Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2210: Die Wahrheit in Syrien

Mittwoch, November 28th, 2018

Die Politologin Kirstin Helberg hat von 2001 bis 2008 aus Damaskus für deutsche Massenmedien berichtet. Sie arbeitet seither als freie Autorin. 2018 ist ihr Buch „Der Syrien-Krieg – Lösung eines Weltkonflikts“ bei Herder erschienen. In der „taz“ vom 15.11. macht sie sich Gedanken über eine wahrheitsgemäße Berichterstattung aus Syrien.

1. Viele von uns beruhigen sich zu leicht bei dem Satz, im Krieg sterbe zuerst die Wahrheit, und kümmern sich dann nicht mehr um Fakten.

2. Damit spielen sie den Verschwörungstheoretikern wie Donald Trump in die Hände, deren Interesse hauptsächlich darin besteht, Tatsachen unkenntlich zu machen und auf dem Friedhof des Postfaktischen verschwinden zu lassen.

3. Jeder von uns hat nicht etwa seine eigene Wahrheit, sondern seine Wahrnehmung, seine Sichtweise auf bestimmte Ereignisse.

4. Als Experten betrachten wir Menschen, die das Land persönlich kennen, die Sprache sprechen, unterschiedlichste Quellen auswerten und bei ihren Recherchen journalistischen Prinzipien folgen.

5. Einfache Erklärungen, insbesondere dann, wenn sie antiwestlich sind, verkaufen sich besser als differenzierte Analysen.

6. Vor allem die Linke und die Friedensbewegung stecken in den alten Denkschablonen vom guten, weil antikapitalistischen Osten und vom schlechten, weil rohstoffgierigen und imperialistischen Westen.

7. In Syrien gibt es gut und böse. Gut ist der Arzt, der Medikamente in ein abgeriegeltes Gebiet bringt, schlecht der Söldner, der sich an einem Checkpoint persönlich bereichert.

8. Ein unbewaffneter junger Mann, der für Frieden demonstriert, ist besser als der Milizionär, der auf ihn schießt.

9. Manche Pseudolinke sehen eine „demokratisch legitimierte syrische Regierung“ im Kampf gegen „westlichen Imperialismus“.

10. Der syrische Präsident ist nicht durch Wahlen legitimiert.

11. In 33 von 39 Fällen wurde Giftgas von der syrischen Regierung eingesetzt, die fehlenden sechs lassen sich nicht zuordnen. Das haben Untersuchungen der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ergeben.

12. Der persönliche Sicherheitsberater des syrischen Präsidenten und der Luftwaffen-Geheimdienstchef werden mit internationalem Haftbefehl gesucht.

13. Kriterien für die Klassifizierung von Giftgasangriffen sind a) Uhrzeit, b) Einschlagskrater, c) Luftangriff, d) Symptome der Opfer, e) Blut und Bodenproben.

14. Deutsche Professoren, die behaupten, sämtliche Chemiewaffenangriffe hätten „unter falscher Flagge“ stattgefunden, sind keine Wissenschaftler, sondern Propagandisten von „Russia Today“ oder „Fox News“.

15. Wir können der Wahrheit in Syrien Geltung verschaffen, indem wir versuchen, unsere Wahrnehmungen zu verstehen, Analysen kontrovers diskutieren und Tatsachen als solche respektieren.

2208: Kosmopoliten – angesehene und verachtete Grünen-Wähler

Dienstag, November 27th, 2018

Adam Soboczynski beschäftigt sich in der „Zeit“ (15.11.18) mit Weltbürgern (Kosmopoliten). Ich gebe das in meiner Struktur hier wieder.

1. Die Wahlerfolge der Rechtspopulisten können zum Teil erklärt werden als Reaktion auf die neue, an der Globalisierung partizipierende, urbane, akademische Mittelschicht (weltoffen und poyglott).

2. Sigmar Gabriel sagte der SPD: „Wer die Arbeiter des Rust Belt verliert, dem werden die Hipster in Kalifornien auch nicht mehr helfen.“

3. Der real existierende Sozialismus sah in „bürgerlichen Kosmopoliten“ Menschen, die zynisch alle moralischen Bindungen und Verpflichtungen gegenüber der Nation aufgekündigt hätten, für „Verschacherung“ und den „Verrat“ des Volkes stünden.

4. Stalin meinte im offiziellen kommunistischen Antisemitismus mit „wurzellosen Kosmopoliten“ in erster Linie Juden (Wallstreet, Hollywood usw.). Heute steht dafür George Soros.

