Archive for the ‘Geschichte’ Category

2657: Gabriele Tergit „Effingers“ (1951)

Dienstag, Dezember 24th, 2019

Die Schriftstellerin und Essayistin Thea Dorn, die auch zum Team des „Literarischen Quartetts“ gehört, empfindet es als einen Skandal, dass Gabriele Tergits „Effingers“ (1951, Neuauflage 2019) nicht längst Teil des Kanons der deutschen Literatur ist.

„Gabriele Tergit erzählt in ‚Effingers‘ die Geschichte zweier jüdischer Familien vom Kaiserreich bis zum Holocaust. Dabei gelingt der Autorin ein doppeltes Wunder: Sie verbindet den langen Erzählatem eines Honoré de Balzac mit dem Tempo der Gerichtsreprterin aus der Weimarer Zeit; und ihr Blick auf Deutschland – Tergit selbst floh vor den Nationalsozialisten ins Exil, in dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1982 blieb – ist so schonungslos entlarvend wie liebevoll erinnernd. Ein bestürzendes Leseglück sondergleichen.“ (SZ 20.12.19)

2649: Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) sind nicht dasselbe.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter sind nicht dasselbe. Zwar verwenden sie weithin gleiche Arbeitstechniken und streben mit ihren Produkten in die Öffentlichkeit. Während aber Journalisten im

Auftrag der gesamten Öffentlichkeit

arbeiten, agieren Öffentlichkeitsarbeiter im

Auftrag eines einzelnen Auftraggebers,

ihre Tätigkeit ist eine Form der Werbung (andere Werbeformen sind Propaganda und Wirtschaftswerbung/Reklame). Damit widersprechen sich die Tätigkeiten von Journalisten und Öffentlichkeitsarbeitern. Die einen sollen aufklären, die anderen von ihrem Auftraggeber ein möglichst positives Bild (Image) zeichnen.

Wenn es nach wie vor so ist, dass der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), eine Journalistengewerkschaft, auch „Pressesprecher“ aufnimmt, obwohl diese glasklar Öffentlichkeitsarbeit betreiben, dann können wir uns das damit erklären, dass der DJV nach vielen Mitgliedern (nach Macht) strebt. Verständlich, aber von der Sache her nicht geboten.

Auftrag der Presse (laut Pressegesetzen): Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie im öffentlichen Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder sich auf andere Weise an der Meinungsbildung beteiligt.

Auftrag des Rundfunks (nach Rundfunkgesetzen und Staatsverträgen): Information, Bildung, Beratung, Unterhaltung.

2648: ZDF lädt Björn Höcke (AfD) aus.

Donnerstag, Dezember 19th, 2019

ZDF-Chefredakteur Peter Frey will Björn Höcke (AfD) nicht mehr als Gast in Talkshows seines Senders sehen. Wer bei der Landtagswahl im Oktober 2019 Höcke (AfD) gewählt habe, habe „bewusst rechtsextrem“ gewählt. „Wir Medien haben niemanden zu erziehen. Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.“ Im September hatte Frey sich bereits dafür gerechtfertigt, dass der Sender ein Interview mit Björn Höcke nicht beendet hatte. Ein deutsches Gericht hat es für zulässig erklärt, Höcke als „Faschisten“ zu bezeichnen (dpa, SZ 18.12.19).

2646: Sigmund Freuds politischer Konservatismus

Mittwoch, Dezember 18th, 2019

Anlässlich des 90. Jahrestags des Erscheinens von Sigmund Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“ (1929) 2019 interpretiert Micha Brumlik (Die Zeit 5.12.19) den Essay, von dem mir Menschen gesagt haben, die weit mehr als ich von der Psychoanalyse verstehen, er sei wohl eine der wichtigsten Schriften des umfangreichen Freud-Werks. Ich referiere hier nur Zitate, die ich bei Brumlik gefunden habe.

„Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zu viele Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren.“

„Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.“

„Die Menschen haben es jetzt in der Beherrschung der Naturkräfte so weit gebracht, dass sie es mit deren Hilfe leicht haben, einander bis auf den letzten Mann auszurotten.“

„Die Absicht, dass der Mensch glücklich“ werde, ist im „Plan der ‚Schöpfung‘ nicht enthalten.“

„Keine andere Technik der Lebensführung bindet den einzelnen so stark als die Betonung der Arbeit, die ihn wenigstens in ein Stück der Realität, in die menschliche Gemeinschaft sicher einführt.“

„Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt.“

Jede Kulturentwicklung ist das Produkt eines ewigen Kampfes „zwischen Eros und Tod, Lebens- und Destruktionstrieb“.

