Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2191: Chinesische Umerziehungslager in der Kritik

Donnerstag, November 8th, 2018

Die Umerziehungslager in China für mehr als eine Million Angehörige der muslimischen Volksgruppe der Uiguren ist im UN-Menschenrechtsrat scharf kritisiert worden. Die Lage der Menschenrechte habe sich in den letzten Jahren noch massiv verschlechtert. Es besteht ja kein Zweifel daran, dass China eine brutale Diktatur ist. Die Federation of Human Rights hatte auf die „dramatischen Verschlechterungen“ in Tibet hingewiesen.

Mitglieder des UN-Menschenrechtsrats kritisierten die Verfolgung politisch Andersdenkender, das unrechtmäßige Festhalten von Personen ohne Anklage sowie die hohe Zahl der in China verhängten Todesstrafen. Die deutsche Delegation verwies auf die vielfachen Verletzungen der Religions- und Pressefreiheit. Dänemark fordert China auf, den Vereinten Nationen (UN) den Zugang zum Westen des Landes zu erleichtern, damit unabhängige Beobachter in die Provinzen entsandt werden könnten.

Der chinesische Delegierte wies die Kritik zurück. Es handle sich bei den Lagern um „Ausbildungszentren für die Vermittlung von beruflichen Fähigkeiten und Sprachen“. Gelobt wurde China von Sambia für die Entwicklung des nationalen Punktesystems vermittels dessen die Bürger in China demnächst für ihr Verhalten im gesellschaftlichen Leben, im Beruf und im Internet bewertet werden könnten. Sambias Volkswirtschaft ist von der chinesichen Entwicklungshilfe abhängig (SZ 7.11.18).

2187: Club of Rome: der Trend

Montag, November 5th, 2018

Der vom Club of Rome vor fünfzig Jahren vorausgesagte Trend hat sich bewahrheitet: Die Schere zwischen arm und reich weitet sich, Landwirtschaftsflächen gehen verloren, die Meere sind überfischt und fossile Rohstoffe werden knapper.

Inzwischen liegt der 46. Bericht vor, der sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) orientiert. Das 17-Punkte-Programm der UN sieht deutliche Fortschritte bei Bildung, Umwelt-, Klima- und Wasserschutz vor. Die Club of Rome-Forscher haben untersucht, ob wir diese Ziele im Rahmen der vorhandenen Ressourcen erreichen können. Tatsächlich bräuchte die gesamte Weltbevölkerung 1,7 Erden, wollte sie ihren Lebensstil aufrechterhalten.

Nur ein Modell verspricht Erfolg. Und das knüpfen die Forscher an fünf Bedingungen:

1. eine radikale Energiewende,

2. nachhaltige Lebensmittelproduktion,

3. neue Wachstumsmodelle für ärmere Länder,

4. Abbau von Ungleichheit durch faire globale Steuersysteme,

5. Investitionen in Bildung, Geschlechtergleichheit, Gesundheit und Familienplanung.

Von 2020 ist es nötig, jedes Jahrzehnt den Ausstoß fossiler Brennstoffe zu halbieren. Außerdem ist eine nachhaltigere Landwirtschaft erforderlich, damit im Jahr 2050 bis zu zehn Milliarden Menschen ernährt werden können. Sichergestellt werden muss, dass die reichsten zehn Prozent der Erde nicht mehr als 40 Prozent des Weltvermögens besitzen.

Das größte Problem sehen die Experten im Abbau der ungleichen Vermögensverteilung auf der Welt (SLB, AFP, SZ 5.11.18).

2186: Antisemitismus in der Labour Party

Sonntag, November 4th, 2018

Der Antisemitismus ist nicht mit Auschwitz, Maidanek, Treblinka und Sobibor zu Ende gegangen. Diese deutschen Vernichtungslager in Polen markieren nur einen Höhepunkt des Antisemitismus in seiner langen  Geschichte. Der Antisemitismus war vorher da, er ist heute da, und er wird vermutlich immer da sein.

