliche Werte geprägt war.

7. Ein Teil des „antitotalitären Konsenses“ und der „demokratischen Erinnerungskultur“ trat in den Hintergrund oder verschwand.

8. Angesichts dessen trat eine „therapeutisch-volkspädagogische Fraktion“ auf den Plan, die in den Wählern und Sympathisanten der AfD bemitleidenswerte Opfer der widrigen Verhältnisse im Allgemeinen und von Angela Merkel im Besonderen sah und sieht.

9. Die Anhänger der liberalen Identitätspolitik (Hautfarbe, Geschlechter, sexuelle Orientierungen etc.) gibt es in Deutschland auch. Sie werden von dem amerikanischen Politologen Mark Lilla kritisiert, der behauptet, dass durch diese Politik zentrale Politikfelder außer acht gelassen würden. Das nutzten die neuen Nationalisten.

10. Die Bequemlichkeit der Bundesbürger und ihre Verachtung der komplizierten und zähen Entscheidungsabläufe in der Politik (Politikverdrossenheit) ist vollständig unangebracht.

11. „Minderheitenschutz gibt es nur dort, wo Mehrheiten gezählt werden.“ (Christoph Möllers)

12. „In der Demokratie besteht der einzige Weg, Minderheiten zu verteidigen, darin, Wahlen zu gewinnen.“ (Mark Lilla)

13. Der Argumentationsstrom, der Rassismus, Sozialpolitik, Heimatgefühl und Partizipationsansprüche zusammenrührt, kommt von ganz rechts und ganz links und ist verhängnisvoll falsch.

14. „Die, die das Identitätsspiel spielen, sollten darauf vorbereitet sein, dass sie dieses Spiel auch verlieren können.“ (Mark Lilla)

15. Wir werden viel damit zu tun haben, die neuen Nationalisten abzuwehren und eine eigene schlüssige Vision unserer modernen Gesellschaft zu entwerfen.

1934: Unverzichtbar: links und rechts

Dienstag, März 20th, 2018

1. Seit in der französischen Nationalversammlung 1789 die Verteidiger der Monarchie rechts und ihre Gegner links saßen, kennen wir die politischen Begriffe „rechts“ und „links“.

2. Nach 1945 ging diese Unterscheidung um die ganze Welt.

3. Neuerdings gibt es Politiker und politische Beobachter, welche diesen Gegensatz für nicht mehr tauglich halten.

4. Manche sehen den Unterschied zwischen „Technokratie“ und „Populismus“.

5. Manche zwischen „autoritär“ und „antiautoritär“.

6. Andere zwischen „offen“ und „geschlossen“.

7. Im Westen ist der alte Gegensatz in der politischen Kultur verankert. Wenn den Parteien die homogenen Wählermilieus wegbrechen, bekommt der Links-Rechts-Gegensatz möglicherweise sogar wieder eine größere Bedeutung.

8. Der Begriff der Mitte verdankt sich der Annahme von links und rechts.

9. Die Grünen in Europa sortieren sich links ein, obwohl sie anfangs das bipolare Lagerdenken vermeiden wollten.

10. Links, das ist heute ein kollektiver Erinnerungsort, der gefüllt ist mit Bildern, die für Gleichheit, Freiheit, Emanzipation und Fortschritt stehen und für die Widersprüche darin.

11. Diese Widersprüche kennt die Rechte wohl nicht.

12. Nach dem Rückzug Angela Merkels muss sich die Union wieder eindeutiger positionieren. Und damit als Gegenposition auch die Linke (Torben Lütjen, Die Zeit 8.3.18).

1933: Reiche Länder: weniger Frauen studieren Mint-Fächer.

Dienstag, März 20th, 2018

Die Psychologen Gisbert Stoet und David C. Geary (Leeds Beckett University, Großbritannien) haben herausgefunden, dass je besser die Gleichstellung der Geschlechter in einem Land ist, um so niedriger ist der Prozentsatz der Frauen mit Abschlüssen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint). Mädchen und Jungen sind zwar

ähnlich gut in Naturwissenschaften,

aber in fast allen Ländern ist die größte persönliche Stärke von

Mädchen das Lesen.

Bei Jungen findet man sie viel öfter in der Mathematik oder den Naturwissenschaften (Ruth Fulterer, Die Zeit 8.3.18).

1927: Markus Söder hat einiges vor.

Freitag, März 16th, 2018

Der künftige bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war Generalsekretär seiner Partei und dreimal Minister in Bayern. Ein Erfolgsmensch. Gegenwärtig denkt er wohl hauptsächlich an die bayerischen Landtagswahlen im Oktober 2018. Im Interview mit Sebastian Beck, Olaf Przybilla und Wolfgang Wittl (SZ 16.3.18) äußert er sich zu seinen Zielen:

„Erstens: Modernisierung durch

Digitalisierung.

