2218: Was ist mit der kolonialen Raubkunst ?

1. Bevor nicht interessierte Kreise den Bau eines Schlosses in Berlin (mit Humboldt-Forum) durchgesetzt hatten, ging lange Zeit fast niemand in ethnologische Museen.

2. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellte sich gegen die Politik aller Vorgänger und befreundeten Regierungen und erklärte, alle koloniale Raubkunst sei unverzüglich zurückzugeben.

3. Für viele Staaten wie Nigeria und Äthiopien ist die Forderung nach der Rückgabe der Raubgüter konstitutiv.

4. Außereuropäische Kunst befindet sich in Berlin, Hamburg, Leipzig, Stuttgart, München, Dresden und Köln sowie in den ethnologischen Sammlungen von Universitäten.

5. Nur ein bis zwei Prozent davon werden je ausgestellt, schätzt die frühere Direktorin des Frankfurter Weltkulturen-Museums, Clémentine Deliss.

6. Nach Europa gekommen sind die Objekte etwa seit den 1880er Jahren. Ihre Systematisierung führte zur Etablierung der Ethnologie, die wiederum die Sammelwut ins Unendliche trieb.

7. Die meisten der hier in Rede stehenden Fälle sind eindeutig Raubkunst, die seit langem auch auf Auktionen feilgeboten wird.

8. Dass sich die Washingtoner Prinzipien für NS-Raubkunst von 1998 auch für koloniale Raubkunst anwenden lassen, wird seit kurzem diskutiert.

9. Afrikanische Museen in Ghana, Togo, Kenia, Sambia, Botswana und Lesotho sind geeignet, die geraubten Objekte auszustellen.

10. Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp, der das Konzept des Humboldt-Forums mitentwickelte, widersprach Macron und verwies auf die angebliche deutsche Sonderrolle als späte Kolonialmacht, ohne die Vernichtungskriege gegen die Herero, Nama und Maji-Maji zu erwähnen. Die deutschen Sammlungen hätten allein der Aufklärung gedient (Kolja Reichert, FAS 9.12.18).

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