Inzwischen ermittelt Scotland Yard gegen die Labour Party wegen Antisemitismus nach einem Interview seiner Chefin mit dem Radiosender LBC. Dort wurde ihr ein Dossier mit 45 Fällen übergeben, in denen sich „einfache“ Labour-Mitglieder antisemitisch äußern. Im Sommer 2018 war schon der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn des Antisemitismus bezichtigt worden. In den überwiegend online publizierten antisemitischen Äußerungen heißt es etwa: „Wir müssen die Juden loswerden, die wie Krebs für uns alle sind.“ (Jochen Buchsteiner, FAZ 3.11.18) Also: wie bekannt: Auch linke Parteien sind nicht vor Antisemitismus gefeit.

2185: AfD – verfassungswidrig ?

Samstag, November 3rd, 2018

In einem Rechtsgutachten, das die AfD selbst in Auftrag gegeben hat, kommt der als konservativ geltende Freiburger Staatsrechts-Emeritus Dietrich Murswiek zu dem Ergebnis, dass Auftreten und Handeln der AfD in vielen Fällen Anlass dazu geben, dass die Partei vom Verfassungsschutz beobachtet werden muss. Das will die Partei, die mittlerweile in allen 16 Landesparlamenten und im Bundestag vertreten ist, gerade vermeiden. Durch das Gutachten könnten Wähler und Basis der AfD abgeschreckt werden.

Die AfD hat deswegen eine Kommission eingesetzt, die erreichen soll, dass das Verhalten der Partei „verfassungskonform“ ist. Geleitet wird sie vom Vizechef der Bundestagsfraktion, Roland Hartwig, der früher Justitiar eines großen Chemie-Konzerns war. Auf den letzten vier Seiten des Murswiek-Gutachtens stehen „Handlungsempfehlungen zur Vermeidung einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz“. Danach sind zu vermeiden pauschale Diffamierungen und Herabwürdigungen von Ausländern/Immigranten/Flüchtlingen/Muslimen. Reizwörter wie „Umvolkung“, „Überfremdung“, „Volkstod“ oder „Umerziehung“ kommen nicht mehr in Frage. Auch pauschale Negativurteile sind nicht erlaubt, die zum Ausdruck kommen in Begriffen wie „Altparteien“, „politische Klasse“ oder „Lügenpresse“.

Ein AfD-Vorstandsmitglied sagte schon dazu: „Wenn man das Papier ernst nimmt, können wir gar nichts mehr machen.“ Und in einem „Stuttgarter Aufruf“ haben mehrere hundert Mitglieder des rechten Flügels geschrieben: „Wir widersetzen uns allen Denk- und Sprechverboten.“ (Sebastian Pittelkow/Katja Riedel/Jens Schneider, SZ 3./4.11.18)

2184: Wahrscheinlich die letzte Chance für die SPD: Friedrich Merz

Samstag, November 3rd, 2018

Allenthalben lese ich, dass die SPD aus sich selbst heraus wohl nicht in der Lage sei, sich wieder zu beleben. Dazu fehle es an Inhalten und Personal. Sie werde wohl den Weg ihrer französischen und italienischen Schwesterparteien gehen. Gegenargumente fallen mir dazu kaum ein, so sehr ich mir sie auch wünsche.

Da kommt die CDU ihrem Koalitionspartner ungewollt zur Hilfe. Bei dem Versuch, nach Angela Merkels Rückzug ihrerseits einen Neustart (aus ganz anderen Gründen als die SPD) hinzubekommen, treten drei Kandidaten für den Parteivorsitz an: Friedrich Merz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer. Spahn hat anscheinend nicht mit Merz‘ Kandidatur gerechnet. Dahinter soll Wolfgang Schäuble stecken. Aus Rache? Jedenfalls ist ein „konservativer“ Kandidat zu viel.

Der SPD würde Friedrich Merz guttun. Er ist ein klassischer Vertreter des Neoliberalismus, der in der Wirtschaftskrise 2008 gescheitert ist. Als gegenwärtiger Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock vertritt er die Interessen von Kapitalanlegern, Großinvestoren und Steuervermeidern. Und das in einer Zeit, in der

bezahlbare Wohnungen, sichere Renten, Chancengleichheit in der Bildung und der Kampf gegen die Klimakatastrophe

angesagt sind. Vielleicht kann Merz die SPD wieder beleben. Für die CDU ist Frau Kramp-Karrenbauer die beste Kandidatin.

