Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2175: Der Begriff der geteilten Wirklichkeit wird zerstört.

Samstag, Oktober 27th, 2018

Donald Trump prahlt, er täuscht, er manipuliert und er diffamiert. Das unterscheidet ihn noch nicht von anderen Politikern. Es verbindet ihn mit anderen Autokraten. Damit sollen einmal andere Menschen getroffen werden, Konkurrenten. Damit soll aber auch der Begriff der geteilten Wirklichkeit zerstört werden. Das zielt hauptsächlich auf den freien Journalismus. Denn zu seinen Aufgaben zählt es,

„Wahrheit von Lüge, Wissen von Vermuten, Information von Verschwörungstheorie zu unterscheiden. Das mag nicht immer perfekt gelingen. Es mag immer wieder Fehler, Irrtümer und menschliches Versagen geben. Aber zweifellos gehören die Recherche, das Suchen nach Quellen, nach Belegen, nach Gründen für eine Aussage oder ein Argument zu jenen Aspekten journalistischer Arbeit, die alle Autokraten besonders verachten, denn darin geht es um Wirklichkeit jenseits ihrer radikalen Subjektivität“.

Für Donald Trump gehören neben den Journalisten und den Medien auch Geheimdienste, das FBI, Richterinnen und Richter zu den potentiellen Feinden, denn sie alle repräsentieren ein demokratisches Gemeinwesen, das allen gehört. Damit fördert er eine Unkultur, in der Briefbomben legitim erscheinen (Carolin Emcke, SZ 27./28.10.18).

 

2174: SPD muss in Berlin notgedrungen weiterregieren.

Samstag, Oktober 27th, 2018

Constanze von Bullion schreibt in der SZ vom 27./28.10.18:

„Egal, wie die Wahl in Hessen ausgeht, in Berlin muss die SPD weiterregieren, notgedrungen. Ein Regierungsbruch und damit ein Ende der Regentschaft von Angela Merkel würden der Partei zwar für einen Moment die Genugtuung verschaffen, nicht alles mit sich machen zu lassen. Gelöst aber wäre damit kein einziges ihrer Probleme. Denn es sind nicht die Kompromisse mit der zänkischen Union, die die SPD kaputtmachen. Es ist die Mittelmäßigkeit ihrer eigenen Hauptdarsteller, das Fehlen von Leidenschaft und Unbequemlichkeit, das die SPD auszehrt wie die Schwindsucht. Es fehlt an ureigenen Anliegen, am Mut zur offenen Kontroverse, etwa beim Streitthema Migration, das in der SPD nicht angepackt, sondern ängstlich weggeschwiemelt wird.“

2172: Linke: zum Regieren nicht geeignet.

Freitag, Oktober 26th, 2018

Die Bundesregierung hat im ganzen letzten Jahr ein schlechtes Bild abgegeben. Zwar war ihre Arbeit im Einzelnen gar nicht so übel (etwa gemeinsames Tragen der Sozialbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer), aber der bayerische Komödienstadel des Horst Seehofer (CSU) hat die Bundesregierung und die CDU/CSU und die SPD geschwächt. Die SPD machte ja bei allem mit. Das in einer Zeit, wo die parlamentarische Demokratie und ihre Volksparteien durch Rechtspopulisten und Rechtsextremisten ohnehin stark unter Druck geraten sind. Bei den Wahlen gab’s die Quittung. Der Wähler ist eben doch nicht nur dumm. Wahrscheinlich ist letztlich die starke Ausdifferenzierung der postindustriellen Gesellschaft dafür verantwortlich, dass die Volksparteien verschwinden.

Da liegt es nahe, an andere Regierungszusammensetzungen als eine große Koalition zu denken. Vollkommen legitim. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass etwa eine grün-rot-rote Koalition untauglich ist. Denn die Linken sind nicht regierungsfähig. Es handelt sich bei ihnen um Kommunisten oder um Ex-Kommunisten, die noch nicht genug gelernt haben. Heute verteidigen sie die völkerrechtswidrige Annektion der Krim wie sie früher andere kommunistische Übergriffe befürwortet haben:

– die Niederschlagung des Volksaufstands in der DDR am 17. Juni 1953,

– die Niederwerfung des ungarischen Volksaufstands und der polnischen Demokratiebewegung 1956,

– die militärische Beendigung des Prager Frühlings 1968,

– den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979/80.

