Vor einem Jahr wurde der saudi-arabische Publizist
Jamal Kashoggi
im Konsulat seines Landes in Istanbul ermordet. Der Mord „war von langer Hand geplant – und es gibt stichhaltige Beweise dafür, dass der Staat Saudi-Arabien dafür die Verantwortung trägt, insbesondere Kronprinz Mohammed bin Salman“ (Dunja Ramadan, SZ 2./3.10.19).
Kashoggi arbeitete daran, die weithin uninformierten arabischen Menschen über die Politik ihrer Länder ins Bild zu setzen, es fehlt dort vollständig an
Meinungsfreiheit.
Deswegen galt er der saudischen Führung als „Volksverräter“, sie denunzierte ihn als Interessenvertreter der schärfsten Gegner Saudi Arabiens: Iran, Katar und der Muslimbrüder. Da kommt man leicht zu Tode. Und, ob wir es wollen oder nicht, der Westen trägt das Verhalten der Saudis mit. Auch wenn Saudi Arabien seine führende Rolle in der Ölversorgung der Welt verloren hat. Insbesondere die USA unter Donald Trump. Europa schaut – wieder einmal – zu. Die Bundesregierung hat zwar einen „Rüstungsexport-Stopp“ (eine insgesamt politisch sehr fragwürdige Maßnahme) erlassen, tut aber zu wenig dafür, dass die arabische Welt demokratisiert und zivilisiert wird (übrigens: die Hauptgegner der Saudis, die iranischen Mullahs, sind auch nicht besser, sie unterstützen den syrischen Potentaten Assad, eine Bürgerkriegspartei im Jemen und bekämpfen Israel). Die arabische Zivilgesellschaft schreit nach Hilfe, nach Sanktionierung von Menschenrechtsverletzungen. Die Zivilgesellschaft in der Region hört vom Westen die zynische Botschaft, sie setze sich zwar wie wir für die Menschenrechte ein, aber bei ihrer Durchsetzung könnten wir ihr leider nicht helfen.
Das ist moralisch unmöglich.