Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2420: Söder (CSU), Kretschmann (Grüne), Weil (SPD) retten die deutsche Automobilwirtschaft.

Samstag, Juni 8th, 2019

Die Ministerpräsidenten der drei deutschen „Autoländer“ Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, Markus Söder (CSU), Winfried Kretschmann (Grüne) und Stephan Weil (SPD) haben auf der Bundespressekonferenz ihre gemeinsamen Ziele formuliert. In ihren Bundesländern sind die Automarken Mercedes, BMW, Volkswagen, Porsche und Audi angesiedelt. Die Ministerpräsidenten empfinden diese Firmen als die „größte Automobilwirtschaft der Welt“. Es geht um Mobilität und Arbeitsplätze. Dazu legten die Ministerpräsidenten ein gemeinsames dreiseitiges Papier vor. Das Automobil werde in den nächsten Jahren neu erfunden werden.

Söder, Kretschmann und Weil wollen den Wirtschaftsfaktor Auto mit der Moderne versöhnen. Kretschmann: „In Zukunft werden vor allem Anbieter von Lösungen für eine emissionsfreie und klimafreundliche Mobilität Chancen im globalen Wettbewerb haben.“ Die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen enger kooperieren. Es geht dabei um eine „flächendeckende, länderübergreifende Ladeinfrastruktur“. Aber auch um gemeinsame Forschungsprojekte. Die ausländische Konkurrenz sei eine Herausforderung.

Die Bundesregierung sei bisher viel zu langsam vorangegangen. Söder: „Uns eint der Wille, die Zeitenwende der Automobilwirtschaft zu einer Erfolgsgeschichte zu machen für die Menschen, für unsere Unternehmen und für das Klima.“ Stephan Weil forderte die Zusammenführung von Umweltschutz und Arbeitsplatzerhalt (Eckart Lohse, FAZ 8.6.19).

Das geht in die richtige Richtung.

2419: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wirbt für Nestlé.

Freitag, Juni 7th, 2019

In einem auf Twitter verbreiteten Video hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gemeinsam mit dem Deutschlandchef des Unternehmens Nestlé die Zucker- Fett- und Salzreduktionsstrategie der Firma gelobt. Rezo twitterte daraufhin: „Hätte ich exakt diesen Tweet mit genau so einem Video gepostet, hätte ich es als Werbung kennzeichnen müssen.“

Wenn Klöckners Partei im Umgang mit den sozialen Medien behäbig wirkt, ist Frau Klöckner dort sehr aktiv. Sie gibt sich schlagfertig und humorwoll, hat dieses Mal aber einen Shitstorm ausgelöst. Nestlé steht für viele hochgezuckerte Produkte. 2018 hat der Konzern 1,7 Millionen Tonnen Plastikverpackungen produziert.

Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter: „Das geht gar nicht, sich als Ministerium so eng an eine Firma zu binden.“ (Markus Balser/Uwe Ritzer, SZ 7.6.19; Robert Rossmann, SZ 7.6.19; Silvia Liebrich/Isabel Pfaff, SZ 7.6.19).

Der nicht entschlossenen Politik Julia Klöckners (CDU) ist es nicht gelungen, das Ausmaß der Umweltzerstörung durch die deutsche Landwirtschaft (Gülle usw.) zu reduzieren.

2418: ZDF Politbarometer Juni 2019

Freitag, Juni 7th, 2019

Union 27 Prozent, Grüne 26, SPD 13, AfD 13, FDP 7, Die Linke 7.

2416: Manfred Weber EVP-Fraktionschef

Donnerstag, Juni 6th, 2019

Manfred Weber (CSU) ist zum Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europaparlament gewählt worden. Er erhielt 156 von 156 gültigen Stimmen. Die EVP hatte mit 24 Prozent bei den Europawahlen zwar verloren, war aber die stärkste Fraktion geblieben. Deshalb beansprucht Weber – zu Recht – das Amt des Kommissionspräsidenten. Es wird zum 1.11.2019 neu besetzt (SZ 6.6.19).

2414: Seehofer (CSU) gegen deutsche Olympia-Bewerbung 2036

Dienstag, Juni 4th, 2019

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich klar gegen eine deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036 ausgesprochen. „Ich halte das nicht für denkbar.“ Die deutsche Olympia-Historie sei belastet mit den Berliner Sommerspielen von 1936. „Wir bekämen eine unsägliche internationale Diskussion und würden damit auch die olympische Idee beschädigen.“ „Wie würde man das in der Welt sehen? Die Deutschen feiern hundertjähriges Jubiläum bezogen auf die Nazi-Olympiade? Das kann nicht sein.“

Gescheitert waren die deutschen Bewerbungen um Olympische Spiele für Berlin (2000), Leipzig (2012), München (2018 und 2022) und Hamburg (2024). Eine private Initiative „Rhein Ruhr City 2032“ betreibt gegenwärtig eine Olympia-Bewerbung. Beteiligt sind daran 14 Städte.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte sich skeptisch gegenüber einer Bewerbung für 2036 geäußert. Mit einem Konzept Berlin 2036 würde man „die unabdingbar notwendige Begeisterung der nationalen Bevölkerung und der internationalen Sportgemeinschaft für das mögliche Projekt Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland nicht erreichen“.