Für sie ist Michail Gorbatschow ein Verräter, sie hassen ihn. Die Linken lehnen die NATO ab und stehen nicht voll auf dem Boden der sozialen Marktwirtschaft. Sie sind noch nicht so weit. Jedenfalls nicht zum Regieren im Bund. Ganz anders als die Grünen, die sich von ihren kommunistischen (K-Gruppen) und nationalsozialistischen Wurzeln (etwa Baldur Springmann) emanzipiert haben. Sie stehen nicht nur für eine umfassende Ökologie, sondern auch für Menschenrechte, für Europa, für eine solide Friedenspolitik, usw.

2163: Bayerische Grenzpolizei verfassungswidrig

Montag, Oktober 22nd, 2018

Ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz bayerischer Landespolizisten bei Grenzkontrollen zwischen Bayern und Österreich verfassungswidrig ist. „Der bayerische Grenzschutz verstößt nach seiner Konzeption im bayerischen Recht gegen das Grundgesetz“, schrieb die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt am Sonntag an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Die Zusammenarbeit der Bundespolizei mit diesem unter Verstoß gegen die Verfassung konstruierten bayerischen Grenzschutz müsse „eingestellt werden“ (SZ 22.10.18).

2159: Waigel kritisiert CSU scharf.

Freitag, Oktober 19th, 2018

Der Ehrenvorsitzende der CSU, Theo Waigel, hat seine Partei nach der Bayernwahl scharf kritisiert. In einem Gastbeitrag für die SZ (19.10.18) rät er zu personellen und strategischen Konsequenzen. Indirekt gibt er zu erkennen, dass er einen Rücktritt von Horst Seehofer erwartet. Die Konfontation mit Kanzlerin Merkel und die „Wiederbelebung“ der Flüchtlingsdebatte hätten viele Menschen abgestoßen. Für einen schweren Fehler hält Waigel die „konservative Revolution“ von CSU-Landesgruppenchef Aleander Dobrindt. Insgesamt habe die CSU an Integrationskraft eingebüßt.

2158: Hessen-Wahlumfrage 18.10.18

Freitag, Oktober 19th, 2018

CDU 26 Prozent, Grüne 22, SPD 20, AfD 12, FDP 8, Linke 8 (SZ 19.10.18)

2154: Putins Strategie

Samstag, Oktober 13th, 2018

Unter Bezug auf Timothy Snyders Buch „Der Weg in die Unfreiheit“  kommt Thomas Schmidt in der „Welt“ (13.10.18) auf Wladimir Putins Strategie zu sprechen. Er schreibt:

„Seit etwa einem Jahrzehnt verfolgt Putin eine klare Strategie. Er gab die Hoffnung auf, Russland könne wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch zu den westlichen Demokratien aufschließen und dadurch Weltmacht bleiben. Nun nahm er sich ein bescheideneres, aber realistisches Ziel vor. Er baute Russland zu einem destruktiven, zu einem Staat der Blockade um. Er brach in der Ukraine das Völkerrecht und erfuhr, dass das nahezu ungestraft möglich war. Und er begann, das Internet zu nutzen, um gezielt auf die Politik westlicher Demokratien Einfluss zu nehmen. Ohne seine freundliche Unterstützung wäre Trump nicht Präsident der USA geworden. Snyder schreibt: ‚Die einfachste Art, andere zu schwächen, ist, sie Russland ähnlicher zu machen.‘ Der politische Stil, den Trump einem Land aufgezwungen hat, zeigt, dass Putin hier durchaus erfolgreich ist. Ein Präsident, der täglich lügt und dabei auch noch zu erkennen gibt, dass er lügt, reißt die Wand zwischen Wahrheit und Fiktion ein. Ohne sie aber ist Politik als ein auf die Zukunft gerichtetes Handeln nicht möglich.“

2153: Franziskus‘ Fehler

Freitag, Oktober 12th, 2018

Als Papst Franziskus vor fünfeinhalb Jahren ins Amt kam, verkündete er sogleich, die katholische Kirche müsse das Leben der Menschen sehen und dürfe nicht länger narzisstisch um sich selbst kreisen. Ihre Lehre müsse sich immer wieder neu an der Menschenwirklichkeit messen lassen und dürfe nicht erstarren. Der Papst hat die Barmherzigkeit zum Leitmotiv seiner Amtsführung gemacht. Das beflügelt seine Anhänger und reizt seine Gegner. Doch wie der Papst jetzt dahergeredet hat, verhöhnt er seine eigenen Maßstäbe.

