In Zeiten einer Pandemie müsste die EU-Kommission Europa aus der Krise steuern. Unter Leitung ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) (gewählt 2019). Aber davon kann keine Rede sein. Nun kritisiert auch noch der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) sie. Er habe große Hoffnungen gehabt, sei nun aber „enttäuscht“, sagte er dem „Spiegel“. „Ich darf mich um die Seenotrettung kümmern und um die Kinder in den Flüchtlingslagern in Griechenland.“ Das seien Aufgaben der EU. Angesichts der häufigen Klagen der EU gegen Mitgliedsstaaten (Österreich, Polen, Ungarn, Deutschland) frage er sich: „Wie soll ein Zusammenwachsen in Europa befördert werden?“ (bub, FAZ 23.5.20)
Wenn wir genauer auf die politische Karriere Ursula von der Leyens schauen, Tochter von Ernst Albrecht (1930-2014), wundern wir uns weniger über die unzureichenden Leistungen der EU-Kommissionspräsidentin. Die 1958 geborene Politikerin galt in der Union zunächst als Hoffnungsträgerin, beinahe als Wunderkind. 1980 hatte sie nach anderen Versuchen (auch in Göttingen) ein Medizinstudium an der Medizinischen Hochschule Hannover aufgenommen. 1986 heiratete sie. Dann das Tamtam mit den sieben (7) Kindern (von 1987 bis 1999). Approbation 1987.
1990 Promotion. Von der sich 2015 herausstellte, dass auf 27 von 62 Seiten Textübernahmen nicht als solche gekennzeichnet waren (43,5 Prozent). Die Ombudsstelle der Medizinischen Hochschule Hannover gelangte 2016 trotzdem zu dem Schluss, dass es sich trotz der Plagiate und der um 20 Prozent fehlerhaften Arbeit um einen minderschweren Fall handelte. Es habe „kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten“ gegeben. Von der Leyen könne ihren Titel behalten. Der Berliner Juraprofessor Gerhard Dannemann zeigte dafür kein Verständis. Von der Leyens Arbeit enthalte 23 Fehlverweise, „bei denen die angegebenen Quellen die zitierten Inhalte gar nicht belegten“ (Wikipedia).
Also: ein Freispruch fünfter Klasse.
Zurückzuführen wahrscheinlich auf das System Röschen (vgl. Peter Dausend/Elisabeth Niejahr: Operation Röschen. Das System von der Leyen. Frankfurt am Main/Campus 2015).
Von 2003 an war Ursula von der Leyen fünf mal Minsterin: 2003-2005 Sozialministerin im Kabinett Wulff in Niedersachsen, 2005-2009 Familienministerin, 2009-2013 Arbeitsministerin, 2013-2018 und 2018-2019 Verteidigungsministerin. Hier drohte sie wegen der „Beraterverträge“ vollständig zu scheitern, als sie die Chance bekam, nach Brüssel zu gehen. Wir vergessen nicht, dass alle ihre Vorgänger im Amt des Verteidigungsministers vorher auch versagt hatten. Darüber hat der Historiker Sönke Neitzel 2017 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (27.8., S. 44) den beachtlichen Artikel „Entfernung von der Truppe. Warum Ursula von der Leyen die Bundeswehr nie verstanden hat.“ geschrieben. Der sagt fast alles.
Erwarten wir von Frau der Leyen also nicht zu viel.