Bei so gewichtigen Stimmen der Vernunft gegen eine deutsche Olympia-Bewerbung brauchen wir uns wohl keine Sorgen zu machen, dass solch ein unpassendes Projekt wie Olympische Spiele nach Deutschland kommt. Gut so!

Der Berliner Sportbund-Präsident Thomas Härtel meinte dagegen, man könne aus Anlass des unseligen Jubiläums „ein Zeichen setzen, wohin sich Deutschland entwickelt hat, zu einem demokratischen, friedvollen und weltoffenen Land“. (dpa, sid, SZ 4.6.19)

Olympische Spiele gehören heute in Diktaturen und Autokratien. Davon gibt es ja genug. Die können dann ihre Doping-Spiele durchführen und bekommen auch das erforderliche Geld dafür zusammen.

2413: Stalins Gulag in Putins Russland

Montag, Juni 3rd, 2019

Die in Russland geborene und aufgewachsene US-Autorin Masha Gessen hat für ihr Buch „Die Zukunft ist Geschichte“ viele Preise erhalten. Nun legt sie gemeinsam mit dem Fotografen Misha Friedman einen Essayband vor:

Vergessen. Stalins Gulag in Putins Russland. München (dtv) 2019, 160 Seiten, 25 Euro.

Sie hat Stätten des Archipel Gulag (Stalins Massenmord in der Sowjetunion) aufgesucht und beschrieben. Vielfach liegen sie im heutigen Russland im Verborgenen. Gessen hat etwa Riesenhaufen von Schnürschuhen gefunden, wie wir sie aus Auschwitz kennen. Die Schuhhaufen von Butugytschag „hat niemand hier aufgeschichtet, um Besucher zu beeindrucken. Butugytschag ist von selbst zum Museum geworden. Nur kommt niemand dorthin, um die Ausstellung zu sehen.“

Nur wenige Menschen in Russland interessieren sich für Stalins Mordmaschine, mit der die Sowjetunion von 1930 bis 1953 überzogen wurde und Millionen gequält und getötet hat. Das ist von der Staatsführung so vorgesehen. Museen gibt es wenige. Es wird ein Geschichtsbild präsentiert, das besagt, den Archipel Gzulag habe es nun einmal gegeben, aber dies bedeute für Gegenwart und Zukunft nichts (Robert Probst, SZ 3.6.19).

2412: Als Mann wäre Andrea Nahles anders behandelt worden.

Montag, Juni 3rd, 2019

Wäre Andrea Nahles ein Mann, dann wäre sie von den Parteigenossen nicht so schlecht behandelt worden. Das lässt sehr tief blicken auf den Grad der Emanzipation in unserer Gesellschaft. Die Hintersassen und Wahlkreiskläffer meldeten sich zu Wort. Und der JuSo-Vorsitzende. Es ist beschämend. Das muss sich ändern!

Nun sucht die SPD eine neue Chefin. Das wird durch einen Mitgliederentscheid und auf einem Sonderparteitag geschehen. Bewerben kann sich da nur, wer nicht weiter mit der Union koalieren möchte. Die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen drücken die SPD noch weiter zu Boden. Und im Winter ist dann Schluss mit der „großen“ Koalition. Dann gibt es Neuwahlen.

Denn ohne Neuwahlen lässt sich in Berlin gar keine neue arbeitsfähige Bundesregierung finden. Möglich wäre nur Jamaika (Schwarz-Grün-Gelb). Das wollen die Grünen und die FDP nicht (Kurt Kister, SZ 3.6.19).

Die CDU hat ein ähnliches Schicksal vor sich wie die SPD. AKK schwächelt und bekommt parteiinternen Druck von allen Seiten. Und die Hinterbänkler bekommen Macht.

2411: CDU und SPD in Not: gespaltene Wählerschaft

Sonntag, Juni 2nd, 2019

1. Andrea Nahles tritt von ihren Ämtern als SPD-Vorsitzende und Fraktionschefin im Bundestag zurück. Als JuSo-Chefin mochte ich sie gar nicht. Jetzt tut sie mir leid.

2. Olaf Scholz ist mit seiner taktierenden Hinhaltepolitik nicht geeignet, die SPD aus dem Tief zu führen.

3. Diejenigen, die Andrea Nahles erst im Herbst abschießen wollten, kommen nun zu spät.

4. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) resümiert richtig, dass es Annegret Kramp Karrenbauer nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden gelungen ist, die Konservativen in der Partei (u.a. Friedrich Merz-Anhänger) „einzubinden“, aber nicht die Zukunftsthemen Klimaschutz und Digitalisierung zu besetzen. Das brachte den Rückgang.

