Zur gegenwärtigen Krise wird die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock vom Chefredakteure der „Welt“, Ulf Poschardt, befragt (21.3.20).
Welt: Wie bewerten Sie das „Whatever it takes“ der Bundesregierung bei dem Versuch, die abrutschende Wirtschaft zu stabilisieren?
Baerbok: Als total richtig. Es droht uns eine Wirtschaftskrise, die über die Finanzkrise 2008/2009 hinausgeht. Das betrifft dann alle: Unternehmen, Beschäftigte, die komplette staatliche und soziale Infrastruktur. Gut, wenn da jetzt ideologische Scheuklappen abgelegt werden, etwa das Klammern an die schwarze Null. …
Welt: Wie lange hält dieses Land und diese Gesellschaft diesen Ausnahmezustand aus?
Baerbock: Ausnahme muss Ausnahme bleiben. Ich sehe nicht, wie wir monatelang Schulen und Kitas schließen und die Produktion komplett einstellen können. Wir müssen auch die ökonomischen, soziokulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen immer wieder im Blick haben. Die jetzigen, absolut notwendigen Maßnahmen müssen natürlich voll greifen, nach einer Zeit aber immer wieder neu bewertet und abgewogen werden. Neben dem akuten Handeln müssen wir uns auch Gedanken machen, wie wir einen
Wiedereinstieg
schaffen. Das wird nicht leicht, aber dauerhaft hält die Gesellschaft diesen Zustand nicht aus.
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