Er hat eine Abtreibung gleichgesetzt mit Auftragsmord. Und nach dem Willen der vatikanischen Bildungskongregation soll der Frankfurter Theologieprofessor Ansgar Wucherpfennig widerrufen, dass nach seiner Erkenntnis die Verurteilungen der Homosexualität in der Bibel zeitbedingt sind. Und sich gefälligst weniger in der Seelsorge für Lesben und Schwule engagieren.

„Das ist die Wortwahl, das sind die Handlungen einer autoritären Kirche, die von oben herab vermeintliche Abweichler bestraft und Frauen in Notlagen aburteilt, in ihrer Gebrochenheit und Ausweglosigkeit. Es zeigt sich jene Seite der Kirche, die Jorge Mario Bergoglio als krank beschrieben hat, erkrankt an der eigenen Unerbittlichkeit. Und das passiert ausgerechnet in einer Zeit, in der offenbar wird, wie sehr diese Unerbittlichkeit dazu beigetragen hat, dass in dieser Kirche Sexualverbrechen in großem Ausmaß geschehen und vertuscht werden konnten.“ Das System Vatikan mit seinen Seilschaften funktioniert noch immer.

Und Papst Franziskus wirkt in vielen Konflikten uneindeutig und schwankend. Oft will er seinen konservativen Gegnern keine Angriffsfläche bieten. Und immer wieder macht er sich durch unbedachte und unreflektierte Äußerungen angreifbar. „Will er seinen Maßstäben treu bleiben, muss Franziskus die Machtspiele der Bildungskongregation beenden, die das freie, wissenschaftliche Denken und Forschen unterbinden wollen. Vor allem aber muss er seinen unseligen Vergleich vom Auftragsmord zurücknehmen.“ (Matthias Drobinski, SZ 12.10.18)

2152: Beim Klimaschutz ist Deutschland Nachhut.

Donnerstag, Oktober 11th, 2018

„Das Murren in Europa über die Umweltpolitik der Bundesregierung wird lauter. Jahrelang hat sie sich als Vorreiterin der Energiewende aufgespielt. Doch wenn es um Maßnahmen gegen den Klimawandel geht, die vermeintliche deutsche Interessen tangieren, blockiert sie. Auch eine Form von Schizophrenie. Und sie ist industriepolitisch nicht einmal nötig. Der

CDU-Europaabgeordnete Peter Liese

weist darauf hin, dass ein CO2-Ziel von 40 Prozent nur 12.000 Arbeitsplätze in der Autobranche kosten würde. Gleichzeitig könnten 69.000 neue Jobs entstehen, etwa beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos oder weil Europa weniger abhängig wäre von Erdölimporten.

Wie gut, dass das Europäische Parlament noch mitreden darf. Und zwar mehr als ein Wörtchen. Es wirkt gleichberechtigt an der europäischen Gesetzgebung mit, die Verhandlungen mit den Staaten und der wenig ambitionierten Kommission haben begonnen. Vielleicht gelingt es den Volksvertretern, den Kompromiss noch in Richtung ökologische Vernunft zu verändern. Die Macht dieser Institution wird immer wieder unterschätzt. Daran kann man vor den Europawahlen nicht oft genug erinnern.“ (Thomas Kirchner, SZ 11.10.18)

2150: Doppelte Staatsbürgerschaft: neu bedenken !

Dienstag, Oktober 9th, 2018

Angesichts der massiven Hetze des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen die Integration von türkischstämmigen Menschen in Deutschland, gehört die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft wieder auf die Tagesordnung. So wie es die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Deutschlandtag der Jungen Union gefordert hat. Schon 2016 hatte Angela Merkel in dieser Frage bei der Jungen Union eine Niederlage erlitten (Robert Rossmann, SZ 9.10.18). Die Optionspflicht bei der doppelten Staatbürgerschaft sollte wieder eingeführt werden. Sonst verlieren die Menschen bei uns den Überblick.