Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

1927: Markus Söder hat einiges vor.

Freitag, März 16th, 2018

Der künftige bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war Generalsekretär seiner Partei und dreimal Minister in Bayern. Ein Erfolgsmensch. Gegenwärtig denkt er wohl hauptsächlich an die bayerischen Landtagswahlen im Oktober 2018. Im Interview mit Sebastian Beck, Olaf Przybilla und Wolfgang Wittl (SZ 16.3.18) äußert er sich zu seinen Zielen:

„Erstens: Modernisierung durch

Digitalisierung.

Der Breitbandausbau muss auf Hochtouren vorangebracht werden und beim Mobilfunk müssen wir deutlich zulegen. Zur Digitalisierung zählt aber auch die digitale Bildung in der Schule und die digitale Weiterbildung im Arbeitsleben. Zweitens: Bayern geht es super, aber es geht nicht allen super in Bayern. Es war doch absurd, dass die

Pflege

als zentrales Thema für alle Generationen im Bundestagswahlkampf nur durch Zufall diskutiert wurde. Deswegen werden wir in Bayern da deutlich aufstocken – sowohl bei den Pflegeplätzen als auch durch ein eigenes bayerisches Pflegegeld. Meine Grundphilosophie heißt Bayern plus. Im Klartext: Wenn der Bund etwas beschließt, legen wir in Bayern noch eine Schippe drauf. Und drittens: Wir wollen die

Lebensqualität gerade in den Wachstumsregionen

verbessern. Die Themen Wohnungsbau, Eigentumsbildung und morderner Verkehr spielen eine zentrale Rolle.“

1926: Pressefreiheit unter Druck

Donnerstag, März 15th, 2018

Es hört sich reichlich banal an, wenn wir immer wieder sagen müssen, die Pressefreiheit sei unter Druck. Aber sie ist einer der wichtigsten Indikatoren für Demokratie. Ist die Pressefreiheit erst einmal futsch, folgen bald die anderen Menschenrechte.

Die Angriffe auf die Pressefreiheit werden nicht zuletzt von den Extremisten von rechts und links unter den Schlagwörtern

Lügen-Presse,

System-Medien,

Mainstream-Medien

und in den sozialen Medien geführt, die von ihrer Struktur her zur Fälschung (Propaganda, Public Relations, Werbung) tendieren.

Manchmal sind Angreifer darunter, welche die Medien noch nicht einmal gut genug kennen. Nicolas Richter schreibt dazu in der SZ (15.3.18):

„Gleichwohl muss sich der Journalismus wappnen gegen neue populistische Angriffe auf seine Glaubwürdigkeit. Er muss sein Handwerk pflegen wie nie: objektiv, fair und differenziert berichten, seine Methoden erklären, seine Fehler korrigieren. Dem Fake-News-Vorwurf muss die Presse ein Great-News-Gebot entgegensetzen: Die gute, ja beste Nachricht ist nicht die, die irgendwem in den Kram passt, sondern diejenige, die stimmt.

Für diese Arbeit ist Freiheit notwendig, auch Angstfreiheit. Ist diese Freiheit bedroht, müssen Volk, Staat und EU sie verteidigen. Wie in der US-Verfassung vorhergesehen, bleibt die Pressefreiheit ein Maß dafür, ob eine Gesellschaft frei ist. Ein Land, in dem Journalisten Angst haben oder sterben, ist kein freies Land.“

1925: Totalitarismus in China

Mittwoch, März 14th, 2018

Der scheindemokratische Volkskongress hat in der Volksrepublik China beschlossen, die Amtszeit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf Lebenszeit zu verlängern. Damit kehren totalitäre Verhältnisse zurück, wie sie schon unter Mao Zedong im letzten Jahrhundert gegolten hatten. Und ein politologisches Gesetz wird außer Kraft gesetzt. Es lautet:

Je reicher ein Land, desto demokratischer seine Entwicklung.

