1933 musste der jüdische Arztsohn mit seinen Eltern nach Frankreich emigrieren. Er fühlte sich bald als Franzose. Er studierte Germanistik und ging in den Untergrund. Nach 1945 widmete er sein Berufsleben der deutsch-französischen Aussöhnung. Ab 1956 am Pariser Institut Sciences Po, das er später zwanzig Jahre leitete. Schon in seinem ersten Buch 1953 unterstrich er, dass die Deutschen nicht nur aus Nazis bestanden hatten, sondern auch aus Antifaschisten, Exilanten, Widerstandskämpfern und Opfern. Dabei war Grosser in seinen Aussagen stets völlig klar und unmissverständlich. Der überzeugte Europäer kritisierte Israels Regierung wegen ihrer völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik. In seinen Memoiren bezeichnete er sich als gar nicht unglücklichen Sisyphus. Im Gegensatz zu Albert Camus betonte er, dass der Stein nie ganz bis unten zurückrolle. Alfred Grosser wird heute 95 Jahre alt (Joseph Haniman, SZ 31.1.20).