Johannes Willms ist tot, einer der hervorragendsten Journalisten der Bundesrepublik. Er wurde 74 Jahre alt. Er war Redaktionsleiter des ZDF-Magazins „Aspekte“ und ein Anhänger von Karl Poppers Idee der „offenen Gesellschaft“. Ein Feuilletonist und Anti-Spießer. Interesse an Geschichte und Literatur war für ihn selbstverständlich. Mit politischer Korrektheit hielt er sich nicht lange auf, weil er an das Wichtige heranwollte. Willms hat das
„Literarische Quartett“
erfunden, das uns heute noch mit Sigrid Löffler, Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek klar vor Augen steht. Willms machte dadurch Literatur gesellschaftsfähig. Von 1993 bis 2000 war er Feuilleton-Chef der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Populäre Kultur, klassische Rezensionen und poltisches Feuilleton bildeten die soliden Stanbeine der Berichterstattung. Willms hatte wenig Interesse für Ansätze und Methoden, bei ihm standen die Inhalte im Mittelpunkt. Der Frankreich-Kenner hat viele Bücher über unseren westlichen Nachbarn geschrieben und dazu beigetragen, dass das gegenseitige Verständnis stieg (Alexander Gorkow/Nils Minkmar, SZ 13.7.22).