5157: „Neue Sachlichkeit“ – aktuell wie je

1925 veranstaltete Gustav Friedrich Hartlaub  in Mannheim die erste Ausstellung zur „Neuen Sachlichkeit“ (Max Beckmann, Otto Dix, George Gross, Christian Schad u.a.). Mit 124 Bildern. Meistens von Männern. 2025 wird das Ganze in Mannheim  rekonstruiert. Mit viel mehr Frauen. Anita Rée, Lotte Laserstein, Jeanne Mammen, Ilona Singer, Kate Dien-Bitt u.a. Gefeiert wurde und wird das neue Gebot der Künstlichkeit. Die dargestellten Menschen erscheinen erschöpft und ernüchtert. „Realistisch“. Die Rekonstruktion kommt in dem Moment, wo wir Jens Biskys „Die Entscheidung“ lesen. Wo die Sehnsucht nach Rationalität (auch und gerade in der Politik) stark ist. Offenbar sind wir noch keinen Schritt weiter als 1925.

Schirmherr Frank-Walter Steinmeier: „Und auch heute können wir daraus lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind: sachlich.“ Schon Hartlaub unterschied 1925 zwischen „Rechten“ und „Linken“. Bei den Nazis wurden die „Rechten“ (Franz Radziwill, Georg Schrimpf, Alexander Kanold) Professoren. Die „Linken“ wie George Grosz mussten emigigrieren. Ihre Werke erschienen 1937 als „entartete Kunst“. Kurt Tucholsky schrieb dazu: „Wir hatten geglaubt, der Zeit entrinnen zu können. Aber man kann das nicht. Sie kommt nach.“ „Gegenwartsüberforderung, Utopieverlust, Emotionskontrolle, Kriegsangst, Spiel mit Identitäten. Das sind die großen Themen der Neuen Sachlichkeit – und das sind großen Themen unserer aktuellen Zwanzigerjahre. Kein Wunder also, dass die wahre Kunst der Stunde hundert Jahre alt ist. Aber vielleicht, so sollten wir als gebrannte Kinder sachlich fragen, könnte statt Kälte auch Wärme eine mögliche Haltung zu den Dingen sein.“ (Florian Illies, Die Zeit 12.12.24)

Comments are closed.