5. Der Soziologe Stefan Reckwitz schreibt in seiner gesellschaftlichen Stukturanalyse von der neuen Mittelschicht: „Man wohnt vorzugsweise in den urbanen Vierteln westlicher Großstädte, wo es gesundes Essen, Geschlechtervielfalt, Migranten, georgische Chatschapuri-Restaurants, gute, vor allem besondere Schulen, niedrige Feinstaubwerte, Tempo 30-Zonen und so weiter gibt.“

6. Die Grünen sprechen dieses Milieu erfolgreich an. Dessen Selbstwidersprüche, auch in moralischer Hinsicht, sind Gegenstand des Feuilletons.

7. Ihm steht gegenüber die alte Mittelschicht, die zwar durchaus nicht verarmt ist, aber regelmäßig keine Universität besucht hat, eher in Kleinstädten lebt, keine Fremdsprachen spricht und die Region meistens nicht verlässt.

8. Es gibt noch das Milieu der verqualmten Eckkneipen mit Herrengedecken, Häkeldeckchen und schweren Soßengerichten.

9. Gegenüber der demonstrativen Weltoffenheit vor allem in Großraumbüros wirkt die traditionelle, würdevolle, bürgerliche Gesetztheit meistens lächerlich.

10. Weltbürger und Provinzler prallen in Deutschland besonders in Ostdeutschland aufeinander.

 

2207: Merz vergaloppiert sich beim Asylrecht.

Sonntag, November 25th, 2018

Durch die Aufstellung von drei Kandidaten für den Parteivorsitz ist die CDU in Bewegung geraten. Es wird endlich diskutiert. Auf den acht Regionalkonferenzen sogar mit der Basis. Das sollte die CDU beibehalten. Es tut ihr nämlich gut. Was dabei auch herauskommen kann, ist, dass ein Kandidat seine Schwächen offenbart. Das ist für das Wahlvolk ebenfalls nicht schlecht, so kann es besser unterscheiden.

Friedrich Merz hat sich eine Blöße gegeben. Beim Asylrecht. Das stellte er in Frage und meinte, das müsse sein, wenn eine einheitliche EU-Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik gewollt werde. Damit hat er den entschiedenen Protest von drei journalistischen Experten auf den Plan gerufen: Wolfgang Janisch in der SZ vom 23. November, Thomas Gutschker in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. November und Heribert Prantl in der SZ vom 23. November.

Janisch zeigt, dass das deutsche Asylrecht einer europäischen Lösung nicht im Wege steht. Es ist weltweit nicht einzigartig und es bietet auch nicht mehr als die europäischen Regeln. Prantl, der bisweilen zur Sentimentaltät neigt, spricht davon, dass mit Merz‘ Forderung die Mahnung der Mütter und Väter des Grundgesetzes verraten und die Lehren aus der Nazi-Zeit gestrichen wären. Und Gutschker schreibt: „Merz hat sich blamiert. Und er zeigte seiner Partei seine Achillesferse. Es ist seine lange Abwesenheit von der Politik, er ist einfach nicht mehr im Film. Es mangelt ihm außerdem an Gespür für Fettnäpfchen und Empfindlichkeiten. Würde ein Vorsitzender Merz die Union in die nächste zerstörerische Debatte reiten?“

Annegret Kramp-Karrenbauer, die Rivalin von Merz, sagt im Interview mit Livia Gerster und Thomas Gutschker (FAS 25.11.18) zum Thema:

„Alles, was wir diskutieren, muss wirken. Wir haben bis Ende Oktober dieses Jahres rund 2.400 über das Grundgesetz anerkannte Asylbewerber und rund 61.000, die über die Genfer Flüchtlingskonvention oder europäisches Recht hier bleiben. Und auch bei einer Änderung des Grundgesetzes bleiben würden. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was wirklich relevant ist.“

Die CDU hat mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine kluge und als Ministerin und Ministerpräsidentin sehr erfahrene Kandidatin, die sich als Bundeskanzlerin eignet. Die Partei sollte sie deshalb auch zur Parteivorsitzenden wählen. Da schadet es auch nichts, dass sie die Ehe für alle nicht mag.

2206: Götz Aly bekommt den Geschwister-Scholl-Preis.

Mittwoch, November 21st, 2018

Götz Aly (geb. 1947) hat fast seine gesamte historiographische Arbeit mit all ihren Erkenntnissen und Überraschungen gegen die etablierte Geschichtswissenschaft, insbesondere gegen die „Strukturgeschichte“, durchgesetzt. Wir verdanken ihm viel. Nun hat er – wohlverdient – den Geschwister-Scholl-Preis bekommen (Götz Aly, SZ 20.11.18).

