Der Gründungsdirektor der Berlinale (1951-1976) Alfred Bauer (1911-1986) war Nazi (NSDAP-Mitglied, SA-Mann, Mitglied in der Reichsfilmintendanz unter Fritz Hippler). Das haben Recherchen u.a. der „Zeit“ ergeben. Einen nach ihm benannten Filmpreis auf der Berlinale darf es künftig nicht mehr geben (Claudius Seidl, FAS 2.2.20). Eigentlich hätte es vorher schon jeder wissen können (Interview von Hanns-Georg Rodek mit Armin Jäger, Die Welt 1.2.20). Aber darum hatte sich keiner gekümmert (im Folgenden Ironie beachten, die nicht von allen verstanden wird).
Meine lieben Leserinen und Leser, was wir wissen, ist, dass alle, die nach 1945 im deutschen Film (West) tätig waren, vorher im Nazifilm gearbeitet hatten (also Nazis waren oder deren opportunistische Mitläufer), außer Hans Abich und Rolf Thiele von der Filmaufbau Göttingen (bis 1962). Diejenigen, auf die das nicht zutraf, waren emigriert (hauptsächlich Juden), ermordet worden oder hatten Selbstmord begangen (z.B. Joachim Gottschalk, Herbert Selpin). Marlene Dietrich und Emil Jannings waren schon vor 1933 in Hollywood.
Erst im Oberhausener Manifest von 1962 erklärte der „junge deutsche Film“ (Alexander Kluge, Edgar Reitz, Peter Schamoni u.a.), dass er mit „Opas Kino“ nichts mehr zu tun haben wollte.
Aber auch danach ging es mit Opas Kino noch munter weiter. Über den Nazi-Film können wir uns gut informieren in
Francis Courtade/Pierre Cadars: Geschichte des Films im Dritten Reich. München 1975, 336 Seiten.
Ich vergesse nicht darauf hinzuweisen, dass der Reichsfilmintendant Fritz Hippler, der Vorgesetzte Alfred Bauers, den antisemitischen Hetzfilm „Der ewige Jude“ (1940) gemacht hatte (Regisseur), der heute anscheinend noch in manchen Köpfen herumgeistert. Hippler publizierte 1981 (!!)
Die Verstrickung. Einstellungen und Rückblenden. Düsseldorf 1981, 300 Seiten.
Auf der Rückseite dieses Buchs befindet sich eine Fotografie Fritz Hipplers mit Bundespräsident Walter Scheel (FDP) von 1975.
Wir müssen heute darauf bedacht sein, dass nicht jeder allein deshalb zum modernen Helden wird, weil er die Akten eines alten Nazis ausgebuddelt hat.