Xi Jinping war es gelungen, unter dem Mäntelchen der Korruptionsbekämpfung seine Rivalen zu beseitigen.

Folgt nun eine Xi-Bibel, wie es früher die Mao-Bibel gab? (Josef Joffe, Die Zeit 1.3.18)

1923: Grüne für „kritisch-konstruktive Opposition“

Dienstag, März 13th, 2018

Bei einer Jamaika-Koalition hätten die Grünen in der Regierung sitzen können. Dann wären unsere ökologischen Belange am besten vertreten gewesen. Daraus ist nichts geworden. Nun kündigen die Grünen eine „kritisch-konstruktive Opposition“ an. Das hat die neue Vorsitzende Annalena Baerbock alleine getan. Es spricht für das gegenseitige Vertrauen in der neuen Grünen-Führung. „Aus meiner Sicht hat die Koalition eine 100-Tage-Bewährungsfrist verdient.“ Das sind neue Töne. Mir gefallen sie. Fairness wird angestrebt, denkbar ist auch, einmal der Regierung bei einem Erfolg zu gratulieren. „Bewährung bedeutet für uns auch: Man leistet intensive Unterstützungshilfe für diejenigen, die es selber nicht aus dem Quark geschafft haben.“

Dabei werden die inhaltlichen Defizite der neuen großen Koalition durchaus klar benannt:

1. natürlich Klimapolitik,

2. Digitalisierung.

„Ein Bekenntnis allein zu Breitbandausbau führt nicht dazu, dass man in den ländlichen Regionen auch Dinge aus dem Internet herunterladen kann oder das Netz funktioniert.“ Baerbock weiß, wovon sie spricht, sie kommt aus dem ländlichen Brandenburg. Tatsächlich müsse die Finanzierung der Digitalisierun deutlich verbessert werden. Etwa durch den Verkauf staatlicher Telekom-Anteile.

Die Grünen wollen ihre soziale Kompetenz stärker profilieren. Baerbock kündigt einen Fokus auf soziale Gerechtigkeit an. Der Kinderzuschlag für bedürftige Familien soll direkt ausgezahlt werden, damit mehr Familien davon profitieren. Das Kindergeld soll nicht länger auf Hartz IV angerechnet werden. Kitas und Schulen müssten viel besser ausgestattet werden. „Integration fällt nicht vom Himmel. Sie muss ausfinanziert und vor Ort gelebt werden.“ Es ist noch nicht lange her, da wäre bei derlei Tönen bei den Grünen ein Aufstand losgebrochen (Constanze von Bullion, SZ 13.3.18).

1922: Thinktank von Jugendlichen für Digitalisierung

Montag, März 12th, 2018

Auf den Vorschlag von Thomas Vitzthum (Die Welt 10.3.18): „Stellen Sie doch ein paar Mitarbeiter im Teenageralter an.“ erklärt die neue Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU):

„Ich selbst bin doch noch nicht einmal 40! Wenn wir nun Teenager anstellen, sind die viel zu schnell in diesen starren Strukturen drin. Ich stelle mir aber vor, dass wir einen externen Thinktank von Jugendlichen aufbauen, der uns berät und nicht in die Mühlen der Bürokratie eingebunden ist. Jugendliche sehen in der Digitalisierung das Kommende tatsächlich oft früher als Erwachsene.“

