2495: Der immerwährende Antisemitismus

1. Jüdische Einrichtungen (Synagogen, Kindergärten, Bibliotheken usw.) in Deutschland bedürfen des permanenten Schutzes durch die Polizei und Sicherheitskräfte.

2. Ein angstfreies jüdisches Leben in Deutschland (teilweise auch in Westeuropa) gibt es nicht.

3. Vor der Bar-Mizwa-Party stehen Wachleute. Wie die in Kopenhagen 2015, die dann von einem Attentäter überwältigt wurden. Vor jüdischen Schulen stehen Wachleute, wie jene in Toulouse 2012, die doch den Anschlag nicht verhindern konnten.

4. Die Sicherheitskräfte sind erforderlich, weil die Gefährdungsanalysen das ergeben.

5. Und es handelt sich nicht um einen neuen Antisemitismus, der plötzlich erstarkt ist. Der Antisemitismus war immer da, (und er bleibt vermutlich).

6. Für Juden in Deutschland gibt es insofern keine Normalität und Ruhe.

7. Zusätzlich haben neuerdings Verschwörungstheorien Konjunktur. Da passt der Antisemitismus bestens hinein.

8. „Je mehr die Rechten dies zelebrieren, desto mehr fühlen sich auch muslimisch geprägte Antisemiten ermutigt, damit nicht hinter dem Berg zu halten.“ (Ronen Steinke, SZ 9.8.19)

9. Alle zwei Wochen gibt es einen Anschlag auf einen jüdischen  Friedhof in Deutschland (= Ergebnis einer parlamentarischen Anfrage von Petra Pau/Linke).

10. „Judentum in Deutschland, das ist Relgionsausübung im Belagerungszustand“.

11. Das wäre für jeden Staat eine Schande. Besonders aber für die Bundesrepublik, die sich als Antithese zum Nationalsozialismus konstituiert hat.

12. Das jüdische Leben in Deutschland ist manchmal sehr lebendig. Von ultrakonservativ bis queer.

13. Danach verschwindet die Kipa in der Hosentasche oder unter der Baseballmütze.

14. Dass gerade wieder ein Rabbiner bespuckt worden ist, geschah in München in bester Lage.

15. Symptomatisch ist es, dass der Bundesantisemitismusbeauftragte meinte, Juden täten sich keinen Gefallen damit, wenn sie sich mit Kipa zeigten.

16. Manche Synagogen verzichten auf Türschilder, manche verheimlichen auf ihrer Website ihre Adresse. Die Anschrift gibt es nur auf Anfrage.

17. Jüdische Mitgliedszeitschriften werden im neutralen, blickdichten Umschlag versandt.

18. „Antisemitismus ist das Vorurteil, dass Juden einen schlechten Charakter hätten, verschlagen, illoyal, egoistisch seien; dass sie es kurz gesagt ‚verdient‘ hätten.“

19. Warum sollte das durch den Besuch in einer KZ-Gedenkstätte anders werden?

20. „Was hilft, sind nur Begegnungen mit real existierenden heutigen Juden, die in Wahrheit so nett, witzig oder auch langweilig sind wie andere auch.“

(Ronen Steinke, SZ 9.8.19)

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