Der Breitbandausbau muss auf Hochtouren vorangebracht werden und beim Mobilfunk müssen wir deutlich zulegen. Zur Digitalisierung zählt aber auch die digitale Bildung in der Schule und die digitale Weiterbildung im Arbeitsleben. Zweitens: Bayern geht es super, aber es geht nicht allen super in Bayern. Es war doch absurd, dass die

Pflege

als zentrales Thema für alle Generationen im Bundestagswahlkampf nur durch Zufall diskutiert wurde. Deswegen werden wir in Bayern da deutlich aufstocken – sowohl bei den Pflegeplätzen als auch durch ein eigenes bayerisches Pflegegeld. Meine Grundphilosophie heißt Bayern plus. Im Klartext: Wenn der Bund etwas beschließt, legen wir in Bayern noch eine Schippe drauf. Und drittens: Wir wollen die

Lebensqualität gerade in den Wachstumsregionen

verbessern. Die Themen Wohnungsbau, Eigentumsbildung und morderner Verkehr spielen eine zentrale Rolle.“

1925: Totalitarismus in China

Mittwoch, März 14th, 2018

Der scheindemokratische Volkskongress hat in der Volksrepublik China beschlossen, die Amtszeit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf Lebenszeit zu verlängern. Damit kehren totalitäre Verhältnisse zurück, wie sie schon unter Mao Zedong im letzten Jahrhundert gegolten hatten. Und ein politologisches Gesetz wird außer Kraft gesetzt. Es lautet:

Je reicher ein Land, desto demokratischer seine Entwicklung.

Xi Jinping war es gelungen, unter dem Mäntelchen der Korruptionsbekämpfung seine Rivalen zu beseitigen.

Folgt nun eine Xi-Bibel, wie es früher die Mao-Bibel gab? (Josef Joffe, Die Zeit 1.3.18)

1924: Uwe Tellkamp hat das Recht auf seine falsche Meinung.

Dienstag, März 13th, 2018

Mit „Der Turm“ hatte uns Uwe Tellkamp 2008 den Roman geliefert, der es uns ermöglichte, die DDR besser zu verstehen, auch wenn nicht die ganze DDR wie Dresden war. Ein großartiger Roman. Später erfolgreich verfilmt. Uwe Tellkamp eine große literarische Hoffnung in Deutschland. Mittlerweile warten wir Leser auf die Fortsetzung, die unter dem Titel „Lava“ nach neuesten Informationen im Herbst 2019 erscheinen soll. Geht es dabei um die Zeit zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung oder greift der Roman bis in die Gegenwart aus?

Das interessiert uns nach den politischen Äußerungen Tellkamps zur deutschen Asylpolitik seit 2015 im Dresdner Kulturpalast noch mehr. Johan Schloemann (SZ 13.3.18) fasst Tellkamps Perspektive folgendermaßen zusammen:

„Die Aufnahme von Flüchtlingen war ein Rechtsbruch. Die gleichgeschaltete linke Presse gefährdet die Meiunungsfreiheit. Dagegen erfordert es Mut, die eigentlichen Wahrheiten auszusprechen. Kaum ein Flüchtling ist verfolgt, sondern nur Wirtschaftsmigrant. Thilo Sarrazin hingegen kann als Verfolgter gelten. Das Geld für Einwanderer müsste man lieber in die Rentenversicherung stecken. Der gesamte Osten wird vom Westen für braun erklärt, und der Rassismus ist in erster Linie durch solche Kränkungen erklärbar. Der Islam ist gefährlich für unser Land.“

Damit steht Uwe Tellkamp ganz nah bei den „besorgten Bürgern“, bei Pegida und AfD. Vielleicht war die DDR unter Erich Honecker doch besser für die Menschen? Und hätte sich der Suhrkamp Verlag nicht von Tellkamp distanzieren sollen? Das hatte er doch bei Peter Handke auch nicht getan, als dieser serbische Kriegsverbrecher verteidigte.

2012 hatte Uwe Tellkamp in der „Zeit“ die DDR-Bürger noch folgendermaßen charakterisiert:

„Diese Kleinkariertheit, dieses Kleinbürgertum – der Kleingarten mit der Tischdecke! Mit Eierschecke, Wunschbriefkasten und Oberhofer Bauernmarkt. Das ist doch, was die Menschen an gedanklicher Freiheit gehindert hat. Diese niedrige Gesinnung eines Kleinbürgerstaats. Die DDR war ein Kleinbürgerparadies! Der ewige Kleinbürger, der erst die Nazis wählt und der sich dann auch im nächsten Staat einrichtet. Mit portablem Fernseher, mit ’nem Bier, mit Würtstchen und Grilletta. Und dafür ist Merkel nun wirklich nicht typisch.“

1918: Präsident Duda bittet um Verzeihung.