1921: Kardinal Karl Lehmann gestorben

Montag, März 12th, 2018

„Die katholische Kirche verliert in Kardinal Karl Lehmann einen ihrer Intellektuellen, einen, der sich ein Leben lang dafür einsetzte, dass die katholische Kirche im Dialog mit der Gesellschaft blieb, mit der Politik, der Kultur, der Wissenschaft – und im Dialog mit den evangelischen Geschwistern im Glauben; ohne Lehmann wäre die Ökumene längst nicht so weit, wie sie heute ist. Als Theologe, in den 33 als Bischof und den 20 Jahren als Bischofskonferenzvorsitzender hat er dafür gearbeitet, die Grenzen dieser katholischen Kirche zu weiten, ohne sie zu durchbrechen; hat sich von den Vorwärtsdrängenden belächeln lassen und von den Konservativen beschimpfen, die in der ‚Lehmann-Kirche‘ den Ausverkauf des rechten Glaubens an den Zeitgeist witterten. Er hat vieles vorausgedacht, was unter Papst Franziskus geschieht; er hat dafür die Konflikte mit der Kirchenspitze in Rom in Kauf genommen und auch manche Demütigung ertragen in der Beharrlichkeit desjenigen, der überzeugt ist, dass die Argumente auf seiner Seite sind.

2013 gehörte Lehmann noch einmal zu den Papstwählern – es heißt, dass er sehr dazu beigetragen hat, dass Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires Papst Franziskus wurde. Am Abend jenes 13. März jedenfalls traf man in Rom einen glücklichen Kardinal Lehmann; erkennbar glücklich war er auch drei Jahre später, als er die Luther-Medaille entgegennahm, die höchste Auszeichnung, die die evangelische Kirche zu vergeben hat.“ (Matthias Drobinski, SZ 12.3.18)

1920: Grundeinkommen lockt Zuwanderer an.

Montag, März 12th, 2018

Am 1.11.17 unter Nummer 1735 war hier mit den Argumenten von Christoph Butterwegge bereits erläutert worden, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen viel zu teuer und unsozial ist und dem Kapital nützt. Nun schiebt der künftige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)  noch ein Argument nach: ein Grundeinkommen locke Zuwanderer an. Da brauche es scharfe Kontrollen an den Grenzen (FAS 11.3.18).

1919: Groko-Minister

Montag, März 12th, 2018

Die Ministerriege für die große Koalition steht. Sie kann nicht besser sein als die große Koalition selbst. Die Grünen fehlen noch für vier Jahre in der Regierung. Diese Woche wird die Bundesregierung vereidigt. Sie hat es verdient, dass wir ihr für die kommenden großen Aufgaben erst einmal die Daumen drücken. Anderswo ist das Wahlergebnis noch schlimmer als in Deutschland. Matthias Rüb fasst das in der FAS (11.3.18) in dem Satz zusammen:

„Wäre Italien Deutschland, würde Wagenknecht jetzt Kanzlerin und Gauland Vize werden.“

Das wäre dann die Zeit zum Auswandern.

1918: Präsident Duda bittet um Verzeihung.

Freitag, März 9th, 2018

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat anlässlich der Ausstellung „Fremd im Haus“ im „Museum der polnischen Juden“ für den polnischen Antisemitismus um Verzeihung gebeten. Zwar lehnte er eine Verantwortung des heutigen Polens für die Hetze 1968, vor 50 Jahren, ab, sagte aber: „Bitte verzeihen Sie, verzeihen Sie der Republik und den Polen, dem Polen von damals dafür, dass damals so ein schändlicher Akt begangen wurde.“

Im Zuge der weltweiten Studentenbewegung von 1968 hatten insbesondere Studenten für die Freiheit demonstriert. Für die Meinunsgfreiheit, die Freiheit der Kunst usw. Am 8. März 1968 demonstrierten 2.000 Studenten der Warschauer Universität. Viele wurden verhaftet, etlichen der Prozess gemacht, viele wurden von der Universität entfernt. Die Schuld gab die polnische KP dem „Zionismus“. Eine antisemitische Hetzkampagne unter Leitung des kommunistischen Innenministers Mieczyslaw Moczar brach los.

Die Parteizeitung der KP „Trinuna Ludu“: „Der Zionismus strebt im Bündnis mit Hitlers Erben auch seine eigene Rehabilitierung an, die Rehabilitierung der Judenräte, der jüdischen Ghettopolizei, der jüdischen  Gestapobrigaden, mit deren Hilfe die zionistischen Organisationen die Juden in die Krematorien führten.“

Das Muster ist stets das gleiche: die Juden sind selber Schuld an ihrer Vernichtung.

