1757: Der Geist verlässt die Universität.

Jagoda Marinic beschäftigt sich (SZ 4./5.11.17) mit den „Geisteswissenschaften“. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Naturwissenschaften, die „Geisteswissenschaften (organisiert zumeist in der Philosophischen Fakultät: Sprachen, Geschichte, Volkskunde, Völkerkunde etc.) und die „Sozialwissenschaften“ (organisiert in der Sozialwissenschaftlichen Fakultät: Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialpsychologie, Medienwissenschaft etc.) zur Universität gehören. Wobei die „Geisteswissenschaften“ und die „Sozialwissenschaften“ häufig unter dem Begriff Geisteswissenschaften zusammengefasst werden. Zu Recht.

Es ist keine Frage, dass die Naturwissenschaften sehr wichtig sind (hauptsächlich für den wissenschaftlich-technischen Fortschritt). Unklarer ist die Rolle der Geisteswissenschaften. Die Ausführungen von Marinic fasse ich in zehn (10) Sätzen zuzsammen.

1. An Universitäten werden mehr befristete Stellen für Wissensmanagement ausgeschrieben als für Forschung und Lehre.

2. Hörsäle werden nach Mäzenen benannt, Ehrensenatorentitel an die Chefs von Pharma-, Immobilien- und IT-Firmen vergeben.

3. Die Universität Heidelberg hat mitgeteilt, dass sie keine Geisteswissenschaften mehr im Rennen um die Exzellenz im Rennen hat.

4. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vergibt nur 15,4 Prozent ihrer Mittel an Geisteswissenschaften.

5. Unter diesen Bedingungen wird in der Politikwissenschaft Theorie durch Empirie ersetzt.

6. Aus dem Land der Dichter und Denker ist das Land der Drittmittellangstreckenläufer geworden.

7. Es kommen immer mehr Studenten in die Universität, die Forscher und der Mittelbau sind allerdings mit Drittmittelanträgen beschäftigt und können sich nicht mit ihnen beschäftigen.

8. Forscht man nicht am besten, um Krankheiten zu bekämpfen?

9. Im Wettbewerb mit den Naturwissenschaften um die Anwendbarkeit des Gelernten für die Gesellschaft unterliegen die Geisteswissenschaften in der Öffentlichkeit.

10. Die Macht der Geldgeber zieht sich durch bis in die Nachwuchsförderung.

Fazit: Das verkennt die Aufgaben der Wissenschaft. Denn es geht schließlich nicht nur um Durchökonomisierung und Nützlichkeitsdenken. Sondern um den Geist.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.