5. Liberal und Konservativ: Seit langem versuche ich meine Bekannten, die Unionsanhänger sind, davon zu überzeugen, dass nur eine Modernisierungspolitik à la Angela Merkel (Atomausstieg etc.) Mehrheiten bringt, ein strikt konservativer Kurs hätte direkt in die Opposition geführt.

6. Ost und West: Mike Mohring (CDU-Thüringen): in der alten Bundesrepublik gehen die Wähler wegen zu wenig Klimapolitik zu den Grünen, in der alten DDR gehen die Wähler wegen zu viel Klimapolitik zur AfD.

7. Alt und Jung: Die unter 58-jährigen wählen mit Mehrheit grün, die über 58-jährigen wählen mit Mehrheit schwarz.

2409: Anti-ökologische Hysterie

Samstag, Juni 1st, 2019

1. Alice Weidel (AfD) hat nicht nur Parteispenden erhalten, sie agitiert auch selbst: „Man kann nicht über die Herrschaft der Hypermoral sprechen, ohne sich mit dem dominanten Einfluss grüner Ideologie auf den politischen Diskurs der Bundesrepublik zu beschäftigen.“

Exkurs zu Ideologie (W.S.):

Ideologie ist eine falsche Auffassung, die sozial nicht neutral ist, sondern den stärkeren Gesellschaftsteilen nützt (vgl. Werner Hofmann: Grundelemente der Wirtschaftsgesellschaft. Ein Leitfaden für Lehrende. Reinbek bei Hamburg 1969, 186 S.).

2. Wirtschaftsliberale, die sich auf die Freiheit beziehen, meinen damit die Freiheit von Steuern, Abgaben, Vorschriften, sie meinen Selbstbestimmung, die Freiheit von Brüssel und ökologischen Restriktionen.

3. Wirtschaftsliberale sehen in der Umweltpolitik eine neue Hauptfeindin der Freiheit. In Form von Diesel-Fahrverboten, Düngeverordnungen, CO 2-Abgaben.

4. Der Rotary-Club ist an sich ein harmloser und belangloser Klub von alten Männern. In seinem Magazin heißt es im Mai: „Der Klimawandel ist die größte Erzählung des Westens unserer Tage.“ Dann bemühen sich die Autoren um die Dekonstruktion „grüner Narrative“. Deutsche Journalisten betrieben überwiegend „grünes Agenda Setting“.

5. Unter den Journalisten sind es vor allem der national-liberale Roland Tichy, der Chefredakteur der „Welt“, Ulf Poschardt, der am besten über Porsche schreibt, und der neoliberale Zampano Rainer Hank („Frankfurter Allgemeine Zeitung“), die gerne ökologischen mit religiösem Fanatismus gleichsetzen.

6. Der ehemalige Bundesminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schreibt: „Der Vernichtungsfeldzug der Ideologen frustriert vor allem viele junge Landwirte.“

7. Der „vergrünte“ Staat bildet den Rahmen (Framing) für den Diskurs, was angesichts von 6,5 Milliarden Agrarsubventionen jährlich bemerkenswert ist.

8. Viele Unternehmen sind weiter als die Ideologen und bereits im Verbund mit Wirtschaftsverbänden, Nichtregierungsorganisationen und Hochschulen zu Hauptakteuren des Umweltschutzes geworden (Jan Grossarth, SZ 31.5.19).

2407: Macrons Misserfolg

Donnerstag, Mai 30th, 2019

Der französische Präsident Emmanuel Macron (En Marche) hat sein Amt fast wie aus dem Nichts heraus errungen. Er beeindruckte dann mit feinen liberalen Sentenzen zu Europa, konnte sich aber in Frankreich nicht voll durchsetzen. Dort regieren die Besitzstandswahrer nicht nur in den Gewerkschaften. Das zentrale französische Problem ist

die fehlende Arbeitsproduktivität.

Nun hat Macron bei den Europawahlen auch noch gegen die nationalistische Marine le Pen (Rassemblement Nationale) verloren. Und prompt holt er ein neues Projekt aus der Tasche: die Verhinderung von Manfred Weber (CSU) als EU-Kommissionspräsident. Das ist abzulehnen. Zwar sind Michel Barnier (Frankreich) und Margrethe Vestager (Dänemark) sehr respektable Kandidaten, aber die Europäische Volkspartei (darunter CDU und CSU) hat trotz ihrer Verluste die Europawahl klar gewonnen. Ich traue es dem Präsidenten des Europäischen Rats, dem liberal-konservativen Polen

Donald Tusk,

zu, bald einen Personalvorschlag für die europäischen Spitzenposten zu machen, in dem

Manfred Weber

als Kandidat für den EU-Kommissionspräsidenten auftaucht.