2183: Trittin zu flügelübergreifenden Koalitionen

Samstag, November 3rd, 2018

Ex-Bundesminister Jürgen Trittin (Grüne), ein Ex-Kommunist (KBW), gilt in seiner Partei als Linker und zugleich als pragmatischer Stratege. Er wurde von Ansgar Graw zur Lage der CDU befragt (Welt 3.11.18):

Welt: Die Grünen hätten lieber einen CDU-Vorsitzenden Jens Spahn? Oder Annegret Kramp-Karrenbauer?

Trittin: Das muss die CDU für sich entscheiden, nicht wir Grüne. Doch Herr Merz, Herr Spahn und Frau Kramp-Karrenbauer haben dasselbe Dilemma wie auch schon Frau Merkel, nämlich, dass in Deutschland eine Koalition unter Demokraten nur möglich ist, wenn sie lagerübergreifend ist. Allerdings gibt es in der CDU derzeit verschiedene Ideen, wie man diesem Dilemma entkommen könnte.

Welt: Nämlich?

Trittin: Man kann rufen: ‚Vorwärts in die 80er Jahre, folgt mir alle nach, ihr Marktradikalen“, das wäre so das Konzept von Merz. Oder: ‚Ich blinke weiter nach rechts in der Flüchtlingsfrage“, wie Jens Spahn es tut. Oder: ‚Ich bin zwar pragmatisch in der Sache, aber in lebensrechtlichen Fragen bin ich stockkonservativ“, das ist der Ansatz von Annegret Kramp-Karrenbauer. Aber das Dilemma des Zwangs zu lagerübergreifenden Koalitionen bleibt, und darum gibt es in der Union an einem wachsenden Rand Überlegungen, es aufzulösen, indem man den österreichischen Weg geht.

Welt: Der österreichische Weg?

Trittin: Den österreichischen Weg ist die konservative ÖVP gegangen, indem sie sich nach Jahrzehnten in der großen Koalition von dem Dogma gelöst hat, nicht mit der FPÖ zu koalieren. Stattdessen hat sie die Partei, an deren demokratischer Verfasstheit in vielerlei Hinsicht Zweifel angebracht sind, an die Macht gebracht und mit Schlüsselministerien ausgestattet. …

Welt: In Bayern und in Hessen haben die Grünen deutlich zugelegt. Aber das jeweilige Lager Mitte-links und links der Mitte , bestehend aus Grünen, SPD und Linkspartei, ist nicht gewachsen, die Mehrheit blieb Mitte-rechts und rechts der Mitte.

Trittin: Zutreffend. In Hessen ist das Lager rechts der Mitte von 2013 bis 2018 von 51 auf 52 Prozent stabil geblieben. In Bayern hat sich eine Zweidrittelmehrheit rechts der Mitte zu einer 70-zu-30-Mehrheit vergrößert. Ich habe mich nicht unbedingt beliebt gemacht in meiner Partei, als ich diese Zahlen ausgesprochen habe in der allgemeinen Freude. Aber gerade weil das so ist, habe ich ja betont, dass dieses Dilemma, dass dieser Zwang zu flügelübergreifenden Koalitionen für alle Parteien gilt, auch für uns.

Welt: Rechnen Sie damit, dass Merkel Kanzlerin bleibt bis 2021?

Trittin: Ich halte das für eher unwahrscheinlich. Ich glaube, dass die Widersprüche zwischen der SPD und der künftigen CDU wachsen werden, und das wird zum Ruf nach Neuwahlen führen. Dass diese Wahlperiode tatsächlich bis 2021 dauern wird, ist durch die jetzt anstehende Personalentscheidung bei der CDU ungewisser denn je geworden.

2182: Russische Medien in Berlin

Freitag, November 2nd, 2018

Das Nachrichtenportal T-online hat über „Russlands heimliche Nachrichtenzentrale in Berlin“ berichtet. Gemeint ist damit die „Maffick GmbH“, zu der etwa der Facebookkanal „In the Now“ und die Plattformen „Ruptly“ und „Redfish“ gehören. Sie residieren am Potsdamer Platz. Dort arbeitet auch Personal, das früher bei „Russia Today“ (heute: „RT“) tätig war. Diese Zusammenhänge versuchen die Firmen zu verschleiern. Sie senden auf Englisch und betreiben gern Desinformation.

