Nirgends geht es der Artenvielfalt so schlecht wie auf Feldern, Wiesen und Äckern. Der Einsatz von Chemie und die extrem intensive Bodenbewirtschaftung macht Vögeln, Wildkräutern, Amphibien und Insekten das Überleben schwer. In den europäischen Agrarlandschaften gebe es nur noch „grüne Wüsten“, warnten kürzlich 2.500 Wissenschaftler in einem Brief an EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen. Wahrscheinlich sei das nur der Vorbote für eine große Aussterbewelle. Grundsätzlich gebe es aber die Chance, bis zur Jahrhundertmitte die 10 Milliarden Menschen zu ernähren und trotzdem die biologische Vielfalt zu erhalten.
„Das, was wir essen und wie es produziert wird, muss sich schnell und einschneidend ändern, um großflächige und schwerwiegende Verluste der Artenvielfalt zu verhindern.“
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass ohne einschneidende Veränderungen der Ernährungssysteme bis zum Jahr 2050 Millionen Quadratkilometer natürlicher Lebensräume verloren gehen könnten.“
„Fast 1.300 Arten werden wahrscheinlich ein Viertel ihres verbleibenden Lebensraums verlieren und Hunderte könnten mindestens die Hälfte verlieren.“
„Am größten werden das Artensterben in Afrika südlich der Sahara und in Teilen Süd- und Mittelamerikas ausfallen.“
Vier Veränderungen bringen Effekte: 1. Ein Übergang der Gesellschaften zu einer gesünderen Ernährung und weniger Fleischkonsum, 2. eine 50-prozentige Verringerung der Lebensmittelverschwendung, 3. die Einführung einer globalen Nutzungsplanung für Agrarflächen, 4. eine Verbesserung der Ernteerträge auf bereits genutzten Flächen. Es gibt große regionale Unterschiede. Eine weitere Ertragssteigerung bei schon sehr intensiv genutzten Regionen wie den USA bringt wenig. Keiner der Ansätze für sich allein ist ausreichend (Thomas Krumenacker, SZ 28.12.20).