2759: Wie mit China umgehen?

Der ehemalige Bundesaußenminister Joseph (Joschka) Fischer beantwortet Fragen von Marc Brost und Xifan Yang (Die Zeit 5.3.20).

Zeit: Wie soll der Westen mit China umgehen?

Fischer: Darauf gibt es keine einfache Antwort. Selbstbewusst kooperieren und keine Unterwerfung. Ich frage die Amerikaner immer wieder: Erst habt ihr China mit zu dem gemacht, was es heute ist, jetzt wollt ihr Chinas Aufstieg stoppen. Habt ihr bewusst einen strategischen Rivalen gefördert? Was war denn euer Plan?

Zeit: Was hören Sie darauf?

Fischer: Nichts. Unabhängig von der politischen Couleur. Die Amerikaner hatten keinen Plan. Ich erinnere mich an ein Treffen mit amerikanischen Wirtschaftsvertretern in New York in meiner Zeit als Minister. Republikaner rechneten mir damals vor, was den USA der Export von Industriearbeitsplätzen nach China bringen würde. China ein strategischer Rivale? Nie im Leben, sagten sie. Heute beklagen die Republikaner den Verlust dieser Arbeitsplätze. Wie viel Kapital die Amerikaner in China investiert haben, wird kaum erwähnt. Oder dass Banken wie Goldman Sachs die wirtschaftliche Transformation in China vorangetrieben haben.

Zeit: Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines chinesisch-amerikanischen Großkonflikts ein?

Fischer: Beide Seiten haben kein Interesse daran. Dennoch wird die Rivalität um Technologiedominanz den einheitlichen Weltmarkt beenden, fürchte ich. Deutsche Unternehmen werden zu Loyalitätsbekundungen in die eine oder andere Richtung gezwungen werden. Die Wertschöpfungsketten werden nicht mehr wie bisher funktionieren. Für Europa wird die Situation alles andere als einfach.

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