Freitag, März 9th, 2018

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat anlässlich der Ausstellung „Fremd im Haus“ im „Museum der polnischen Juden“ für den polnischen Antisemitismus um Verzeihung gebeten. Zwar lehnte er eine Verantwortung des heutigen Polens für die Hetze 1968, vor 50 Jahren, ab, sagte aber: „Bitte verzeihen Sie, verzeihen Sie der Republik und den Polen, dem Polen von damals dafür, dass damals so ein schändlicher Akt begangen wurde.“

Im Zuge der weltweiten Studentenbewegung von 1968 hatten insbesondere Studenten für die Freiheit demonstriert. Für die Meinunsgfreiheit, die Freiheit der Kunst usw. Am 8. März 1968 demonstrierten 2.000 Studenten der Warschauer Universität. Viele wurden verhaftet, etlichen der Prozess gemacht, viele wurden von der Universität entfernt. Die Schuld gab die polnische KP dem „Zionismus“. Eine antisemitische Hetzkampagne unter Leitung des kommunistischen Innenministers Mieczyslaw Moczar brach los.

Die Parteizeitung der KP „Trinuna Ludu“: „Der Zionismus strebt im Bündnis mit Hitlers Erben auch seine eigene Rehabilitierung an, die Rehabilitierung der Judenräte, der jüdischen Ghettopolizei, der jüdischen  Gestapobrigaden, mit deren Hilfe die zionistischen Organisationen die Juden in die Krematorien führten.“

Das Muster ist stets das gleiche: die Juden sind selber Schuld an ihrer Vernichtung.

1968 lebten gerade mal noch 30.000 Juden in Polen. Ungefähr 15.000 von ihnen verließen das Land. Sie wanderten aus nach Dänemark, Schweden, in die USA und nach Israel.

Die Deutschen hatten im Krieg bis zu drei Millionen Juden in Polen in Vernichtungslagern und Ghettos ermordet. Doch auch Polen brachten nach Schätzungen des Historikers Jan Tomasz Grosz Zehntausende Juden um. Noch nach Kriegsende wurden 1.500 Juden in Polen ermordet, sagt der Historiker Keith Lowe.

KP-Chef Gomulka sagte am 19. März 1968 in einer vom Fernsehen übertragenen Rede, dass solche, deren Loyalität Israel gelte, in Polen nichts verloren hätten. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kritisiert heute die Ausstellung im „Museum der polnischen Juden“. Die antisemitischen Kundgebungen von 1968 seien „von der kommunistischen Macht vorbereitet“ worden. „Das war eine fremde Macht, die Vertreterin einer fremden Großmacht war.“ (Florian Hassel, SZ 9.3.18)

1910: Schweiz sagt ja zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Montag, März 5th, 2018

Die Schweizer wollen ihren öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Rundfunk behalten. Mit 71,6 Prozent haben sie dafür gestimmt. Die Regierung war auch dafür. Nun kann die Schweizerische Rundfunkgesellschaft (SRG) mit der Verbesserung ihrer Programme beginnen.

Die schweizerische Rundfunkentscheidung erleichtert die Rundfunkpolitik in Deutschland in Bezug auf ARD und ZDF. Die müssen ihre Reformen fortsetzen (Rückbau der Pensionszahlungen etwa) und können der

Fels in der Brandung des Weltinformationsmarkts

bleiben.

Am schweizerischen Ergebnis zeigt sich auch deutlich, dass die falschen Vorhaben unserer Rechtspopulisten und Rechtsextremisten beim Rundfunk und anderswo in der Regel keine Chance auf Durchsetzung haben. Sehr gut!

1908: Antisemitismus heute

Freitag, März 2nd, 2018

Samuel Salzborn, geb. 1977, ist Politikwissenschaftler und Antisemitismusforscher. Sein letztes Buch hat den Titel „Angriff der Antidemokraten – Die völkische Rebellion der Neuen Rechten“. Er ist Gastprofessor an der TU Berlin. In einem Interview mit Alex Rühle (SZ 2.3.18) beschreibt er den gegenwärtigen Antisemitismus.

Über den Antisemitismus der AfD:

„Man findet offen antisemitische Äußerungen auf allen Ebenen der Partei. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon, der sich immer wieder antisemitisch geäußert hat, wurde nicht ausgeschlossen. Es gibt auch keine Kritik an antisemitischen Äußerungen. Dazu kommen der Geschichtsrevisionismus von Björn Höcke und Alexander Gaulands extrem verharmlosende Äußerungen über die Wehrmacht, die ja immerhin den antisemitischen Vernichtungskrieg geführt hat. Das alles wird in der Partei toleriert. Jede förmlich Distanzierung der AfD vom Antisemitismus ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht, weil sie in eklatantem Widerspruch zur Praxis der Partei steht.“

Über den Kern des Antisemitismus:

„Antisemiten vertreten ihre antisemitischen Vorstellungen nicht neben anderen Vorstellungen, denen man mit Argumenten noch beikommen könnte. Der Antisemitismus hat in der Moderne für viele Menschen die Funktion, scheinbar die gesamte Welt zu erklären. Er wird nicht geglaubt, obwohl, sondern weil er falsch ist. Er liefert ein allumfassendes Erklärungssystem, mit dem die unübersichtliche, fragmentierte Welt sortier- und erklärbar scheint, gerade auch in ihren Widersprüchlichkeiten.“