Sein „Stellvertreter“ (1963) brachte ihm den Weltruhm, von dem Rolf Hochhuth wusste, dass er ihn nie wieder erreichen würde. Danach hatte Papst Pius XII. es unterlassen, den italienischen Juden zu helfen, obwohl er von Mordabsicht der Nazis wusste. Hochhuth hatte ausführlich in Rom dafür recherchiert und dabei kundige Informanten gefunden. Nach der gegenwärtigen Forschung im Vatikan (2020) hat der Papst noch andere politische Sünden begangen. Mittlerweile ist der berühmte Autor Rolf Hochhuth im Alter von 89 Jahren gestorben.
Der aus dem Exil zurückgekehrte Erwin Piscator hatte den Stoff für die Bühne präpariert. Der Skandal rief in Deutschland auch große Ablehnung hervor. Aber Hannah Arendt etwa ging ins US-Fernsehen, um dem damals 33-jährigen Autor beizustehen. Hochhuth, der ursprünglich den Bertelsmann-Lesering geleitet hatte, wuchs in seine Rolle als „Skandalnudel“ hinein. So mit den „Soldaten“ (1967) über die Bombardierung deutscher Städte, in dem Winston Churchill den polnischen Ministerpräsidenten Sikorski hat abstürzen lassen, um Stalin den Weg freizumachen.
Hochhuth wurde der Schreiber zahlreicher offener Briefe und bedeutungsloser Gedichte. Er stürzte den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger (CDU) 1978. Der hatte noch nach der Kapitulation 1945 als Marinerichter an Todesurteilen mitgewirkt („Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein.“).
Rolf Hochhuth hat ein großes Verdienst darin, dass er sich für den Hitler-Attentäter Georg Elser eingesetzt hat, einen Einzelgänger, dessen Bombe in München 1938 rechtzeitig detoniert war, nur hatte Hitler den Schauplatz verfrüht verlassen. 2011 wurde das Elser-Denkmal in Berlin aufgestellt.
Rolf Hochhuth hatte nach der Wiedervereinigung das Theater am Schiffbauerdamm von seinem jüdischen Vorbesitzer gekauft, in dem Brechts Berliner Ensemble mustergültige Brecht-Aufführungen inszeniert hatte, Highlights der deutschen Theatergeschichte. Dort wurden dann auch Hochhuth-Stücke aufgeführt (Willi Winkler, SZ 15.5.20).