1968 lebten gerade mal noch 30.000 Juden in Polen. Ungefähr 15.000 von ihnen verließen das Land. Sie wanderten aus nach Dänemark, Schweden, in die USA und nach Israel.

Die Deutschen hatten im Krieg bis zu drei Millionen Juden in Polen in Vernichtungslagern und Ghettos ermordet. Doch auch Polen brachten nach Schätzungen des Historikers Jan Tomasz Grosz Zehntausende Juden um. Noch nach Kriegsende wurden 1.500 Juden in Polen ermordet, sagt der Historiker Keith Lowe.

KP-Chef Gomulka sagte am 19. März 1968 in einer vom Fernsehen übertragenen Rede, dass solche, deren Loyalität Israel gelte, in Polen nichts verloren hätten. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kritisiert heute die Ausstellung im „Museum der polnischen Juden“. Die antisemitischen Kundgebungen von 1968 seien „von der kommunistischen Macht vorbereitet“ worden. „Das war eine fremde Macht, die Vertreterin einer fremden Großmacht war.“ (Florian Hassel, SZ 9.3.18)

1915: Robert Habeck (Grüne) überzeugt.

Mittwoch, März 7th, 2018

Robert Habeck, der neue Chef der Grünen, spricht in einem Interview mit Constanze von Bullion und Stefan Braun (SZ 7.3.18) über wichtige Punkte.

Große Koalition:

„Als Bürger dieses Landes bin ich ehrlicherweise erst mal froh, dass wir eine Regierung haben, gerade mit Blick auf die weltpolitische Situation. Schauen Sie auf die Kriege, schauen Sie auf die drohenden Handelskriege – Deutschland muss seine Verantwortung jetzt wahrnehmen.“

Steuern:

„Und eine Steuer auf Maschinen ist immer auch eine Steuer auf Fortschritt und bremst ihn. Da haben wir ehrlicherweise noch keine endgültige Antwort.“

Das Netz:

„Wenn ich mir anschaue, was bei Twitter und Facebook los ist: Das sind sprachliche Verrohungen, die nicht anschlussfähig sind an die politische Kultur, wie wir sie kennen. Es geht darum, diesen rechtsextremen Rand, den es vermutlich immer geben wird, nicht größer werden zu lassen.“

Politisierung:

„Aber damit wir nicht in Verhältnisse wie in Österreich, Ungarn und Polen abrutschen, müssen wir doch das linke und liberal-progressive Spektrum politisieren, begeistern und für Zusammenhalt sorgen.“

Freiheit:

„Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit. Ich bin der Auffassung, der Bund sollte genau prüfen, ob die AfD vom Verfassungsschutz überwacht werden muss. Die Grenze, an der die Grundfeste des Staates in Frage gestellt wird, ist an vielen Stellen überschritten. Jede sprachliche Entgleisung muss klar zurückgewiesen werden. Trotzdem ist die Aufgabe der Demokraten größer. Sie müssen den Teil der Gesellschaft halten, der aus Frustration droht, aus der demokratischen Mitte herauszutreten.“

Heimat:

„Heimat hat immer dann Renaissance, wenn das Heimweh am größten ist und wir Halt suchen. Es ist ein Versprechen eher als ein Ort. Und jeder versteht darunter etwas anderes. Heimat wird individurell aufgeladen mit Erinnerung an Kindheit, Landschaft, Liebe. Und hier öffnet sich ein Raum für linke Interpretationen.“

Ich verbinde mit Habeck zwei Hoffnungen:

1. Er möge nicht zum Opfer seines positiven Images werden.

2. Die grüne Basis, die stets etwas begriffsstutzig ist, möge ihm folgen.