Den 48.000 Professoren an deutschen Universitäten stehen 300.000 Menschen gegenüber, die das Statistische Bundesamt als Doktoranden und wissenschaftliches Personal erfasst. 93 Prozent von ihnen sind befristet beschäftigt. Etwa die Hälfte dieser Arbeitsverträge läuft weniger als ein Jahr. Folgen kann darauf eine Projektverlängerung, ein Anschlussvertrag, Elternzeit. Auf eine Lebenszeit-Professur gelangen die Berufenen im Durchschnitt erst mit 42 Jahren. Eine höchst fragile Konstruktion. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ganz anders sehen das die Universitäten. In einer „Bayreuther Erklärung“ fordern sie das Bekenntnis zu befristeten Arbeitsverträgen.
Und so klar es ist, dass nicht alle Nachwuchswissenschaftler Professoren und Beamte auf Lebenszeit werden können, so klar ist es, dass das bisherige System Nachteile hat, der Wissenschaft schadet und ausgesprochen ungerecht ist. Denn mehr als Qualifikation zählt die Protektion. Wir können sagen: die Korruption. Denn die politisch stärksten Institute bzw. deren taktische Zusammenschlüsse setzen sich durch. Sie kungeln. Dabei bleiben manche hochqualifizierten Nachwuchswissenschaftler auf der Strecke.
Das empfinden viele von ihnen als Hohn. Sie werden zur gesellschaftlichen Elite gezählt, ihre berufliche Situation ist aber prekär. Die Phase bis zur Professur ist eine Art Dauerschwebezustand (Anna-Lena Scholz, Die Zeit 30.10.19).
Dieser Zustand schadet der Wissenschaft.