Der neue Generalintendant des Humboldt-Forums, Hartmut Dorgerloh, geb. 1962, tritt sein Amt am 1. Juni 2018 an. Zugleich endet die Arbeit der „Gründungsintendanten“ Neil McGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp. Jörg Häntzschel hat Hartmut Dorgerloh interviewt (SZ 18.5.18).
SZ: Ende nächsten Jahres soll das Humboldt-Forum eröffnen. Bis heute fehlt dem Projekt die Idee. Was ist ihre Idee?
Dorgerloh: Es soll nicht nur ein Museum sein, sondern eine „internationale Dialogplattform für globale kulturelle Ideen“. So steht es im Koalitionsvertrag, und das fasst es gut zusammen. Statt Dialogplattform könnte man auch sagen: Resonanzraum, offenes Forum für Debatten, für Multiperspektivität, für kulturelle und gesellschaftlich relevante Fragen.
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SZ: Das Humboldt-Forum hat in Deutschland eine Debatte um den Umgang mit Sammlungen aus der Kolonialzeit ausgelöst. Kurz darauf kündigte Emmanuel Macron an, die Raubkunst aus den französischen Kolonien zurückzugeben. In Deutschland gab es keine vergleichbare Geste. Jetzt wird das Humboldt-Forum zu einer Art Test für Deutschlands Position in dieser Sache.
Dorgerloh: Macrons Ankündigung war ein starkes Signal, auch für andere ehemalige Kolonialmächte. Es gibt bei uns sicherlich Nachholbedarf, aber es ist auch schon viel passiert. Das Humboldt-Forum muss selber eine starke Antwort sein. Das ist aber nicht mit einer Grundsatzerklärung getan, das ist ein längerer Prozess.
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SZ: Das Humboldt-Forum hat ein so schlechtes Image, dass viele es nicht einmal der Kritik für würdig halten. Wie wollen sie die Stimmung bis zur Eröffnung noch drehen?
Dorgerloh: Erstens muss man gute Nachrichten produzieren, zweitens guten Content. Es ist doch verrückt, wenn in der Mitte dieses Landes für mehr als eine halbe Milliarde Euro eine öffentlich Kunst- und Kulturinstitution mit Zehntausenden Quadratmetern entsteht – und dann kriegt man das nicht gerissen! Es müsste doch gelingen, klarzumachen, dass das eine großartige Verwendung von Steuergeldern ist.