1056: Entwicklungshilfe hilft nichts gegen Flüchtlingsströme.

Die Flüchtlingswelle nach Europa, hauptsächlich Deutschland, ändert manches. Menschen, die sich noch nie um Entwicklungshilfe gekümmert haben und denen die Menschen „weit hinter der Türkei“ ziemlich gleichgültig waren, entdecken sie jetzt als Allheilmittel gegen den Flüchtlingsstrom. Mit der Zauberformel „die Fluchtursachen bekämpfen“.

Das ist Unfug.

Darüber klärt uns der frisch gekürte Nobelpreisträger für Wirtschaft auf,

Angus Deaton, 69.

Der britische und US-amerikanische Staatsbürger lehrt in Princeton.

In seinem Buch „The Great Escape“ (2013) demonstriert Deaton, dass es ein Mittel gibt, das am besten gegen Armut hilft: die Migration. Von daher ist es logisch, dass die vernünftigste Politik gegen Armut ist, Migration zuzulassen. „Migranten, denen es gelingt, von armen Ländern in reiche zu ziehen, verbessern ihre eigene Lage, und das Geld, das sie überweisen, hilft ihrer Familie, sich zu Hause besser zu stellen.“ Die Empfänger dieses Geldes bekämen mehr Macht dazu, ihre Regierung zu Verbesserungen zu zwingen.

Die Entwicklungshilfe könne tatsächlich einem autokratischen Regime helfen, an der Macht zu bleiben oder sich zu bereichern. Ihre Mittel kämen bei weitem nicht immer an der richtigen Stelle an. „Wenn die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung gegeben sind, ist Hilfe nicht notwendig.“ „Wenn die Voraussetzungen vor Ort aber entwicklungsfeindlich sind, dann bringt Entwicklungshilfe nichts, und sie kann sogar schädlich sein, wenn sie dazu beiträgt, dass diese Bedingungen weiter bestehen.“

Der überzeugendste Beleg für Deatons These sind die afrikanischen Staaten von Mitte der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre. In dieser Zeit wuchs die Entwicklungshilfe überproportional an, gleichzeitig sank das ohnehin schwache Wachstum auf Null. Nach Ende des kalten Kriegs wurde die Entwicklungshilfe zurückgefahren. Prompt stiegen die Wachstumsraten in Afrika wie noch nie vorher.

Deaton schlägt nicht vor, die Entwicklungshilfe abzuschaffen. „Eine hilfreiche Art der temporären Migration ist es, dass der Westen Stipendien anbietet für Studenten, insbesondere afrikanische.“ Im Idealfall gingen diese in ihre Heimat zurück und hülfen ihren Staaten. Gerade im Kriegsfall gäbe es keine humanere und effektivere Lösung für Flüchtlinge, als sie im Westen aufzunehmen.

Ob das dem Westen selber nützt, darüber sagt Deaton nichts (Ralph Bollmann und Lisa Nienhaus, FAS 18.10.15).

 

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