Im Kern lautet seine Erkenntnis über den Nationalsozialismus, dass er auf einer Mischung aus gemeinsamem Profit und gemeinsam zu verantwortenden Verbrechen der NS-Führung und der Bevölkerung beruhte. Die Deutschen haben den Nazis viel mehr zugestimmt, als es irgendwo anders als bei Götz Aly belegt ist. Deswegen haben sie in dieser Hinsicht keine Ausreden (Antje Weber, SZ 21.11.18).

Aly hat in seinem Buch über die Achtundsechziger (68er), ich (W.S.) zähle mich selbst dazu,

Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück. Frankfurt am Main 2008.

zum Entsetzen vieler gezeigt, dass es mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Nazis (den Eltern) und den 68ern (ihren Kindern) gegeben hat, als für viele je vorstellbar war:

den antibürgerlichen Impetus, die Gewaltbereitschaft, den Antiamerikanismus, den latenten Antisemitismus, das Ausblenden von Kritik an anderen Despoten, u.a. Die 68er waren nicht die Lösung des Totalitarismus-Problems, sondern ein Teil davon. Der Aufbau der Zivilgesellschaft habe in der alten Bundesrepublik trotz der vielen alten Nazis viel früher begonnen als 1968.

Ich nenne Ihnen hier noch vier weitere relevante Bücher von Götz Aly:

– Warum die Deutschen? Warum die Juden? Frankfurt am Main 2011,

– Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte. Frankurt am Main 2013,

– Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus. Frankfurt am Main 2015,

– Europa gegen die Juden. 1890-1945. Frankfurt am Main 2017.

 

 

 

2205: Migrationspakt – die nächste Zerreissprobe für die CDU

Dienstag, November 20th, 2018

Europäische Staaten haben 2015 bei den Vereinten Nationen (UN) darauf gedrängt, globale Leitlinien für die Migrationspolitik zu entwickeln. Das Ergebnis ist der Migrationspakt („Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration“). Er erstreckt sich über 31 Seiten, hat 23 Zielvorgaben und soll im Dezember 2018 verabschiedet werden. Für die AfD ist er ein „Umsiedlungsprogramm, das in Europa keinen Stein mehr auf dem anderen lässt“.

Der Pakt soll die Migration eindämmen und lenken, ist also kein „Migrationsförderungsabkommen“. Er enthält Bestimmungen zur Familienzusammenführung, neue Visabestimmungen, ein Abkommen Arbeitskräfte und die Anerkennung von Schulabschlüssen. Die weltweite Migration umfasst gegenwärtig 250 Millionen Menschen. Der Pakt ist eine Absichtserklärung dazu, die der Bundestag nicht ratifizieren müsste. Das ist bislang gängige Praxis. Die Bundesregierung stimmt dem Pakt grundsätzlich zu, weil er einen politischen Rahmen dafür schafft, das Jahrhundertthema Migration

gemeinsam

zu bewältigen.

Ein Kandidat für den CDU-Parteivorsitz, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, hat sich dafür ausgesprochen, dass der Pakt auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2018 diskutiert und dass über ihn dort abgestimmt werden soll. Das kommt daher, dass Spahn von den drei Kandidaten bisher auf Platz drei liegt. Er will mit seinem Vorschlag punkten. Und er ist nicht allein. Die CDU Sachsen-Anhalts hat den Migrationspakt bereits abgelehnt.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre eine Abstimmung auf dem Parteitag die Vertrauensfrage. Würde der Migrationspakt abgelehnt, müsste Merkel sofort als Kanzlerin zurücktreten. Wir erinnern dabei daran, dass Jens Spahn sich auf dem CDU-Parteitag 2016 bereits bei der Optionspflicht für die

doppelte Staatsbürgerschaft

durchgesetzt hatte. Ein Nein des Parteitags zum Migrationspakt würde sich gegen die gesamte Philosophie Merkels richten, die Migrationspolitik als ein internationales Problem zu betrachten, das nur in multilateraler Zusammenarbeit zu lösen ist.

Was will die CDU?

In der CSU ist es merkwürdig ruhig. Ex-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (der mit den Nummernschildern) lehnt den Migrationspakt glatt ab. Er würde der Migration nach Deutschland Tür und Tor öffnen. Ex-Bundesverkehrsminster Alexander Dobrindt (der mit der Maut für Ausländer), gegenwärtig CSU-Landesgruppenchef in Berlin, hat den Migrationspakt in der vergangenen Woche verteidigt.

Was will die Union?

