Angesichts der weltumspannenden Corona-Pandemie hören wir gegenwärtig viel dummes Geschwätz. Aber nicht von allen. So etwa nicht von Michel Houellebecq, dem französischen Schriftsteller. In der FAS (10.5.20) ist ein kurzer Aufsatz von ihm erschienen: „Die Zukunft nach Corona“ (übersetzt von Annabelle Hirsch). Houellebecq schreibt:
„Zuerst einmal glaube ich keine halbe Sekunde an Aussagen wie ‚Nichts wird je mehr sein wie zuvor.‘ Im Gegenteil, alles wird genau gleich bleiben. Die Entwicklung dieser Epidemie ist sogar auf bemerkenswerte Weise normal. Der Westen ist nicht für die Ewigkeit, nicht durch Gottes Gnaden die reichste und am besten entwickelte Zone der Welt. Das alles ist vorbei, schon seit einer Weile, das ist kein Scoop. Wenn man es im Detail analysiert, kommt Frankreich sogar ein bisschen besser weg als Spanien und Italien, aber schlechter als Deutschland; auch das ist keine große Überraschung. Das Coronavirus dürfte ganz im Gegenteil einen Wandel, der schon im Gange ist, beschleunigen.
…
Wir werden nach dieser Ausgangssperre nicht in einer neuen Welt aufwachen. Es wird dieselbe sein, nur in etwas schlimmer.“
Wer mehr über Michel Houellebecq wissen will, kann mit Gewinn lesen:
Julia Encke: Wer ist Michel Houellebecq? Porträt eines Provokateurs. Berlin (Rowohlt) 2018, 255 Seiten.