„Man fragt sich (…) besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.“

„Das Über-Ich einer Kulturepoche hat einen ähnlichen Ursprung wie das des Einzelmenschen, es ruht auf dem Eindruck, den große Führerpersönlichkeiten haben, Menschen von überwältigender Geisteskraft oder solche, in denen eine der menschlichen Strebungen die stärkste, reinste, darum oft auch einseitigste Ausbildung gefunden hat.“

Einverstanden ?

2645: In der Oberlausitz fehlen Frauen.

Montag, Dezember 16th, 2019

Es ist ja seit langem kein Geheimnis mehr, dass in Ostdeutschland Frauen fehlen. Gerade im Alter zwischen 25 und 40. Sie werden mit einem unschönen Begriff als „heiratsfähig“ bezeichnet. Sie haben im Durchschnitt die bessere Schulbildung als Männer, und viele von ihnen sind seit Jahren im Westen angesiedelt. Besonders davon betroffen ist der Südost-Zipfel Deutschlands, die Oberlausitz rund um Görlitz. Ich hatte noch zu DDR-Zeiten ein paar mal Gelegenheit, sie kennenzulernen. Diese reizende Gegend ist kein Grund, dort wegzugehen.

Die Abwanderung erfährt ihre zweite Welle. Denn die Schulbildung der Ostdeutschen kann mit der der Westdeutschen locker mithalten. Viele von ihnen wollen einfach raus in die Welt. Christine Keilholz schreibt: „Sie wandern von Zittau nach Leipzig, von Leipzig nach Berlin, von Berlin nach New York. Immer dahin, wo es besser ist als da, wo sie gerade sind. Das ist normal. Es ist ein Zeichen der Zeit.“ (FAS 15.12.19)

Aber es ist für die Gegenden, aus denen man wegzieht, nicht ohne negative Folgen: Ärztemangel, Lehrermangel und – eben – Frauenmangel. Und der hat eine größere Bedeutung als nur das Fehlen von Arbeitskräften und „heiratsfähigen“ Frauen. Er ist in der Regel verbunden mit einer politischen Radikalisierung. In der Oberlausitz gewann die AfD bei den Landtagswahlen im September 30 Prozent und holte fast alle Direktmandate. „In einem Land, in dem sich die Mehrheit der jungen Menschen danach sehnt, zu gehen, fühlt man sich wie ein Verlierer, allein durch die Tatsache, dass man geblieben ist, egal wie gut man es macht.“ (Ivan Krastev)

2644: Linke wirbt für Rot-Rot-Grün

Montag, Dezember 16th, 2019

Das neue Führungs-Duo der Linken, Dietmar Bartsch und Amira Mohammed Ali, wirbt für einen Politikwechsel in Berlin und für ein Mitte-Links-Bündnis. Die SPD wird von ihnen scharf kritisiert. Dass die Partei nach links rücke, sei bisher nur eine Ankündigung. Die habe man schon von Martin Schulz gehört (SZ 16.12.19).

Was ein rot-rot-grünes Bündnis bringen würde, liegt auf der Hand: es wäre antiwestlich, gegen Bundeswehr und Nato, gegen die EU, für ein Bündnis mit Russland.

Finger weg!

2641: Was bringt ein Doktortitel ?

Samstag, Dezember 14th, 2019

1. 2017 sind in Deutschland 28.000 Menschen promoviert worden.

2. Viele nehmen an, dass ein Doktortitel an Glanz und Exklusivität verloren hat.

3. Das Promotionsverfahren ist an vielen Universitäten merkwürdig unklar. So konnten Ursula von der Leyen (CDU) und Franziska Giffey (SPD) ihre fehlerhaften Arbeiten taktisch über die Runden bringen („retten“). Oder müssen wir vom Versagen von Doktorvätern und -müttern sprechen?

4. Nach Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover hat der Doktortitel auf dem Arbeitsmarkt nicht an Bedeutung verloren.

5. Ein Jahr nach ihrer Promotion verdienen Doktoren im Durchschnitt 4.500 Euro brutto im Monat. 1.000 mehr als der durchschnittlich Erwerbstätige.

6. Promovierte steigen in der Regel mit einem höheren Gehalt ein und haben bessere Perspektiven.

7. Zehn Jahre nach der Promotion haben es 57 Prozent der Doktoren in eine Führungsposition geschafft.

8. Doktoren gelten als leistungsbereit und durchhaltefähig. Bewerben sich mehrere gleich qualifizierte Kandidaten um eine Stelle, wird regelmäßig einer aus dem Kreis der Doktoren ausgewählt.