Dabei werden auch Fälschungen eingesetzt. Etwa ein Video über eine angebliche Feministin, die Männern in der U-Bahn gegen das „Manspreading“ Bleichmittel in den Schritt gießt. Beliebt sind auch gefakte Vergewaltigungen. Probates Mittel: Verschwörungstheorien. Meistens richtet sich die „Berichterstattung“ im Ergebnis

gegen die USA, Hollywood, die Wallstreet und Juden.

Angeblich geht es bei allem um „Gegenöffentlichkeit“ und gegen „Systemmedien“. Hier trifft sich diese Art von „Berichterstattung“ mit den Bemühungen der AfD um eigene Anti-System-Medien. Auf einer ähnlichen Linie liegt Donald Trump in seinem Kampf gegen die „New York Times“, die „Washington Post“ und andere etablierte Massenmedien in den USA. Manchmal sehen wir auch Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper baden gehen … Laut „Reporter ohne Grenzen“ liegt Russland bei der Pressefreiheit auf Platz 148 von 180.

Inzwischen fordert die FDP Aufklärung. Der Vize-Fraktions-Chef Alexander Graf Lambsdorff sieht in den Kanälen „nachrichtliche Dienste“, deren Ziele „Diversion und Desinformation“ seien. Der Leiter der Russisch-Redaktion der Deutschen Welle, Ingo Manteuffel, spricht sogar von „hybrider Kriegsführung“. Die Plattformen genießen das deutsche Recht auf freie Meinungsäußerung (Art. 5 GG) und die unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Verbreitung (Thorsten Schmitz, SZ 2.11.18).

2180: Zwischen 2006 und 2017: 1.110 tote Journalisten

Donnerstag, November 1st, 2018

Zwischen 2006 und 2017 sind weltweit 1.110 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Nur jede zehnte Tat wurde aufgeklärt. Das teilte die UN-Kulturorganisation UNESCO mit. 2018 starben bereits 86 Journalisten. Erstmals seien 2017 mehr Journalisten in Ländern ohne bewaffnete Konflikte als in Krisengebieten getötet worden. Mexiko und Afghanistan seien 2017 am gefährlichsten gewesen (afp, SZ 30.10./1.11.18).

2178: Europa muss das Netz erobern.

Dienstag, Oktober 30th, 2018

Markus Breitenecker ist Geschäftsführer des Privatsenders Pro Sieben Sat 1 in Österreich. Gemeinsam mit seiner Journalistenkollegin Corinna Milborn hat er ein Buch geschrieben, wie Europa sich das Netz von Facebook und Google zurückerobern kann:

Corinna Milborn/Markus Breitenecker: Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern. Brandstätter Verlag 2018, 25 Euro.

Darin werden erstaunliche und erfreuliche Vorschläge gemacht. Livia Gerster hat Breitenecker für die FAS (28.10.18) interviewt. Ich bringe hier nur Auszüge aus Breiteneckers Aussagen:

„Aber mittlerweile haben die Unternehmen aus Silicon Valley solche Macht, dass man sie nicht mehr kontrollieren kann. Sie sind De-facto-Monopolisten: Facebook als soziales Medium, Amazon als Online-Händler, Youtube als Video-Dienstleister und Google als Suchmaschine. Es braucht aber Vielfalt und Wettbewerb. Europa sollte sich nicht den amerikanischen Konzernen unterwerfen, sondern auf eigenen Füßen stehen.“

„Ja, wir wissen, dass die Brexit-Abstimmung durch russische Troll-Fabriken und die Wahl von Trump durch Falschmeldungen in den Sozialen Medien beeinflusst worden sind. Die Verantwortungslosigkeit der Neuen Medien kann auch Menschenleben zerstören, wie im Fall der Italienerin Tiziana C. Ein privates Sex-Video mit ihrem Freund gelangte über Whatsapp plötzlich auf verschiedene Pornoseiten. Die junge Frau wurde daraufhin so schrecklich gemobbt und von ihrer italienischen Gemeinde ausgeschlossen, dass sie aus Depressionen Selbstmord begangen hat.“