(Mark Schieritz/Michael Thumann, Die Zeit 8.11.18; Jan Bielicki, SZ 20.11.18; Nico Fried, SZ 20.11.18)

2204: Stephan Lebert: Der Riss durch die deutsche Gesellschaft

Montag, November 19th, 2018

Der Schriftsteller Stephan Lebert, geb. 1961, spricht über sein Deutschland, das ihm heute sehr gespalten vorkommt (Die Zeit, 8.11.18). Ich fasse das in zehn Punkten zusammen:

1. Leberts Blick auf Deutschland war geprägt von „Unsicherheit und Misstrauen, von dem Gefühl, es liegt unter der Oberfläche etwas Böses und Gefährliches, und wenn man nicht aufpasst, kommt es wieder zum Vorschein.“

2. Solche Zweifel nennen Konservative „deutschen Selbsthass“.

3. „Wir waren anders als andere Länder. Wir waren geschichtsbewusster, vielleicht auch demokratischer. Wir waren vorsichtiger, distanzierter, vielleicht auch verklemmter.“

4. In seinem Freundeskreis registrierte Lebert, wie aus dem Zweifel „Selbstgefälligkeit“ wurde. „Mein Deutschland, schon ziemlich in Ordnung.“

5. „So entsteht das Gegenteil von Vielfalt, von Diversität, dem Zauberwort der modernen Welt.“

6. Auf einem „Rammstein“-Konzert beobachtete Lebert Fans. „Ihre Gesichter waren übervoll von Hass. Sie waren wütend – auf irgendetwas wütend, das mit ihrem Leben zu tun haben musste, und die Heavy-Metal-Musik von Rammstein mit den provokanten Texten war für sie ein Kanal, diese Wut, diesen Zorn endlich rauszulassen“.

7. Nach dem Leipziger Disput von Durs Grünbein und Uwe Tellkamp äußerte der Rechts-Verleger Götz Kubitschek, dass der Riss, der durch diese Gesellschaft gehe, nicht nur wichtig und richtig sei, „sondern dieser Riss müsse noch viel tiefer werden“.

8. Der ehemalige Kanzlerkandidat der SPD und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau sagte 2004: „Wenn Sie ein Haus bauen würden auf Spiekeroog oder am Chiemsee und Sie würden nur Steine aufeinanderlegen, wunderbare Steine, und es kommt ein Sturm, ist das Haus weg. Sie brauchen Mörtel, der das Haus zusammenhält. So wie eine Gesellschaft mehr braucht als Kapital und Arbeit. Wir brauchen mehr als Bilanzen und Shareholder-Value, mehr als Gewinn-und-Verlust-Rechnungen. Wir brauchen etwas, was die Menschen zusammhält. Das nennen Christen Nächstenliebe. Das nennt die Arbeiterbewegung Solidarität. Das nennt Martin Luther King ‚compassion‘. Und ich nenne das den Mörtel, der das Haus zusammenhält. Und davon ist bei uns zu wenig vorhanden.“

9. „Angela Merkel hat denen den Weg bereitet, die heute verkünden, dass es doch egal ist, wer von den Apparatschiks im Bundestag regiert.“

10. „Es ist nicht egal, wer im Parlament regiert. Es ist gefährlich, das Zentrum der deutschen Politik als einen Ort abzustempeln, an dem die Macht sich nur noch selbst genügt. Der Blick zurück wird mein Gefährte bleiben, zur Erinnerung daran, wie fragil dieses Land ist. Und noch ein Puzzleteil: wie wichtig es ist, sich zu prüfen, wie weit es schon wieder mit der eigenen Selbstgefälligkeit gekommen ist, wenn man sich immer auf der richtigen Seite wähnt.“

2202: Rot-Rot-Grün: die neue Koalition ?

Sonntag, November 18th, 2018

Die Grünen wollen Hartz-IV hinter sich lassen, die SPD auch. Die Linke sowieso. Damit sind sie natürlich Konkurrenten bei den gleichen Wählern. Vor allem aber zeichnet sich hier eine von vielen herbeigesehnte neue Koalition ab, die den Bundeskanzler stellen möchte.

Als vor 15 Jahren Rot-Grün die Reform des Arbeitsmarkts schaffte mit der Agenda 20/10, war nicht abzusehen, dass SPD und Grüne sich nie wirklich zu diesem Erfolg bekennen würden. Heute lobt nur die Union dieses Projekt. Auch wenn sie über die Regeln nachdenkt, die Hartz IV-Beziehern nur einen geringen Zuverdienst erlauben. Seinerzeit gab es fünf Millionen Arbeitslose, heute herrscht auf vielen Jobcenter-Fluren gähnende Leere. Unser Problem sind die Aufstocker, die trotz Arbeit Leistungen beziehen müssen. Hauptkientel: alleinerziehende Mütter (Frank Pergande, FAS 18.11.18).