9. Geisteswissenschaftler verdienen im Schnitt weniger als andere Promovierte, weil es in Archiven und Museen weniger Leitungspositionen gibt als in Banken und Unternehmen. Dass Doktoren bevorzugt Taxi fahren, ist nur ein Klischee.

10. Es gibt kein Fach, in dem eine Promotion schädlich wäre, aber es gibt Fächer, in denen sie weniger nützlich ist.

11. Den DZHW-Zahlen zufolge ist für 86 Prozent der Promovierenden die Forschung an einem interessanten Thema zunächst der wichtigste Antrieb.

12. Doktoren promovieren nicht der Karriere wegen, und tun es am Ende doch (Bernd Kramer, SZ 19.11.19).

2638: Teilerfolg im Streit um Kanzlermemoiren

Donnerstag, Dezember 12th, 2019

Maike Kohl-Richter, die Witwe von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), hat im Streit mit dem Ghostwriter Heribert Schwan vor Gericht einen Teilerfolg erzielt. Der Autor darf zahlreiche weitere Textpassagen aus seinem 2014 erschienene Buch „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ nicht mehr verbreiten. Das entschied das Kölner Landgericht. Nach Auffassung des Gerichts ging der 2017 verstorbene Helmut Kohl davon aus, dass Schwan seine Äußerungen vertraulich behandeln würde. In einem früheren Urteil hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln bereits in zweiter Instanz das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und „eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextfälschungen“ kritisiert (dpa, SZ 12.12.19).

2636: Bundeswehr und Gesellschaft

Sonntag, Dezember 8th, 2019

Der in Jena lehrende und forschende Historiker Prof. Dr. Norbert Frei befasst sich mit dem  Verhältnis von Bundeswehr und Gesellschaft (SZ 6.12.19). Er zeigt Verständnis dafür, dass sich auf Grund unserer jüngeren Vergangenheit beide am liebsten aus dem Weg gehen.

Weiter schreibt er: „Die faktische Abschaffung der Wehrpflicht war aus vielerlei Gründen ein Fehler: nicht nur, weil die Streitkräfte seitdem auf einem demografisch engen Markt nach Personal suchen müssen, sondern auch weil damit ein gleichsam automatisch wirksames Integrationsangebot an junge Menschen aus sozial weniger begünstigten Verhältnissen entfallen ist; vor allem aber, weil unter denen, die nun zur Bundeswehr streben, mehr von jener stramm rechten Gesinnung sein dürften, die in einer demokratischen Armee nichts zu suchen hat. Der ominöse Fall des 2017 festgenommenen Oberleutnants Franco A., gegen den es laut BGH-Beschluss jetzt doch noch zum Prozess wegen Terrorverdachts kommt, bleibt ein Alarmzeichen.“

2634: NATO: dringend erforderlich, aber in schlechtem Zustand

Mittwoch, Dezember 4th, 2019

Wie Stefan Kornelius (SZ 4.12.19) treffend schreibt, mangelt es der NATO an ihrem siebzigsten Geburtstag an Führung, Gemeinsinn und Vision. Dabei ist sie genau so erforderlich wie bisher.

1. Dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump ist nicht klar, dass die USA ohne die NATO ein anderer Typus von Großmacht wären und die NATO brauchen. Wie aus anderen Gründen Deutschland auch. Ohne die NATO keine Sicherheit.

2. Der türkische Präsident Recep Tayip Erdogan missbraucht die NATO derzeit in Syrien. Er bekommt demnächst eine russische Luftabwehr und kann dann von Moskau aus kontrolliert werden.

3. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will vielleicht das Richtige, nämlich eine stärkere europäische Komponente der NATO. Dazu trägt seine These vom „Hirntod“ nicht bei. Seine neue Russland-Politik ist unausgegoren. Macron übt sich wohl in Gaullismus.

4. Die große Herausforderung für die NATO ist China.

5. Die europäische Sicherheit ist aber auch in der Sahelzone, der Arktis und im Cyberspace zu gewährleisten.

Unsere Linken und Grünen wissen oder wollen das nicht, und die Grünen trauen sich nicht, es zu sagen. Ihre geschickte taktische Führung gibt den Biedermann. Die Linken waren schon in Prag 1968 und in Kabul 1979 dabei. Heute rechtfertigen sie die russische Annektion der Krim 2014.