2580: Grünen-Parteitag: Glaubenskrieg um Homöopathie ?

Die Grünen eilen von Sieg zu Sieg. Manche werden das für unverdient halten, andere für verdient. Ich glaube, dass es verdient ist, weil die Grünen seit Jahrzehnten nachvollziehbar ihren ökologischen Linien folgen. Natürlich gibt es außerhalb davon ebenso wichtige Politikfelder: Außenpolitik, Sicherheitspolitik (äußere und innere), Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, Bildungspolitik, Hochschulpolitik usw. Die gezielt behutsame Führung der Grünen hat den Nachteil, dass man manchmal nicht so genau weiß, was die Grünen überhaupt wollen. Es kann sogar sein, dass der eine oder andere deswegen die Grünen nicht wählt, weil es dort zu viele Altkommunisten gibt, die gerne mit den Linken zusammen arbeiten. Wie demnächst in Thüringen.

Nun droht auf dem Parteitag im November ein Glaubenskrieg um die Homöopathie. Manche Mitglieder halten sie für teuren Humbug (Hokuspokus). Sie machen darauf aufmerksam, dass die Grünen doch stets auf die Wissenschaft verweisen, wenn sie gegen Klimaleugner argumentieren. Und dass die Grünen sich grundsätzlich klar gegen Esoterik und Wissenschaftsfeindlichkeit positionieren. Vor allem gegen die Erstattung der Homöopathie durch die Krankenkassen wendet sich der Hauptzweig der Grünen. Und tatsächlich: wenn jemand seinen Hokuspokus selbst bezahlt, darf er machen, was er will.

Traurigerweise gibt es bei den Grünen eine starke Strömung, welche die Homöopathie verteidigt. Sie befürwortet ein breites Therapieangebot, das auch Naturheilkunde und Komplementärmedizin umfasst. Sie will gemeinsame Therapien aus Naturheilkunde und Schulmedizin stärker erforschen lassen. Die Grünen-Bundestagsfraktion hat sich erst kürzlich ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass sich Menschen für verschiedene Wege in der Therapie entscheiden können. Und erst vor kurzem hat die Grünen-Bundestagsfraktion eine Impfpflicht gegen Masern beschlossen. Viele Grünen-Wähler schwören auf die Produkte der Demeter-Bauern, die Böden dadurch vitalisieren, indem sie Rindermist in Kuhhörner stopfen und vergraben.

Hilfe bekommen die Grünen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der darauf verweist, dass für Arzneien jährlich 40 Milliarden Euro ausgegeben werden und nur 20 Millionen für Homöopathie. Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner arbeitet gegenwärtig hinter den Kulissen daran, Homöopathie-Befürworter und -Gegner zu versöhnen. Die Bundesspitze hat Angst vor einem schweren Konflikt. „Es muss eine Lösung geben, die die wissenschaftlich und rational denkenden Menschen nicht vor den Kopf stößt.“ (Ulrich Schulte, taz 14.10.19)

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