Sind die Kosten klar? Robert Habeck (Grüne) spricht von 30 Milliarden Euro pro Jahr. Ja, werden die Grünen dafür dann noch gewählt?

2197: Eichel für europäische Digitalsteuer

Dienstag, November 13th, 2018

Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) fordert eine europäische Digitalsteuer. Und zwar schnell. Es könne nicht angehen, dass große US-Internetkonzerne in Deutschland kaum Steuern zahlten. Er stellt sich hinter die Parteivorsitzende Andrea Nahles, die im Sommer ein „Daten-für-alle“-Gesetz verlangt hatte. Darin sollen Firmen wie Facebook und Google verpflichtet werden, einen anonymisierten und repräsentativen Teil ihrer Daten offenzulegen, sobald sie einen bestimmten Marktanteil überschreiten. Diese Daten sollen dann auch andere Unternehmen nutzen können (FEWI, SZ 13.11.18).

2191: Chinesische Umerziehungslager in der Kritik

Donnerstag, November 8th, 2018

Die Umerziehungslager in China für mehr als eine Million Angehörige der muslimischen Volksgruppe der Uiguren ist im UN-Menschenrechtsrat scharf kritisiert worden. Die Lage der Menschenrechte habe sich in den letzten Jahren noch massiv verschlechtert. Es besteht ja kein Zweifel daran, dass China eine brutale Diktatur ist. Die Federation of Human Rights hatte auf die „dramatischen Verschlechterungen“ in Tibet hingewiesen.

Mitglieder des UN-Menschenrechtsrats kritisierten die Verfolgung politisch Andersdenkender, das unrechtmäßige Festhalten von Personen ohne Anklage sowie die hohe Zahl der in China verhängten Todesstrafen. Die deutsche Delegation verwies auf die vielfachen Verletzungen der Religions- und Pressefreiheit. Dänemark fordert China auf, den Vereinten Nationen (UN) den Zugang zum Westen des Landes zu erleichtern, damit unabhängige Beobachter in die Provinzen entsandt werden könnten.

Der chinesische Delegierte wies die Kritik zurück. Es handle sich bei den Lagern um „Ausbildungszentren für die Vermittlung von beruflichen Fähigkeiten und Sprachen“. Gelobt wurde China von Sambia für die Entwicklung des nationalen Punktesystems vermittels dessen die Bürger in China demnächst für ihr Verhalten im gesellschaftlichen Leben, im Beruf und im Internet bewertet werden könnten. Sambias Volkswirtschaft ist von der chinesichen Entwicklungshilfe abhängig (SZ 7.11.18).

2187: Club of Rome: der Trend

Montag, November 5th, 2018

Der vom Club of Rome vor fünfzig Jahren vorausgesagte Trend hat sich bewahrheitet: Die Schere zwischen arm und reich weitet sich, Landwirtschaftsflächen gehen verloren, die Meere sind überfischt und fossile Rohstoffe werden knapper.

Inzwischen liegt der 46. Bericht vor, der sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) orientiert. Das 17-Punkte-Programm der UN sieht deutliche Fortschritte bei Bildung, Umwelt-, Klima- und Wasserschutz vor. Die Club of Rome-Forscher haben untersucht, ob wir diese Ziele im Rahmen der vorhandenen Ressourcen erreichen können. Tatsächlich bräuchte die gesamte Weltbevölkerung 1,7 Erden, wollte sie ihren Lebensstil aufrechterhalten.

Nur ein Modell verspricht Erfolg. Und das knüpfen die Forscher an fünf Bedingungen:

1. eine radikale Energiewende,

2. nachhaltige Lebensmittelproduktion,

3. neue Wachstumsmodelle für ärmere Länder,

4. Abbau von Ungleichheit durch faire globale Steuersysteme,

5. Investitionen in Bildung, Geschlechtergleichheit, Gesundheit und Familienplanung.

Von 2020 ist es nötig, jedes Jahrzehnt den Ausstoß fossiler Brennstoffe zu halbieren. Außerdem ist eine nachhaltigere Landwirtschaft erforderlich, damit im Jahr 2050 bis zu zehn Milliarden Menschen ernährt werden können. Sichergestellt werden muss, dass die reichsten zehn Prozent der Erde nicht mehr als 40 Prozent des Weltvermögens besitzen.

Das größte Problem sehen die Experten im Abbau der ungleichen Vermögensverteilung auf der Welt (SLB, AFP, SZ 5.11.18).