3415: Götz Aly über den Umgang mit Raubgut

Götz Aly hat schon häufiger gegen den Mainstream der Historiker gestanden. In seinem neuen Buch beschäftigt er sich mit deutschem Raubgut aus der Südsee:

Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten. Frankfurt am Main (S. Fischer) 2021, 240 S.; 21 Euro.

Dazu interviewt ihn Ijoma Mangold in der „Zeit“ (12.5.21). Aly sagt:

„Wir verfügen in Berlin über etwa 65.000 Objekte aus der Südsee. Weit überwiegend sind sie auf räuberische oder unredliche Art zu uns gelangt. Das Luf-Boot, das einzige, das von Hunderten solcher Boote die Zeit überdauert hat, ist hier in Berlin konserviert. Es ist ein Stück Weltkulturerbe. Mit solchen Schiffen wurde die Südsee vor vielen tausend Jahren, als wir in Europa noch in Höhlen lebten, gezielt erschlossen. Wir haben es mit einer Hochkultur zu tun, davon legt das Boot Zeugnis ab. Die Umstände, unter denen es von einem deutschen Händler beschafft wurde, sind sehr, sehr unschön, sie beruhen auf Krieg, Ausrottung, Menschenverachtung und Rassismus. Aber das Luf-Boot ist nun einmal hier, Kuratoren haben dieses Prachtboot und tausende andere Objekt sorgfältig gepflegt – wir stehen bewundernd und neugierig davor. Was tun? Zunächst sollten wir uns – konkret die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – als Treuhänder und Bewahrer dieser Kulturschätze verstehen. Ich bin unbedingt dafür, dass sie öffentlich gezeigt werden. Ich plädiere aber auch dafür, in den Museen endlich damit zu beginnen, die kolonialen Gewaltgeschichten zu erzählen. Der Betrachter soll mit dem Zwiespalt zwischen jahrtausendealter Hochkultur und moderner Brutalkultur konfrontiert werden. Wie der Staat Papua-Neuguinea auf die Dauer reagiert, das werden wir sehen, aber ich bin dafür, dass wir diesen Staat rückwirkend als Treugeber betrachten und uns nicht als Eigentümer sehen. Wie es dann weitergeht, das ist eine Aufgabe für die nächste Generation. Es sollte nichts übereilt geschehen.“

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