„In Amerika gibt es das protektionistische Modell eines ‚America First‘, in China gibt es totale Abschottung und Zensur. Nur Europa lässt alles zu und bevorzugt die ausländischen Unternehmen sogar noch: Einige amerikanische Unternehmen zahlen zu wenig Streuern, halten sich nicht an die Gesetze und die Grundregeln des Journalismus. Mit dieser Ungleichbehandlung muss Schluss sein. Mindestens.“

„Das öffentlich-rechtliche System ist nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt worden, um die Macht des Fernsehens nicht in die Hand einzelner Unternehmen zu geben. Und auch nicht in die des Staates, nachdem man im Nationalsozialismus gesehen hat, was das anrichten kann. Man wollte Meinungspluralität schaffen – die Frequenzen waren ja knapp; mehr als zwei Sender gab es nicht. Das war damals sinnvoll, aber heute gibt es unzählige Fernsehsender. Die alte Idee ist dennoch gut: Denn heute gibt es wieder Monopole. Warum also nicht das öffentlich-rechtliche System neu erfinden und den Rundfunkbeitrag für eigene Produkte nutzen, die den europäischen Werten entsprechen und Qualitätsjournalismus ermöglichen – und das in Kooperationen mit privaten Medien.“

„Der Buchdruck ermöglichte breiten Bevölkerungsschichten, zu lesen und sich Wissen anzueignen. Aber es kam auch zu falschen Nachrichten, zu Hetze und Verleumdungen, die über Flugzettel schnell und massenhaft verbreitet wurden. So kam es zu den Hexenverbrennungen. Das Internet ist auch eine Revolution, die viel Positives gebracht hat. Google und Facebook benutzen das Internet nur für ihr Geschäftsmodell. Wir kritisieren die exklusiven Machtpositionen. Wir wollen das Internet wieder von den Silicon-Valley-Monopolen zurückerobern und dadurch den Markt neu beleben.“

 

2177: Merkels Rückzug ist aller Ehren wert.

Montag, Oktober 29th, 2018

Die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), im Dezember nicht wieder für den CDU-Vorsitz zu kandidieren und 2021 nicht als Kanzlerkandidatin zur Verfügung zu stehen, ist aller Ehren wert. Sie macht sich damit um Deutschland und ihre Partei verdient. Das hessische Wahlergebnis macht dieses Vorgehen gerade so eben möglich. Wir können aufatmen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Hessens wahrscheinlich auch neuer Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) haben Angela Merkel entsprechend gewürdigt.

Angela Merkel hat um die Union (CDU und CSU) die größten Verdienste. Wer außer ihr hätte bei diesem machtbewussten Kanzlerwahlverein die Kraft zur Integration gehabt, die einmal politisch richtig und zweitens erforderlich war, um so viele entscheidende Wahlen zu gewinnen. Ihre konservativen Gegner in der Partei (u.a. Friedrich Merz) hätten das nie geschafft. Nun kann die CDU zeigen, dass sie das Ziel, die Kraft und die Fähigkeit besitzt, sich zu erneuern. Die beste Kandidatin dafür ist Annegret Kramp-Karrenbauer. Die gegenwärtige CDU-Generalsekretärin war im Saarland Ministerin, Ministerpräsidentin und hat feste Beziehungen zu den Sozialausschüssen (frühere Protagonisten: Hans Katzer, Heiner Geisler, Norbert Blüm). Dadurch bürgt sie für den Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Auch bei den Themen Klimaschutz, Westbindung, Wohnungsbau und Rentengerchtigkeit ist ihr viel zuzutrauen.

In Hessen kann Schwarz-Grün weiter regieren. Das ist gut für das Bundesland. Rot-rot-grüne Bündnisse sind gerade in politisch harten und bewegten Zeiten nicht geeignet, einen stabilen, demokratischen und sozialstaatlichen Kurs zu steuern. Das Problem sind die Linken. Dass die AfD nur Häme für Merkels Vorgehen bereithält, verwundert nicht. Es passt ins Bild. Vielleicht hat die AfD bereits den Höhepunkt bei ihren Wahlergebnissen erreicht. Das wäre gut.