1570: Politikwissenschaft heute

„Die Sorge um den Einfluss der Disziplin scheint .. übertrieben. Vor und nach wichtigen Wahlen klären regelmäßig renommierte Parteienforscher in Nachrichtensendungen und Gesprächsrunden über die Hintergründe auf. Auch über mangelndes Interesse bei jungen Menschen kann die Politikwissenschaft nicht klagen. Im Wintersemester 2015/16 waren bundesweit mehr als 30.000 Studenten in dem Fach eingeschrieben – 21 Prozent mehr als noch Ende der Neunzigerjahre. Die Wirtschafstwissenschaft legt derweil um 17 Prozent zu, die Volkswirtschaftslehre um zwölf Prozent, Jura nur um zwei Prozent. Nur die Historiker haben mehr Zulauf als die Politologen: plus 28 Prozent.

Bei all dem darf man eines nicht übersehen: Die Politikwissenschaft ist eine vergleichsweise kleine Forschungsdisziplin. Lediglich 1.540 hauptberufliche Politikwissenschaftler sind an deutschen Universitäten tätig. Bei den Historikern arbeiten doppelt so viele Wissenschaftler, bei den Juristen mehr als dreimal so viel, die Ökonomie ist gar zehn Mal größer. So gesehen, ist die Politikwissenschaft in der Runde vergleichbarer Fächer so etwas wie der kleine Mann. Dafür wirft sie einen erstaunlich großen Schatten.“ (Kim Björn Becker, SZ 22.5.17)

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